Donnerstag, 2. Juli 2026

[Schnipseltime] Götterdimension - Schatten von Troja von Ava Cooper


 

»Hierher wollte ich mit dir, um zu schwimmen.«

»Mit all der Kleidung?« Ich blicke skeptisch auf meine üppigen Stofflagen. »Oder meinst du – nackt?«

Er hebt die Schultern. »Warum nicht? Außer uns ist niemand in dieser Bucht. Und das wird auch so bleiben, denn die Insel Hyperborea ist den Göttern vorbehalten.«

»Aber ... du bist hier.« Verlegen schaue ich ihn an.

»Du wärst nicht die erste Frau, die ich ohne Kleidung gesehen habe.« Um seine Mundwinkel zuckt es.

Das glaube ich ihm sofort. Der Sonnengott hat nicht unbedingt den Ruf, ein Kostverächter zu sein. Auch wenn er nicht so schlimm sein soll wie sein Vater oder Poseidon. Außerdem wirkt es nicht so, als wolle er unser Bad als Auftakt zu einer Verführung inszenieren. Vielmehr scheint es für ihn ganz natürlich zu sein, dass wir uns voreinander entkleiden.

»Na, komm. Du wirst sehen: Das Wasser ist herrlich.«

Lässig lässt er seine Kleidung hinabgleiten, und mein Mund wird augenblicklich so trocken, dass jeder meiner keuchenden Atemzüge kratzig klingt.

Wer jemals den Ausdruck benutzt hat: Er sieht aus wie ein griechischer Gott, muss an Apollon gedacht haben. Er besitzt eine anbetungswürdige Figur, mit schmalen Hüften, schlanken Beinen und einem muskulösen Oberkörper. Jeder einzelne Muskel ist perfekt definiert.

Wie soll ich mich denn nun selbst ausziehen? Mein menschlicher Körper erscheint mir maximal unzureichend, mit kleinen Dellen am Oberschenkel und Pölsterchen am Bauch. Timo hat mir oft gesagt, ich sollte mehr Sport machen, damit meine Figur straffer wird.

Abwehrend hebe ich die Hände. »Nein, das kann ich nicht.«

Apollon kommt auf mich zu – nackt, in all seiner Perfektion – und meine Verlegenheit wächst ins Unermessliche. »Du bist wunderschön, so wie du bist.«

»Kannst du etwa Gedanken lesen?«

Seine Lippen kräuseln sich. »Das muss ich nicht. Deine unsinnige Scham steht dir ins Gesicht geschrieben. Also los, runter mit der Kleidung. Ich schaue auch nicht hin.«

Schon dreht er sich um und geht mit energischen Schritten auf das blaugrün funkelnde Meer zu. Natürlich ist sein knackiges Hinterteil absolut formvollendet. Einen kleinen Moment lang gestatte ich mir einen Blick auf Apollons Kehrseite, dann ziehe ich hastig meine Kleidung aus.

Schnell folge ich ihm ins Wasser, bemüht, im Nass zu versinken, bevor er meinen Körper betrachten kann. Ich erreiche das Meer in der Sekunde, als er mit einem Hechtsprung in die Fluten gleitet. Ich tauche ebenfalls unter und genieße, wie das warme Wasser mich umspült. Ich mache einige Tauchzüge, bevor ich prustend wieder hochkomme.

Apollon strahlt mich an. »Na, ist das nicht herrlich?«

»Das ist es.« Ich bin dankbar, dass er mich dazu gebracht hat, meine Scham zu überwinden. Es ist berauschend, das Nass zu spüren, ohne störende Kleidung.

»Im Übrigen gibt es nichts, was du verstecken müsstest. Du hast eine wunderbare Figur.«

»Hey!« Ich spritze ihn mit Wasser voll. »Ich dachte, du wolltest nicht hinsehen.«

Ein Lachen steigt in ihm auf. »Nun, es drängt sich in dem klaren Wasser quasi auf.« Er deutet auf unsere Körper, die man mehr als deutlich im Meer erkennen kann.

Doch plötzlich stört es mich nicht länger. Apollon hat mir gesagt, dass ich schön bin, genauso wie ich bin. Und er meint es so, das merke ich an seinem bewundernden Blick. Außerdem hat er bisher das ausgesprochen, was er denkt. Zum ersten Mal gibt mir ein Mann – ein Gott! – das Gefühl, ein Wunder der Natur zu sein. Bei diesem Gedanken stiehlt sich ein albernes Lächeln auf mein Gesicht.

 

[Buchvorstellung einmal anders] Götterdimension - Schatten von Troja von Ava Cooper

 


Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit den Protagonisten Apollon und Mira aus „Götterdimension“ und deren Autorin Ava Cooper.

Hallo, danke, dass ihr heute Zeit habt und für das Buch antwortet. Würdet ihr euch vielleicht gegenseitig beim Interview unterstützen?
Mira (stößt Apollon leicht an): Kannst du das auch ohne die Musen?
Apollon (verdreht die Augen): Ich bin sehr selbstständig. Zumindest für einen Gott …
Ava (schüttelt den Kopf): O je, das geht ja gut los. Aber keine Bange, Claudia, eigentlich sind die zwei ganz harmlos. Wobei – man sollte Apollon nicht verärgern. Das haben in der Geschichte ein paar gemacht und für diese Personen ging es nie gut aus…
Apollon: Das war früher. Heute bin ich beherrschter.
Es wäre schön, wenn ihr euch meinen Lesern vorstellen könntet.
Apollon (deutet auf Mira): Die Dame zuerst natürlich.
Mira: Danke, dann lege ich mal los. Also, ich heiße Mira Sommer und ich lebe im Köln des 22. Jahrhunderts. Zumindest am Anfang. Aber dann darf ich als erste Journalistin der Welt ein Dimensionenportal benutzen. Erst habe ich gedacht, dass ist ein Witz – aber dann habe ich gemerkt. Es ist real. Alles!
Apollon: Und die Moiren führten sie zu mir- das nennt man eine wahrlich glückliche Fügung, oder? Immerhin bin ich der Gott des Lichts, der Künste, der Heilung und der Prophezeiung. Ich verkörpere Harmonie und Inspiration – und ich würde mal sagen, das sieht man mir auch an, oder? (Sein Lächeln ist einee Mischung aus Arroganz und Übermut.)
Ava (seufzt leise): Wie gut, dass er nicht eingebildet ist … Was habe ich mir nur dabei gedacht? Aber er hat das Herz trotzdem am rechten Fleck – dafür habe ich als gesorgt. Wer es noch nicht erraten hat: Ich bin Ava, die Autorin, und ich liebe es, mir Geschichten auszudenken. Besonders wohl fühle ich mich in der Fantasy, aber ich schreibe auch sehr gerne Romance. Hauptsache, ein spannender Plot und jede Menge Knistern zwischen den Zeilen.
Beschreibt uns das Buch in möglichst wenig Sätzen.
Ava: Wie Apollon und Mira schon erzählt haben, spielt die Story in der näheren Zukunft (konkret im 22. Jahrhundert), in der durch eine Art Wurmloch ein Tor zur Götterdimension geschaffen wird. Mira besucht die Götter der griechischen Antike und stößt auf Apollon – der wie vom Donner gerührt ist, weil sie aussieht wie die trojanische Prinzessin Kassandra, die seine Liebe verschmäht hat. Er beschließt, sich an Mira zu rächen, indem er sie in sich verliebt macht. Allerdings hat er nicht damit gerechnet, dass sie ganz anders als die trojanische Prinzessin ist. Denn Mira strebt weder nach Macht noch Ruhm, vielmehr sind sie in Apollon den Mann und nicht gegen den Gott. Und der kann manchmal ganz schön süß sein. Während Apollon ihr seine Welt zeigt und beide gegen ihre Gefühle ankämpfen, wird Mira langsam, aber sicher in den trojanischen Krieg hineingezogen. Dabei verwebe ich die wichtigsten Stationen des letzten Kriegsjahres mit der Geschichte von Mira und Apollon, habe mir aber eine autarke eigene Handlung ausgedacht. Diesen Mix finde ich ziemlich spannend.
Macht es dir Spaß, deine Protagonisten ein wenig zu quälen? Sie in Situationen hineinzuwerfen, die schwierig sind? Warum nicht einfach und schön? Müssen Gefahren und Stolpersteine immer sein?
Ava (hebt entschuldigend die Hände): Hey, das wollen die Lesenden doch. Stell dir mal vor, die beiden würden die ganze Zeit nur über den Olymp latschen, sich in heißen Quellen aalen, berühmte Bauwerke ansehen und gemütlich etwas essen und leckere Weine trinken? Dabei keine Intrigen, keine Angriffe, noch nicht einmal ein einziger Streit?
Mira: Ich finde, das klingt eigentlich ganz gut … (Seufzt leise.)
Apollon (nimmt sie in den Arm): Sei ehrlich, das wäre dir doch viel zu langweilig gewesen.
Habt ihr eine Lieblingsstelle im Buch, die ihr den Lesern des Blogs gerne vorstellen würdet?
Apollon: Ich mag diese Szene, weil sie so viel von Miras Wesen zeigt – und ich war so frei, sie in meine Perspektive umzuändern:
Mira streicht mit den Fingerspitzen über eine schmale goldene Halskette, in deren Mitte sich eine Sonnenscheibe befindet. »Diese Kette gefällt mir.«
Verwirrt runzle ich die Stirn. »Bist du sicher, dass du das möchtest? Das ist nicht besonders wertvoll. Wie wäre es zum Beispiel damit?« Ich halte ein Collier in die Höhe, das aus mehreren Lagen besteht, in die Smaragde, so groß wie Wachteleier, eingearbeitet sind. »Das würde hervorragend an dir aussehen. Die Steine passen gut zu deinen Augen. Sie haben fast genau dieselbe Farbe.« Ich lasse meinen Blick zwischen der Kette und ihrem Gesicht und her schweifen.
Sie wird sofort knallrot. »Die Kette ist beeindruckend, einer Königin würdig. Aber wann soll ich so etwas jemals anlegen? Dazu habe ich keine Gelegenheit. Diese Kette kann ich immer unter einem T-Shirt tragen und dabei an meine Begegnung mit einem Gott denken. Eine ständige Erinnerung.«
Mira (grinst ihn an): Den Teil, wo du den armen Händler fast um seinen Lohn betrogen hättest, lässt du natürlich aus. Aber ich mag diese Szene auch sehr. Außerdem gefällt mir das hier, weil Apollon da zum ersten Mal seine weiche Seite gezeigt hat. Wir haben über den trojanischen Krieg und den Auslöser gesprochen:
So ist es also zu diesem Krieg gekommen. Welch eine Tragik. Und welch eine Story! »Der Mythos von Helena und Paris fasziniert bei uns alle. Unsere Leserinnen und Leser wären begeistert, wenn ich darüber schreibe. Ich möchte verstehen, was ihre Liebe so besonders macht – so absolut.«
Prüfend sieht er mich an. »Ihr Menschen und euer Drang, euch verlieben zu wollen. Wie schade, dass meist nichts Gutes dabei herauskommt.« Trauer erscheint auf seinen Zügen. Wie menschlich er dadurch wieder wirkt. So weich und verletzlich. Ja, er hat gelitten. Er weiß, wie schlimm es ist, jemanden zu verlieren, der einem alles bedeutet hat.
Wie viel echte Ava steckt in dem Buch oder in dem ein oder anderen Charakter?
Ava: Alle meine Figuren habe einiges von mir mitbekommen. Aber Mira hat besonders viel von mir, weil ich ja auch gelernte Journalistin bin. Auch vom Wesen her kann sie ihre Abstammung nicht leugnen – immer geradeheraus und bloß nicht devot sein. Noch nicht einmal vor griechischen Göttern. Wieso auch? Wann haben die schon jemals jemanden bestraft 🤣
Wie würdet ihr als Hauptcharaktere eure Autorin beschreiben?
Mira (mustert Ava mit gerunzelter Stirn, dreht sich wieder zu Claudia): Puh, naja – wie drücke ich es höflich aus? Ava kann schon echt knüppelhart sein. Die hat keine Aktien damit, ihre Figuren zu foltern oder auch mal sterben zu lassen. Manche schmerzliche Tote folgen der Ilias, da hatte sie wenig Spielraum. Bis zu einem gewissen Grad hält sie sich an die Überlieferungen. Aber da gibt es so ein paar andere Szenen, wo ich mich frage: Musste das sein?
Apollon (nickt ernst): Letztlich sind alle Wege sind festgeschrieben, die Moiren bestimmen unsere Schicksale. Oder in diesem Fall Ava und die Moiren zusammen – tödliche Mischung … Allerdings schenkt sie uns immer wieder neue Hoffnung. Kein Opfer, ohne dass wir etwas dazu gewinnen. Und sie arbeitet immer wieder gefühlvolle Szenen hinein, bei denen wir Kraft tanken können.
Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattet ihr zwei vielleicht sogar Mitspracherecht?
Mira: Das kam im Verlauf der Geschichte: Ich betrete Apollons Welt ja durch ein Dimensionenportal, weil die göttliche Welt eine andere Dimension ist. Nämlich die Götterdimension. Der Untertitel „Schatten von Troja“ deutet an, dass es dabei auch um den Trojanischen Krieg geht.
Apollon: Der Arbeitstitel war übrigens Götterdämmerung, wobei das ja wohl Assoziationen zu anderen Göttern weckt. Das habe ich irgendwann einmal dezent angemerkt. Und Ava hat sofort eingesehen, dass ich Recht habe. Natürlich. Ich bin schließlich auch der Gott der Künste.
Ava (leicht gereizt): Hey, das wusste ich vorher schon. Aber das klang halt griffig. Und ein Arbeitstitel muss nicht hundertprozentig sein, Mr. Gott der Künste.
Seid ihr zu 100% mit dem Cover zufrieden oder hättet ihr nachträglich noch etwas ändern wollen?
Apollon: Ich finde, es symbolisiert sehr gut, worum es geht – die wunderbare Zeit der griechischen Antike. Wobei ich ja finde, es hätte ruhig eine Statue von mir darauf sein können …
Mira (knufft ihn lachend): Götter und ihre Egos! Also, ich finde es wunderschön so. Und ich hoffe, dass es den Lesenden auch gefällt.
Ava: Danke, Mira. Ich liebe das Cover auch sehr!
Wisst ihr, was mich noch interessieren würde? Euer jeweiliges Lieblingszitat aus dem Buch.
Mira (mit strahlenden Augen): Ich bin eine hoffnungslose Romantikerin, deswegen ist mein schönstes Zitat diese Stelle: »Ich liebe dich, Mira Sommer. Mit jeder Faser meines Seins. Du bist wärmer als die Sonne, tiefer als das Meer und reiner als das Licht. Du bist wie Ambrosia für meine Seele. Mein unsterbliches Leben ist nichts wert, wenn ich es nicht mit dir teilen kann.«
Apollon (lächelt weich und haucht ihr einen Kuss auf die Stirn): So ist es auch, omorfiá mou – meine Schönste. Mir gefällt es am besten, wie Mira meinem Vater Paroli geboten hat, als er sie gefragt hat, wieso sie glaubt, der Liebe eines Gottes würdig zu sein: »Er hätte jede Frau auswählen können und hat sich für mich entschieden. Für diese Gnade werde ich immer dankbar sein, denn nichts lässt sich damit vergleichen, von einem Gott geliebt zu werden.«
Vielen Dank für das Gespräch