Freitag, 31. Juli 2026

[Buchvorstellung einmal anders] Kill my Pain - Dunkle Seelenverwandte von Ivy Lang


 

Buchvorstellung einmal anders

Nach dem Autoreninterview drückt mir Ivy ihren Kindle in die Hand und verlässt einfach das Zimmer. Da mir das schon öfter passiert ist in letzter Zeit, erahne ich, was da kommen wird.

Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das Buch der Autorin „Kill my Pain – dunkle Seelenverwandte“, um schon ein bisschen hineinzulesen. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Jetzt ist sie weg, dann interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«

Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben der Autorin am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. Doch da kommt die Autorin wieder in den Raum und setzt sich zu uns.

Wollen wir das Interview nun zu dritt machen?
Buch: Klar, gerne. Legen wir los.
Hallo, danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um mit mir zu reden.
Buch: Endlich darf ich auch mal zu Wort kommen. Ivy hat Euch ja schon viel erzählt.
Kannst du dich als Buch meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?
Buch: Ich entstand aus einer eigentlich viel düsteren Idee – einer sehr toxischen Geschichte, die Ivy mal ausprobieren wollte. Aber sie hat sich dann dazu entschlossen, nicht dem Trend zu folgen und die Romance immer krasser zu erzählen. In mir begegnen sich zwei völlig unterschiedliche Menschen auf Augenhöhe. Die Protagonistin Sophie ist eine Frau des Gesetzes, die durch den Mord an ihrem Vater komplett aus der Bahn geworfen wird. Sie lässt sich mit einem kriminellen Mann fürs Grobe (Cent) ein, um den Mörder zu finden, weil sie sich rächen will. Diese dunkle Seite an ihr bricht hervor, während der Cent ihr irgendwann einfach nur helfen will. Sie sind wirklich „dunkle Seelenverwandte“.
In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da du ja auch viel mit der Autorin zusammenarbeiten musst, kannst du uns vielleicht beantworten, ob es ihm leichter fällt sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen? Siehst du es als Autorin genau so?
Buch: Ivy schreibt am liebsten Dialoge, glaube ich. Kommt von Drehbuch schreiben, was sie früher gemacht hat. Sie schreibt schon gerne düstere Settings. Am schwierigsten waren wohl die Kampfszenen.
Ivy: Oh, ja. Dazu habe ich mir sogar Fachliteratur besorgt. (Ich empfehle hier „Fight.Write.“ von Karla Hoch). Abgesehen davon gibt es eigentlich keine Situation, bei der besondere Schwierigkeiten habe beim Schreiben. Wenn ich mal im Flow bin, dann geht es einfach. In diesem Roman allerdings hatte ich ein Problem. Die Protagonisten reden nicht viel bzw. teilen sich viel mit Blicken und non-verbalen Ausdrücken mit. Das war im Lektorat die Hölle, die ganzen Wortwiederholungen wie „schaute“, „blickte“, „Augen“ etc. auszumerzen.
Buch: Stimmt. Das war ein ganz schöner Krampf.
Habt ihr eine Lieblingsstelle, die ihr uns gerne vorstellen würdet?
Buch: Meine Lieblingsstelle ist Sophies und Cents erste Begegnung. Sie hält ihn zunächst für den Mörder und vereinbart ein Treffen unter dem Vorwand, ihm einen Auftrag geben zu wollen. Sie treffen sich spät abends in einer Kirche, die wegen Renovierungen gerade geschlossen ist. Sophie hat irgendwie einen Plan, der praktisch voll in Hose geht, sie konfrontiert ihn, aber Cent lässt sie gehen. Er ist gar nicht der Mörder ihres Vaters und auch nicht so bösartig, dass er ihr etwas antun würde. Diese Erkenntnis verstört Sophie erst einmal total. Ein super Auftakt für das, was noch folgt – sie wird Cent noch ganz anders kennenlernen.
Ivy: Ich mag die Szene auch sehr. Meine persönliche Lieblingsszene ist aber eine andere – eine, die gar nicht so wichtig erscheint. Als Sophie mit Cent die Beweise, die sie gesammelt haben, bespricht und er ihr sagt, dass es allein ihre Entscheidung ist, was sie damit macht. Er sagt ihr klar, was es für Konsequenzen haben wird, wenn sie alles an die Polizei gibt. Später sagt er ihr auch, was es bedeutet, Rache zu üben. Doch er hält sie nie von irgendwas ab. Er ist für sie da, aber lässt sie ihre Entscheidungen treffen.
Weißt du wie viel Ivy tatsächlich in dir oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt? Hast du dazu noch etwas hinzuzufügen oder stimmst du deinem Buch zu?
Buch: Sophie trägt sehr viel von Ivys Perfektionismus in sich. Dieses niemals wirkliche Zufriedensein.
Ivy: Ja, das stimmt schon. Nur ist es bei Sophie noch viel ausgeprägter, fast schon auf die Spitze getrieben.
Wie würdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autorin beschreiben?
Buch: Sophie ist – wie gesagt – sehr perfektionistisch und ehrgeizig. Sie wirkt auch immer super kontrolliert.
Ivy: Eine Leserin hat mir mal gesagt, Sophie würde zum Lachen in den Keller gehen. Das passt sehr gut. Auf der anderen Seite, macht sie ja auch ganz schön was mit.
Buch: Cent liebe ich über alles. Er ist so cool, obwohl er so unnahbar rüberkommt. Sein düsterer Aufzug, ein manly man durch und durch. Er ist so verschlossen, weil er sich aufgrund seiner Vergangenheit als „menschliches Recyclingmaterial“ ansieht. Deshalb arbeitet er allein und möchte sich nicht zu sehr auf zwischenmenschliches einlassen.
Ivy: Ich habe auch einen Crush auf Cent, aber das muss so sein, sonst hätte ich ihn nicht so gut schreiben können. Er verbirgt tiefe Emotionen in sich, aber er tut immer das Richtige.
Buch: Mein liebster Nebencharakter ist Meister Xue. Ich meine, hallo? Ein Kung-Fu-Meister, der Sophie trainiert hat und irgendwie zum Ersatzvater für sie wird.
Ivy: Es mir sehr viel Spaß gemacht, Meister Xue zu schreiben. Er ist immer so ruhig und ganz bei sich, auch weise auf seine Art. Er leitet Sophie immer noch an, obwohl er sie nicht mehr trainiert, zeigt ihr den Weg.
Buch: Sophies Mutter, obwohl sie nur ganz kurz vorkommt, ist auch herrlich. Eine Matrone! Aber, Spaß beiseite: Andy ist ein Schatz, oder?
Ivy: Andy ist eine der Leibwächter von Sophies Vater. Sie und Sophie hatten mal was miteinander. Wahrscheinlich fühlt sich Andy deshalb noch ein bisschen verantwortlich für Sophie, bzw. macht sich Sorgen, als sie von den Racheplänen erfährt.
Buch: Ohne zu viel zu spoilern – ich muss gestehen, ich bin ein bisschen verschossen in Brendan, den anderen Leibwächter von Sophies Vater. Wir sehen ihn ja kämpfen und – meine Güte! – da steigt mein Puls.
Ivy: Ich gestehe offen und gerne, dass ich so einen Bodyguard auch manchmal gerne hätte. Aber… na ja… vielleicht nicht gerade Brendan. Was ist denn eigentlich mit Grace?
Buch: Grace ist toll. Sie hat einen tollen Arc für eine Nebenfigur. Drogenabhängig und ziemlich fertig zu Beginn und dann bessert sich alles für sie. Bei Sophie löst sie zuerst Verurteilung und später Mitleid aus, aber sie zeigt ihr, dass Wunden heilen können.
Ivy: Genau. Sophie sieht, wenn Grace es schafft, dann schafft sie es auch.
Buch: Halt! Wir haben den wichtigsten Nebencharakter vergessen! Mr. Jones, den Kater.
Ivy: Der Streuner, den Cent in seine Obhut nimmt. Ja, er ist tatsächlich nicht ganz unwichtig. Er zeigt, dass Cent ein Herz hat, sorgt ein bisschen für Comic Relief und maunzt im richtigen Moment.
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?
Buch: Frag mich nicht! Ich bin da raus.
Ivy: Ich bin so schlecht im Finden von Titel. Für mich war es einfach ewig lange einfach „Projekt Cent“. Ich habe irgendwann ein paar Ideen für mögliche Titel an den Verlag gesendet und mir gedacht „Die finden schon einen, der passt“. Sie haben tatsächlich den gewählt, den ich als erstes aufgeschrieben habe. Und er passt wirklich perfekt.
Seid ihr zu 100% zufrieden mit dem Cover / Outfit oder würdet ihr nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Buch + Ivy: Wir lieben es!
Zum Abschluss würde mich noch euer Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Buch: „Sie schienen sich gegenseitig auf dem tiefen, dunklen Grund der Seele des anderen einzunisten und die Dunkelheit dort nicht zu fürchten, sondern sie sogar willkommen zu heißen.“ – Das beschreibt die Gefühle zwischen Sophie und Cent einfach so treffend. Sie lernen sich von der dunklen Seite her kennen, aber genau das schweißt sie zusammen.
Ivy: Ja, das ist auch mein Lieblingszitat.
Obwohl es selbst in Autorenkreisen nicht üblich ist, dass das Buch antwortet, bedanke ich mich bei dem Buch: »Danke für das Gespräch, es hat mir großen Spaß gemacht.«
Buch: Danke ebenfalls, dass ich mal zu Wort kommen durfte, auch wenn es ungewohnt ist, so über mich zu plaudern.
Dann wende ich mich der Autorin zu. »Danke dir für den sehr interessanten Tag bei dir und das tolle Interview.«
Ivy: Vielen, lieben Dank für Deine Zeit und Aufmerksamkeit.

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