Sonntag, 29. März 2026

[Buchvorstellung einmal anders] Kurz vor Paris von Agga Kastell


 
Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit den Protagonisten Stinker, Flymo, Meiling und Puck aus „Kurz vor Paris“ und deren Autorin Agga Kastell.

Hallo, danke, dass ihr heute Zeit habt und für das Buch antwortet. Würdet ihr euch vielleicht gegenseitig beim Interview unterstützen?
Flymo (summt begeistert): „Klar, machen wir gerne.“
Meiling (schaut schüchtern hinter ihrem Flügel hervor): „Wir unterstützen uns immer gegenseitig.“
Stinker: „Wir sind froh, wenn wir uns helfen können.“
Ich hatte ein langes Gespräch mit eurer Autorin, deshalb wäre es schön, wenn ihr euch meinen Lesern vorstellen könntet.
„Ich bin Stinker, ein Mensch. Mein bester Freund ist Flymo, eine Fliege und Meiling ist ein Schmetterling und unsere Freundin und Arbeitskollegin.“
Beschreibt uns das Buch in möglichst wenig Sätzen.
Stinker: „Wir sind zum Urlaub nach Frankreich gefahren. Flymo wollte zum Eiffelturm, dem Heiligtum der Fliegen. Meiling liebt die Lavendelfelder. Unterwegs nahmen wir die Wespe Puck als Anhalter mit. Das stellte unser Leben auf den Kopf.“
Macht es dir Spaß, deine Protagonisten ein wenig zu quälen? Sie in Situationen hineinzuwerfen, die schwierig sind? Warum nicht einfach und schön? Müssen Gefahren und Stolpersteine immer sein?
Ich würde das nicht als quälen bezeichnen. Meine Protagonisten müssen unter Hochdruck Entscheidungen treffen und dann die Konsequenzen tragen.
Habt ihr eine Lieblingsstelle im Buch, die ihr den Lesern des Blogs gerne vorstellen würdet?
Die drei sehen sich an und lachen. Stinker: „Es gibt viel Musik, unter anderem durfte Agga einen Text aus Knorkators Liebeslied zitieren. Aber unsere Lieblingsstelle ist ihr beklopptes Fliegenlied.“
Flymo: „Beleidigst du gerade insektoides Kulturgut?“
Meiling: „Nein, tut er nicht. Wir lieben das Lied!“
Wie viel echte Agga steckt in dem Buch oder in dem ein oder anderen Charakter?
KURZ VOR PARIS beschreibt eine Welt, in der durch Zusammenhalt, Freundschaft und Menschlichkeit dem Bösen Einhalt geboten wird. Das wünsche ich mir auch für die Realität.
Wie würdet ihr als Hauptcharaktere eure Autorin beschreiben?
Flymo: „Holt die Zwangsjacke und sperrt sie weg! Da kann sie dann vor sich hin trällern.“
Stinker: „Die Frau ist gemeingefährlich. Wer weiß, was die noch schreibt, wenn man sie lässt.“
Meiling: „Jungs, seid ihr gerade frauenfeindlich? Dann könnt ihr was erleben!“ (Wedelt ihnen Flügelstaub ins Gesicht, bis beide husten und ihre Augen tränen.)
Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattet ihr drei vielleicht sogar Mitspracherecht?
In einem Schreibworkshop bekamen wir Teilnehmer 4 Sätze, zu einem davon sollten wir eine Geschichte schreiben. Mein Satz lautete: Kurz vor Paris hatten wir eine Wespe im Auto. Danke an Amandara vom Verlag Bedey&Thoms, dass sie den Titel übernommen hat.
Seid ihr zu 100% mit dem Cover zufrieden oder hättet ihr nachträglich noch etwas ändern wollen?
Ich bin zu 1000% zufrieden. Enrico von phantasmal images hat das erstklassig umgesetzt. Und der Eiffelturm als Buchschnitt, einfach WOW. Die Versalien! Die Titeleinfassungen! Die Vignetten! Es liegt auf meinem Küchentisch, weil ich mich jedes Mal freue, wenn ich es sehe.
Wisst ihr, was mich noch interessieren würde? Euer jeweiliges Lieblingszitat aus dem Buch.
Meiling: „Da sind wir uns einig. Es ist Flymos Zitat: Wer den Nächsten nicht ehrt, ist der Freundschaft nicht wert.“ (Stinker nickt, Flymo summt.)
Vielen Dank für das Gespräch

(Alle drei winken mit Hand, Gliederfuß und Flügel)

[Autoreninterview] Agga Kastell


Autoreninterview
Agga Kastell

Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Ich neige zu schwarzem Humor und bin auch in unangebrachten Situationen zu multiplen Sarkasmen fähig. Ich bin ungeduldig, aber ausdauernd.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ich habe die Lebensgeschichte meiner Großmutter im 1. Und 2. Weltkrieg aufgeschrieben, bevor sie mir nichts mehr darüber erzählen konnte. Dann habe ich nicht mehr aufgehört mit dem Schreiben.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
KURZ VOR PARIS – eine satirische Dystopie über Freundschaft in Zeiten des Faschismus. MISSION MERLACORNA – eine Herbstlandenovelle über das Erreichen eines gemeinsamen Ziels trotz Gegensätzen.
20 Anthologien, zu denen ich eine Kurzgeschichte beitragen durfte.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Oh ja. Die Idee dazu trage ich schon lange in mir, aber die Ausarbeitung entwickelt sich quälend langsam.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Lesen. Häkelunterricht für Kinder. Joggen. Biertrinken im Biergarten. Serien binchen.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Neil Gaiman Niemalsland
Erin Morgenstern Das sternenlose Meer
Sven Haupt Stille zwischen den Sternen
Stephen King Der schwarze Turm und Duma Key (auf Deutsch: Wahn)
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Ich habe ein Zimmer als Bibliothek eingerichtet, da steht auch mein Schreibtisch – und eine Procrastinationscouch.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Mein Tag fängt abends an, da lege ich mir einen Plan zurecht, was ich am nächsten Tag erledigen möchte. Aufstehen, 1 Stunde Social Media, Arbeiten. Abends: Kontakt mit Freunden, entspannen beim Fernsehen und wenn draußen alles dunkel ist: Ich zitiere Howard Carpendale: „Nachts, wenn alles schläft, solltest du nicht bei mir sein - ich haue in die Tasten.“
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Fantasy – damit kannst du die ausgefallensten Dinge schreiben, du musst es nur gut begründen.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
Tatsächlich hat bisher jedes meiner Bücher ein Zitat auf der Rückseite. „Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Heinzel her.“ Und: „Wer den Nächsten nicht ehrt, ist der Freundschaft nicht wert.“
Ich habe kein Lieblingszitat, aber wenn etwas schiefgeht, singe ich gerne aus einem alten Hans-Albers-Lied: „Beim ersten Mal, da tut’s noch weh, da glaubt man, dass man’s nie verwinden kann. Doch mit der Zeit, so peu-à-peu, gewöhnt man sich daran.“ Gilt besonders für Absagen und Kritiken.
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Schottland. Es ist wild und es ist rau und es ist MAGISCH. Es gibt Whisky, Crannógs, Lochs und viel Geschichte, die nicht vorbei ist.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Ich sehe mir genau an, womit die Kritik zu tun hat: Mit mir? Mit mir kein bisschen, sondern mit dem, der kritisiert? Oder tatsächlich mit dem Buch und seinem Inhalt? Aus inhaltlicher Kritik lerne ich so viel wie möglich.
Warum hast du dich entschieden zu einem Verlag zu gehen und nicht Selfpublisher zu werden?
Cover, Design, Layout, Buchsatz – davon habe ich keine Ahnung. Deshalb bin ich froh, dass sich Verlage für meine Buchthemen interessieren.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
TRAUT EUCH! Was immer ihr schon mal machen wolltet: traut euch mindestens dreimal, bevor ihr aufgebt.

Samstag, 28. März 2026

[Buchvorstellung einmal anders] Ragnamar - Das letzte Wort von Kaja Paulan


 
Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit der Autorin Kaja Paulan, um mit ihr über ihr neuestes Buch „Ragnamar – Das letzte Wort“ zu sprechen.

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um für dein Buch zu antworten.
Sehr gern.
Kannst du uns dein Buch in möglichst wenig Sätzen beschreiben?
Es ist eine düstere Märchenfantasy aus dem Grimmschen Märchenuniversum über Verantwortung, Erinnerung und die Macht der Worte.
Deine Charaktere erleben ja so einiges. Fällt es dir leichter sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Schwierige Situationen fallen mir leichter. In Krisen zeigen Figuren oft deutlicher, wer sie sind, wozu sie in der Lage sind. Bei schönen Momenten bin ich vorsichtiger, weil sie schnell in Kitsch abrutschen können.
Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen würdest?
Meine liebste Stelle ist die, als Mila erkennt, dass man manchmal stärker ist, wenn man loslässt, als wenn man kämpft.
Wie viel echte Kaja steckt in dem Buch oder auch in dem ein oder anderen Charakter?
Ziemlich viel: Meine Fragen, meine Zweifel, meine Haltung zu Verantwortung und Loyalität fließen ein. Auch meine Art, Dinge zu beobachten, findet sich wieder.
Aber meine Figuren treffen Entscheidungen, die ich so wahrscheinlich nie treffen würde. Sie gehen weiter und riskieren mehr. Genau darin liegt ja die Freiheit des Schreibens.
Wie würden dich deine Charaktere beschreiben?
Ehrlich? Ich weiß es nicht. Vielleicht würden sie mich kritisch ansehen. Vielleicht würden sie mich gar nicht mögen, weil ich ihnen so viel zumute. Aber ich hoffe, sie würden respektieren, dass ich sie ernst nehme.
Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert?
Er stand schon relativ lange fest. Da es viel um Märchen, Bücher und Worte geht, habe ich damit den Kreis geschlossen.
Bist du zu 100% zufrieden mit dem Cover oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Ich liebe das Cover sehr.
Zum Abschluss würde mich noch dein Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Da fällt mir die Auswahl wirklich schwer. Ich nehme mal dies: »Ein einziges Wort, tief in deinem Inneren, kann alles Ungerechte hinwegfegen. Es braucht keine magischen Kräfte, keine Waffen, nur den Glauben, dass es die ganze Zeit in dir war, auch wenn du es nicht bemerkt hast. Welches Wort ist das?«
Danke für das Gespräch.

Freitag, 27. März 2026

[Protagonisteninterview] Frederigo aus Der Zorn der Schlange von Barbara Drucker

 


Protagonisteninterview
mit Frederigo



Ich treffe mich heute mit Frederigo aus dem Buch „Der Zorn der Schlange“ von Barbara Drucker.

Hi, schön, dass du heute Zeit findest, ein wenig mit mir über das Buch zu sprechen.
Klar doch. Abwechslungen zur Arbeit in der bischöflichen Kanzlei sind mir immer willkommen.
Wie geht es dir heute?
So gut es einem in einer Soutane eben gehen kann. Was gäbe ich darum, die Morde aufzuklären, aber nein, ich muss den Fürstbischof bespitzeln. Dafür bin ich nicht Schlangenkrieger geworden.
Würdest du dich meinen Lesern vorstellen?
Ich bin Federigo, Nachnamen können wir uns sparen. Ihr könnt mich auch Volpe nennen, das ist mein Kriegername. Meine Kameraden haben mich immer Strega gerufen, das ist italienisch und bedeutet Hexe. Wegen meiner Tarotkarten, verstehst du? Und weil ich meinen Zopf immer schlampig binde. Aber die Meister haben sich für Fuchs entschieden. Angeblich als Anspielung auf meine List, doch ich bin mir ziemlich sicher, dass auch meine Haarfarbe dabei eine Rolle gespielt hat.
Was ist dein höchstes Lebensziel?
Als dritter Sohn eines umbrischen Hufschmieds entwickelst du keine sonderlich hohen Ziele. Ich wollte vor allem weg aus meinem Dorf, hinaus in die Welt und Abenteuer erleben. Hat ja großartig funktioniert, denn jetzt sitze ich hier in Passau fest und Abenteuer dürfen die anderen bestreiten. Insofern kann ich den beiden Attentätern auch noch dankbar sein, wenigstens hatte ich für einen kurzen Moment mein Leben zurück. Von daher also: Meine Mission erfüllen und dann einen aufregenderen Auftrag übernehmen.
Wie kann man sich deinen ganz normalen Alltag vorstellen?
Momentan? Aufstehen zu nachtschlafender Zeit und mit den Mönchen die Stundengebete herunterleiern. Im Kloster essen, dann in die Kanzlei und die Augen nach interessanter Korrespondenz offenhalten. Dienst im Dom, du weißt schon, Messe lesen, Beichte abnehmen. Und mir Kontakte aufbauen, um an Informationen zu kommen. Waffenübungen mache ich heimlich in meiner Zelle und mit kräftigen Spaziergängen sorge ich für meine Kondition. Wahrscheinlich nennt mich halb Passau hinter meinem Rücken den rennenden Pfaffen.
Welche Stolpersteine und Hoppalas würdest du gerne aus deinem Leben eliminieren?
Wozu eliminieren? Aus Fehlern und Hindernissen lernt man, außerdem machen sie das Leben erst interessant. Wenn ich etwas loswerden will, dann diesen frommen Fetzen.
Wenn du einen Wunsch frei hättest, wie würdest du ihn verwenden?
Nur einen Wunsch? Ich habe alles, was ich brauche, aber Riccardo würde ich gerne von seinen Schuldgefühlen befreien.
Herzlichen Dank für deine Zeit.
Das war’s schon wieder? Schade. Also ab in die Kanzlei zur täglichen Langeweile. Vielleicht verkürzt mir ja ein weiterer Mord die Zeit.

Donnerstag, 26. März 2026

[Schnipseltime] Little Big City - Fataler Fall von Katja Kleiber


 

Nieselregen fiel mir ins Gesicht. Ich schniefte. Hoffentlich erkältete ich mich nicht bei dem miesen Wetter. Im Radio sagten sie, es sei zu warm für die Jahreszeit. Konnte ja sein, aber das ewige Grau ging mir auf die Nerven. Ich zog meinen Schal enger.

Der Altbau, in dem Helga wohnte, wirkte würdevoll, auch wenn der Putz abblätterte. Ornamente umrandeten jedes Fenster, in beige von der rötlichen Fassade abgesetzt. Das Beige war verblichen.

Nur das Gerüst störte den Anblick der Fassade. Ich machte ein Foto. Ab jetzt würde ich alles dokumentieren, was an diesem Haus verändert wurde.

Oben turnte ein Arbeiter herum, ohne Helm oder sonstigen Schutz. Mir wurde beim Anblick schon schwindelig. War es der gleiche Mann, den ich gestern vom Küchenfenster aus gesehen hatte? Ein drahtiger Typ in Blaumann. Er schaute zu mir runter, grüßte aber nicht.

Direkt neben der Eingangstür waren Graffiti gesprüht: „Spekulantenschwein“ in kräftigem Rot. Daneben ein verblichener Schriftzug „Stadt für alle.“ Hier hatte man offenbar versucht, die Farbe zu entfernen, doch die Buchstaben waren noch zu erkennen. Klick, wieder ein Foto.

Ich senkte meinen Finger auf die Klingel von „Besier“, Helgas Nachname. Da die Tür offenstand, war es nicht nötig zu schellen, aber ich wollte sie nicht erschrecken.

Im Hausflur ging ich an einer langen Reihe Briefkästen vorbei. Alle Schlitze waren mit Malerkrepp zugeklebt, außer beim Kasten „Besier“. Erneut machte ich ein Foto.

Eine Schicht Staub und Zement bedeckte die Treppe. Sicher durch die Arbeiten mit dem Presslufthammer, die Dreck durchs ganze Haus geblasen hatten. Ich stieg zu Helga in den dritten Stock hoch. 

Oben angekommen, musste ich einen Moment verschnaufen. Nachts war ich nicht besonders viel zum Schlafen gekommen, denn Wombel und ich hatten neue Positionen ausprobiert. Mein Freund Mattu musste ja nichts davon wissen. Er arbeitete ohnehin meistens, so dass wir uns selten sahen.

„Helga?“

Sie saß am Küchentisch, trug eine adrette Bluse. Das Fenster stand leicht geöffnet, so dass es zog. Ich machte es zu.

„Hab dir was mitgebracht.“ Ich legte eine Packung Pralinen aus dem Supermarkt auf den Tisch. Wollte mich für die Kekse gestern revanchieren. Der Duft des Gebäcks hing immer noch in der Luft.

„Das ist aber nett, danke sehr.“ Ihr runzliges Gesicht strahlte. „Nimm dir doch eine Tasse, es gibt Kaffee.“ Zwei Tassen mit einer dünnen Flüssigkeit standen schon auf dem Tisch. Als ich zögerte, sagte Helga: „Oder magst du lieber Tee? Elena trinkt meinen Kaffee nicht. Schau mal, in der Kanne dahinten hat sie Tee aufgegossen, bedien dich.“

Ich überlegte, ob Tee besser wäre als zu dünner Kaffee, entschied mich aber für den Kaffee. Mit einer Praline dazu ließ er sich trinken. Ich lutschte an der Schokokugel herum. Dann fiel mir auf, dass Helga irgendwie besorgt wirkte. „Wie war deine Nacht?“

„Gut soweit.“

„Haben die Bauarbeiter wieder genervt?“

„Nein, bisher gab es keine Probleme heute. Aber, hör mal, Elena ist verschwunden.“

„Wie, verschwunden? Sie schläft doch hier?“

„Ja, wir haben zusammen gefrühstückt.“ Helga wies auf die Tassen. „Aber jetzt ist sie weg. Sie wollte Kartoffeln aus dem Keller holen und ist nicht zurückgekehrt.“

„Sie kommt bestimmt gleich wieder.“ Ich nahm noch eine Praline und ließ sie genüsslich im Mund zergehen, trank einen weiteren Schluck von dem Herzschoner-Kaffee.

„Kannst du mal nach ihr sehen? Sie braucht sonst nie so lange.“

„Gleich.“ Ich hatte keine Lust, schon wieder die Altbautreppe herunter und wieder hoch zu laufen. Es war so gemütlich bei Helga in der Küche.

Doch als sie mich flehentlich anschaute, konnte ich ihr den Wunsch nicht abschlagen. Elena flirtete vielleicht mit den Arbeitern. Oder nahm sich eine kleine Auszeit, um auf ihrem rosa Handy Nachrichten anzuschauen. Helga ließ ihr bestimmt keine Ruhe, solange sie in der Wohnung war. Mir war schon aufgefallen, wie sauber alles war. Helga erspähte bestimmt jede Fluse und Elena musste sie wegsaugen.

Ich machte mich daran, die Treppen wieder runterzusteigen.

In der Mitte traf ich einen Bauarbeiter, der mir nur unwillig auswich. „Guten Morgen!“, sagte ich betont fröhlich.

Er brummte nur.

Ich ging die Treppe weiter herunter und fand die Tür zum Keller, öffnete sie. Eine trübe Funzel erhellte nur notdürftig den Kellerabgang. Eine Holzstiege, auf den Stufen klebte ausgetretenes Vinyl. Unten lag etwas, das ich im Halbdunkel nicht erkannte. Ein Bündel Stoff?

Ich stieg herunter, vorsichtig, um nicht zu stolpern. Die letzten Stufen sprang ich.

Unten lag kein Stoffbündel, es war ein Mensch.

Ich erkannte Helgas Pflegerin an der Kleidung. Ihr Kopf war in einem seltsamen Winkel abgeknickt.

„Elena?“ Ich berührte sie an der Schulter.

Ihr Körper gab nach und fiel auf die Seite. Ich blickte in leblose Augen.

Fuhr zurück.

„Elena!“

Ich schluckte. Dann näherte ich vorsichtig meine Hand ihrem Gesicht.

Ihre Haut war noch warm, aber da war kein Atem. Ihre Brust hob und senkte sich nicht.

Ich fummelte hektisch an ihrem Hals herum.

Kein Pochen. Kein Puls.

 

[Buchvorstellung einmal anders] Little Big City - Fataler Fall von Katja Kleiber

 


Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit der Autorin Katja Kleiber, um mit ihr über ihr Buch „Little Big City – Fataler Fall“ zu sprechen.

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um für dein Buch zu antworten.
Danke, dass ich hier sein darf und danke für Dein Engagement für Bücher.
Kannst du uns dein Buch in möglichst wenig Sätzen beschreiben?
In dem Buch geht es um Privatdetektivin Sandy, die einer älteren Dame helfen will, in ihrer Wohnung zu bleiben. Der Vermieter versucht, sie hinauszuekeln. Dann findet Sandy die Pflegerin der alten Dame tot auf und die Probleme eskalieren. Sandy stößt auf Skandale, die von ganz vertuscht werden. Ein hochspannender Krimi darüber, wie unser Wohlstand auf Billiglöhnen beruht.
Deine Charaktere erleben ja so einiges. Fällt es dir leichter sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Es ist viel spannender, sie in schwierige Situationen zu bringen. Es hat mir einen diebischen Spaß gemacht, Sandy in einen Transporter einzusperren, mit dem sie an einen unbekannten Ort verbracht wird – mal sehen, wie sie da nur rauskommt!
Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen würdest?
„Kaum war das Fenster nach unten geglitten, sagte der Beamte: „Papiere bitte. Haben Sie getrunken?“
Klar, der dachte, ich wäre besoffen, so wie ich in Schlangenlinien über die Straße gerast war. Dass mir jede Fahrpraxis fehlte, konnte er ja nicht ahnen.
„Sorry, hab keine dabei, ich wurde entführt.““
Wie viel echte Katja steckt in dem Buch oder auch in dem ein oder anderen Charakter?
Das ist natürlich 100 % pure Katja, aber ich möchte das nicht alles erleben oder erlebt haben, was die Figuren durchmachen. Nur die Emotionen sind echt.
Wie würden dich deine Charaktere beschreiben?
Die hat auch sonst nichts zu tun, als sich immer neue Abenteuer für uns auszudenken. Sie ist ruhig, kann sich aber über Ungerechtigkeiten schnell aufregen.
Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert?
Der Titel musste dem Muster folgen, dass er das Wort „fatal“ enthält, um zu dieser Staffel der Reihe zu passen. Die ersten drei Bände heißen alle „Der tote …“ und die nächsten heißen alle was mit „fatal“.
Bist du zu 100% zufrieden mit dem Cover oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Jetzt bin ich ganz zufrieden, aber es ist der dritte Entwurf. Die vorherigen hatten nicht genug Kontrast. Ich denke, nun reflektiert das Cover sowohl Genre als auch Inhalt. Es gefällt mir wirklich gut.
Zum Abschluss würde mich noch dein Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Gleich der erste Satz: „Klos und Duschtassen zu bewachen, war eine der dämlichsten Tätigkeiten der Welt.“
Danke für das Gespräch.
Danke für die Einladung.

[Autoreninterview] Katja Kleiber



Autoreninterview
Katja Kleiber

Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Ich morde mit Begeisterung, aber nur literarisch. Im echten Leben kann ich kein Blut sehen. Meine Krimis sind auch nicht besonders blutrünstig, ich schreibe Spannungsliteratur mit großem Interesse an gesellschaftlichen Missständen.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
ich schreibe eigentlich schon immer, sowohl beruflich als auch privat.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
Bisher sind zwei Bände meiner Spanienkrimi-Trilogie erschienen, der nächste folgt im Sommer. Das ist eher Romantic Suspense, da ist immer eine Liebesgeschichte mit dem Krimi verwoben. In meiner Frankfurtkrimi-Reihe erscheint im März der fünfte Band, zwei weitere sind noch geplant.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Ja, ich habe gerade den fünften Frankfurt-Krimi beendet und schreibe nun den dritten Spanien-Krimi. Das macht viel Spaß, weil ich mich gedanklich ans Mittelmeer versetze.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Ich gehe mit meinem Hund in den Wald, um zu entspannen und einen Gegenpol zum ständigen Arbeiten am Computer zu haben.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Klar, ich lese eigentlich täglich, und zwar vom Sachbuch über den Krimi bis hin zu Thrillern. Zu meinen Lieblingsautoren zählt momentan Jussi Adler-Olsen mit seinem Sonderdezernat Q und Carl Mörck.
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Ich schreibe meistens auf dem Sofa 😉 Da bin ich ganz entspannt und tippe vor mich hin.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Langweilig. Ich gehe mit dem Hund raus, dann schreibe ich eine Stunde lang an meinem aktuellen Krimi. Danach schreibe ich journalistische Artikel. Mittags gibt es was Leckeres zu essen und dann geht es wieder an den Schreibtisch. Es gibt ja auch viel Organisatorisches zu erledigen, von Buchhaltung bis Marketing.
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Ganz klar der Krimi, sowohl beim Lesen wie beim Schreiben.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
„Die Inspiration existiert, aber sie muss dich bei der Arbeit finden.“ Pablo Picasso
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Spanien, weil da zuverlässig schönes Wetter ist und ich dort Freunde habe.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Kritik hilft, sich weiterzuentwickeln, muss aber berechtigt und konstruktiv sein.
Warum hast du dich entschieden Selfpublisher zu werden und nicht zu einem Verlag zu gehen?
Ich habe drei Eifelkrimis im Emons-Verlag veröffentlicht und würde nicht ausschließen, dort auch wieder ein Buch zu platzieren. Momentan habe ich jedoch viele Ideen, die ich möglichst rasch zu Papier bringen und veröffentlichen möchten. Mit einem Verlag dauert es länger und es ist nur ein Buch pro Jahr möglich.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Unterstützt bitte uns freie Autor/innen, damit wir sichtbar werden. Das ist jedes Jahr schwerer, weil immer mehr Bücher auf den Markt geworfen werden. Jede Erwähnung und jede Rezension hilft uns, danke.