
Bis zur Surfschule ist es nicht mehr weit. Meine Füße
hinterlassen im Sand Abdrücke, die die nächste Welle gleich wieder fortspült.
Wie sehr ich doch hoffe, dass ich bei Yulee mehr als solch eine flüchtige
Erinnerung bin. Ob sie genau so oft an mich denkt, wie ich an sie? Also jeden
Tag. Mehrmals.
Im Wasser necken sich schwimmend ein paar Teenager und
einige Surfer treiben sich in den Wellen herum. Alles wie immer.
Abrupt bleibe ich stehen und erstarre zur Salzsäule. Eine
Person sticht heraus. Die Art, wie sie auf dem Surfboard steht, auf der Welle
tanzt, als wäre sie ein Laufsteg. Ich würde sie unter Millionen wiedererkennen.
Sie hat sich nicht verändert.
In meinem Bauch brodelt es, als würden die Wellen ungebremst
gegen eine Wand prallen und nicht am Strand auslaufen. Gleichzeitig habe ich
das Gefühl, unter Wasser gezogen zu werden. Ein immenser Druck legt sich auf
meinen Brustkorb. Ich will atmen. Ich brauche Luft. Doch es geht nicht. Nicht
unter Wasser. Nicht mit dieser gewaltigen Druckkraft von außen.
Ich presse die Lippen fest aufeinander, sehe zum Himmel, an
dem einige Wolken entlangziehen und rufe mir ins Bewusstsein, dass ich auf dem
Strand stehe. Es hilft. Atemluft strömt langsam in meine Lunge und doch
schnappe ich danach.
Wie ein Idiot gaffe ich Yulee hinterher. Kraftvoll paddelt
sie auf dem Brett liegend hinaus, setzt sich auf das Board und wartet auf die
nächste Welle. Erinnerungen an unglaublich viele dieser gemeinsam erlebten
Momente fluten mich. Ich fühle das Schaukeln mit den Wellen, als würde ich
selbst dort draußen auf dem Brett sitzen, den Ozean beobachten und mich für das
Spiel mit der Welle bereitmachen. Mit einem Mal vermisse ich es. Das ist
seltsam, denn ich habe in den vergangenen Jahren vieles vermisst, aber nicht
unbedingt das Surfen.
Mit panthergleicher Eleganz springt Yulee im richtigen
Moment auf, steht sicher auf dem Surfbrett und spielt mit dem Meer. Täuscht es
mich oder sieht das aggressiv aus?





