Dienstag, 31. März 2026

[Schnipseltime] Rebellin im Sturm von Simone Gütte

 

Die Glocke am Wachthaus im Oberland begleitete Gesas Schritte mit zehn Gongschlägen. Mit einer Talglampe in der Hand erreichte sie das kleine, steinerne Haus unweit des Hafens. Feuchter Holzgeruch schlug ihr entgegen, als sie die Tür öffnete. Gleich morgen würde sie die zugigen Fenster mit Stroh abdichten, damit sie im Winter nicht in der nassen Kälte frösteln musste. Die letzten Jahre hatte Hinnerk diese Arbeiten verrichtet.

Sie rubbelte sich die Oberarme warm. Ihr Wolltuch mochte sie nicht abnehmen, stattdessen legte sie den Kopf in den Nacken und sog tief die Luft ein. Ihr war, als hinge noch immer Hinnerks Tabak im Raum, den er nach getaner Arbeit so gern geraucht hatte.

Sie holte ein Ledertuch aus der Küchenanrichte und legte es vor sich auf den Tisch. Als sie es zurückschlug, kam ein hellbraunes Pergament zum Vorschein. Behutsam strich sie mit den Fingerspitzen darüber und faltete es auseinander. Sie rieb sich die Stirn. Es half ihr, die Tränen zurückzuhalten. Eine Landkarte zeichnete sich auf dem Untergrund ab. Hinnerk hatte sie gezeichnet. Die Davisstraße galt als die breiteste Meerenge der Welt. Sogar an der schmalsten Stelle war sie dreihundert Kilometer breit und insgesamt über sechshundertfünfzig Kilometer lang. Hinnerk hatte die Karte so genau wie möglich angefertigt. Im Westen hatte er Baffin Land eingezeichnet, ein Gebiet, das zu Kanada gehörte. Im Osten lag das Eisödland Grönland. Ein Kreis für die zweitgrößte Stadt Grönlands, Holsteinsborg, war eingefügt. Hier wollte die Mannschaft Proviant an Bord nehmen.

Hinnerk hatte ihr die Karte zum Abschied hinterlassen. Er habe andere, weitaus bessere Navigationsmittel, aber so könne sie ungefähr verfolgen, wo er sich gerade aufhielt. Wütend hatte sie das Pergament ins Regal der Anrichte geworfen.

Trotzige Gesa!

Sturer Zwieback!

Vorlaute Rebellin!

Landratte!

Alles war aus dem Ruder gelaufen. Worte fielen, die nicht hätten gesagt werden dürfen. Hinnerk war gegangen.

Nun stiegen ihr doch die Tränen in die Augen. Es war Heiligabend und keine Menschenseele, nicht einmal ihre Familie, konnte nachfühlen, wie es ihr ging.

Als die Dänen damals im August vor sechs Jahren Helgoland überfallen hatten, war es Hinnerk gewesen, der ihr Schutz geboten hatte. Tagelang hatten sich die Bewohner hinter den Klippen versteckt gehalten, nicht wissend, wie lange die Belagerung andauern würde. Mit Feuermörsern hatten die dänischen Besatzer die Übergabe des Eilands gefordert. Schließlich hatte der Helgoländer Kommandant kapituliert. Der Spuk war vorbei, die Dänen ließen die Waffen ruhen. Zügig und aus rein überlebenswichtigen Gründen hatten die Insulaner sich der dänischen Herrschaft gefügt und innerhalb weniger Monate ihr zerschossenes Land instand gesetzt. Vielleicht wegen der Eile wirkten die Bauten krumm und schief. Eines ließ sich jedoch nicht abstreiten: Seit die Dänen Einzug gehalten hatten, war das Leben aufgeblüht. Handwerker waren vom Festland übergesiedelt. Einige dänische Soldaten hatten Helgoländerinnen geheiratet, Familien gegründet und Kinder in die Welt gesetzt. Das Leben kannte da nichts, es drehte sich weiter.

Gesa sah sich in der Kate um. Erinnerungen an Hinnerk erfüllten das Haus. Der Holztisch, zwei Stühle, zwei Schemel, Regale voll mit irdenen Krügen, Angelruten an den Wänden, die Netze, die er damals zum Trocknen aufgespannt hatte (und die längst getrocknet waren), ihre Aussteuertruhe, die sie mit in die Ehe gebracht hatte, das Bett mit den schweren, von ihr gewebten Wolldecken nahe der Wand. Sie hatte nichts an der Einrichtung verändert. Hinnerks Antworten, ihre Widerworte, die versöhnenden Umarmungen, das laute, dröhnende Lachen – alles wartete darauf, erneut loszulegen und dem Raum Leben einzuhauchen.

»Ich weiß, dass du heimkommst«, flüsterte sie. »Du bist mir schon damals nicht von der Seite gewichen.«

 


[Buchvorstellung einmal anders] Rebellin im Sturm von Simone Gütte

 


Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit der Autorin Simone Gütte, um mit ihr über ihr neuestes Buch „Rebellin im Sturm“ zu sprechen.

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um für dein Buch zu antworten.
Ja, vielen Dank für die Fragen. Da mein Buch am 06. März 2026 erscheint, hat es darauf bestanden, dass ich ein paar Antworten gebe.
Kannst du uns dein Buch in möglichst wenig Sätzen beschreiben?
Während eine Sturmflut auf die Insel zurollt, plant die Helgoländerin Gesa, den in die Klippen gesperrten Seefahrer Ole Sprinkholt zu befreien. Die Zeit drängt, denn er droht zu ertrinken. Aber was verspricht sich Gesa davon, ihr Leben für einen Fremden zu riskieren?
Deine Charaktere erleben ja so einiges. Fällt es dir leichter sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Oh, da muss ich drüber nachdenken. Tatsächlich fallen mir die Situationen in düsteren Zeiten leichter, wenn die Charaktere Angst haben, wütend sind, sich verstecken oder kämpfen müssen. Oder sie werden einsichtig, beginnen, sich selbst zu verstehen. Das bringt Emotionen mit sich, lässt sie hochkochen. Vielleicht handelt es sich um Gefühle, die ich selbst nicht auslebe. Diese Gefühle den Prota- oder Antagonisten aufzudrücken, sie im Roman durch die Dunkelheit zu führen und gleichzeitig einen Ausweg (oder ein Ende) aufzuzeigen, fühlt sich befreiend und erleichternd an.
Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen würdest?
»Jede Frau sollte selbst entscheiden dürfen, was sie im Leben will«, sagte Gesa. »Wir sind Helgoländerinnen, Friesen, wir standen niemals unter Knechtschaft. Warum sollte das nicht auch für uns Frauen gelten?« Sie lächelte traurig. Swantje schien unschlüssig, ob sie dem zustimmen sollte.
Schließlich nickte die Jüngere. »Mein Vater ist dein Vormund, er sorgt für uns alle. Nur ich werde ständig ausgeklammert, wenn die Familie etwas beschließt. Daher wusste ich nichts von deiner Gefangenschaft in Eimsens Keller. Wäre sonst gar nicht losgelaufen …«
»Ich weiß«, beruhigte sie ihre Nichte, die sich in Rage geredet hatte. »Du bist ein Teil der Familie. Unsere ewigen Streitereien müssen aufhören. Weißt du, was wir ab jetzt tun sollten? Wir beide, jede auf ihre Weise, hören auf unser Herz und führen das Leben, das wir uns wünschen.«
Wie viel echte Simone steckt in dem Buch oder auch in dem ein oder anderen Charakter?
Ob »gute« oder »böse« Charaktere, zu beiden habe ich irgendwie eine Beziehung. Entweder habe ich solche Menschen schon live erlebt, sie bewundert oder abgelehnt, mich mit ihnen gestritten oder war anders mit ihnen verstrickt. Diese Erlebnisse übernehme ich in meine Geschichten, manchmal sogar ganz unbewusst. Im Roman bekommt der oder die »Böse« noch einen Denkzettel. Im richtigen Leben trenne ich mich eher von diesen Menschen. Einem Charakter wie Habbo Eimsen bin ich glücklicherweise noch nicht begegnet. Da schlummern eher ein paar Eigenschaften von Ole Sprinkholt in mir wie Trotz oder Wut.
Wie ist es bei meiner Protagonistin Gesa? Sie ist mutig und unbeirrbar. Sie widerspricht. »Sei still, wenn Männer reden«, darf sie sich anhören. »Na, dann rede nicht!«, gibt sie belustigt zurück.
Widerspreche ich oft? Sicherlich mehr als früher, als junger Mensch. Für mich einzustehen, musste ich erst lernen im Laufe meines Lebens und lerne noch immer. Manchmal schmerzhaft, manchmal mutig und bewusst. Ich bewundere diese Eigenschaft, daher fließt sie mit ein.
Genau wie Gesa bin ich recht zielstrebig. Wenn auch nicht so unbeirrbar wie sie. Ich zweifle, schmeiße entnervt alles hin, nehme es wieder auf, prokrastiniere (verbringe also Zeit mit Dingen, die mich nicht voranbringen, aber prima ablenken). - Das tut Gesa nicht. Ihr Ziel ist es, zu erfahren, was mit ihrem Mann geschehen ist und dafür riskiert sie sogar ihr Leben.
Mitgefühl und Hilfsbereitstellung, das haben wir beide. Liebe für die Menschen um uns herum. Und natürlich die Liebe zu Helgoland, Wind und Wellen. Es gibt also Parallelen. Aber Gesa ist eine Rebellin, die sich als selbstbewusste junge Frau gegen die Normen ihrer Zeit auflehnt. Und als Rebellin würde ich mich nicht bezeichnen.
Wie würden dich deine Charaktere beschreiben?
Ole: Zu Beginn, 2015, war ich ja eigentlich als Hauptfigur eingeplant. Alles drehte sich um »Die Legende von Ole Sprinkholt«. Aber dann kam unsere Autorin nicht in die Pötte, hatte keine richtige Idee, keine Handlung, die sie umsetzen wollte. Es war sehr mühselig mit ihr.
Gesa: Ja, ich weiß. Sie nahm das Manuskript auf, legte es weg, nahm es wieder auf. Stattdessen schrieb sie zwischendurch zwei Romane und nahm mit ihrem Mann eine CD auf, weil das angeblich leichter voran ging. Und unsere Geschichte blieb liegen!
Ole: Sehr ärgerlich. Dann hatte sie endlich eine Idee für eine Zeitreisegeschichte.
Gesa: Und auch in die verhedderte sie sich, bis sie das Manuskript entnervt zur Seite warf. War keine schöne Zeit für uns.
Ole: Ne, wirklich nicht. Aber dann hat sie sich auf den Hosenboden gesetzt und endlich mit der Recherche begonnen. Auf Helgoland, im Helgoländer Museum, in Bremerhaven. Dann, einige Jahre später – im März 2024 – stand endlich der Plot. Mann, das hat echt gedauert. Wirklich, Gesa, ich dachte, unsere Geschichte schafft es in diesem Leben nicht mehr in diese Welt.
Gesa: Du sagst es! Aber sie biss die Zähne zusammen und zeigte Durchhaltevermögen: Sie schrieb den Plot, dann die Rohfassung. Sie fasste die Recherche im Helgolandblog Klippenschatz zusammen, der jetzt auf ihrer Website zu lesen ist. Sie gab das Manuskript ins Lektorat, überarbeitete alles mehrmals, stöhnte über die Technik, die falschen Covermaße und ihren schmerzenden Rücken. Und – sie hat’s gepackt. Ole, wir sind fix und fertig in der Buchwelt angekommen.
Ole: Ja, ist schon ein Schulterklopfer wert. Nein, im Ernst. Ich bin stolz auf unsere Autorin. Sie war zielstrebig und in den letzten zwei Jahren sehr fokussiert. Jetzt kann sie sich eine Pause gönnen.
Gesa: Auf Helgoland?
Ole: Nein, Föhr. Auch eine Frieseninsel, ist also okay.
Gesa: Wie großzügig ;) Ich freu mich jedenfalls, dass es unsere Geschichte gibt, Ole.
Ole: Klar, ich auch! Und schön, dass wir mal so harmonisch geplaudert haben. Klappte ja nicht immer.
Gesa: (schnauft) Also, an mir hat das nicht gelegen!
Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert?
Als Arbeitstitel hatte ich anfangs »Die Legende von Ole Sprinkholt« gewählt, später in »Helgolandhistorie« umbenannt. Das ist auch das spezielle Genre und steht unter dem Titel des Buches. Bereits im Januar 2025 habe ich mein Cover gefunden und direkt gekauft. Auf dem Cover habe ich sofort Gesa erkannt, ihr im Wind wehendes rotes Haar, die rote Kleidung, die die Helgoländerinnen tragen, der liebevolle und selbstbewusste Blick, die leuchtenden meergrünen Augen. Für den Titel habe ich im Internet bei buchhandel.de, börsenblatt.net und vielen anderen Titelschutzanbietern, aber auch bei Amazon als Onlinevertrieb recherchiert. Das Wort Sturm musste unbedingt in den Titel und ein Wort zur Beschreibung meiner Protagonistin. Mein Wunschtitel wurde »Rebellin im Sturm«. Diesen habe ich mir mit einer Titelschutzanzeige gesichert.
Bist du zu 100% zufrieden mit dem Cover oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Ich liebe es, genauso wie es ist. Es ist meine Gesa, die auf dem Cover abgebildet ist. Sie stellt eine starke Frau dar, die darüber hinaus ein mitfühlendes Herz hat.
Zum Abschluss würde mich noch dein Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Im Angesicht der Katastrophe werden alle Probleme banal, hatte ihre Mutter einst gesagt. Und alle Ängste, ergänzte Gesa für sich.
Danke für das Gespräch.
Sehr gerne. Dem Buch und mir hat es viel Freude gemacht, deine Fragen zu beantworten. :)

Montag, 30. März 2026

[Buchvorstellung einmal anders] Limes - Die Grenze zwischen uns von Melanie Brandt


 
Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit der Autorin Melanie Brandt, um mit ihr über ihr Buch „Limes – Die Grenze zwischen uns“ zu sprechen.

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um für dein Buch zu antworten.
Hallo! Ich freue mich, euch heute mein Buch vorstellen zu können.
Kannst du uns dein Buch in möglichst wenig Sätzen beschreiben?
Die junge Keltin Fia führt ein einfaches Leben in ihrer Siedlung, bis sie eines Tages von Dekurio Marius und seinen Soldaten aufgegriffen und über den Grenzfluss ins römische Kastell verschleppt wird. Marius soll die junge Frau dazu bringen, Informationen über ihre Siedlung preiszugeben. Die beiden verlieben sich in einander und Marius muss sich schlussendlich entscheiden, auf welcher Seite er steht.
Deine Charaktere erleben ja so einiges. Fällt es dir leichter sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Ich fand die schwierigen Situationen komischerweise einfacher zu schreiben. Die Liebesszenen fielen mir deutlich schwerer.
Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen würdest?
Die Römer sind hinter der Protagonistin Fia her:
Ein Ausruf seinerseits ließ mich aufspringen und davonstürmen. Ich rannte wie ein aufgescheuchtes Reh mit nur einem Schuh am Fuß durch den verwachsenen Wald, immer weiter von den Römern fort. Ich konnte die Hufschläge hinter mir hören. Damit ich schneller vorankam, durfte ich mich nicht umdrehen und nachsehen, wo sie sich befanden, doch ich spürte, dass sie nicht weit von mir entfernt waren.
Der Boden vibrierte und der Regen peitschte mir ins Gesicht. Ich konnte nicht sehen, wohin ich lief, wo ich war, was sich unter mir befand. Plötzlich stolperte ich über eine Wurzel und fiel hin. Ich spürte einen stechenden Schmerz an meiner Schläfe, dann wurde es dunkel um mich herum.
Wie viel echte Melanie steckt in dem Buch oder auch in dem ein oder anderen Charakter?
In der Protagonisten Fia steckt schon ein bisschen Melanie, aber Fia ist eindeutig viel mutiger als ich. ;-)
Wie würden dich deine Charaktere beschreiben?
Fia: Ich würde meine Schöpferin als gut durchdacht, pünktlich und nicht sehr entscheidungsfreudig beschreiben.
Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert?
Der hat sich tatsächlich im Laufe des Prozesses verändert. Ich wollte, dass der Titel schon so ein bisschen einen Überblick gibt, um was es geht und dass er auch schon ein bestimmtes Gefühl vermittelt.
Bist du zu 100% zufrieden mit dem Cover oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Ich bin zu 100% zufrieden mit dem Cover. Die liebe Irene von Zitronenzart Buchdesign hat das so toll gezaubert. Es spiegelt genau den Vibe wieder.
Zum Abschluss würde mich noch dein Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Kurz aber aussagekräftig: „Fia, ich will dich.“
Danke für das Gespräch.
Ich sage danke für die tolle Buchvorstellung!

[Autoreninterview] Melanie Brandt



Autoreninterview
Melanie Brandt


Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Mein Name ist Melanie, bin 34 Jahre alt, Mama von zwei Jungs und ich schreibe unter dem Pseudonym Melanie Brandt. Ich komme aus Niederösterreich und lebe dort mit meinem Mann und den Kindern.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ich war in der Schule die totale Mathematikerin, habe aber immer schon gerne gelesen. Ich habe als Jugendliche Tagebuch geschrieben und den Wunsch verspürt, irgendwann mal ein eigenes Buch zu schreiben. Diesen Wunsch konnte ich mir nun erfüllen.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
Bis jetzt ist „Limes – Die Grenze zwischen uns“ erschienen. Es geht um eine junge keltische Frau, die über den Limes ins Römische Reich verschleppt wird. Dort erwachen für den jungen Dekurio Marius Gefühle, die nicht sein dürfen.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Ja, Band 2 ist schon in Planung.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Ich verbringe gerne Zeit mit meiner Familie, gehe gerne spazieren und schwimmen. Am Abend lese ich gerne oder schreibe an meinen Büchern weiter.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Ich bin großer Outlander-Fan und liebe die Bücher von Diana Gabbaldon. Ich lese aber auch gerne Romance, Romantasy und Fantasy-Bücher.
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Ich habe mir zu Hause eine kleine Büro-Ecke eingerichtet, wo ich dann Abends schreiben kann. Oftmals kommen mir aber auch einfach untertags Ideen, die ich dann in mein Notizbuch schreibe.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Ich bin momentan noch in Karenz. Der Große ist vormittags im Kindergarten, der Kleine noch bei mir zu Hause. Am Tag kümmere ich mich vor allem um die Kinder, Abends widme ich mich dann meinen Büchern.
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Beim Lesen mag ich Romantasy am liebsten und beim Schreiben historische Romane.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
Ein Lieblingszitat, nach dem ich lebe, habe ich nicht. Aber seit dem Tod meines Bruders, denke ich mir, dass man jeden Tag genießen soll und sich seine Träume verwirklichen soll, bevor es zu spät ist.
Eines meiner Lieblingszitate aus meinem Buch ist „Sie würden ihn töten, wenn sie herausfänden, dass er solch wichtige Informationen zurückhielt. Doch er musste diesem Mädchen helfen, alles in ihm verlangte danach.“
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Von allen Ländern, in denen ich bis jetzt war, gefiel mir am besten Spanien. Die lockere Lebensweise und die Sprache mochte ich sehr.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Ich bin schon ein kritikfähiger Mensch und versuche auch, durch konstruktive Kritik mich immer weiter zu verbessern. Ich muss aber auch aufpassen, dass ich mir die Kritik nicht zu sehr zu Herzen nehme.
Warum hast du dich entschieden Selfpublisher zu werden und nicht zu einem Verlag zu gehen?
Ich mag die Entscheidungsfreiheit als Selfpublisher. Ich konnte das Lektorat in meinem Tempo einarbeiten und ich konnte mir mein Cover so designen lassen, wie es mir am besten gefällt. Es hat natürlich alles seine Vor- und Nachteile, aber bei mir hat es sich so richtig angefühlt.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Genießt das Leben und erfüllt euch eure Träume und Wünsche.

Sonntag, 29. März 2026

[Buchvorstellung einmal anders] Kurz vor Paris von Agga Kastell


 
Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit den Protagonisten Stinker, Flymo, Meiling und Puck aus „Kurz vor Paris“ und deren Autorin Agga Kastell.

Hallo, danke, dass ihr heute Zeit habt und für das Buch antwortet. Würdet ihr euch vielleicht gegenseitig beim Interview unterstützen?
Flymo (summt begeistert): „Klar, machen wir gerne.“
Meiling (schaut schüchtern hinter ihrem Flügel hervor): „Wir unterstützen uns immer gegenseitig.“
Stinker: „Wir sind froh, wenn wir uns helfen können.“
Ich hatte ein langes Gespräch mit eurer Autorin, deshalb wäre es schön, wenn ihr euch meinen Lesern vorstellen könntet.
„Ich bin Stinker, ein Mensch. Mein bester Freund ist Flymo, eine Fliege und Meiling ist ein Schmetterling und unsere Freundin und Arbeitskollegin.“
Beschreibt uns das Buch in möglichst wenig Sätzen.
Stinker: „Wir sind zum Urlaub nach Frankreich gefahren. Flymo wollte zum Eiffelturm, dem Heiligtum der Fliegen. Meiling liebt die Lavendelfelder. Unterwegs nahmen wir die Wespe Puck als Anhalter mit. Das stellte unser Leben auf den Kopf.“
Macht es dir Spaß, deine Protagonisten ein wenig zu quälen? Sie in Situationen hineinzuwerfen, die schwierig sind? Warum nicht einfach und schön? Müssen Gefahren und Stolpersteine immer sein?
Ich würde das nicht als quälen bezeichnen. Meine Protagonisten müssen unter Hochdruck Entscheidungen treffen und dann die Konsequenzen tragen.
Habt ihr eine Lieblingsstelle im Buch, die ihr den Lesern des Blogs gerne vorstellen würdet?
Die drei sehen sich an und lachen. Stinker: „Es gibt viel Musik, unter anderem durfte Agga einen Text aus Knorkators Liebeslied zitieren. Aber unsere Lieblingsstelle ist ihr beklopptes Fliegenlied.“
Flymo: „Beleidigst du gerade insektoides Kulturgut?“
Meiling: „Nein, tut er nicht. Wir lieben das Lied!“
Wie viel echte Agga steckt in dem Buch oder in dem ein oder anderen Charakter?
KURZ VOR PARIS beschreibt eine Welt, in der durch Zusammenhalt, Freundschaft und Menschlichkeit dem Bösen Einhalt geboten wird. Das wünsche ich mir auch für die Realität.
Wie würdet ihr als Hauptcharaktere eure Autorin beschreiben?
Flymo: „Holt die Zwangsjacke und sperrt sie weg! Da kann sie dann vor sich hin trällern.“
Stinker: „Die Frau ist gemeingefährlich. Wer weiß, was die noch schreibt, wenn man sie lässt.“
Meiling: „Jungs, seid ihr gerade frauenfeindlich? Dann könnt ihr was erleben!“ (Wedelt ihnen Flügelstaub ins Gesicht, bis beide husten und ihre Augen tränen.)
Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattet ihr drei vielleicht sogar Mitspracherecht?
In einem Schreibworkshop bekamen wir Teilnehmer 4 Sätze, zu einem davon sollten wir eine Geschichte schreiben. Mein Satz lautete: Kurz vor Paris hatten wir eine Wespe im Auto. Danke an Amandara vom Verlag Bedey&Thoms, dass sie den Titel übernommen hat.
Seid ihr zu 100% mit dem Cover zufrieden oder hättet ihr nachträglich noch etwas ändern wollen?
Ich bin zu 1000% zufrieden. Enrico von phantasmal images hat das erstklassig umgesetzt. Und der Eiffelturm als Buchschnitt, einfach WOW. Die Versalien! Die Titeleinfassungen! Die Vignetten! Es liegt auf meinem Küchentisch, weil ich mich jedes Mal freue, wenn ich es sehe.
Wisst ihr, was mich noch interessieren würde? Euer jeweiliges Lieblingszitat aus dem Buch.
Meiling: „Da sind wir uns einig. Es ist Flymos Zitat: Wer den Nächsten nicht ehrt, ist der Freundschaft nicht wert.“ (Stinker nickt, Flymo summt.)
Vielen Dank für das Gespräch

(Alle drei winken mit Hand, Gliederfuß und Flügel)

[Autoreninterview] Agga Kastell


Autoreninterview
Agga Kastell

Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Ich neige zu schwarzem Humor und bin auch in unangebrachten Situationen zu multiplen Sarkasmen fähig. Ich bin ungeduldig, aber ausdauernd.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ich habe die Lebensgeschichte meiner Großmutter im 1. Und 2. Weltkrieg aufgeschrieben, bevor sie mir nichts mehr darüber erzählen konnte. Dann habe ich nicht mehr aufgehört mit dem Schreiben.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
KURZ VOR PARIS – eine satirische Dystopie über Freundschaft in Zeiten des Faschismus. MISSION MERLACORNA – eine Herbstlandenovelle über das Erreichen eines gemeinsamen Ziels trotz Gegensätzen.
20 Anthologien, zu denen ich eine Kurzgeschichte beitragen durfte.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Oh ja. Die Idee dazu trage ich schon lange in mir, aber die Ausarbeitung entwickelt sich quälend langsam.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Lesen. Häkelunterricht für Kinder. Joggen. Biertrinken im Biergarten. Serien binchen.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Neil Gaiman Niemalsland
Erin Morgenstern Das sternenlose Meer
Sven Haupt Stille zwischen den Sternen
Stephen King Der schwarze Turm und Duma Key (auf Deutsch: Wahn)
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Ich habe ein Zimmer als Bibliothek eingerichtet, da steht auch mein Schreibtisch – und eine Procrastinationscouch.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Mein Tag fängt abends an, da lege ich mir einen Plan zurecht, was ich am nächsten Tag erledigen möchte. Aufstehen, 1 Stunde Social Media, Arbeiten. Abends: Kontakt mit Freunden, entspannen beim Fernsehen und wenn draußen alles dunkel ist: Ich zitiere Howard Carpendale: „Nachts, wenn alles schläft, solltest du nicht bei mir sein - ich haue in die Tasten.“
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Fantasy – damit kannst du die ausgefallensten Dinge schreiben, du musst es nur gut begründen.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
Tatsächlich hat bisher jedes meiner Bücher ein Zitat auf der Rückseite. „Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Heinzel her.“ Und: „Wer den Nächsten nicht ehrt, ist der Freundschaft nicht wert.“
Ich habe kein Lieblingszitat, aber wenn etwas schiefgeht, singe ich gerne aus einem alten Hans-Albers-Lied: „Beim ersten Mal, da tut’s noch weh, da glaubt man, dass man’s nie verwinden kann. Doch mit der Zeit, so peu-à-peu, gewöhnt man sich daran.“ Gilt besonders für Absagen und Kritiken.
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Schottland. Es ist wild und es ist rau und es ist MAGISCH. Es gibt Whisky, Crannógs, Lochs und viel Geschichte, die nicht vorbei ist.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Ich sehe mir genau an, womit die Kritik zu tun hat: Mit mir? Mit mir kein bisschen, sondern mit dem, der kritisiert? Oder tatsächlich mit dem Buch und seinem Inhalt? Aus inhaltlicher Kritik lerne ich so viel wie möglich.
Warum hast du dich entschieden zu einem Verlag zu gehen und nicht Selfpublisher zu werden?
Cover, Design, Layout, Buchsatz – davon habe ich keine Ahnung. Deshalb bin ich froh, dass sich Verlage für meine Buchthemen interessieren.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
TRAUT EUCH! Was immer ihr schon mal machen wolltet: traut euch mindestens dreimal, bevor ihr aufgebt.

Samstag, 28. März 2026

[Buchvorstellung einmal anders] Ragnamar - Das letzte Wort von Kaja Paulan


 
Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit der Autorin Kaja Paulan, um mit ihr über ihr neuestes Buch „Ragnamar – Das letzte Wort“ zu sprechen.

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um für dein Buch zu antworten.
Sehr gern.
Kannst du uns dein Buch in möglichst wenig Sätzen beschreiben?
Es ist eine düstere Märchenfantasy aus dem Grimmschen Märchenuniversum über Verantwortung, Erinnerung und die Macht der Worte.
Deine Charaktere erleben ja so einiges. Fällt es dir leichter sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Schwierige Situationen fallen mir leichter. In Krisen zeigen Figuren oft deutlicher, wer sie sind, wozu sie in der Lage sind. Bei schönen Momenten bin ich vorsichtiger, weil sie schnell in Kitsch abrutschen können.
Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen würdest?
Meine liebste Stelle ist die, als Mila erkennt, dass man manchmal stärker ist, wenn man loslässt, als wenn man kämpft.
Wie viel echte Kaja steckt in dem Buch oder auch in dem ein oder anderen Charakter?
Ziemlich viel: Meine Fragen, meine Zweifel, meine Haltung zu Verantwortung und Loyalität fließen ein. Auch meine Art, Dinge zu beobachten, findet sich wieder.
Aber meine Figuren treffen Entscheidungen, die ich so wahrscheinlich nie treffen würde. Sie gehen weiter und riskieren mehr. Genau darin liegt ja die Freiheit des Schreibens.
Wie würden dich deine Charaktere beschreiben?
Ehrlich? Ich weiß es nicht. Vielleicht würden sie mich kritisch ansehen. Vielleicht würden sie mich gar nicht mögen, weil ich ihnen so viel zumute. Aber ich hoffe, sie würden respektieren, dass ich sie ernst nehme.
Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert?
Er stand schon relativ lange fest. Da es viel um Märchen, Bücher und Worte geht, habe ich damit den Kreis geschlossen.
Bist du zu 100% zufrieden mit dem Cover oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Ich liebe das Cover sehr.
Zum Abschluss würde mich noch dein Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Da fällt mir die Auswahl wirklich schwer. Ich nehme mal dies: »Ein einziges Wort, tief in deinem Inneren, kann alles Ungerechte hinwegfegen. Es braucht keine magischen Kräfte, keine Waffen, nur den Glauben, dass es die ganze Zeit in dir war, auch wenn du es nicht bemerkt hast. Welches Wort ist das?«
Danke für das Gespräch.

Freitag, 27. März 2026

[Protagonisteninterview] Frederigo aus Der Zorn der Schlange von Barbara Drucker

 


Protagonisteninterview
mit Frederigo



Ich treffe mich heute mit Frederigo aus dem Buch „Der Zorn der Schlange“ von Barbara Drucker.

Hi, schön, dass du heute Zeit findest, ein wenig mit mir über das Buch zu sprechen.
Klar doch. Abwechslungen zur Arbeit in der bischöflichen Kanzlei sind mir immer willkommen.
Wie geht es dir heute?
So gut es einem in einer Soutane eben gehen kann. Was gäbe ich darum, die Morde aufzuklären, aber nein, ich muss den Fürstbischof bespitzeln. Dafür bin ich nicht Schlangenkrieger geworden.
Würdest du dich meinen Lesern vorstellen?
Ich bin Federigo, Nachnamen können wir uns sparen. Ihr könnt mich auch Volpe nennen, das ist mein Kriegername. Meine Kameraden haben mich immer Strega gerufen, das ist italienisch und bedeutet Hexe. Wegen meiner Tarotkarten, verstehst du? Und weil ich meinen Zopf immer schlampig binde. Aber die Meister haben sich für Fuchs entschieden. Angeblich als Anspielung auf meine List, doch ich bin mir ziemlich sicher, dass auch meine Haarfarbe dabei eine Rolle gespielt hat.
Was ist dein höchstes Lebensziel?
Als dritter Sohn eines umbrischen Hufschmieds entwickelst du keine sonderlich hohen Ziele. Ich wollte vor allem weg aus meinem Dorf, hinaus in die Welt und Abenteuer erleben. Hat ja großartig funktioniert, denn jetzt sitze ich hier in Passau fest und Abenteuer dürfen die anderen bestreiten. Insofern kann ich den beiden Attentätern auch noch dankbar sein, wenigstens hatte ich für einen kurzen Moment mein Leben zurück. Von daher also: Meine Mission erfüllen und dann einen aufregenderen Auftrag übernehmen.
Wie kann man sich deinen ganz normalen Alltag vorstellen?
Momentan? Aufstehen zu nachtschlafender Zeit und mit den Mönchen die Stundengebete herunterleiern. Im Kloster essen, dann in die Kanzlei und die Augen nach interessanter Korrespondenz offenhalten. Dienst im Dom, du weißt schon, Messe lesen, Beichte abnehmen. Und mir Kontakte aufbauen, um an Informationen zu kommen. Waffenübungen mache ich heimlich in meiner Zelle und mit kräftigen Spaziergängen sorge ich für meine Kondition. Wahrscheinlich nennt mich halb Passau hinter meinem Rücken den rennenden Pfaffen.
Welche Stolpersteine und Hoppalas würdest du gerne aus deinem Leben eliminieren?
Wozu eliminieren? Aus Fehlern und Hindernissen lernt man, außerdem machen sie das Leben erst interessant. Wenn ich etwas loswerden will, dann diesen frommen Fetzen.
Wenn du einen Wunsch frei hättest, wie würdest du ihn verwenden?
Nur einen Wunsch? Ich habe alles, was ich brauche, aber Riccardo würde ich gerne von seinen Schuldgefühlen befreien.
Herzlichen Dank für deine Zeit.
Das war’s schon wieder? Schade. Also ab in die Kanzlei zur täglichen Langeweile. Vielleicht verkürzt mir ja ein weiterer Mord die Zeit.

Donnerstag, 26. März 2026

[Schnipseltime] Little Big City - Fataler Fall von Katja Kleiber


 

Nieselregen fiel mir ins Gesicht. Ich schniefte. Hoffentlich erkältete ich mich nicht bei dem miesen Wetter. Im Radio sagten sie, es sei zu warm für die Jahreszeit. Konnte ja sein, aber das ewige Grau ging mir auf die Nerven. Ich zog meinen Schal enger.

Der Altbau, in dem Helga wohnte, wirkte würdevoll, auch wenn der Putz abblätterte. Ornamente umrandeten jedes Fenster, in beige von der rötlichen Fassade abgesetzt. Das Beige war verblichen.

Nur das Gerüst störte den Anblick der Fassade. Ich machte ein Foto. Ab jetzt würde ich alles dokumentieren, was an diesem Haus verändert wurde.

Oben turnte ein Arbeiter herum, ohne Helm oder sonstigen Schutz. Mir wurde beim Anblick schon schwindelig. War es der gleiche Mann, den ich gestern vom Küchenfenster aus gesehen hatte? Ein drahtiger Typ in Blaumann. Er schaute zu mir runter, grüßte aber nicht.

Direkt neben der Eingangstür waren Graffiti gesprüht: „Spekulantenschwein“ in kräftigem Rot. Daneben ein verblichener Schriftzug „Stadt für alle.“ Hier hatte man offenbar versucht, die Farbe zu entfernen, doch die Buchstaben waren noch zu erkennen. Klick, wieder ein Foto.

Ich senkte meinen Finger auf die Klingel von „Besier“, Helgas Nachname. Da die Tür offenstand, war es nicht nötig zu schellen, aber ich wollte sie nicht erschrecken.

Im Hausflur ging ich an einer langen Reihe Briefkästen vorbei. Alle Schlitze waren mit Malerkrepp zugeklebt, außer beim Kasten „Besier“. Erneut machte ich ein Foto.

Eine Schicht Staub und Zement bedeckte die Treppe. Sicher durch die Arbeiten mit dem Presslufthammer, die Dreck durchs ganze Haus geblasen hatten. Ich stieg zu Helga in den dritten Stock hoch. 

Oben angekommen, musste ich einen Moment verschnaufen. Nachts war ich nicht besonders viel zum Schlafen gekommen, denn Wombel und ich hatten neue Positionen ausprobiert. Mein Freund Mattu musste ja nichts davon wissen. Er arbeitete ohnehin meistens, so dass wir uns selten sahen.

„Helga?“

Sie saß am Küchentisch, trug eine adrette Bluse. Das Fenster stand leicht geöffnet, so dass es zog. Ich machte es zu.

„Hab dir was mitgebracht.“ Ich legte eine Packung Pralinen aus dem Supermarkt auf den Tisch. Wollte mich für die Kekse gestern revanchieren. Der Duft des Gebäcks hing immer noch in der Luft.

„Das ist aber nett, danke sehr.“ Ihr runzliges Gesicht strahlte. „Nimm dir doch eine Tasse, es gibt Kaffee.“ Zwei Tassen mit einer dünnen Flüssigkeit standen schon auf dem Tisch. Als ich zögerte, sagte Helga: „Oder magst du lieber Tee? Elena trinkt meinen Kaffee nicht. Schau mal, in der Kanne dahinten hat sie Tee aufgegossen, bedien dich.“

Ich überlegte, ob Tee besser wäre als zu dünner Kaffee, entschied mich aber für den Kaffee. Mit einer Praline dazu ließ er sich trinken. Ich lutschte an der Schokokugel herum. Dann fiel mir auf, dass Helga irgendwie besorgt wirkte. „Wie war deine Nacht?“

„Gut soweit.“

„Haben die Bauarbeiter wieder genervt?“

„Nein, bisher gab es keine Probleme heute. Aber, hör mal, Elena ist verschwunden.“

„Wie, verschwunden? Sie schläft doch hier?“

„Ja, wir haben zusammen gefrühstückt.“ Helga wies auf die Tassen. „Aber jetzt ist sie weg. Sie wollte Kartoffeln aus dem Keller holen und ist nicht zurückgekehrt.“

„Sie kommt bestimmt gleich wieder.“ Ich nahm noch eine Praline und ließ sie genüsslich im Mund zergehen, trank einen weiteren Schluck von dem Herzschoner-Kaffee.

„Kannst du mal nach ihr sehen? Sie braucht sonst nie so lange.“

„Gleich.“ Ich hatte keine Lust, schon wieder die Altbautreppe herunter und wieder hoch zu laufen. Es war so gemütlich bei Helga in der Küche.

Doch als sie mich flehentlich anschaute, konnte ich ihr den Wunsch nicht abschlagen. Elena flirtete vielleicht mit den Arbeitern. Oder nahm sich eine kleine Auszeit, um auf ihrem rosa Handy Nachrichten anzuschauen. Helga ließ ihr bestimmt keine Ruhe, solange sie in der Wohnung war. Mir war schon aufgefallen, wie sauber alles war. Helga erspähte bestimmt jede Fluse und Elena musste sie wegsaugen.

Ich machte mich daran, die Treppen wieder runterzusteigen.

In der Mitte traf ich einen Bauarbeiter, der mir nur unwillig auswich. „Guten Morgen!“, sagte ich betont fröhlich.

Er brummte nur.

Ich ging die Treppe weiter herunter und fand die Tür zum Keller, öffnete sie. Eine trübe Funzel erhellte nur notdürftig den Kellerabgang. Eine Holzstiege, auf den Stufen klebte ausgetretenes Vinyl. Unten lag etwas, das ich im Halbdunkel nicht erkannte. Ein Bündel Stoff?

Ich stieg herunter, vorsichtig, um nicht zu stolpern. Die letzten Stufen sprang ich.

Unten lag kein Stoffbündel, es war ein Mensch.

Ich erkannte Helgas Pflegerin an der Kleidung. Ihr Kopf war in einem seltsamen Winkel abgeknickt.

„Elena?“ Ich berührte sie an der Schulter.

Ihr Körper gab nach und fiel auf die Seite. Ich blickte in leblose Augen.

Fuhr zurück.

„Elena!“

Ich schluckte. Dann näherte ich vorsichtig meine Hand ihrem Gesicht.

Ihre Haut war noch warm, aber da war kein Atem. Ihre Brust hob und senkte sich nicht.

Ich fummelte hektisch an ihrem Hals herum.

Kein Pochen. Kein Puls.

 

[Buchvorstellung einmal anders] Little Big City - Fataler Fall von Katja Kleiber

 


Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit der Autorin Katja Kleiber, um mit ihr über ihr Buch „Little Big City – Fataler Fall“ zu sprechen.

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um für dein Buch zu antworten.
Danke, dass ich hier sein darf und danke für Dein Engagement für Bücher.
Kannst du uns dein Buch in möglichst wenig Sätzen beschreiben?
In dem Buch geht es um Privatdetektivin Sandy, die einer älteren Dame helfen will, in ihrer Wohnung zu bleiben. Der Vermieter versucht, sie hinauszuekeln. Dann findet Sandy die Pflegerin der alten Dame tot auf und die Probleme eskalieren. Sandy stößt auf Skandale, die von ganz vertuscht werden. Ein hochspannender Krimi darüber, wie unser Wohlstand auf Billiglöhnen beruht.
Deine Charaktere erleben ja so einiges. Fällt es dir leichter sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Es ist viel spannender, sie in schwierige Situationen zu bringen. Es hat mir einen diebischen Spaß gemacht, Sandy in einen Transporter einzusperren, mit dem sie an einen unbekannten Ort verbracht wird – mal sehen, wie sie da nur rauskommt!
Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen würdest?
„Kaum war das Fenster nach unten geglitten, sagte der Beamte: „Papiere bitte. Haben Sie getrunken?“
Klar, der dachte, ich wäre besoffen, so wie ich in Schlangenlinien über die Straße gerast war. Dass mir jede Fahrpraxis fehlte, konnte er ja nicht ahnen.
„Sorry, hab keine dabei, ich wurde entführt.““
Wie viel echte Katja steckt in dem Buch oder auch in dem ein oder anderen Charakter?
Das ist natürlich 100 % pure Katja, aber ich möchte das nicht alles erleben oder erlebt haben, was die Figuren durchmachen. Nur die Emotionen sind echt.
Wie würden dich deine Charaktere beschreiben?
Die hat auch sonst nichts zu tun, als sich immer neue Abenteuer für uns auszudenken. Sie ist ruhig, kann sich aber über Ungerechtigkeiten schnell aufregen.
Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert?
Der Titel musste dem Muster folgen, dass er das Wort „fatal“ enthält, um zu dieser Staffel der Reihe zu passen. Die ersten drei Bände heißen alle „Der tote …“ und die nächsten heißen alle was mit „fatal“.
Bist du zu 100% zufrieden mit dem Cover oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Jetzt bin ich ganz zufrieden, aber es ist der dritte Entwurf. Die vorherigen hatten nicht genug Kontrast. Ich denke, nun reflektiert das Cover sowohl Genre als auch Inhalt. Es gefällt mir wirklich gut.
Zum Abschluss würde mich noch dein Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Gleich der erste Satz: „Klos und Duschtassen zu bewachen, war eine der dämlichsten Tätigkeiten der Welt.“
Danke für das Gespräch.
Danke für die Einladung.

[Autoreninterview] Katja Kleiber



Autoreninterview
Katja Kleiber

Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Ich morde mit Begeisterung, aber nur literarisch. Im echten Leben kann ich kein Blut sehen. Meine Krimis sind auch nicht besonders blutrünstig, ich schreibe Spannungsliteratur mit großem Interesse an gesellschaftlichen Missständen.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
ich schreibe eigentlich schon immer, sowohl beruflich als auch privat.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
Bisher sind zwei Bände meiner Spanienkrimi-Trilogie erschienen, der nächste folgt im Sommer. Das ist eher Romantic Suspense, da ist immer eine Liebesgeschichte mit dem Krimi verwoben. In meiner Frankfurtkrimi-Reihe erscheint im März der fünfte Band, zwei weitere sind noch geplant.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Ja, ich habe gerade den fünften Frankfurt-Krimi beendet und schreibe nun den dritten Spanien-Krimi. Das macht viel Spaß, weil ich mich gedanklich ans Mittelmeer versetze.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Ich gehe mit meinem Hund in den Wald, um zu entspannen und einen Gegenpol zum ständigen Arbeiten am Computer zu haben.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Klar, ich lese eigentlich täglich, und zwar vom Sachbuch über den Krimi bis hin zu Thrillern. Zu meinen Lieblingsautoren zählt momentan Jussi Adler-Olsen mit seinem Sonderdezernat Q und Carl Mörck.
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Ich schreibe meistens auf dem Sofa 😉 Da bin ich ganz entspannt und tippe vor mich hin.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Langweilig. Ich gehe mit dem Hund raus, dann schreibe ich eine Stunde lang an meinem aktuellen Krimi. Danach schreibe ich journalistische Artikel. Mittags gibt es was Leckeres zu essen und dann geht es wieder an den Schreibtisch. Es gibt ja auch viel Organisatorisches zu erledigen, von Buchhaltung bis Marketing.
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Ganz klar der Krimi, sowohl beim Lesen wie beim Schreiben.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
„Die Inspiration existiert, aber sie muss dich bei der Arbeit finden.“ Pablo Picasso
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Spanien, weil da zuverlässig schönes Wetter ist und ich dort Freunde habe.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Kritik hilft, sich weiterzuentwickeln, muss aber berechtigt und konstruktiv sein.
Warum hast du dich entschieden Selfpublisher zu werden und nicht zu einem Verlag zu gehen?
Ich habe drei Eifelkrimis im Emons-Verlag veröffentlicht und würde nicht ausschließen, dort auch wieder ein Buch zu platzieren. Momentan habe ich jedoch viele Ideen, die ich möglichst rasch zu Papier bringen und veröffentlichen möchten. Mit einem Verlag dauert es länger und es ist nur ein Buch pro Jahr möglich.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Unterstützt bitte uns freie Autor/innen, damit wir sichtbar werden. Das ist jedes Jahr schwerer, weil immer mehr Bücher auf den Markt geworfen werden. Jede Erwähnung und jede Rezension hilft uns, danke.

Mittwoch, 25. März 2026

[Coverinterview] Visionen aus der Tiefe von Lisa U. Fantasy


 

Coverinterview
„Visionen aus der Tiefe“


Heute habe ich Lisa U. Fantasy zu Gast auf meinem Blog. Sie wird mir ein paar Fragen zu ihrem neuen Cover beantworten.

Wann kam das Cover? Vor oder nach dem Titel?
Das Cover kam nach dem Titel. Ich brauchte zuerst den Titel, um mir dann darüber Gedanken zu machen.
Hattest du schon eine genaue Vorstellung vom Cover, was sich darauf befinden sollte?
Nur ungefähr. Ich mag z.B. keine Menschen auf dem Cover, da sich die Lesenden die Charaktere selbst vorstellen sollen. Und es soll nicht zu überladen sein.
Ich habe das Glück, dass Renee daraus sehr schnell genau das zaubert, was mir dann super gefällt ^^
Welche Bedeutung haben für dich die Linien, die hellen Spots und die Stadt?
Die Linien stehen für mich für die digitale Welt, die Stadt für den Megakomplex und die hellen Spots – die werden im Buch erklärt. Was sie alles sein können ^^
Wolltest du etwas Bestimmtes mit dem Cover ausdrücken?
Es sollte zum Genre Cyberpunk passen und den Inhalt der Geschichte widerspiegeln. Ich finde, dass ist zumindest für mich, gelungen.
Hast du ein Lieblingszitat oder eine Lieblingsszene, dass das Buch am besten beschreibt?
Am besten beschreibt der Klappentext das Buch. Klappentexte sind für mich extrem schwer und deswegen bin ich so zufrieden, dass er so gut passt ^^ Wer gerne mehr über den Inhalt wissen will, darf mir gerne folgen. Ab demnächst erscheinen immer wieder Zitate aus dem Buch auf meinen Account.
Klappentext:
In einer Welt aus Daten, Stahl und dem beständigen Rauschen des Regens sucht Norman einen Ausweg. Die Sehnsucht nach einem blauen Himmel treibt ihn an, während die Enge des Megakomplexes ihn erdrückt.
Da verheißt ihm ein Spalt im digitalen Gefüge einen Weg in eine Welt jenseits der Kuppel.
Für seine Anhänger ist er damit ein Prophet. Für die Regierung ein Aufrührer. Doch die Zeit wird knapp, denn der Riss schließt sich - und mit ihm Normans einzige Hoffnung.
Auf der Suche nach der Wahrheit überschreitet Norman die Grenze. Doch was, wenn jeder Ausweg nur ein anderer Käfig ist?
Bist du nun zu 100% zufrieden mit dem Cover oder würdest du aus heutiger Sicht etwas daran ändern wollen?
Ich bin zu 100% zufrieden. Es ist genau passend ^^
Danke, dass du bei dem Coverinterview mitgemacht hast 😊
Sehr gerne. Danke für Deine Einladung mitzumachen.

[Buchvorstellung einmal anders] Visionen aus der Tiefe von Lisa U. Fantasy

 


Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit dem Charakter Rynna und ihrer Autorin, um mit ihnen über das Buch „Visionen aus der Tiefe“ zu sprechen.

Hallo, danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um für das Buch zu antworten.
Wir freuen uns beide sehr, dass Du uns eingeladen hast
Es wäre toll, wenn ihr euch meinen Lesern vorstellen würdet, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben?
Als LiSa Fantasy schreibe ich fantastische Geschichten, innere Filme, die ich in Worte packe und hoffe, dass die Lesenden einen ähnlich Film erleben
Als Rynna bin ich ein wichtiger Nebencharakter, der in dem Buch eine wichtige Rolle für die Hauptfigur spielt, aber zu viel darf ich nicht verraten.
Beschreibt uns das Buch in möglichst wenig Sätzen.
Normans einziges Ziel ist es, dass er und jene, die ihm wichtig sind, endlich aus dem Gefängnis des Megakomplexes entfliehen können. Dafür tut er alles und doch ist er blind.
Glaubst du macht es der Autorin mehr Spaß dich durch leichte, einfache oder schwierige, düstere Situationen zu führen? Hat sie dich richtig eingeschätzt?
Da ich meine Rolle als Rynna ja kenne, kann ich sagen, dass meine Autorin ihre Charaktere durch tiefe Täler führt. Nicht, weil sie daran Spaß hat, sondern weil es echt ist und die Charaktere dann am meisten fühlen.
Hast du eine Lieblingsstelle im Buch?
Als Autorin mag ich die Stelle, die in der Digitalis – der digitalen Ebene des Komplexes – spielt.
Ich habe eine Stelle, an der Norman eine Erkenntnis zu mir, Rynna, hat. Sie ist im letzten Kapitel. Sie gefällt mir so gut, auch wenn sie tragisch ist. Mehr darf ich nicht verraten, ohne zu spoilern.
Was glaubst du, wie viel Lisa steckt in dem Buch oder dem ein oder anderen Charakter? Hat sie alles gefunden oder gibt es da noch etwas verstecktes?
Ich glaube, wir als Charaktere sind frei erfunden. Aber die Gefühle, die Zweifel und all das, das ist was, das LiSa selbst gut fühlen kann und deswegen sind die Handlungen nachvollziehbar.
Wie würdest du deine Autorin beschreiben?
Sie ist chaotisch, kreativ und kann mit ihren Figuren sehr gemein sein – vor allem mit mir und Norman. Aber sie hat das Herz am rechten Fleck.
Weißt du, wie es zu dem Titel kam? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Lauf des Schreibprozesses verändert? Hattest du vielleicht sogar Mitspracherecht?
Der Titel kam am Ende, da ich den alten Titel von 2016 nicht nehmen durfte. Ich habe das Manuskript überarbeitet und dann darüber nachgedacht, welcher Titel am besten passt. Den Gewinner kennt ihr ^^ Das gute am Selfpublishing ist, dass ich selbst entscheide, was ich wie haben oder nicht haben möchte. Deswegen war der Titel auch meine Entscheidung.
Gefällt euch das Cover zu 100% oder hättet ihr einen anderen Wunsch oder Vorstellungen gehabt?
Das Cover ist 100% meins und ich bin sehr dankbar, dass Renee von Cover and Art Design meine wirren Gedanken so zu Bildern erschaffen kann.
Naja, ich hätte mich natürlich gerne auf dem Cover drauf gehabt ^^ aber LiSa mag keine Personen vorne drauf. Sie will, dass sich jeder die Personen selbst vorstellt ^^
Was ist jeweils euer Lieblingszitat aus dem Buch?
Das ist wirklich schwierig, da gibt es so viele. Das erste Zitat ist direkt im Prolog „DIE ARCHE HÄLT.“ Es ist so viel Propaganda und zeigt so deutlich für mich, warum Norman aus dem Megakomplex fliehen will.
Meines ist definitiv das hier „Norman hoffte, dass Rynna verstand, was er zwischen den Zeilen schrieb und nicht ausdrücken konnte.“ Und ja, ich hatte es verstanden. Mehr darf ich dazu nicht sagen, denn das wäre wieder gespoilert.
Danke für das Gespräch.
Es hat uns gefreut. Vielen Dank dafür.

Dienstag, 24. März 2026

[Schnipseltime] Sweet Demons - Das Flüstern der Magie von Michael Hamannt


 

Wir hatten Juni und über zwanzig Grad, doch auf dem Wasser fühlte es sich kälter an. Der Wind zerrte an meinem Haar, biss in meine Wangen. Der alte Fischerkahn hüpfte über die Wellen, und meine Finger klammerten sich an die Reling. Mir war übel. Der Gedanke an das Treffen mit dem Leiter der Forschungsstation machte es nicht besser.

Es hätte schlimmer sein können, und vor Kurzem war es das auch noch. Doch das Leben ging weiter. Die Welt drehte sich weiter. So war es, so würde es bleiben. Bis es eines Tages nicht mehr so wäre. Aber bis dahin, sagten die Wissenschaftler, vergingen noch ein paar Milliarden Jahre.

Ich seufzte.

Schritte näherten sich, und ein Mann stellte sich neben mich. Sein Blick hing an der Nebelbank vor uns. Er war alt. Graues Haar flatterte um sein Gesicht, und die Falten um seine Augen wirkten tiefer als der Marianengraben. Salzkristalle funkelten darin. Vielleicht bildete ich mir das auch nur ein. Aber an einem Ort wie diesem wusste man das nie so genau. Hier, tief im Süden Englands, war die Magie der Fae noch immer stark.

»Sollten Sie nicht am Steuer sein, Kapitän?«

»Autopilot«, erwiderte er knapp.

Schon als ich ihn anheuerte, war er mir nicht wie der gesellige Typ vorgekommen. Egal. Ich blickte wieder zum Nebel.

»Sind Sie sicher, dass Sie zur Isle of Veil wollen?«, fragte er.

Ja, war ich.

»Die Leute dort sind ein eigener Schlag«, sagte er leise. »Und dann die Dämonen. Kein guter Ort für eine junge Frau wie Sie, Ms ...«

»Nennen Sie mich Ivy.«

Sein Nicken wirkte zögerlich, beinahe widerwillig.

»Sie mögen keine Dämonen?«, fragte ich.

»Ich traue ihnen nicht, wenn sie ungebunden sind.«

Das sollte man nie. »Es ist eine Aufzuchtstation, Kapitän. Die Exemplare dort sind alle noch sehr jung. Harmlos.« Zumindest redete ich mir das ein.

»Wenn Sie es sagen, Ms …«

»Ivy.«

Stille senkte sich zwischen uns. Unter uns glitt ein Schwarm leuchtender Wesen vorüber. Für einen Moment wirkte ihr Anblick beinahe tröstlich. Ich beugte mich vor, um besser sehen zu können. Da löste sich ein gewaltiger Schatten aus der Tiefe, verschluckte das Licht und schoss unter dem Boot hervor. Das Wasser wirkte plötzlich dunkler, schwerer. Mein Herz setzte einen Schlag aus.

»Alles gut.« Der Kapitän legte eine Hand auf meinen Unterarm. Die Berührung seiner rauen, schwieligen Finger fühlte sich seltsam beruhigend an. »Das ist nur sie

Ein weißer Buckel durchbrach die Wasseroberfläche. Größer als ein Wal, viel größer. Fasziniert starrte ich auf die Schuppen, die im Sonnenlicht wie Perlmutt funkelten. Dann glitt das Wesen wieder in die Tiefe. Kurz bevor es verschwand, peitschte sein Schwanz das Meer auf. Gischt spritzte, das Boot geriet ins Schlingern. Doch der Anblick war zu schön, um ihn mir von meinem rebellischen Magen verderben zu lassen.

»Sie mag Sie.« Der Kapitän lächelte zum ersten Mal, seit wir uns begegnet waren. »Die Herrin der Isle of Veil hat Sie persönlich willkommen geheißen. Ich denke, Sie werden sich auf der Insel zurechtfinden, Ivy.« Er wandte sich ab und ging mit dem schwankenden Schritt eines Mannes davon, der mehr Zeit auf dem Wasser verbracht hatte als an Land.

Wir tauchten in den Nebel ein, und seine feuchte Kühle legte sich auf mein Gesicht. Um mich herum nichts als stilles, friedliches Weiß. Kein Wind. Keine Wellen. Selbst der salzige Atem der See wirkte gedämpft. Der Nebel hatte immer wie ein schützender Ring um die Insel gelegen. Man erzählte sich, sie habe ihn erschaffen: Die Herrin der Insel, eine der letzten Fae, die nicht mit ihrem Volk weitergezogen war.

Dann, von einem Augenblick auf den anderen, lichtete sich der Dunst. Sonnenlicht blendete mich. Vor mir lag ein grünes Eiland. Auf den ersten Blick wirkte es wie ein unberührtes Paradies. Doch eine Straße durchschnitt das Grün, und über den Bäumen im Osten stieg Rauch auf.