Donnerstag, 21. August 2025

[Buchvorstellung einmal anders] Ex Terrae - Die Heimkehr von Athea Graye

 



Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit der Autorin Athea Graye, um mit ihr über ihr Buch „Ex Terrae – Die Heimkehr“ zu sprechen.

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um für dein Buch zu antworten.
Sehr gern, ich freue mich immer über deine Buchvorstellungen!
Kannst du uns dein Buch in möglichst wenig Sätzen beschreiben?
Das Forscherteam um Elara erhofft sich ein neues Leben auf Orytha, auf dem wohl noch weitere Menschen Leben sollen. Und Anfangs scheint alles perfekt zu sein: Gesundheitssystem, Unterkunft – es existiert kein Geld und es gibt Sensaftionell: betrunken ohne Kater! Doch dann fällt dem Team auf, dass etwas nicht stimmt und dass die Rekonstruktion der Mutanten die Basis dieses perfekten Lebens ist. Nur: ist eine Rebellion besser als der Status quo?
Deine Charaktere erleben ja so einiges. Fällt es dir leichter sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Ich muss sagen, dass ich gar nicht so viel führe oder steuere, wie ich es gerne hätte. Es ist mehr, als würde ich den Figuren Vorschläge machen, aber sie gehen ihren eigenen Weg und ich schreibe nur ihre Geschichte nieder. Sie sind im Übrigen recht stur! Aber um ehrlich zu sein fallen mir die düsteren Szenen um einiges leichter, als die schönen.
Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen würdest?
Eine? Ich muss überlegen…
Elara setzte sich in einen sehr flauschigen und komfortablen Sessel, Upsi stellte ich ihr gegenüber. Sein Bildschirm flackerte. „Nicht fragen, nur mitmachen. Meine Nanobots haben etwas gebastelt.“ Der Text wiederholte sich in Dauerschleife. Da öffnete Upsi seine Frontklappe und förderte ein glänzendes, ovales Objekt zutage.
„Meine Nanobots haben ein sensorisches Entspannungsmodul konstruiert. Anwendung empfohlen bei hormonellen Dysbalancen, Gereiztheit und ... einsamer Mimik.“
„Einsamer Mimik?“, fragte Elara.
„Ein Begriff aus dem Elysianischen. Übersetzungswahrscheinlichkeit: 72 Prozent. Möglicherweise veraltet.“
Elara betrachtete das vibrierende Objekt. Nicht gerade leise.
„Sehr gerne“, sagte sie betont laut.
„Intimität erkannt. Lynnie schaltet sich für acht Minuten und 23 Sekunden ab. Viel Erfolg, Upsi!“ – Dong.
Wie viel echte Athea steckt in dem Buch oder auch in dem ein oder anderen Charakter?
Ich denke ein wenig der Charaktere steck in allen von uns. Alle haben eine aufbrausende, eine beruhigende, eine zynische oder eine naive Seite – sie sind nur unterschiedlich ausgeprägt. Ich hoffe, dass alle sich in den Figuren wiederfinden. Doch es fließt einiges meiner Erfahrung mit ein.
Wie würden dich deine Charaktere beschreiben?
Vielleicht als… freundschaftliche Sklaventreiberin? Heulsuse? Ambitionierte Nachteule?
Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert?
Der stand schon zum Ende des ersten Bandes. Mein Ziel war, dass das Team eine Heimat findet – schließlich ist die Erde Geschichte (ups… spoiler) und ich finde sie haben jetzt eine Pause verdient, daher arbeite ich gerade an einem ganz anderen Roman. Weit weg von Orytha.
Bist du zu 100% zufrieden mit dem Cover oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Ich bin grundsätzlich zufrieden. Lieber wäre es mir, ich hätte zu dem Zeitpunkt schon eine:n passende:n Illustrator:in gefunden. Doch als Selfpublisher sind die Mittel begrenzt, selbst mit Hauptjob geht immer noch das meiste für Essen und Miete drauf. Aber jetzt habe ich, denke ich, eine tolle Illustratorin gefunden, der ich für den nächsten Roman vollkommene künstlerische Freiheit lasse.
Zum Abschluss würde mich noch dein Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
∫0∞sin⁡(ax)x⋅e−bx dx=?\int_{0}^{\infty} \frac{\sin(ax)}{x} \cdot e^{-bx} \, dx = ?∫0∞xsin(ax)⋅e−bxdx=?

mit a,b∈R+a, b \in \mathbb{R}^{+}a,b∈R+“
Viel Spaß beim Rechnen! 😉
Danke für das Gespräch.
Ich habe zu danken und freue mich schon auf das nächste Mal!

Dienstag, 19. August 2025

[Schnipseltime] Finding Destiny von Amory Beryl


 

Unfassbar. Wirklich unfassbar.

Zähneknirschend polterte ich die Stufen hinab, passierte den blöden Salon meines noch blöderen Uropas und trat hinaus auf die dunkle Straße. Heute würde ich in meinem Geheimversteck übernachten, so viel stand fest! Wer so eine Familie hatte, brauchte keine Feinde mehr. Die konnten mir gestohlen bleiben, aber so was von!

Grummelnd und murrend schloss ich mein Fahrrad ab und wollte gerade abdampfen, als mein Blick auf einen leuchtenden Punkt im Laden fiel.

›Nanu? Was ist das denn?‹

Verunsichert trat ich ans Schaufenster und spähte hinein.

Mein Cousin Montgomery hatte sich in einem der Friseurstühle zusammengerollt und schien tief zu schlafen – mit brennender Kippe im Mund.

›Der spinnt wohl?‹

Genervt schloss ich mein Fahrrad wieder an und stapfte zurück in den Laden. Dort schaltete ich das Licht ein und rüttelte meinen Cousin an der Schulter. »Hey! Wach auf!«

Monty brummte leise und drehte sich schmatzend zur Seite. Dabei fiel ihm die Fluppe aus dem Mund und landete direkt auf seinem Schoß.

Sogleich brannte die Glut ein Loch in seine Jeans. Ich schnappte mir den Glimmstängel und schlug die Funken hastig aus.

»Bist du irre? Willst du den ganzen Laden abfackeln, du Vollidiot?«

Ich lag zwar im Klinsch mit meiner Familie, hatte aber nicht vor, Urgroßvaters Lebenswerk in Rauch aufgehen zu lassen. Daher drückte ich die Kippe in einem der Aschenbecher aus – unsere Kundschaft paffte gern während ihres Spa-Erlebnisses –, bevor ich einen weiteren Versuch wagte, die alte Schnarchnase zurück ins Land der Lebenden zu holen.

»Montgomery!«

Statt aufzuwachen, rülpste der Mistkerl mich an. Ich kniff die Augen zusammen. Seine Alkoholfahne war so beißend, dass mir fast die Tränen kamen.

»Boah, wie du stinkst!« Ich zog die Nase kraus. »Hast du in Wodka gebadet oder was?«

›Pff! Diesen Säufer lassen sie nachts allein, aber ich bin nicht bereit für meinen eigenen Salon. Schon klar! Was hat dieser Blödmann um diese Zeit überhaupt in Uropas Laden zu suchen?‹

Frustriert grollend ließ ich meinen Blick umherschweifen.

›Wie sieht’s hier überhaupt aus? Ich sollte dieser Pfeife eins mit dem Besen überziehen.‹

Haare und Staubflusen wirbelten durch die Luft, wann immer ich mich bewegte. Der Boden war voller Seifenschlieren und auf dem Tresen türmten sich leere Shampoo-Flaschen, die offenbar nicht mehr in den überfüllten Mülleimer gepasst hatten. Fauliger Geruch quoll daraus hervor und mischte sich mit der scharfen Note unseres Rasierwassers.

Bäh! Was hatte Monty hier bloß getrieben?

[Buchvorstellung einmal anders] Finding Freedom und Finding Destiny von Amory Beryl

 

Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit den Protagonisten Remy und Jayden aus „Finding Freedom“ und „Finding Destiny“ und deren Autorin Amory Beryl.

Hallo, danke, dass ihr heute Zeit habt und für das Buch antwortet. Würdet ihr euch vielleicht gegenseitig beim Interview unterstützen?
Remy: Klaro! Das ist für uns alle das erste Interview, darum sind wir ganz schön aufgeregt.
Jayden: *lacht nervös* U-und wie … *wirft einen sehnsüchtigen Blick zur Tür*
Ich hatte ein langes Gespräch mit eurer Autorin, deshalb wäre es schön, wenn ihr euch meinen Lesern vorstellen könntet.
Remy: Gern! Mein Name ist Remy und das ist mein Ziehpapa, Jayden!
Jayden: Ziehpapa ist etwas zu viel gesagt. So kurz wie du geraten bist, ist es mir nicht wirklich gut gelungen, dich in die Länge zu ziehen.
Remy: Das … war ein echt lamer Dad-Joke, Jay.
Beschreibt uns das Buch in möglichst wenig Sätzen.
Remy: In „Finding Freedom“ fliehen mein kleiner Luca und ich aus einem geheimen Pornobunker und schleichen uns heimlich in einen Truck. Hätte furchtbar schief gehen können, aber wir sind an den besten Alpha ever geraten. Dank meinem neuen Zuhause mit Bart sind wir nun endlich frei.
Jayden: Ja, Ryker ist schon ein wahrer Goldschatz. Ich bin so unglaublich dankbar, dass er euch gefunden hat. Meine Geschichte ist übrigens ähnlich … und doch ganz anders. In „Finding Destiny“ hilft mir jemand, der vom Alter her mein Kind sein könnte, bei der Flucht aus dem Bunker. Das Problem? Er gehört zu einer der Familien, die uns überhaupt erst eingesperrt und ausgebeutet haben. Tja, daher muss Milo sich entscheiden. Für seine Sippe oder für mich. Da er aber mein absoluter Herzensrebell ist, könnt ihr euch sicher denken, wie es ausgeht … hehe.
Macht es dir Spaß, deine Protagonisten ein wenig zu quälen? Sie in Situationen hineinzuwerfen, die schwierig sind? Warum nicht einfach und schön? Müssen Gefahren und Stolpersteine immer sein?
Amory: Joa … ein bisschen?
Remy: Ein bisschen? Die Trulla liebt es, uns zu quälen. Ich bin in einem verdammten Bordell-Bunker aufgewachsen und hab deswegen eine Trichterbrust und O-Beine!
Jayden: *verzieht leidend das Gesicht* Mir hat sie die Beine gebrochen. Von der Sache mit dem Schraubendreher ganz zu schweigen. Aber das Schlimmste ist, dass sie E…
Amory: *hält Jay den Mund zu* Psch! Nun verratet doch nicht alles! Das sollen die Leute schön selbst lesen. Die Reihe ist nun mal eine Dystopie – da gibt es von Haus aus kein schön und einfach.
Jayden: Du bist grausam!
Remy: Grausam und gemein!
Amory: Hey! Ihr habt liebevolle Alphas und wundervolle Happy Ends bekommen, also Ruhe jetzt auf den billigen Plätzen!
Habt ihr eine Lieblingsstelle im Buch, die ihr den Lesern des Blogs gerne vorstellen würdet?
Remy: Meine ist das Wiedersehen mit Luca und Ryker. Das hat mir so, so viel bedeutet.
Jayden: Das kann ich mir vorstellen. Mein Wiedersehen mit euch war auch unfassbar wichtig für mich. Aber ich habe auch geliebt, wie Milo mit mir getanzt hat. Hat mich einfach auf seine Füße gestellt und schon ging es los. Das werde ich niemals vergessen.
Remy: Wie schön!
Wie viel echte Amory steckt in dem Buch oder in dem ein oder anderen Charakter?
Jayden: Ich denke, in mir steckt bisher am meisten von ihr. Sie ist wie ich pragmatisch, sarkastisch und introvertiert. Remy ist eher der Opportunist.
Remy: Yo, ein psychopatischer Opportunist.
Jayden: *seufzt* Du hattest keine Wahl, Schatz. Du musstest Luca und dich verteidigen. Wenn auch … auf sehr kreative Weise. Ha! Kreativität. Das hast du auf jeden Fall von unserer Erschafferin.
Wie würdet ihr als Hauptcharaktere eure Autorin beschreiben?
Jayden: Grausam!
Remy: Grausam und gemein!
Jayden: Sie hat mir alles genommen.
Amory: Und dann habe ich dir alles gegeben. Hör auf, dich ständig zu beschweren. Das Leben ist nun mal voller Wandel und Verluste, voller Höhen und Tiefen. Hättet ihr euch lieber in einer Utopie gelangweilt, als die raue Schönheit der Welt kennenzulernen und die wahre Liebe zu finden? Manche von euch sogar mehrmals? *wirft einen vielsagenden Blick zu Jayden*
Remy und Jayden: …
Amory: Dachte ich mir.
Jayden: Sie hat uns fest im Griff.
Remy: Meist machen wir aber trotzdem, was wir wollen. Und sie kann nichts dagegen tun! Muhahaha!!!
Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattet ihr zwei vielleicht sogar Mitspracherecht?
Jayden: Die Titel von den geplanten Bänden der Hauptreihe standen allesamt schon fest, als wir noch ein schlüpfriger Fiebertraum in den Gehirnschwingen unserer Autorin waren.
Remy: Wir hatten also absolut nix zu melden.
Seid ihr zu 100% mit dem Cover zufrieden oder hättet ihr nachträglich noch etwas ändern wollen?
Jayden: Auf meinem sehe ich wesentlich jünger aus, als ich bin. Finde ich gut.
Remy: Das nächste Mal möchte ich auch auf einer Wiese liegen. Mich kriegen keine zehn Pferde noch mal mit Jeans und Schuhen ins Wasser! Das Resultat ist aber schon cool geworden, muss ich sagen.
Wisst ihr, was mich noch interessieren würde? Euer jeweiliges Lieblingszitat aus dem Buch.
Remy: „»Du armes Ding.« Schwer seufzend streichelte er (Luca) über den Einband, als wäre er eine katzengroße Kakerlake. »Wer hat dich nur so zugerichtet?« Das Buch sah tatsächlich so aus, als hätte der ehemalige Besitzer es zwanzigmal gegen die nächste Wand gedonnert und danach versucht, die Überreste im Klo runterzuspülen.“
Jayden: Oh, haha. Wenn ihr erfahren wollt, wer das Buch so zugerichtet hat, müsst ihr wohl Destiny lesen.
Remy: Warte, DU warst das?
Jayden: Öh … Nein? Ich trage nur eine Mitschuld. Gut … ich bin dran. Bei mir ist es ein Part aus Milos POV: „»Oh, Herzchen …« Die Gesichtszüge des Omegas wurden ganz weich und füllten sich mit Mitleid. »Du bist wirklich etwas anders als die anderen, was?«
Grandios. Jetzt hielt er mich auch noch für geistig zurückgeblieben.“ Zugegeben, ich hatte nicht den besten ersten Eindruck von ihm. ^^°
Remy: *feixt*
Vielen Dank für das Gespräch
Jayden: Vielen Dank, dass wir …
Die Tür wird aufgestoßen und Victor stürmt aufgebracht in den Raum.
Vic: Na, sieh mal einer an! Hier ist anscheinend eine Party im Gange – und ich bin mal wieder nicht eingeladen. Den Arsch retten darf ich euch ständig, aber für euer tolles Interview bin ich wohl nicht wichtig genug, huh?
Remy: Jetzt halt aber mal die Luft an! Dein großer Auftritt wird schon noch kommen, du Dramatröte!
Vic: *schwenkt den Kopf, um sich seine Tolle aus dem Gesicht zu schütteln* Pah!
Amory: *schiebt Remy und Vic nach draußen, was sie sich nur unter großem Protest gefallen lassen* Liebe diabooks78, vielen Dank für das tolle Interview! Wir haben uns sehr gefreut! Komm, Jayden.
Jayden: *nickt diabooks78 verbunden zu und verlässt mit seinen Mitstreitern den Raum*

[Autoreninterview] Amory Beryl


Autoreninterview
Amory Beryl

Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Hallo, ich bin Amory Beryl, 38 Jahre alt. Unter diesem Pseudonym schreibe ich seit 2022 Bücher im M/M-Genre, vor allem Gay Romance, (Urban) Fantasy und dystopisches Omegaverse. Meine Geschichten sind emotional, zärtlich und oft genug auch etwas düster. Ich mag es, komplexe Figuren zu erschaffen, die mit sich oder mit ihrer Welt ringen, aber nicht aufgeben – gerade, wenn es um queere Identitäten in schwierigen Systemen geht. Wenn ich gerade nicht schreibe, arbeite ich Vollzeit in der Verwaltung einer Universität, denke über Plot-Twists nach oder schaue mir Otter-Content auf Instagram an.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Meine ersten Geschichten habe ich schon als Kind geschrieben, inspiriert von amerikanischen Kinderfilmen wie „Little Panda“, „Free Willy“ oder „Dunston – Allein im Hotel“. Mein erster Protagonist war ein kleiner Junge, der mit seiner großen Schwester Cassandra in Springfield bei den Simpsons lebte. :D
Später kam meine Anime- und Manga-Phase. Ich habe eigene Mangas gezeichnet – oft mit Kindern, die im Dschungel ausgesetzt wurden und ihren Weg nach Hause finden mussten. Die Faszination für Dschungelwelten hat mich nie ganz losgelassen. Ich bin mir sicher, dass irgendwann auch in meiner Finding-Serie mal ein Dschungel auftauchen wird, haha.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
In meiner „Pechtierchen“-Reihe sorgt ein unsichtbares Unglückswesen für jede Menge Chaos und stürzt meinen Protagonisten in eine Pechsträhne, die mehr ins Rollen bringt, als man zunächst denken mag. Fürs Herz gibt’s die Winterromanze „Jul & Jaro“, während „Der goldene Traumwandler“ in melancholische Märchenwelten entführt. Noch mehr Märchen findet man in der Anthologie „Three Gay Fairytales“ – dort habe ich die Rotkäppchen-Adaption „Freddy und der böse Wolf“ beigesteuert.
„Das Singen der Seelen“ ist eine düstere Urban Fantasy rund um Wiedergeburt, Seelenverwandtschaft und antike Götter. Und meine dystopische Omega Haven-Reihe verbindet emotionale Tiefe mit Systemkritik: „Finding Freedom“ ist der Auftakt, „Finding Destiny“ erscheint am 1. August 2025.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Aktuell bin ich noch mitten in der Marketingphase für Finding Destiny. Im Anschluss ist ein Kurzroman im selben Universum geplant – mit einem Nebencharakter aus Band 1 und 2, der endlich sein wohlverdientes Happy End bekommen soll. Wann immer ich Zeit finde, plotte ich bereits fleißig an diesem Projekt.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Ich liebe es, spazieren zu gehen. Durch Parks, Wälder und ganz besonders über Friedhöfe. Wir haben hier ein paar sehr schöne in meiner Stadt. Außerdem gehe ich gern schwimmen und besuche ab und zu einen QiGong-Kurs oder dergleichen, um wieder ein bisschen bei mir selbst anzukommen.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Ich bin ein großer Fan der „Hunger Games“-Reihe. Ansonsten lese ich vor allem im M/M-Genre. Meine Favoriten sind momentan die Bücher rund um Rain Christiansen von S. E. Harmon und alles von Arya J. David, insbesondere „Rabe & Winterling“ sowie „Die Blackwolf-Akten“.
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Mein Schreibtisch ist schon recht betagt, der stammt noch aus meinem Jugendzimmer – so ein heller Klopper mit Schubkästen auf beiden Seiten. Früher hatte ich einen Desktop-PC; seit letztem Jahr nutze ich jedoch einen Laptop, der allerdings an einen Monitor angeschlossen ist. Außerdem tummeln sich auf dem Tisch ein Grafiktablett und ein Mikrofon mit Audio-Interface. Man weiß ja nie, wann die Muse plötzlich in Hörspielform daherkommt.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Ein typischer Wochentag beginnt bei mir um 5:15 Uhr mit etwas Frühsport, bevor ich mich auf den Weg zum Bahnhof mache. Ab ca. 6.40 Uhr fange ich an zu arbeiten. Wenn ich Pausen oder Leerlauf habe, nutze ich die Zeit gern, um ein wenig an meinen Geschichten zu feilen. Gegen 15:40 Uhr ist Feierabend, zu Hause gibt’s dann Abendessen und anschließend wird noch 1–2 Stunden geschrieben, geplottet oder überarbeitet. Später lasse ich den Tag mit ein paar YouTube-Videos ausklingen, bevor ich im Bett noch eine halbe Stunde lese.
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Ich lese und schreibe fast ausschließlich im M/M-Genre. Das ist mein Zuhause. Besonders liebe ich dystopische Settings, Urban Fantasy, Wandlergeschichten, Sci-Fi-Abenteuer auf fremden Planeten, Fantasy-Krimis und hin und wieder auch eine berührende Romanze. Hauptsache, die Geschichte hat Tiefe, spannende Figuren und ein gutes, schlüssiges Worldbuilding.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
Ein Zitat, das mich durchs Leben begleitet, ist: „Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ (Das ist, glaube ich, ein altes Pilgergebet.)
Ein konkretes Zitat aus meinen Büchern fällt mir zwar gerade nicht ein, aber ich hoffe, dass zwischen den Zeilen selbst in den düsteren Momenten immer ein bisschen Trost, Mut und Hoffnung mitschwingen.
Hast du ein Lieblingsland und warum?
In der siebten Klasse mussten wir Wandzeitungen gestalten. Mir wurde dabei das Thema „Japan“ zugeteilt. Seitdem hat mich dieses faszinierende Land nicht mehr losgelassen. Eine Zeit lang habe ich sogar Japanologie studiert. Mich interessieren insbesondere die Kultur, die Sprache und die Geschichte. Früher habe ich viele Bücher zum Thema verschlungen, heute schaue ich eher Dokus und Videos, zum Beispiel vom YouTuber „Abroad in Japan“, der seinen Zuschauer*innen das Land mit einer guten Mischung aus britischem Humor und viel Hintergrundwissen unterhaltsam näherbringt.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Gern kritisiert wird niemand. Ich halte Kritik jedoch für enorm wichtig, wenn man wachsen und sich verbessern will – vorausgesetzt, sie ist konstruktiv. Im ersten Moment denke ich zwar manchmal: „Was? Wie kannst du nur?!“, aber dann schaltet sich meine Vernunft ein, ich reflektiere, und wenn was dran ist, nehme ich es mir wirklich zu Herzen und versuche es in Zukunft besser zu machen.
Warum hast du dich entschieden Selfpublisher zu werden und nicht zu einem Verlag zu gehen?
Als ich 2022 mit dem Gedanken spielte, mein erstes Buch zu veröffentlichen, habe ich Pechtierchen mehreren Verlagen angeboten. Einer war auch interessiert, aber allein die Sichtung hätte rund sechs Monate gedauert. So viel Geduld hatte ich nicht. Also dachte ich: Wenn ich es jetzt nicht selbst versuche, dann wird das nie was werden. Also habe ich es einfach gemacht – und bin bis heute dabei geblieben. Vorher hatte ich schon unter zwei anderen Pseudonymen für zwei Verlage geschrieben (eine Kurzgeschichte, ein Kurzroman und ein Jugendbuch). Aber die Zusammenarbeit war nicht ganz meins – das hat meine Entscheidung zum Selfpublishing nochmal bekräftigt.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Wenn ihr euch mal wieder vom Pechtierchen besessen fühlt, denkt dran: Manchmal führen selbst die miesesten Tage zu den schönsten Geschichten. Und wer weiß, vielleicht wartet hinter der nächsten Ecke auch schon euer ganz persönliches Happy End auf euch.

Montag, 18. August 2025

[Buchvorstellung einmal anders] Wolfsherz von Nicole Stabler


 
Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit der Autorin Nicole Stabler, um mit ihr über ihr Buch „Wolfsherz“ zu sprechen.

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um für dein Buch zu antworten.
Die Freude ist ganz meinerseits 😊
Kannst du uns dein Buch in möglichst wenig Sätzen beschreiben?
Es ist eine auf den ersten Blick düster erscheinende Adaption von Rotkäppchen. Wer aber genau liest, erkennt, dass vieles auf den ersten Blick nicht so scheint wie es ist.
Deine Charaktere erleben ja so einiges. Fällt es dir leichter sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Ich habe einen Hang zur Dramatik; ich baue gerne düstere Elemente ein
Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen würdest?
Ich liebe grundsätzlich den Prolog des Buches. Da bin ich ein bisschen stolz darauf
Wie viel echte Nicole steckt in dem Buch oder auch in dem ein oder anderen Charakter?
Bei Wolfsherz habe ich tatsächlich nichts von meiner Persönlichkeit einfließen lassen, in manch anderen Werken ist dies schon der Fall.
Wie würden dich deine Charaktere beschreiben?
ich denke sie würden mich als unberechenbar und hinterlistig beschreiben, nachdem was in der Geschichte passiert.
Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert?
Der Titel entstand beim Brainstorming mit meinem Freund, ich glaube er kam schlussendlich auf die Idee
Bist du zu 100% zufrieden mit dem Cover oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Nein, mir gefällt es sehr gut. Mein Freund und ich haben lange daran herumgewerkelt und ich finde es hat was!
Zum Abschluss würde mich noch dein Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Puh, gute Frage…. Ich glaube ich habe kein Lieblingszitat… ich kann hier aber wieder auf den Prolog zurückkommen: Stell dir den Prolog von einer düsteren, geheimnisvollen Stimme vorgelesen, ich bekomme dann immer etwas Gänsehaut und deshalb würde ich wieder als Zitat den ganzen Prolog nennen…. 😉
Danke für das Gespräch.

[Autoreninterview] Nicole Stabler


Autoreninterview
Nicole Stabler

Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Ich bin Nicole 30 Jahre, lebe in Vorarlberg und bin Besitzerin von 7 Kaninchen; zu meinen größten Hobbies (neben dem Schreiben) zählen Snowboarden, lesen, LARP, Tennis, Schwimmen und Bogenschießen
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
gute Frage, ich habe eigentlich schon immer Geschichten geschrieben
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
Islandsaga – Roadtrip
Wanderlust – Erlebnisse meiner Alleinreisen
Nordweh – Reise von Ondina zum Nordkap
Schattentanz – mittelalterliche Romantasy
Wolfsherz – Märchenadaption von Rotkäppchen
Ein Meermärchen – Romantasy mit Selkies
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Ja an einer Adaption zu Allerleihrauh
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Lesen, die Sonne genießen, basteln fürs LARP, Fotoalben gestalten, Musik hören
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Ganz eindeutig Nach dem Sommer von Maggie Stiefvater
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Ich habe keinen fixen Schreibplatz, manchmal schreibe ich im Bücherzimmer, dann auf der Couch, in der Mittagspause beim Arbeitsplatz
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Ich stehe auf, schalte den Radio ein und mache mich bereit für den Tag, ich packe meine Arbeitstasche und da ist auch immer ein Buch für die Mittagspause dabei; nach der Arbeit koche ich für meinen Freund und mich, wir tauschen uns über den Tag aus, ich begrüße natürlich auch meine Kaninchen und dann verbringen wir 9 Zeit miteinander
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Fantasy und YA… beim Schreiben sind es grundsätzlich die gleichen Genres
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
mein Lebensmotto ist: Life is short, live it!
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Ich habe es irgendwie mit nordischen Ländern, Schottland ist ganz oben auf dieser Liste, da ich mit 16 für 4 Monate dort gelebt habe und Island finde ich einfach wunderschön! Da war ich nun schon 2x oben
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Ich würde mal sagen ja, ich kann mit Kritik umgehen, da ich immer versuche mich in die andere Person hineinzuversetzen, um mein gegenüber verstehen zu können und so auch versuche die Kritik an mir oder an meinen Werken etc. zu verstehen
Warum hast du dich entschieden Selfpublisher zu werden und nicht zu einem Verlag zu gehen?
Mein Ziel wäre es einen Verlagsvertrag zu erhalten; noch hatte ich aber kein Glück damit!
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Christopher Paolini hat zu mir bei einer Signierstunde gesagt: Never give up! Ich glaube, dieses Zitat ist in ganz vielen Situationen passend

Sonntag, 17. August 2025

[Schnipseltime] Der Wille der Zauberin von Katharina Fröhlich


 

Prolog

Drei bunt angestrichene Planwagen ratterten über eine gepflasterte Straße. Sie waren mit Monden und Sternen, Flammenzungen, fliegenden Bällen und Blumen bemalt. Das Rattern der Holzräder wurde unterlegt vom Klingeln der Schellen und dem Rufen der Menschen auf den Wagen. Dieser Lärm war von Weitem zu hören. Auffällig waren die Reisenden auf den bunten Wagen. Das war ihr Geschäft, denn es waren Spielleute.

Sie waren zu siebt. Auf dem vorderen Wagen saß Joselyn auf dem Bock. Er war Messerwerfer – ein verdammt guter – und der Anführer der Schar. Zumindest entschied er, wohin die Reise ging, wo sie auftraten und wo nicht. Seit seiner Geburt lebte er auf den bunten Wagen. Neben ihm saß seine Frau und Partnerin beim Messerwerfen, Ginni. Im Wagen lümmelte der zehnjährige Falkan.

Zur Truppe gehörten noch Basso und Jarn, der Possenreißer und der Muskelprotz, und Selma und Marek, die Seiltänzerin und der Musiker. Basso lenkte den mittleren Wagen und sah ein Flackern unter der Plane vor sich.

„Hey Falkan!“, brüllte er über das Rumpeln hinweg. „Fackel den Wagen nicht ab!“

Das Gesicht des Jungen erschien in der Öffnung. Auf seinem Finger tanzte eine etwa zündholzgroße Flamme.

„Keine Sorge! Ich pass schon auf!“, rief er zurück.

Schließlich kannte er das Feuer nun viel besser als damals, als er den Wagen beinahe wirklich abgefackelt hätte … Trotzdem blies er das Flämmchen aus und kroch nach vorne zu Joselyn und Ginni. Die beiden waren in ein Gespräch vertieft, doch sie unterbrachen es, sobald Falkan sich zwischen sie auf den Bock quetschte.

„Wo sollen wir dich nur hinstecken, wenn du weiter so wächst?“, neckte Ginni ihn.

Falkan schmiegte sich an sie. „Ich könnte reiten.“

„Das würde dir so passen!“ Joselyn lachte und verstrubbelte ihm die feuerroten Haare. „Nach einem ganzen Tag im Sattel würde dir der Hintern wehtun, glaub mir.“

Ein Pferd war Falkans neuester Wunsch. Die Ochsen, die die Wagen zogen, waren zwar praktisch, aber zum Reiten vollkommen ungeeignet – er hatte es ausprobiert. Die sonst so gutmütigen Tiere hatten alles versucht, um dieses Kind auf ihrem Rücken schnellstmöglich loszuwerden. Ein Pferd konnten sie sich allerdings nicht leisten, das war Falkan klar, daher wechselte er das Thema.

„Wann sind wir da?“

„Es wird schon noch ein paar Stunden dauern“, antwortete Joselyn.

„Die Hauptstadt … Ist sie groß? Gibt es da eine Burg? Und Soldaten?“

Ginni lächelte angesichts Falkans Aufregung. „Nicht nur eine Burg, sondern einen Palast. Alle Soldaten des Landes werden in der Hauptstadt ausgebildet. Du warst sogar schon mal dort.“

Die Hauptstadt war damals ihr erster Halt gewesen, nachdem sie das Findelkind am Wegesrand aufgesammelt hatten.

„Wohnt in dem Palast ein König?“

„Nur eine böse Zauberin.“

Mit großen Augen blickte Falkan seinen Ziehvater an.

„Jos!“, schalt Ginni ihn. „Erzähl dem Jungen keine Dummheiten.“ Sich Falkan zuwendend fügte sie hinzu: „Sie ist eine Zauberin, aber du wirst sie niemals böse nennen. Hörst du?“

„In Ordnung.“ Falkan spürte, dass es seiner Ziehmutter ernst war, auch wenn er den Grund nicht verstand. „Wie sind die Leute in der Hauptstadt? Mögen sie Spielleute?“

„Na klar. Sie warten nur auf uns. Du wirst es bald sehen.“

Joselyn erzählte Falkan wie so oft Geschichten über glorreiche Spielleute, die Königreiche retteten, Schätze fanden und schöne Frauen liebten. Der Junge hing an seinen Lippen.

Ginni zog sich derweil unter die Plane zurück. Die böse Zauberin … Diese Worte hatten ihre Sorge noch verstärkt. Sie hatte nicht in die Hauptstadt gewollt, doch keiner hatte auf sie gehört. Die anderen wollten dort unbedingt auftreten, es winkte viel Geld. Obendrein kam Selma aus der Hauptstadt und wollte mal wieder nach Hause. Marek wollte die Gelegenheit nutzen, um neue Musikstücke zu lernen. Und Falkan … Der Junge war neugierig auf die größte Stadt des Landes.

Nur sie selbst hatte ein schlechtes Gefühl bei der Sache. Schon seit Längerem gab es Gerüchte, die Zauberin suche vier besondere Kinder. Ihr kleiner Falkan war ein besonderes Kind, keine Frage. Sie hatte ihre Sorgen mit den anderen geteilt, doch die hatten sie weggewischt. Keinem würde auffallen, was der Junge wirklich konnte, falls doch, wären sie längst wieder auf der Straße. Sei unbesorgt, Ginni, und denk an das Geld. Der Winter kommt. Also hatte sie nichts mehr gesagt.

Schließlich erklang der Ruf: „Stadt in Sicht!“

Falkan stand auf dem Bock, um mehr sehen zu können. Am Ende der gepflasterten Straße erhob sich eine hohe Mauer mit bemannten Zinnen, ein paar Türme und der Palast ragten als Einziges über sie hinaus. Ginni war bereits mehrmals hier gewesen und konnte ihr nichts abgewinnen.

„Woah! Schaut euch diese Mauer an! Ist das dahinten der Palast? Der ist ja riesig!“, rief der Junge aufgeregt.

Am viel zu großen Tor wurden sie aufgehalten. Falkan schaute sich den Wächter genauestens an. Joselyn erklärte geduldig, sie seien Spielleute und wollen am Marktplatz auftreten. Nach einigem Hin und Her durften sie endlich passieren, mit der Mahnung im Gepäck, sich nicht in den Palast zu wagen.

Während sie über die Straßen holperten, wurde mindestens die halbe Stadtbevölkerung auf sie aufmerksam. Die Spielleute winkten und luden die Menschen ein, auf den Marktplatz zu kommen. Jarn ließ seine Muskeln spielen, Marek versuchte ein Liedchen zum Besten zu geben, das bei diesem Lärm allerdings niemand hörte.

Falkan stand noch immer auf dem Bock. Glücklich schaute er auf die Menschen am Straßenrand und die Kinder, die neben den Wagen herliefen. Ein breites Grinsen lag auf seinem Gesicht. Er fühlte sich wie der König der Spielleute. Ja, genauso sollte das Leben sein!

Auf dem Marktplatz wurden die Wagen in einem Dreieck aufgestellt, sodass die Mitte wenigstens ein Minimum an Privatsphäre für die Spielleute bot.

Die beachtliche Menschenmenge, die ihnen gefolgt war, verteilte sich auf dem Platz und beobachtete jeden Handgriff. Falkan fütterte und tränkte die Ochsen, während die anderen ausluden. Es war klar, dass sie heute nicht mehr rechtzeitig fertig werden würden, daher vertrösteten sie die Menschen auf morgen. Einige gingen, viele aber blieben und schauten beim Aufbau zu.

Falkan liebte die Vorstellungen, er liebte die Truppe und das freie Leben, obwohl es mühselig sein konnte, wenn das Wetter schlecht war, sie wenig zu essen hatten oder beides. Doch der Auf- und Abbau war wirklich das Schlimmste. Jedes Teil hatte seinen bestimmten Platz in den Wagen, die Erwachsenen gingen die Sache routiniert an und trotzdem dauerte es ewig, bis alles stand, wo es hingehörte.

Am Abend schließlich hatten sie es geschafft. Joselyn und Basso zündeten sich ein Pfeifchen an, Ginni kochte inmitten der Wagen und Selma ging, um ihre Familie zu besuchen. Marek war in ein Gespräch mit einem Flötenspieler versunken und Jarn schäkerte mit ein paar Frauen. Viele Kinder, die beim Aufbau zugeschaut hatten, waren immer noch da.

„Ich geh spielen!“, rief Falkan zu den Wagen herüber.

„Sei aber zum Essen wieder da!“

„In Ordnung!“ Falkan rannte zu den Kindern. „Hallo! Wollen wir spielen?“

Natürlich wollten die Kinder spielen und etwas über die Vorstellung erfahren. Sie tobten durch die Straßen und über den Marktplatz, bis es Zeit zum Essen war.

Später, als Falkan zwischen Joselyn und Ginni im Wagen lag, mollig zugedeckt und zufrieden, sagte er: „Ich mag die Hauptstadt. Wir haben sogar einen richtigen Soldaten gesehen! Nicht nur so einen Wächter wie am Tor. Er hatte ein Schwert und eine Lanze. Ich bin auf morgen gespannt! Die Kinder sagen, der ganze Platz wird voll sein.“

„Oh ja. Es wird prima“, murmelte Joselyn schläfrig.

Ginni strich ihrem Kleinen zärtlich über den Kopf. „Falkan, wenn wir morgen auftreten … Zeig nicht alles, was du kannst.“

„Warum?“

„Tu es einfach nicht, ja?“

„Na gut.“

 

 

Der Auftritt versprach, phantastisch zu werden. Bei strahlendem Sonnenschein war der Platz gerammelt voll, einige Menschen waren sogar auf die Dächer gestiegen. Unter den Zuschauern waren auch ein paar Soldaten.

Joselyn begrüßte das Publikum und kündigte auch alle Auftritte an. Den Anfang machte Basso, der die Stimmung der Menschen mit seinen Späßen anheizte. Es gab viele Lacher. Danach folgte Jarns Auftritt. Mit seiner puren Muskelkraft verblüffte er alle. Er bog eine Eisenstange, als wäre sie ein Grashalm. Marek untermalte alles mit der passenden Musik.

Die ersten Aufschreie erntete Selma, als sie über das Seil balancierte, das sie gestern zwischen den Häusern gespannt hatten. In der Mitte schlug sie ein Rad und das Publikum applaudierte laut. Falkan konnte eine Frau in der Menge ausmachen, die Selma ähnlich sah, bestimmt war es ihre Schwester.

Auf Selmas Auftritt folgte Joselyns Messerwerfen. Er stellte seine Assistentin Ginni vor und kettete sie an einem hölzernen Rad fest. Danach zeigte er die Messer. Er demonstrierte ihre Schärfe, indem er ganz nebenbei Lebensmittel für das Abendessen filetierte. Im Publikum baute sich eine Spannung auf, die fast mit Händen zu greifen war. Jarn trat zum Holzrad und drehte es. Ginni wirbelte um ihre eigene Achse. Gelassen sprach Joselyn weiter mit dem Publikum über Messer und Frauen und Flugbahnen. Sobald das Rad einigermaßen zum Stehen gekommen war, schleuderte er die Messer – zack zack zack. Die Menschen hielten den Atem an.

Falkan hatte sich früher oft gewundert, warum sie solche Angst hatten. Joselyn und Ginni würden doch niemals diese Vorstellung geben, wenn ernsthaft Verletzungsgefahr bestünde. Doch irgendwann hatte der Junge gelernt, dass die Dramatik eben dazugehörte. Und Verletzungsrisiken gab es trotzdem immer, egal wie gut man war.

Ginni lächelte den Geschossen strahlend entgegen. Pock pockpock. Die Messer trafen zielsicher das Holz. Zischend entwich die Luft aus vielen Mündern. Das Publikum applaudierte erleichtert. Ginni wurde vom Rad abgebunden. Sie und Joselyn verbeugten sich unter dem Applaus der Menge.

Anspannung machte sich in Falkan breit. Nun war es so weit. Joselyn kündigte ihn an.

„Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Kinder! Voller Stolz präsentiere ich euch das atemberaubende Spiel mit dem Feuer! Nirgendwo sonst wird das Feuer heller oder heißer brennen! Nirgendwo sonst werdet ihr seine Schönheit in aller Pracht sehen können! Habt keine Angst! Euch und eurer Stadt wird nichts geschehen. Das Feuer ist sein Freund und wird tun, was er verlangt. Hier ist Falkan!“

Falkan sprang auf die Bühne und verbeugte sich. In der Hand hatte er eine brennende Fackel. Er streckte die bloße Hand nach der Flamme aus. Das Publikum beobachtete jede seiner Bewegungen. Falkan spürte die Hitze, die Flamme küsste seine Haut – er liebte dieses Gefühl. Während jeder andere Mensch Schmerzen hatte, verbrannt wurde, fühlte er ein wohliges Kribbeln. Er lächelte glücklich. Ginnis Bitte um Zurückhaltung war längst vergessen.

Falkan wünschte sich, die Flamme möge größer werden. Da wurde sie größer. Er griff hinein – das Feuer brannte auf seiner Haut weiter, ohne ihm etwas anzuhaben. Die Fackel steckte er in eine Vertiefung im Boden, er brauchte sie nicht mehr. Vor den staunenden Zuschauern warf Falkan das Feuer von einer Hand in die andere, er ließ es seine nackten Arme hinauf- und hinunterwandern und dann gab er ihm einen Kuss. Das Publikum seufzte.

Fast schon selbstvergessen spielte er mit dem Feuer, bevor er seinen neuesten Trick zeigte. Er hatte geübt, die Flammen dazu zu bringen, sich zu einer Blume zu formen. Es erforderte enorme Willenskraft und Falkan war stolz, als ihm diesmal eine makellose Lilie gelang. Er streckte sie einer Frau in der ersten Reihe entgegen. Mit verzücktem Lächeln wollte sie zugreifen, sie hatte wohl vergessen, dass die Blume aus Feuer bestand. Zu ihrem Glück löste sich die Blume in diesem Moment in Rauch auf.

Falkan verbeugte sich und die Zuschauer tobten. Anschließend ging der Junge mit einem Hut herum, in den die Menschen Münzen warfen.

 

 

Noch zweimal traten sie an diesem Tag auf. Sie verdienten mehr Geld, als Falkan je gesehen hatte. Alle Schausteller waren sehr zufrieden mit sich.

„Habe ich es euch nicht gesagt? Die Leute hier haben Geld und zahlen für gute Vorstellungen!“ Selma lachte.

Nur Ginni schaute bedrückt in die Flammen des Kochfeuers. Natürlich freute sie sich über das Geld, aber sie hatte auch die Soldaten in der Zuschauermenge gesehen. Nach Falkans Auftritt waren einige von ihnen gegangen. Das schien den anderen nicht aufgefallen zu sein.

„Lasst uns morgen abbauen. Bitte!“, bat sie.

„Was sagst du da? Jetzt sind wir das Gespräch der Stadt. Wir können morgen noch mal so viel verdienen wie heute“, widersprach Basso.

Ginni wollte antworten, doch Marek hatte den Finger auf die Lippen gelegt. Nun lauschten auch die anderen. Schwere Schritte näherten sich. Viele schwere Schritte. Wachsam lugten die Schausteller um die Wagen herum. Soldaten näherten sich dem Marktplatz.

„Verdammt!“, entfuhr es Joselyn.

„Vielleicht wollen sie nichts von uns“, hoffte Jarn noch.

Doch die Soldaten kamen so zielstrebig auf die Wagen der Spielleute zu, dass diese Hoffnung schnell zerstört wurde. Ginni blickte zu Falkan. Mit vor Schreck geweiteten Augen starrte der Junge zu den Soldaten.

„Falkan, rasch! Versteck dich im Wagen und komm auf keinen Fall raus!“

Im Normalfall hätte er widersprochen, aber das hier war nicht normal. Ihm entging das leise Zittern in Ginnis Stimme nicht. Flink und leise kletterte er in den Wagen. Dort legte er sich so, dass er zumindest einen Ausschnitt von dem sehen konnte, was draußen geschah.

Die Soldaten umkreisten die Wagen und ihr Anführer trat auf die Spielleute zu. „Wer hat hier das Sagen?“, bellte er.

„Ich spreche für die Gruppe“, sagte Joselyn mit fester Stimme.

„Du hast jetzt eine Audienz bei der Großen Zauberin. Na los!“ Der Befehlston des Anführers und die vielen Bewaffneten duldeten keinen Widerspruch.

Ginni trat an die Seite ihres Mannes. „Ich komme mit.“

„Spielmannspack“, knurrte der Soldat abfällig.

Die Soldaten nahmen Joselyn und Ginni in ihre Mitte, dann marschierten sie Richtung Palast davon. Keiner sagte ein Wort, bis sie verschwunden waren. Als es soweit war, redeten alle durcheinander.

Falkan schlüpfte aus dem Wagen. Besorgt schaute er zum Palast. Angst machte sich in ihm breit und er griff nach Jarns Hand. Die Erwachsenen bemerkten das und rissen sich zusammen.

Jarn legte dem Jungen seinen muskulösen Arm um die Schultern. „Es wird alles gut, Falk.“

Einen Moment war es still.

Basso straffte sich. „Wir machen, was Ginni gesagt hat. Wir packen ein.“

Grimmig und schweigend arbeiteten sie. Zusätzlich zu ihrem Feuer zündete Falkan Fackeln an, um ihnen mehr Licht zu machen. Sie waren fast fertig, als Joselyn und Ginni zurückkamen. Sie rannten.

„Schnell! Wir müssen hier weg!“, rief Jos ihnen entgegen.

In größter Eile warfen die Erwachsenen den Rest ihrer Sachen in die Wagen, während Falkan die Ochsen bereitmachte.

„Falkan mein Schatz, bleib im Wagen“, ermahnte ihn Ginni.

„Was ist denn los?“, fragte der Junge, er hatte nun wirklich Angst.

Doch seine Ziehmutter antwortete ihm nicht. Sie lief neben den Wagen her, die bereits angerollt waren, und sprang dann zu ihrem Mann auf den Bock. Begleitet vom Klingeln der Schellen rumpelten sie zum Stadttor. Über den Krach hinweg konnten sie das Trampeln schwerer Stiefel hören. Das Stadttor war noch offen, doch hinter ihnen wurden Rufe laut.

„Schließt das Tor!“

Wachen drehten an der Winde und knarrend neigten sich die schweren Torflügel nach innen. Die Spielleute trieben verzweifelt die Ochsen an, doch sie konnten es nicht schaffen. Die Tiere waren einfach zu langsam, die Wagen zu schwer. Mit einem lauten Knall schloss sich das Tor vor ihnen. Sie waren gefangen. Soldaten umzingelten sie. Es waren viel mehr als zuvor.

Der gleiche Anführer rief: „Gebt uns den Jungen und euch wird nichts geschehen!“

Der Junge – damit meinen die mich, wurde Falkan klar.

„Nein!“ rief Joselyn.

Die Soldaten rückten näher. Feuerschein fiel auf Schwerter und Lanzen. „Das ist meine letzte Warnung: Wenn euch euer Leben lieb ist, dann rückt den Jungen raus!“

Falkan sprang auf und fiel dabei fast aus dem Wagen.

„Nein!“ Ginni wollte nach ihm greifen, doch er tänzelte an ihr vorbei.

„Lasst uns in Ruhe!“, schrie Falkan die Soldaten an. Wie hatte er sie nur jemals bewundern können? Seine Angst hatte sich in Zorn verwandelt. Er ballte die Fäuste. Die vielen Fackeln rund um das Tor begannen, wild zu flackern und zu rauchen. Erschrocken sprangen die Soldaten beiseite.

„Falkan, komm her“, murmelte Joselyn. Als Falkan wie angewurzelt stehen blieb, stieg er vom Wagen, ging zu seinem Ziehsohn und legte den Arm um ihn. Den Soldaten rief er zu: „Öffnet das Tor! Lasst uns ziehen! Oder wir brennen eure ganze verdammte Stadt nieder!“

In dem Moment vernahm Falkan ein Zischen neben seinem Ohr, ein Plopp und Joselyn sackte zusammen. Sein Arm rutschte kraftlos am Körper des Jungen herunter. Ginni schrie auf. Falkan drehte sich um und sah Joselyn am Boden liegen. Ein Armbrustbolzen steckte in seiner Brust. Blicklos starrte er in den Himmel.

Nein!“, brüllte Falkan.

Verzweiflung, Wut, Angst – alles mischte sich zu einem gefährlichen Strudel in ihm und das Chaos brach los. Ginni sprang weinend vom Wagen, Selma hinter sich. Jarn stürzte sich auf die Soldaten. Falkan starrte Joselyn an, den er so bewundert hatte, der immer gut zu ihm gewesen war, und dachte er müsse platzen.

Stattdessen platzten die Fackeln. Es gab einen ohrenbetäubenden Knall, Feuer flog in alle Richtungen, regnete auf sie nieder, Schreie überall. Die Ochsen kreischten, die Wagen brannten. Soldaten flohen, wälzten sich über den Boden oder griffen an. Jarn wurde gleich von mehreren umzingelt. Marek und Basso versuchten hektisch, die Wagen zu löschen. Selma wollte Ginni von Jos Körper lösen, doch sie klammerte sich an ihn. Binnen Sekunden stand der ganze Bereich vor dem Tor in Flammen.

Falkan hatte die Hände auf die Ohren gepresst, die Augen zugekniffen, da wich plötzlich alle Kraft aus ihm und er fiel ohnmächtig auf das Pflaster.

 

 

Als er aufwachte, herrschte völlige Finsternis um ihn herum. Er musste sich in einem Raum befinden, unter sich spürte er Stroh. Alles tat ihm weh, es fühlte sich an wie ein heftiger Muskelkater. Was war nur passiert?

Dann prasselten die Erinnerungen auf ihn ein: die Soldaten, die Flucht, Joselyn … Es dauerte einen Moment, bis Falkan klar wurde, was passiert war. Dann kamen die Tränen.

Er weinte lange, bis sich irgendwann eine weitere Erinnerung einstellte: Feuer. Anspannung machte sich in ihm breit. Er hatte das Feuer gerufen, alles hatte gebrannt. Was ist mit den anderen passiert? Sind sie im Feuer umgekommen? Oder haben die Soldaten sie erwischt?

Schwere Schritte näherten sich seinem Gefängnis – denn dass dies ein Gefängnis war, war Falkan vollkommen klar. Er richtete sich kerzengerade auf. Ein Schlüssel drehte sich im Schloss, die Tür wurde aufgestoßen. Das einfallende Licht blendete ihn.

„Komm, Junge. Die Große Zauberin will dich sehen.“ Hörte Falkan Mitleid in der Stimme des Soldaten?

Er ging mit ohne sich zu wehren. Schließlich musste er herausfinden, was mit den anderen passiert war.

Der Soldat brachte ihn in einen riesigen Saal. Teppiche lagen auf dem Boden und hingen zwischen unzähligen Fackeln an den Wänden. An der Stirnseite erhob sich auf einem Podest ein Thronsessel, auf dem die Zauberin saß. Falkan erkannte sie sofort, obwohl er sie noch nie gesehen hatte. Eine Macht umgab diese Frau, die ihn angst und bange werden ließ.

Vor dem Thron blieben sie stehen.

„Ah, mein kleiner Feuerspucker“, säuselte sie mit samtweicher Stimme. „Wie heißt du?“

„Wo sind meine Freunde?“ entgegnete Falkan.

Rums. Der Soldat verpasste ihm eine schallende Ohrfeige. „Du antwortest der Großen Zauberin, wenn sie dich etwas fragt.“

„Also?“, hakte die Zauberin nach.

Der Junge hielt sich seine schmerzende Wange. „Falkan.“

„Falkan, soso …“ Sie kicherte. „Ich bin die Große Zauberin Calliope. Du wirst mich ab sofort Herrin nennen. Ist das klar?“

Falkan presste die Lippen aufeinander. Der Soldat schlug noch einmal zu, diesmal auf die andere Wange.

„Ist das klar?“ Die Stimme der Zauberin klang schärfer.

„Ja …“, presste Falkan hervor.

Unwillen blitzte in ihren Augen auf.

„Ja … Herrin.“

Die Zauberin lächelte zufrieden. „Deine Spielmannsfreunde sind alle tot.“

Diese Worte trafen Falkan viel härter als die beiden Schläge.

„Sie haben sich gewehrt. Hätten sie dich mir einfach überlassen, hätten sie ihr armseliges Leben behalten können … Zudem hast du undankbares Kind auch noch alles angezündet. Das war ihnen keine Hilfe.“

In Falkans Augen sammelten sich Tränen. Erfolglos versuchte er sie wegzublinzeln.

Befriedigt lächelte die Zauberin auf ihn herab. „Doch ich mag dein Feuer. Du wirst hier bei mir leben. Du wirst tun, was ich sage und wann ich es sage. Hast du verstanden?“

„Ich werde gar nichts tun!“ Falkan machte auf dem Absatz kehrt und rannte zur Tür.

Der Soldat schickte sich an ihm zu folgen, doch die Zauberin winkte ab. Sie lenkte ihre Macht auf den flüchtenden Jungen. Wie erstarrt blieb er stehen. Er wollte nicht, doch in ihm war eine Kraft, die ihn zwang sich umzudrehen und folgsam zum Thron zurückzugehen.

„Du wirst tun, was ich sage. Ob du willst oder nicht.“ Die Stimme der Zauberin war nicht mehr weich, sondern eiskalt.

Gegen seinen Willen kniete Falkan vor ihr nieder. Sein Mund sprach die Worte, ohne dass er etwas dagegen hätte tun können.

„Ja, Herrin. Ich werde tun, was Ihr sagt.“