Mittwoch, 2. September 2026

[Schnipseltime] Nicky - Ein Kätzchen fasst Vertrauen von Sabine Reifenstahl

 


  »Das erste Mal glaubte ich, das würde sein wie in Filmen, er würde mich lieben und deshalb müsste ich das erwidern. Zulassen. Es hat wehgetan. Ich bat ihn, aufzuhören, hab geweint, aber er hat weitergemacht.«

Die Worte hingen schwer zwischen uns. Ich wartete darauf, dass sich etwas veränderte, die Luft, die Art, wie Greg mich hielt, irgendetwas. Ruhig lag er neben mir und kraulte mich tröstend.

»Danach hab ich mir gedacht, das nächste Mal wird besser«, fuhr ich fort. »War es nicht. Ich hab immer darauf gewartet, dass es so toll wird, wie alle sagen. Und dachte, ich mache was falsch, weil es nur wehtat.« Krampfhaft schluckte ich gegen den Kloß an, der sich in meiner Kehle gebildet hatte. »Der Letzte hat gesagt, er liebt mich. Das hab ich ihm geglaubt, ich wollte es glauben.« Meine Stimme brach erneut, ich räusperte mich. »Als Justin auszog, hab ich aufgehört. Mit allem. Ich wollte nie wieder, dass jemand so nah an mich herankommt.«

Greg zog mich dichter an sich heran und atmete schwer in mein Haar. Ich hörte ein Geräusch wie ein Schluchzen. »Oh Nicky, danke für deine Ehrlichkeit«, flüsterte er schließlich rau. »Das waren Arschlöcher, die dich nicht verdient und dir bewusst wehgetan haben. Es lag nicht an dem, was du hättest tun können, sondern daran, was von ihnen getan werden musste. Sie hätten dich vorsichtig vorbereiten müssen, damit du genießt, statt zu leiden. Du weißt, dass Nein Nein bedeutet, oder?«

»Ich hab mich ja drauf eingelassen. Sie sagten, ich wollte es auch.«

»Und dann wolltest du es beenden. Das ist legitim. Jederzeit. Die Kerle haben dich missbraucht.« Greg nahm sich einen Atemzug Zeit, ehe er weitersprach. »Vermutlich, weil sie dir körperlich überlegen waren und du ihnen nichts entgegenzusetzen hattest.« Er umarmte mich ganz fest. »Nichts davon war deine Schuld.«

»Ich hab es ja zugelassen.«

»Nein, das wurde dir angetan. Es wird nie wieder passieren!« Zum ersten Mal, seit wir uns kannten, hob Greg die Stimme. Nicht stark, aber ich erschrak trotzdem.

Sofort streichelte er mich. »Entschuldige, Kätzchen, ich bin nur sauer, weil dir wehgetan wurde. Die Männer haben dir etwas genommen.« Er holte tief Luft. »Deshalb lehnst du Intimitäten ab.«

»Es tut mir leid. Ich weiß nicht, ob ich nie will. Jetzt gerade kann ich es nicht. Wenn ich daran denke …« Ich brach ab und knautschte Bruno zwischen den Fingern. »Wenn ich daran denke, wird alles in mir zu Eis. Es fühlt sich falsch an, sogar mit dir. Dabei bist du anders.« Mühsam unterdrückte ich die Tränen. »Ich wünschte, es wäre nicht so«, sagte ich leise. »Ich wünschte, ich wäre einfacher.«

»Du bist nicht zu kompliziert, Nicky«, versetzte Greg ruhig. »Du bist verletzt worden.«

»Was, wenn sie mich kaputtgemacht haben? Ich hab Angst, dass ich nie …« Ich schluckte. »Dass ich für dich nie genug sein kann.«

»Ich habe dir versprochen, dich nicht zu drängen.« Sanft drückte er mir einen Kuss aufs Haar. »Das gilt nicht nur für heute Nacht oder diese Woche, sondern solange du brauchst.«

»Und was, wenn ich es nie ertrage?«

[Buchvorstellung einmal anders] Nicky - Ein Kätzchen fasst Vertrauen von Sabine Reifenstahl

 

 

Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit dem Protagonisten Nicky, um mit ihm über das Buch „Nicky – Ein Kätzchen fasst Vertrauen“ zu sprechen.

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um für das Buch zu antworten.
»Hallo, liebe Claudia. Ich freu mich total über die Einladung.« Dankbar nehme ich die Tasse heiße Schokolade und schaue mich um, ob meine Schöpferin irgendwo in der Nähe ist. »Ähm, na ja, im Grunde hatte ich keine Wahl. Die Anweisung kam von ganz oben, also nicht von meinem Dom Greg, sondern von der Autorin. Und ehrlich gesagt bin ich total nervös. Sonst rede ich nicht so viel mit fremden Leuten. Das muss ich erst lernen. Greg hat gesagt, ich soll mir das zutrauen.«
Kannst du dich meinen Lesern vorstellen, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben?
»Ich bin Nicky, Anfang zwanzig und nicht besonders kräftig gebaut, was Männer immer wieder ausgenutzt haben.« Bei dem Gedanken schnürt sich mir die Kehle zu und ich bekomme kaum Luft. Aber ich bin ja hier, um von mir zu erzählen. »Schlimmer noch, ich kann weder richtig lesen noch schreiben. Funktionaler Analphabetismus heißt das. Die größten Probleme macht mir nicht die Tatsache an sich, damit habe ich zu leben gelernt. Leider traue mich jedoch nie nach Hilfe zu fragen, wenn ich welche brauche. Es ist mir peinlich, dann halten mich alle wieder für dumm. So wie früher in der Schule.
Ich bin so allein. Dabei wünsche ich mir jemanden, der mich einfach in den Arm nimmt und mir sagt: ›Alles ist gut.‹ Dann müsste ich aber auch diese andere Sache tun. Die, die alle toll finden, nur ich nicht. Es tut weh und ich will das nicht mehr!«
Beschreibe uns dein Buch in möglichst wenig Sätzen.
»Da zitiere ich einfach mal den Pitch:
Nickys Vertrauen wurde so oft missbraucht, dass er sich von den Menschen zurückzieht, obwohl er Nähe braucht. Ausgerechnet in einem BDSM-Club erhält er sie, ohne bedrängt zu werden. Aber kann ein Dom die Lösung sein, wenn man nur schmusen möchte?«
Glaubst du macht es der Autorin mehr Spaß dich durch leichte, einfache oder schwierige, düstere Situationen zu führen?
Ach je, so eine Frage. »Eigentlich denke ich, Sabine mag mich. Sie macht es mir schwer, damit ich wachsen muss. Manchmal hatte ich das Gefühl, sie testet extra aus, wie viel ich aushalte, bevor sie mir wieder etwas Schönes gönnt. Na ja, sie schickt mir meinen Schultyrannen hinterher oder ich finde heraus, dass Greg etwas mit mir fehlt … Doch selbst in den schlimmsten Momenten war am Ende jemand da, der mich aufgefangen hat. Das war ihr wichtiger, als mich nur leiden zu lassen.«
Hast du eine Lieblingsstelle im Buch?
»Der Augenblick, als ich zu glauben begann, dass ich Greg vertrauen kann. Das war im Tierpark, unsere erste, ähm, Session. Keine richtige, aber statt das zu tun, was man im ›Elysion‹ so tut, hat er meinen Wunsch erfüllt.
Damals hab ich Greg etwas über Giraffen erzählt, dass sie beim Trinken umfallen. Es war so lustig, wie er mit mir stritt und dabei so schön mit den Augen rollte.
Spoiler: Er konnte mich nicht überzeugen, dass sie es nicht tun. Da gab er mir dafür die Sicherheit, ihm mein größtes Geheimnis anzuvertrauen.
Wie er darauf reagierte? Müsst ihr schon selbst lesen.«
Was glaubst du, wie viel Sabine steckt in dem Buch oder dem ein oder anderen Charakter?
»Das müsst ihr sie schon selbst fragen. Ich hab keine Ahnung. Lesen und schreiben kann sie definitiv. Sie scheint zu wissen, wie es sich anfühlt, wenn man Angst hat, sich zu öffnen. Das hat sie toll getroffen. Vielleicht steckt doch mehr von unseren Doms in ihr, denn sie weiß genau, wie man mit uns Subs umgehen muss, damit wir uns wohlfühlen. Und das ist immer das Ziel – nicht Schmerz zum Selbstzweck, nicht Machtspielchen, obwohl unsere Beziehungen nicht gleichberechtigt sind. Bei ihr fühlt es sich einfach richtig an.«
Wie würdest du deine Autorin beschreiben?
»Streng, aber fair, würde ich sagen. Sie schenkt uns nichts, lässt uns stolpern, manchmal auch fallen, gibt uns aber immer die Chance, wieder aufzustehen.
Ich glaube, sie mag Charaktere, die sich ihr Glück erarbeiten müssen.
Als Mensch? Sie ist empathisch genug, um sich vorzustellen, wie ich mich im Laden gefühlt habe, vor dem Regal mit den Weinen, deren Etiketten ich nicht lesen konnte. Oder bei Manfred, als er mich aus dem Job schmiss, weil ich den Zettel an der Bürotür nicht entziffern konnte. Im Vertrauen: Sie hat keinen grünen Daumen. Was ich über Pflanzen weiß, musste sie im Internet recherchieren.«
Weißt du, wie es zu dem Titel kam? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Lauf des Schreibprozesses verändert? Hattest du vielleicht sogar Mitspracherecht?
»Mitspracherecht hatte ich keins. So läuft das bei uns nicht, ich bin ja nur die Figur.« Das zuzugeben, fällt mir gar nicht leicht, denn ich fühle mich so echt. »Der Titel stand schon früh fest, denn Kätzchen ist ein Spitzname, den ich liebe. Zu Anfang war ich wirklich wie ein kleines Kätzchen, das sich in eine Ecke verkriecht, sobald sich jemand nähert; misstrauisch, immer bereit wegzulaufen. Mit Greg hat sich alles verändert. Dieses Gefühl beschreibt der Titel.«
Gefällt dir das Cover zu 100% oder hättest du einen anderen Wunsch oder Vorstellungen gehabt?
»Ehrlich gesagt, ja, ich mag beide sehr. Auf dem E-Book-Cover schau ich Greg an, und man sieht, wie wir füreinander fühlen. Da liegt so viel Zärtlichkeit in seinem Blick. Das war früher nie so, ich hab Menschen eigentlich immer nur aus dem Augenwinkel angeschaut, aus Angst, zu viel zu verraten. Auf beiden Covern sieht man mein Collar, das wichtigste, was ich je geschenkt bekommen habe.
Das Taschenbuch-Cover ist irgendwie zurückhaltender, trotz der gefesselten Hände – für Sabine ein Symbol für unsere Beziehungen mit Machtgefälle. Mich hat Greg nie so gefesselt. Rosa Rosen, das ist meine Farbe, und das neue Collar.
Am Anfang war es mir unangenehm, so offen zu zeigen, wie wir miteinander umgehen. Auch da hat mich Greg beruhigt. BDSM ist nichts, wofür ich mich schämen muss. Es ist unser Leben, und wir sind damit glücklich.
Hätte ich mir was wünschen dürfen, wäre da noch ein Kätzchen drauf, oder mein Schiebepuzzle mit dem weißen Tiger, oder eine Giraffe, oder Lavendel oder … Sabine meinte, viel macht nicht viel.«
Was ist dein Lieblingszitat aus dem Buch?
»Zu Hause bedeutete nicht ein Ort, sondern ein Mensch, dessen Herzschlag man auswendig kannte.« Bei den Worten entkommt mir ein Lächeln, denn Greg hat mir das vorgelesen. »Das trifft es für mich einfach am besten. Ich hab so lange gedacht, zu Hause wäre etwas, das man nie wirklich hat, wenn man wie ich aufgewachsen ist. Ohne Eltern, ohne Liebe. Jetzt weiß ich, dass eine Familie nichts mit Blutsverwandtschaft zu tun hat, ich habe Menschen, die immer für mich da sind. Nicht nur Greg und … Nein, mehr verrate ich nicht.«
Danke für das Gespräch.
»Ich danke dir, du warst so nett zu mir. Hast an Schokolade für meine Nerven gedacht. Mit heißer Schokolade kannst du mich zu fast allem verführen.«

Dienstag, 1. September 2026

[Autoreninterview] Nadine H. Engel


Autoreninterview
Nadine H. Engel

Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Kreative, rheinische Träumerin, die mit beiden Beinen fest in den Steigbügeln steht, weil man so seinen Ideen schneller hinterherreiten kann.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Eigentlich habe ich schon immer meine Ideen aufgeschrieben. Das älteste Buchprojekt habe ich mit 13 Jahren begonnen. Leider, wie das mit dem Alltag so ist, habe ich das lange nicht wirklich intensiv verfolgt, sondern die Ideen nur notiert. Dafür habe ich ehrenamtlich viele Artikel zu Veranstaltungen für meinen Verband geschrieben. Dann kam die Pandemie und plötzlich sehr viel Zeit in meinen vier Wänden. Darüber habe ich tolle Schreibgruppen und Schreibwettbewerbe entdeckt, die den Wunsch nach Veröffentlichung geweckt haben.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
Mit Elemental Souls erscheint mein drittes Buch. Racing Hope, eine Sportsromance mit eher untypischer Rollenverteilung, ist mein Debütroman. Es geht um die Motocrossfahrerin Nele und ihrem Physiotherapeuten Elias. Zudem gibt es eine Adventskalendernovelle, bei der man Au-pair Natty während der Weihnachtszeit in Australien begleitet.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Natürlich, an Ideen mangelt es ja nie. Ich arbeite an einer Fortsetzung zu einer Reihe, die vermutlich nächstes Jahr erscheint und an einer neuen New Adult Romance Idee.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Mich findet man meistens draußen bei den Pferden. Die Zeit dort ist auch eine wunderbare Inspirationsquelle. Wie oft habe ich dort schon meine Romanideen weitergesponnen? Ich kann es nicht mehr zählen, so oft ist das schon vorgekommen. Zudem gehe ich gerne in Ausstellungen und ich liebe Filme und Serien. Hin und wieder greife ich auch zum Pinsel und Farben um mich an einer Leinwand kreativ auszutoben.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Ich lese so viel und muss auch sagen, dass es unglaublich viele tolle Kolleg:innen gibt. Da ist es mir kaum möglich nur einen Favoriten zu nennen.
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Meistens sitze ich in eher ungesunder Haltung auf der Couch. Auch wenn ich einen wunderschönen Sekretär mit Bürostuhl als Schreibplatz habe, sitze ich da eher selten. Manchmal findet man mich auch am Esszimmer- oder Küchentisch mit dem Laptop.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Normal? Das ist ein Wort, das ich bei Beschreibungen zu meinem Alltag selten verwende … irgendwo zwischen „Oh die Idee muss ich schnell notieren“ und „So, dass muss jetzt aber dringend erledigt werden“ gehe ich Wochentags einem Brotjob nach. Deswegen ist meine kreative Schreibzeit auch eher am Abend bis in die Nacht hinein. Da kann es gut und gerne auch mal 2 Uhr werden, bis mein Bett mich dann sieht.
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Beim Lesen nahezu alles. Wirklich, ich lese Jugendbücher, Thriller, Romance, historische Romane, Fantasy und und und … beim Schreiben kristallisieren sich Romance und Fantasy heraus, auch oft in Kombination. Auch wenn ich mich bei Kurzgeschichten ebenfalls in einigen Genre ausgetestet habe. Das ist der Vorteil an Kurzgeschichten. Auf den wenigen Seiten kann man echt mal andere Wege beschreiten. Aber ich komme immer wieder zu meinen beiden Hauptgenre zurück.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
Ein Zitat, dass mich immer begleitet stammt von Walt Disney: „All our dreams can come true, if we have the courage to pursue them!“ Solange wir den Mut haben, unseren Träumen zu folgen, können sie wahr werden.
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Island – da muss ich nicht lange überlegen. Es ist ein faszinierendes Land. Dampfende Erde, sprudelnde Flüsse, gefrorene Berge, rauschende Wellen, beeindruckende Geysire und eine faszinierende Sprache. Zudem haben meine treusten Begleiter dort ihre Wurzeln.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Ich versuche, aus Kritik zu lernen und mich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig weiß ich, dass man es einfach nicht allen recht machen kann. Daran muss ich mich manchmal selbst erinnern, denn bei dem Wunsch, immer besser zu werden, möchte ich trotzdem ich selbst bleiben und mich nicht verbiegen.
Warum hast du dich entschieden zu einem Verlag zu gehen und nicht Selfpublisher zu werden?
Ich schätze die Arbeit im Team und liebe den Austausch zu meinen Buchprojekten. Es ist für mich so wertvoll von der Expertise der Profis zu profitieren. So kann ich mich voll und ganz auf das Schreiben konzentrieren und muss mich nicht um die Abläufe drum herum kümmern. Für mich ist es wichtig, dass jemand mir Struktur und Zeitpläne vorgibt, sonst würde ich kein Ende finden.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Fantasie ist das, was uns alle verbindet, uns in fremde Welten und neue Abenteuer eintauchen lässt. Hört nie auf zu Träumen.