
»Das erste Mal glaubte ich, das würde sein wie in Filmen, er würde mich lieben und deshalb müsste ich das erwidern. Zulassen. Es hat wehgetan. Ich bat ihn, aufzuhören, hab geweint, aber er hat weitergemacht.«
Die Worte hingen
schwer zwischen uns. Ich wartete darauf, dass sich etwas veränderte, die Luft,
die Art, wie Greg mich hielt, irgendetwas. Ruhig lag er neben mir und kraulte
mich tröstend.
»Danach hab ich
mir gedacht, das nächste Mal wird besser«, fuhr ich fort. »War es nicht. Ich
hab immer darauf gewartet, dass es so toll wird, wie alle sagen. Und dachte,
ich mache was falsch, weil es nur wehtat.« Krampfhaft schluckte ich gegen den
Kloß an, der sich in meiner Kehle gebildet hatte. »Der Letzte hat gesagt, er
liebt mich. Das hab ich ihm geglaubt, ich wollte es glauben.« Meine Stimme
brach erneut, ich räusperte mich. »Als Justin auszog, hab ich aufgehört. Mit
allem. Ich wollte nie wieder, dass jemand so nah an mich herankommt.«
Greg zog mich
dichter an sich heran und atmete schwer in mein Haar. Ich hörte ein Geräusch
wie ein Schluchzen. »Oh Nicky, danke für deine Ehrlichkeit«, flüsterte er
schließlich rau. »Das waren Arschlöcher, die dich nicht verdient und dir
bewusst wehgetan haben. Es lag nicht an dem, was du hättest tun können, sondern
daran, was von ihnen getan werden musste. Sie hätten dich vorsichtig
vorbereiten müssen, damit du genießt, statt zu leiden. Du weißt, dass Nein Nein
bedeutet, oder?«
»Ich hab mich ja
drauf eingelassen. Sie sagten, ich wollte es auch.«
»Und dann
wolltest du es beenden. Das ist legitim. Jederzeit. Die Kerle haben dich
missbraucht.« Greg nahm sich einen Atemzug Zeit, ehe er weitersprach.
»Vermutlich, weil sie dir körperlich überlegen waren und du ihnen nichts
entgegenzusetzen hattest.« Er umarmte mich ganz fest. »Nichts davon war deine
Schuld.«
»Ich hab es ja
zugelassen.«
»Nein, das wurde
dir angetan. Es wird nie wieder passieren!« Zum ersten Mal, seit wir uns
kannten, hob Greg die Stimme. Nicht stark, aber ich erschrak trotzdem.
Sofort
streichelte er mich. »Entschuldige, Kätzchen, ich bin nur sauer, weil dir
wehgetan wurde. Die Männer haben dir etwas genommen.« Er holte tief Luft.
»Deshalb lehnst du Intimitäten ab.«
»Es tut mir leid.
Ich weiß nicht, ob ich nie will. Jetzt gerade kann ich es nicht. Wenn ich daran
denke …« Ich brach ab und knautschte Bruno zwischen den Fingern. »Wenn ich
daran denke, wird alles in mir zu Eis. Es fühlt sich falsch an, sogar mit dir.
Dabei bist du anders.« Mühsam unterdrückte ich die Tränen. »Ich wünschte, es
wäre nicht so«, sagte ich leise. »Ich wünschte, ich wäre einfacher.«
»Du bist nicht zu
kompliziert, Nicky«, versetzte Greg ruhig. »Du bist verletzt worden.«
»Was, wenn sie
mich kaputtgemacht haben? Ich hab Angst, dass ich nie …« Ich schluckte.
»Dass ich für dich nie genug sein kann.«
»Ich habe dir
versprochen, dich nicht zu drängen.« Sanft drückte er mir einen Kuss aufs Haar.
»Das gilt nicht nur für heute Nacht oder diese Woche, sondern solange du
brauchst.«
»Und was, wenn
ich es nie ertrage?«
