Donnerstag, 28. Juli 2022

[Schnipseltime] No risk, no fun von Birgit Gruber


 

»Du willst das Schloss knacken?«, flüsterte Nina aufgeregt.

»Jap. Oder fällt dir was Besseres ein?«

Sie schwieg, und ich schob das Plastikteil in den Spalt auf Höhe des Verriegelungsapparats.

»Wie geht das noch mal, mit der Kreditkarte eine Tür zu öffnen?«, murmelte ich vor mich hin, während ich daran herumzerrte.

»Woher soll ich das wissen?« Ninas Stimme klang schrill. »Wann hast du das denn schon mal gemacht?«

»Also, genau genommen … noch gar nicht. Aber in den Filmen sieht es immer einfach aus.«

»Pha!« Meine Freundin schnappte nach Luft und schaute verstohlen über ihre Schulter. Dank der klammen Novembernacht war glücklicherweise niemand unterwegs, dem wir hätten auffallen können.

»Ich wollte das schon immer mal ausprobieren, und mangels Alternativen ist jetzt die Gelegenheit.«

»Klappt es denn?«, zischte Nina.

»Na ja, irgendwie nicht … Oder … doch?«

Ein Klacken gefolgt von einem leisen Krachen drang an mein Ohr.

Die Tür sprang tatsächlich auf, und ich hatte nur noch eine Hälfte der Karte in der Hand.

Ungläubig starrten wir auf das Ergebnis.

»Tja …«, war alles, was Nina dazu einfiel.

Ich bückte mich und hob das abgebrochene Plastikteil auf.

»Macht nix. Das war Ankes«, erklärte ich gutgelaunt.

 

 

[Buchvorstellung einmal anders] No risk, no fun von Birgit Gruber

 



Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit den Protagonisten Kati und ‚Queen‘ Anke aus „Kati Blum ermittelt – No risk, no fun“, um mit ihnen über das Buch und ihre Autorin zu sprechen.

Danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um für das Buch zu antworten.
Kati: Hallo Claudia, ich freue mich dich wiederzutreffen 😊
Anke: Hallo Frau Stadler, Danke für die Einladung.
Könntet ihr euch meinen Lesern vorstellen, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben?
Kati: Hallo, mein Name ist Kati Blum. Ich bin mitte dreißig, habe ein Näschen dafür Mörder aufzuspüren und wohne Bayreuth/Oberfranken/Bayern.
Anke: Grüß Gott, ich bin Anke Blum. Die Schwiegermutter und Vermieterin von Kati. Ich sitze im Stadtrat von Bayreuth und nichts passiert in meiner Stadt, ohne dass ich davon weiß. Meine Schwiegertochter haben ich sozusagen geerbt. Nach dem plötzlichen Tod unseres Sohnes, hat sie sich dennoch entschlossen in Bayreuth zu bleiben. Ob ich darüber glücklich bin? Darüber lässt sich vermutlich streiten.
Beschreibt uns bitte das Buch in maximal 5 Sätzen.
Kati: No risk, no fun! Der Titel spricht für sich, ohne Risiko macht das Leben keinen Spaß.
Diesmal führt mein Weg in eine Art Spielhöhle, um den Mörder an Ankes Freundin Frederike ausfindig zu machen.
Anke: Und nicht nur Kati beherrscht das perfekte Pokerface! Ich mische zur Abwechslung auch kräftig mit.
Glaubt ihr, macht es der Autorin Spaß euch in so manche schwierige Situation zu stoßen?
Kati: Spaß hat sie vermutlich. Aber nicht sie ist es, die mich in diese Situationen bringt, dass schaffe ich ganz allein. Birgit staunt selbst immer wieder 😉
Anke: Vermutlich hat sie durchaus ihr Vergnügen dabei. Ich werde demnächst mal ein ernstes Wörtchen mit ihr sprechen müssen!
Habt ihr eine Lieblingsstelle im Buch?
Kati (verschmitzt): Lars auf die Palme zu bringen, macht immer Spaß 😉 Zum Beispiel, als er meinte: »Du machst das mit Absicht. Hab ich recht?«
»Was?« Unschuldig klimperte ich mit den Wimpern.
»Mich verwirren. Du bist mal wieder an irgendwas dran und willst es mir nicht verraten.«
Ich lehnte mich an die Anrichte und beugte mich ihm so weit entgegen, dass ich seinen Atem spüren konnte.
»Und wenn es so wäre?«, fragte ich zuckersüß.
Anke (grinsend): Es war irgendwie toll, als ich sagte: »Danke, nein. Es ist nicht meine Art, mit Neandertalern wie euch meine Zeit zu verbringen. Aber man lässt sich natürlich immer gern bitten.«
Was glaubt ihr, wie viel von eurer Autorin steckt in dem Buch oder in dem ein oder anderen Charakter?
Anke: Also in mir ist bestimmt nichts von ihr. Ich bin einzigartig!
Kati (lacht): Da kann ich nur zustimmen. Was mich betrifft, bin ich mir nicht sicher. Ein paar kleine Ähnlichkeiten mag es womöglich geben. Aber wir kennen uns nun schon seit Jahren, da ist das wohl nicht ungewöhnlich.
Wie würdet ihr eure Autorin beschreiben?
Kati: Sie schreibt die Krimis mit Leidenschaft. Die witzigen Dialoge beherrscht sie richtig gut. Mir gefallen sie zumindest! Genau mein Ding.
Anke: Ich würde sagen, sie ist zielstrebig, ein Terminmensch und besitz für meinen Geschmack etwas zu viel Galgenhumor. Ich kann jedenfalls nichts daran witzig finden, wenn sie mich in fadenscheinige Situationen bring, die unter meinem Niveau sind.
Wisst ihr wie es zum Titel kam? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Oder hattet ihr sogar Mitspracherecht?
Kati: Der Titel passt super! Er war plötzlich da und es gab nichts daran zu rütteln.
Anke: Ja, er wurde auf anhieb von uns allen bestätigt.
Gefällt euch das Cover zu 100% oder hättet ihr noch einen anderen Wunsch oder Vorstellungen gehabt?
Kati: Hallo? Ich in schwarzer Lederjacke? Echt cool, oder nicht? Ich finde es spitzenmäßig
Anke (rümpft die Nase): Tja, alles ist Geschmackssache. Aber ich gebe zu, zu dir passt es perfekt.
Was ist euer jeweiliges Lieblingszitat aus dem Buch?
Kati: „Riechst du auch den Duft nach Abenteuer?“
Anke: Vielleicht als ich sagte: „Oder glaubt ihr, ich arbeite noch mit Rauchzeichen?«
Danke für das Gespräch
Anke: Ich danke Ihnen. Es war nett mit Ihnen zu sprechen. Hier sind meine Kontaktdaten, falls Sie weitere Fragen haben. Ein Porträt von mir war erst neulich in einer Frauenzeitschrift.
Kati: Herzlichen Dank, liebe Claudia. Es war mir wiedermal ein Vergnügen!

Mittwoch, 27. Juli 2022

[Buchvorstellung einmal anders] Sommernachtsmythen (Anthologie) von Maria Linwood (Hrsg.)




Buchvorstellung einmal anders


Ich warte seit einer Ewigkeit auf die Autoren der Anthologie, aber sie kommen nicht. Ich setze mich in dem Park auf eine Bank und sehe einen Kindle dort liegen. Da ich von Natur aus, ein neugieriger Mensch bin, nehme ich ihn zu Hand.

Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das darauf enthaltene Buch. Es ist genau das um das es heute gehen soll. „Sommernachtsmythen“. Ich beginne ein wenig darin zu schmökern. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Hast du denn überhaupt keine Fragen? Sie werden nicht kommen. Interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«

Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben den Autoren am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. 😊

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um mit mir zu reden.
Herzlich gern! Ich bin noch ganz neu und freue mich, Leser:innen persönlich kennenzulernen!
Kannst du dich meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?
Ich bin die Sommernachtsmythen Anthologie, die Hanne Benden und Maria Linwood herausgegeben haben. Ich versammle Geschichten von 12 tollen Autorinnen. Alles ist aus dem Bereich Fantasy, aber mit verschiedenen Themen und Schwerpunkten.
In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da du ja auch viel mit den 12 Autoren zusammenarbeiten musstest, kannst du uns vielleicht beantworten, ob es ihnen leichter gefallen ist sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Das ist ganz unterschiedlich. Einige Geschichten sind heiter, andere eher traurig. Manche spielen im Hier und Jetzt, andere in längst vergangenen Zeiten. es wird auf jeden Fall für jeden Geschmack etwas dabei sein.
Hast du Lieblingsstellen, die du uns gerne vorstellen würdest?
Ha! Auf so dünnes Eis lasse ich mich nicht locken, hier eine der Autorinnen zu bevorzugen. Was ich aber sehr mag ist, dass jede Geschichte den Satz ‚irgendwo dort auf der Schwelle zwischen Tag und Nacht‘ beinhaltet.
Weißt du wie viel von deinen Autoren tatsächlich in dir oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt?
Ich denke, dass in jeder Geschichte immer etwas persönliches von den Autorinnen dabei ist. Schreiben ist eben doch ein sehr persönlicher Vorgang. in den Geschichten wird das mal mehr und mal weniger deutlich, würde ich sagen.
Wie würdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autoren beschreiben?
Schwierige Frage – wie viel Zeit hast du? :D Meine Autorinnen sind so vielfältig wie die Geschichten und ihre Figuren. Es sind jüngere und ältere dabei. Manche haben schon sehr viel Veröffentlicht, seien es Kurzgeschichten oder Romane, andere sind noch relativ neu im Buchmarkt. Aber alle beherrschen die Kunst, einen ganz besonderen Zauber in ihren Geschichten zu verbreiten. Du solltest die einzelnen Autorinnen auf jeden Fall genauer kennenlernen!
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?
Den haben Hanne und Maria sich schon ganz am Anfang ausgedacht, als sie das Thema festgelegt haben.
Bist du zu 100% zufrieden mit deinem Cover / Outfit oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Ich liebe mein Cover! Florin von @100Covers4you hat ganze Arbeit geleistet und ich finde es passt sehr gut zu meinem mystischen Inhalt.
Die Leute, die an mir vorbeigehen, sehen mich schon komisch an, deshalb höre ich auf zu reden und lächle den Personen einfach zu. Aber ich lasse es mir nicht nehmen, noch einmal kurz zum Buch »Danke, für deine Geduld und Antworten« zuzuflüstern.

Dann vertiefe ich mich wieder in das Buch.

Sonntag, 24. Juli 2022

[Schnipseltime] Fallen von Jes Schön

 


Setz dich in den Wagen und lass mich die Angelegenheit regeln.“ Meine Stimme ist eisig und duldet keinen Widerspruch. Indem ich sie energisch am Arm fasse und auf der Beifahrerseite auf den Sitz drücke, unterbinde ich ihre Entgegnung. Mit meiner aufgestauten Rage werfe ich die Tür zu und widme mich der auf dem kalten Boden sitzenden Frau.

„Entschuldigen Sie bitte! Wie geht es Ihrem Kopf?“, erkundige ich mich höflich.

„Er schmerzt. Es ginge mir besser, würde mir jemand aufhelfen.“

Ihre Stimme klingt rau und zittrig. Einer der Sanitäter packt sie unter den Achseln und ich halte ihr meine Hand hin, um sie auf die Beine zu ziehen. Der Sanitäter lässt sie los. Ihre Beine knicken ein und sie fällt wie ein nasser Sack nach vorne, schnurstracks in meine Arme hinein.

Behutsam halte ich sie fest und streichle ihr sachte über den Rücken. Ein Hauch Zitrone mischt sich unter den stechenden Kupfergeruch ihres Blutes, das inzwischen einen Großteil ihres Haares verklebt hat. Sie zittert am ganzen Leib.

„Es geht wohl nicht besser.“

„Ich brauche ein paar Sekunden“, nuschelt sie an meiner Brust lehnend. Ich gebe ihr Zeit und halte sie fest.

„Danke“, sagt sie schließlich und löst sich von mir.

Einer der Sanitäter kommt mit der Trage aus dem Krankenwagen und bittet sie, sich hinzusetzen, um sie ins Krankenhaus bringen zu können. Ihre Gesichtszüge entgleiten ihr. Sie legt eine strenge Miene auf und lehnt barsch ab.

„Sie haben eine Kopfverletzung, das muss sich ein Arzt ansehen“, wende ich ein und ernte einen erbosten Blick.

„Ich muss zur Arbeit, ich bin inzwischen viel zu spät.“

„Sie gehören in ein Krankenhaus, um sich durchchecken zu lassen. Fahren Sie nicht freiwillig mit den beiden Herren mit, werde ich Sie eigenhändig in der Notaufnahme einliefern“, maule ich sie missmutig an.

Ihr wütender Blick funkelt mich an und sekundenlang liefern wir uns ein stummes Gefecht. Ein neuerliches Schwanken und ein resigniertes Seufzen bestätigen mir, dass ich der Sieger unseres kleinen Zweikampfes bin. Wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, lässt sie sich zur Trage bringen und legt sich hin.

 


[Buchvorstellung einmal anders] Fallen von Jes Schön

 



Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit dem Protagonisten Gregor und seiner Autorin, um mit ihnen über das Buch „Fallen“ zu sprechen.

Hallo, danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um für das Buch zu antworten.
Jes: Sehr gerne. Danke für deine Einladung.
Es wäre toll, wenn ihr euch meinen Lesern vorstellen würdet, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben?
Gregor: Der Höflichkeit halber möchte ich dir zunächst die Dame neben mir vorstellen. Das ist die Autorin des Buches, um das es heute geht: Jes Schön. Meine Wenigkeit ist Gregor Weidenberg. Ich bin der Vater von Marc und Inhaber der Beratungsfirma G&M Consulting.
Beschreibt uns dein Buch in möglichst wenig Sätzen.
Jes: Eva läuft auf dem Weg zur Arbeit in den Wagen von Marc. In der Folge treffen sie immer wieder zufällig aufeinander. Marc versteht nicht, weshalb Eva sich gegen jede Freundlichkeit wehrt, und hat sich in den Kopf gesetzt, den Grund herauszufinden.
Gregor: Eva hat ein enormes Päckchen aus familiärer Verpflichtung und Schuldgefühlen zu tragen und mein Sohn benimmt sich wie ein Elefant im Porzellanladen. Denk nur mal an die Verlobte, die er bei Evas Anblick scheinbar völlig vergessen hat. Gut, dass ich hin und wieder einen Schubs in die richtige Richtung geben durfte.
Glaubst du macht es der Autorin mehr Spaß dich durch leichte, einfache oder schwierige, düstere Situationen zu führen? Hat er dich richtig eingeschätzt?
Gregor: Also ich glaube meinen Part hat sie, egal in welcher Richtung es ging immer gerne geschrieben. Wie sagt meine Frau Barbara so schön, wir Männer des Weidenberg Clans sind zwar manchmal ein wenig schusselig, aber niemals böswillig.
Jes: Im Grunde hat er recht. Er war immer dann zur Stelle, wenn Eva und Marc ein bisschen Hilfe von außen gebraucht haben. Seine Rolle hat mir bei den beiden oft geholfen. Mit einer Ausnahme. Ich sage nur Fahrerflucht.
Gregor: Das waren Marcs Gedanken, für die kann ich nun wirklich nichts.
Jes: Die ganze Szene war deiner nicht würdig.
Hast du eine Lieblingsstelle im Buch?
Gregor: Es gibt da die Szene mit der Präsentation, bei der ich …
Jes: Psst, das ist ganz am Ende, ich hab dir doch gesagt, dass du nicht spoilern sollst. Also meine Lieblingsszene ist der Tag den Marc mit Eva und ihrer Schwester Sonja auf dem Weihnachtsmarkt verbringt.
Was glaubst du, wie viel Jes steckt in dem Buch oder dem ein oder anderen Charakter? Hat er alles gefunden oder gibt es da noch etwas verstecktes?
Gregor: Ich glaube, man kann dieses Buch nicht geschrieben haben, wenn man nicht rudimentär ein Mensch ist, dem es schwerfällt, um Hilfe zu bitten oder sich anderen zu öffnen. Vielleicht hat sie viel recherchiert und mit Menschen gesprochen, die Evas Charakterzüge aufweisen. Aber nein, tief in meinem Herzen glaube ich, dass Jes auch lange braucht, bis sie Hilfe schreit.
Wie würdest du deine Autorin beschreiben?
Gregor: Sie ist diszipliniert und strukturiert, aber gleichzeitig ist sie auch chaotisch. Sie hat unendlich viele Ideen und versucht manchmal tausend Dinge auf einmal zu erledigen. Hat sie sich an etwas festgebissen, setzt sie all ihre Energie dafür ein, auch wenn sie oder ihre eigenen Projekte manchmal ein wenig zu kurz kommen. Sie ist ein liebenswerter Mensch mit dem Herz am rechten Fleck, nur manchmal redet sie ein wenig viel.
Weißt du, wie es zu dem Titel kam? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Lauf des Schreibprozesses verändert? Hattest du vielleicht sogar Mitspracherecht?
Gregor: Der Titel war ein Arbeitstitel. Es sollte ums „fallen lassen“ gehen. Na ja, als das Buch fertig war, hat der Arbeitstitel gepasst wie Faust auf Auge. Keiner hat versucht ihn ihr auszureden, warum auch, er passt perfekt.
Gefällt euch das Cover zu 100% oder hättet ihr einen anderen Wunsch oder Vorstellungen gehabt?
Gregor: Zu dem Buch gibt es ja zwei Cover. Das alte war schwarz-weiß mit einer Feder, die übers Cover schwebt und zu Boden fällt. Ich fand das sehr passend. Weiß der Geier was sie geritten hat, ein Neues zu machen. Allerdings muss ich sagen, dass mir das Neue, das blaue, mit dem Samen der Pusteblume auch sehr gut gefällt.
Jes: Ich liebe beide Cover. Was mir jedoch einen Stich versetzt hat, war ein Feedback, dass das schwarz-weiße Cover aussähe, wie eine Trauerkarte und dass man dahinter keinen Liebesroman vermuten würde. Ich selbst habe das nie so empfunden, gerade weil Gregors Erklärung zum Fallenlassen so zutreffend ist. Allerdings hat mich das Thema nicht losgelassen und so habe ich dem Buch zum ersten Geburtstag ein neues Kleid verpasst. Der Inhalt ändert sich dadurch nicht.
Was ist jeweils euer Lieblingszitat aus dem Buch?
Gregor: Kein Zitat, aber ich mag den Waschbär. Der kommt öfter vor und er ist einfach hinreißend. Gar nicht Marcs Art, aber seit er Eva getroffen hat, ist er nicht mehr er selbst.
Jes (lacht leise): Ja, Marc kann sehr charmant und einfühlsam sein, wie mein Lieblingszitat zeigt:
„Sieh mich an Eva. Es gibt nichts, weswegen du dich schämen musst. Wovor hattest du Angst?“
Danke für das Gespräch.
Jes: Wir danken dir für das Interview.

Samstag, 23. Juli 2022

[Schnipseltime] Tür im Sand von Nicole Stranzl

 

Ich habe diesen Traum, Sofia. Immer wieder. Wir sind fünf oder sechs Jahre alt. Die Sonne sticht heiß auf uns herab und verbrennt unsere kleinen Arme, doch das bekommen wir nicht mit, denn wir sind mit dem Sand beschäftigt. Er ist so heiß unter unseren Füßen, aber auch das macht uns nichts aus. Ich bin konzentriert auf meine Sandburg, die gleich fertig ist. Stolz schaue ich auf sie herab und dekoriere sie mit Muscheln, genau wie Papa beim letzten Mal. Ein breites Grinsen zieht sich über mein Gesicht, als ich einen Schatten sehe. Und dann: patsch.

Einfach so hast du meine Sandburg zerstört. Zuerst sehe ich dich ungläubig an. Du lachst. Lachst mich aus. Ich will nach der Schaufel greifen, um zu retten, was noch zu retten ist, doch wieder bist du schneller und ziehst sie mir weg. Dann springst du auf und läufst davon. Und ich sitze hier vor einem Scherbenhaufen und heule mir die Seele aus dem Leib.

 

Genauso wie in dem Traum fühlt es sich auch heute an, nur hundert Mal schlimmer. Ich bin zu alt, um zu weinen, und es ist viel mehr kaputt als eine dämliche Sandburg. Du hast mir meinen Lieblingsmenschen genommen. Und das Schlimmste daran ist: Du weißt es noch nicht mal.


[Buchvorstellung einmal anders] Tür im Sand von Nicole Stranzl


 
Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit dem Protagonisten Luca aus „Tür im Sand“ und dessen Autorin Nicole Stranzl.

Hallo, danke, dass ihr heute Zeit habt und für das Buch antwortet. Würdet ihr euch vielleicht gegenseitig beim Interview unterstützen?
Nicole: Hallo, wir freuen uns, heute hier sein zu dürfen. Natürlich, das machen wir sehr gern.
Luca: Ich steh ja nicht so gern im Mittelpunkt, aber wo ich schon mal hier bin … Fangen wir an!
Es wäre schön, wenn ihr euch meinen Lesern vorstellen könntet.
Luca: Ich bin Arzt und habe eine Weile in Afghanistan als „Arzt ohne Grenzen“ gearbeitet. Dank Nicoles Grausamkeit muss ich einige schlimme Erlebnisse über mich ergehen lassen.
Nicole: Hey, immerhin bekommst du ein Happy-End.
Luca: Na ja, darüber lässt sich streiten … Aber ich glaube, diese Aussage sagt schon viel über Nicole aus: Sie quält ihre Protagonisten gern mal. Außerdem schreibt sie in verschiedenen Genres, meine Geschichte ist ihr erstes Drama. Zuvor war sie hauptsächlich im Thriller-Genre zu Hause.
Nicole: Dafür, dass du nicht gern Fragen beantwortest, machst du das doch ganz wunderbar. „Tür im Sand“ ist mein 7. Buch, für drei weitere Bücher gibt es schon einen Verlagsvertrag. Ich schreibe jedoch nicht nur Bücher, hauptberuflich bin ich Regionalredakteurin bei einer österreichischen Tageszeitung, der „Kleine Zeitung“.
Beschreibt uns das Buch in möglichst wenig Sätzen.
Nicole: Luca wird aus einem afghanischen Krankenhaus von Taliban verschleppt. Nach seiner Befreiung will er Jack finden.
Luca: Jack ist Soldat, wir haben uns in Afghanistan kennengelernt, unsere Beziehung musste jedoch immer geheim bleiben, weil wir uns in einem sehr schwulenfeindlichen Land befanden. Als ich endlich frei war, wollte ich ihn sehen – und das hab ich auch: Bei mir zu Hause in Italien, wo er mittlerweile mit meiner Zwillingsschwester Sofia zusammen war. Aber das Beste kommt erst: Sie war schwanger von ihm.
Nicole: Wie ihr ahnen könnt, ist das Buch sehr dramatisch, ich habe beim Schreiben mehr als nur eine Träne vergossen. Neben der Dreieckgeschichte gibt es auch immer wieder Rückblicke aus der Zeit aus Afghanistan zu lesen.
Macht es dir Spaß, deine Protagonisten ein wenig zu quälen? Sie in Situationen hineinzuwerfen, die schwierig sind? Warum nicht einfach und schön? Müssen Gefahren und Stolpersteine immer sein?
Luca: Hörst du das? Hörst du es?! Du könntest einfach einmal nett sein!
Nicole: Das wäre doch langweilig.
Luca: Mhm … genau! Es ist ja auch nicht dein Leben, das …
Nicole: Es macht mir Spaß, sie schwierige Prüfungen bestehen zu lassen. Vielleicht auch ein kleines bisschen, sie zu quälen, ich geb’s ja zu. Aber einfach ist doch langweilig. Für meine Verhältnisse kommt übrigens sehr viel Kitsch vor – und auch schöne, hoffnungsvolle Momente.
Habt ihr eine Lieblingsstelle im Buch, die ihr den Lesern des Blogs gerne vorstellen würdet?
Nicole: Nach der vorigen Frage werdet ihr jetzt vermutlich schockiert sein, dass meine Lieblingsstelle eine sehr traurige ist …
Luca: Was du nicht sagst …
Nicole: Ich kann sie euch allerdings nicht vorstellen, da sie zu viel spoilern würde – nur so viel, sie befindet sich am Ende des Buches.
Luca: Der Moment, als Jack seine Tochter das erste Mal im Arm hält, war sehr berührend. Dieses Bild werde ich niemals vergessen – ich glaube, es war das süßeste, das ich jemals gesehen habe. Ansonsten mag ich wohl den Epilog am liebsten – da dürfen wir endlich glücklich sein.
Wie viel echte Nicole steckt in dem Buch oder in dem ein oder anderen Charakter?
Nicole: Sehr wenig. Ich hab jedoch ein paar persönliche Erlebnisse einfließen lassen. Meine Oma leidet an Demenz; sie war die Inspiration für die Figur der Nonna. Sätze wie „Welchen Tag haben wir heute?“ oder „Musst du morgen wieder arbeiten?“, hab ich sehr häufig gehört. Das Wissen über Frühgeburten konnte ich durch das Schicksal meiner älteren Schwester schöpfen, die dreieinhalb Monate zu früh Zwillinge entbunden hat.
Wie würdet ihr als Hauptcharaktere eure Autorin beschreiben?
Luca: Sadistisch.
Nicole: Hey, jetzt mach mal einen Punkt und hör auf, so nachtragend zu sein.
Luca: Schon gut. Nicole versteht es, sich in die verschiedensten Figuren hineinzuversetzen und auch schwierige Themen wie Posttraumatische Belastungsstörungen sensibel zu behandeln. Wie schon gesagt liebt sie die Abwechslung, deswegen mag sie ihren Job als Zeitungsredakteurin auch so gern. Und sie ist schokosüchtig … Ich weiß nicht, wie viel sie während dem Schreiben genascht hat.
Nicole: Okay, das reicht jetzt auch wieder. Ich glaube, die Leser:innen haben schon ein gutes Bild von mir bekommen.
Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattet ihr vielleicht sogar Mitspracherecht?
Nicole: Schwieriges Thema (lacht). Mein Arbeitstitel lautete „Mein Leben ohne Dich“. Jeder, der mich kennt und auch mein Verlag weiß, wie gern ich diesen behalten hätte. Leider durfte ich das nicht. Der erste Vorschlag des Verlags lautete „Windglas“, was mir leider gar nicht gefallen hat. Ich hab mein Veto-Recht in Anspruch genommen und wir haben sehr viel Brainstorming betrieben. Sogar meine Redaktionskolleginnen haben fleißig mitgeholfen. „Wie Sand in meiner Hand“ war ein Vorschlag meiner lieben Journalisten-Kollegin Ulla. Das ging leider auch nicht, doch „Sand“ fanden wir alle so passend, dass der Verlag schließlich den Titel „Tür im Sand“ vorgeschlagen hat. Ich muss gestehen, ich war anfangs sehr skeptisch, aber mittlerweile hab ich mich damit versöhnt. 😉
Luca: Er klingt doch sehr poetisch.
Nicole: Es freut mich, dass er dir gefällt – aber du neigst ja zur Poesie und hast einen Hang zum Drama.
Seid ihr zu 100% mit dem Cover zufrieden oder hättet ihr nachträglich noch etwas ändern wollen?
Nicole: Mein erster Gedanke wäre das Meer bei Sonnenuntergang gewesen und ein Steg, auf dem ein Mann von hinten zu sehen ist. Da Luca den Strand liebt und sehr viel Zeit dort verbringt, spielen einige Szenen an diesem Schauplatz.
Paul leistet jedoch immer hervorragende Arbeit und hat mich von seinem Entwurf überzeugt. Ich bat ihn nur, die Farbwelt etwas abzuändern, da die Schrift zuerst pink gestaltet war und die Farben generell etwas heller und lieblicher gehalten waren. Außerdem hat er mir meinen Wunsch erfüllt und ich hab meinen Steg auch noch bekommen. Deswegen bin ich zu 100 Prozent zufrieden.
Wisst ihr, was mich noch interessieren würde? Euer jeweiliges Lieblingszitat aus dem Buch.
Nicole: Mein Lieblingszitat lautet: „Wie kann ein Kuss nur so zerstörerisch sein?“
Luca: Es war sehr dramatisch, das von Jack zu hören, aber als er zu mir sagte: „Du bist schlimmer als der Alkohol. Ich kann meine Finger einfach nicht von dir lassen“, hat das schon etwas in mir bewegt.
Vielen Dank für das Gespräch
Nicole: Wir danken dir!
Luca: Vielen Dank!