Freitag, 15. Juli 2022

[Buchvorstellung einmal anders] Moro - Das Vermächtnis von Maxi Magga


 

Buchvorstellung einmal anders

Ich warte seit einer Ewigkeit auf die Autorin Maxi Magga, aber sie kommt nicht. Ich setze mich in dem Park auf eine Bank und sehe einen Kindle dort liegen. Da ich von Natur aus, ein neugieriger Mensch bin, nehme ich ihn zu Hand.

Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das darauf enthaltene Buch. Es ist genau das um das es heute gehen soll. „Moro – Das Vermächtnis“ von Maxi Magga. Ich beginne ein wenig darin zu schmökern. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Hast du denn überhaupt keine Fragen? Sie wird nicht kommen. Interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«

Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben der Autorin am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. 😊

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um mit mir zu reden.
Ich warte hier nun mal nicht auf den Bus. Wenn meine Autorin schon so pflichtvergessen ist und diesen Termin einfach vergeigt, muss ich wohl oder übel einspringen.
Kannst du dich meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?
Ich heiße MORO – Das Vermächtnis und bin der jüngere Buchbruder von MORO – Flucht im 24. Jahrhundert von 2021 und Der Abgerichtete von 2020. Wir drei hängen gerne zusammen ab, vor allem die beiden MORO-Bände, wir reißen die Leser aber auch einzeln vom Hocker.
Zwischen meinen Buchdeckeln schnuppert der misshandelte und ausgebeutete Sklave Moro am Geruch der Freiheit. Es wird sich entscheiden, ob der unaufhörliche Kampf David gegen Goliath um sein Lebensrecht und um Menschenwürde erfolgreich kann. Er wird sich fragen müssen, was er der Grausamkeit seiner Besitzer entgegenzusetzen hat, wem er vertrauen kann und wie weit seine Opferbereitschaft noch geht, wenn er andere in Gefahr weiß.
In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da du ja auch viel mit der Autorin zusammenarbeiten musst, kannst du uns vielleicht beantworten, ob es ihr leichter fällt sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Mit einfachen oder schönen Zeiten hat sie es wirklich nicht so. Sie beklagt sich immer, dass die Charaktere dann zu leise mit ihr reden. Ich kriege selbst manchmal Schluckauf, wenn ich spüre, wie vor allem Moro in meinem Inneren durch tiefschwarze Situationen gejagt wird. Wie ein moderner Hiob, dessen Menschlichkeit ein ums andere Mal einer harten Prüfung unterzogen wird.
Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen würdest?
Eine? Machst du Witze? Nun gut, wenn ich alle Stellen beschreiben würde, brauchte ja niemand das Buch zu kaufen und dann bekäme ich sicherlich mächtigen Ärger mit meiner Autorin. Es gibt aber tatsächlich eine Szene, die mich noch eine Spur emotionaler werden lässt als die anderen. Wer keine Spoiler will, sollte zu nächsten Frage weitergehen. (Das wollte ich nur mal so gesagt haben.)
Moros Frau und sein Sohn sind nach jahrelanger Suche ausfindig gemacht worden. Er sucht sie in ihrem Versteck auf. Jedes Mal, wenn sich diese Stelle in mir rührt, fahnde ich auf dem Arbeitsplatz meiner Autorin nach Papiertaschentüchern, denn wie diese beiden mit wenigen Worten Moros Freude in Verzweiflung verwandeln, bricht mir das Herz.
Zitat: „Was willst du hier? Deinen Sohn überreden, die Tradition weiterzuführen? Sich auch zu verkaufen?“
Klasse finde ich auch die Stelle, in der die alte Anna sich mit Moros Wunden unterhält, um sie zum Verheilen zu motivieren. Ich meine, dass manche Menschen sogar mit ihren Autos reden, hab ich ja schon gehört, aber dass …?
Weißt du wie viel Maxi tatsächlich in dir oder auch in dem einen oder anderen Charakter steckt?
Das ist schon das große Rätsel seit Der Abgerichtete. Du weißt ja, wie es in ihrer Wohnung aussieht, Katzennippes, wohin das Auge reicht, Ohrensessel mit Blümchenmuster. Und in mir und meinen Brüder? Blut und Schmerz und Kampf ums Überleben. Das ist doch ein bisschen wie in Dr.Jekyll und Mr.Hyde, oder?
Wie würdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autorin beschreiben?
Buch: Wenn ich so darüber nachdenke, würde ich fast sagen, sie ist ein herzloses …
Moro: Ist sie nicht. War sie nicht oft genug die einzige, die nachts wach im Bett lag, weil sie um mich geweint hat?
Offizier der Guardians: Du bist vielleicht naiv. Diese Heulerei war doch völlig überflüssig. Sie hätte nur etwas anderes schreiben müssen.
Buch: Halt! Stopp mal bitte. Dann wäre ich so nicht auf der Welt. Unvorstellbar.
Hausmädchen (seufzt): Ach ja, die schönsten Stellen sind doch immer noch die traurigen. Die hat unsere Autorin in einem Rutsch runtergeschrieben.
Moro: Mit Tränen in den Augen, sag ich.
Buch: Ist gut jetzt, oder? Ok, sie ist also empathisch. Einverstanden. Mit einer Vorliebe für grausame Szenen.
B.Sarr: Und sie hat auf uns gehört. Vergesst das nicht. Man, was konnte ich da aus meiner Lebensweise heraus alles einbringen! Sie hat uns machen lassen und quasi nur mitgeschrieben.
Vanisa: Machen lassen? Mich ja wohl nicht. Sonst wäre ich heute noch mit Moro verheira…
Alle: Halt die Klappe!
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?
Das war so mittendrin. Fest stand zunächst nur, dass er sich dem Titel des zweiten Bandes anpassen sollte. Dann hat die Maxi ein bisschen herumexperimentiert. Wir, also die Charaktere und ich, hatten einige Mühe ihr klarzumachen, zu welchem Ziel die Geschichte uns trieb. Letztendlich hat sie es ja verstanden.
Bist du zu 100% zufrieden mit deinem Cover / Outfit oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Ich liebe es und würde nie etwas anderes tragen wollen.
Kannst du uns vielleicht auch schon verraten, ob die Autorin viele echte Plätze eingebaut hat oder ob die Orte im Buch der Fantasie entspringen?
Klar kann ich das. Diese Orte existieren alle nur in ihrer Fantasie. Ich für meinen Teil hätte es ja lieber gesehen, wenn sie mehr Orte benannt hätte, aber sie hat mich mit dem Argument abgeschmettert, dass es eigentlich um das geht, was sich im Inneren der Menschen abspielt. Da kann ich natürlich nicht mitreden.
Zum Abschluss würde mich noch dein Lieblingszitat aus dem Buch interessieren. 
Da gibt es für mich nur einen Favoriten, die Stelle, die ich aus gutem Grund auch auf meinem Buchrücken ausgedruckt trage: Was, um alles in der Welt, habe ich getan - haben ich und meinesgleichen getan -, dass wir so abgrundtief verachtet, ja gehasst werden; dass jeder Kellerassel mehr Recht auf Leben und Würde zugebilligt wird als uns?
Die Leute, die an mir vorbeigehen, sehen mich schon komisch an, deshalb höre ich auf zu reden und lächle den Personen einfach zu. Aber ich lasse es mir nicht nehmen, noch einmal kurz zum Buch »Danke, für deine Geduld und Antworten« zuzuflüstern.
Dann vertiefe ich mich wieder in das Buch.

[Schnipseltime] Nicht Mutter Theresa von Claudia Iwer

 

"Ich will auf dem Gipfel des Kilimandscharo stehen, kubanische Zigarren in Trinidad rauchen und die argentinische Sonne auf meinem Gesicht spüren. Ich will dir Asunción zeigen und mit dir auf den Stadtmauern von Lucca mit einem Prater entlangfahren. Vor allem aber will ich schlafen. Ich möchte wieder so sorglos schlafen, wie zu der Zeit, als ich noch ein Junge war. Oder so wie ich schlief, in den kurzen Wochen, in denen du bei mir warst."


[Buchvorstellung einmal anders] Nicht Mutter Theresa von Claudia Iwer

 



Buchvorstellung einmal anders

Nach dem Autoreninterview drückt mir Claudia ihren Kindle in die Hand und verlässt einfach das Zimmer. Da mir das schon öfter passiert ist in letzter Zeit, erahne ich, was da kommen wird.

Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das Buch der Autorin „Nicht Mutter Theresa“, um schon ein bisschen hineinzulesen. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Jetzt ist er weg, dann interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«

Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben der Autorin am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. Doch da kommt die Autorin wieder in den Raum und setzt sich zu uns.

Wollen wir das Interview nun zu dritt machen?
Warum nicht :D
Hallo, danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um mit mir zu reden.
Buch: Es ist eine Ehre für mich. Alle wollen immer nur mit Claudia reden.
Kannst du dich als Buch meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?
Bei mir könnt ihr Theresa kennenlernen, die eine komplizierte Kindheit hatte. Jetzt – als Erwachsene – ist sie oft nachdenklich, manchmal traurig und gern für sich. Sie lernt aber jemanden kennen: Max. Der zeigt Theresa das Leben von seiner schönen Seite. Leider hat er ein Geheimnis.
Habt ihr eine Lieblingsstelle, die ihr uns gerne vorstellen würdet?
Unsere Lieblingsstelle ist das Ende. Aber das können wir euch nicht vorstellen, wir würden spoilern 😉
Eine andere schöne Stelle ist eigentlich sehr traurig. Aber für Theresa ist sie ein Schlüsselerlebnis, denn sie erkennt, wie wichtig es ist, sich so anzunehmen, wie man ist:
„Die Erle braucht keine fröhlichen, bunten Wiesen, sondern gibt sich auch mit einer kargen Gegend zufrieden. Theresa wollte das nicht. Sie wollte keine Stadterle sein in einer morbiden Umgebung, sondern ein knorriger alter Landbaum. Und sie wollte die Blumen. Auch dann, wenn die Blumen lieber unter einem anderen, fröhlicheren Baum gestanden hätten.“
Weißt du wie viel Claudia tatsächlich in dir oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt? Hast du dazu noch etwas hinzuzufügen oder stimmst du deinem Buch zu?
Es steckt viel drin von Personen, die die Autorin kennengelernt hat. Aber man kann nicht sagen, dass Theresa oder auch Max der Autorin nachempfunden worden sind.
Wie würdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autorin beschreiben? 
Claudia lässt uns viel Freiraum. Wir wechseln öfter mal die Richtung und sie lässt uns ziehen. In dieser Hinsicht ist sie flexibel.
Ansonsten ist es aber nicht sehr spannend mit ihr. Max hätte gern mal eine wilde Fahrt mit einem Sportwagen gemacht und Karl hätte am liebsten einen Revolver geschwungen. Aber da war mit Claudia nix zu machen.
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?
Der Titel war schon vor mir da. Ich hatte kein Vetorecht ☹
Seid ihr zu 100% zufrieden mit dem Cover / Outfit oder würdet ihr nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Theresa: Ich habe ja nichts dagegen auf dem Cover abgebildet zu sein. Aber musste es ausgerechnet im Badeanzug sein.? Claudia und ich liegen darüber noch im Clinch.
Zum Abschluss würde mich noch euer Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Claudia:
„Vor allem aber will ich schlafen. Ich möchte wieder so sorglos schlafen, wie zu der Zeit, als ich noch ein Junge war. Oder so, wie ich schlief in den kurzen Wochen, in denen du bei mir warst. Es gibt so viel, was ich noch erleben will. Glaub mir, Theresa. Ich werde alles daransetzen, dass ich all das auch erleben kann.“
Theresa:
„Max hatte nicht nur vor, ein Leben voller Abenteuer zu führen. Er hatte vor, all das mit ihr zu erleben. In seinen Planungen vorzukommen, war für sie so ungewohnt wie unwägbar. Und dennoch war alles plötzlich selten klar: Das musste Liebe sein.“
Obwohl es selbst in Autorenkreisen nicht üblich ist, dass das Buch antwortet, bedanke ich mich bei dem Buch: »Danke für das Gespräch, es hat mir großen Spaß gemacht.«
Dann wende ich mich der Autorin zu. »Danke dir für den sehr interessanten Tag bei dir und das tolle Interview.«

[Autoreninterview] Claudia Iwer

Autoreninterview
Claudia Iwer

Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Ich bin Claudia Iwer und veröffentliche in Kürze meinen zweiten Roman. Wenn ich nicht schreibe, bin ich am liebsten mit meiner Familie in der Natur unterwegs.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ich habe mit dem Schreiben begonnen, um eine persönliche (familiäre) Erfahrung zu verarbeiten. Das ist noch gar nicht so lange her. Als der Text beendet war (unveröffentlicht), wollte ich weiterhin schreiben. Also bin ich dabeigeblieben. Es ist jedes Mal eine fantastische kleine Reise, wenn ich in die Welt meiner Protagonisten eintauche.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
Im Februar diesen Jahres (2022) ist bereits „Purpurne Fäden“ erschienen. Es handelt von einer Frau mit vierzig, die unheilbar erkrankt ist. Und nun steht sie vor der Frage, ob sie um ihr Überleben kämpfen soll (mit der Hilfe eines ganz besonderen Buches). Oder ob sie ihre letzten Tage lieber gemeinsam mit ihrer besten Freundin in ihrem Traumland Argentinien genießen möchte.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Gerade schreibe ich an einem Cosy Krimi mit integrierter Love Story. Eine Herausforderung für mich. Aber es ist auch verdammt lustig.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Am liebsten verbringe ich meine Freizeit mit meinem Mann und unseren drei gemeinsamen Kindern. Am liebsten entdecken wir die Welt (wobei „die Welt“ auch unseren Wohnort = Potsdam und meine Heimat = Spreewald einschließt)
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Die oder den Eine/n gibt es für mich nicht. Aber ich habe einiges von Paulo Coelho im Bücherregal (oder auf dem Kindl). Den lese ich sehr gern.
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Ich schreibe gern am Küchentisch. Ganz einfach, weil der Weg in die Küche für Snacks oder Getränke nicht so weit ist. Abends verlagere ich meinen Arbeitsplatz meist auf die Couch. Vorzugsweise mit einem Glas Wein in unmittelbarer Reichweite.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Der ist ganz und gar unspannend :D
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Irgendwie landen ich oder meine Protagonisten gern bei Liebesgeschichten. Selbst, wenn ich einen Cosy Krimi schreibe, will mein Inneres immer gern noch eine Liebesgeschichte mit einflechten.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
Nein. Das Leben ist unglaublich facettenreich. Es bräuchte tausende Zitate, um all das zu beschreiben.
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Deutschland, weil meine drei Kinder hier geboren wurden.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Manchmal ja, manchmal nein. Manchmal gut, manchmal schlecht.
Warum hast du dich entschieden Selfpublisher zu werden und nicht zu einem Verlag zu gehen?
Ich hatte mich für mein erstes Buch bei verschiedenen Agenturen beworben. Das hat nicht funktioniert. Also habe ich es selbst versucht. Das war gar nicht so kompliziert. Inzwischen hat sich sogar eine gewisse Routine entwickelt.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Wenn du gefühlvolle Bücher magst, mit einer Prise Humor und einem Quäntchen Tragik sind meine Bücher genau richtig für dich.

Mittwoch, 13. Juli 2022

[Buchvorstellung einmal anders] Scherben einer Göttin: Liliths verborgene Gesichter (Anthologie) von Bjela Schwenk (Hrsg.)


 

Buchvorstellung einmal anders

Ich warte seit einer Ewigkeit auf die Autoren der Anthologie, aber sie kommen nicht. Ich setze mich in dem Park auf eine Bank und sehe einen Kindle dort liegen. Da ich von Natur aus, ein neugieriger Mensch bin, nehme ich ihn zu Hand.

Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das darauf enthaltene Buch. Es ist genau das um das es heute gehen soll. „Lilith – Scherben einer Göttin“. Ich beginne ein wenig darin zu schmökern. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Hast du denn überhaupt keine Fragen? Sie werden nicht kommen. Interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«

Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben den Autoren am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. 😊

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um mit mir zu reden.
Sehr, sehr gerne. Mit uns Büchern redet ja sonst kaum jemand; wobei – wir reden sehr viel mit unseren Lesern, auch wenn diese das meist nicht merken.
Kannst du dich meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?
Ohh, natürlich gerne! Also, es geht in der Geschichte um Lilith, eine mythologische Figur, die meiner Herausgeberin besonders am Herzen liegt. Und es geht auch ein bisschen darum, ihr Gerechtigkeit zu verschaffen und auf die Missstände aufmerksam zu machen, mit denen besonders Frauen teilweise bis heute noch zu kämpfen haben.
Besonders stolz bin ich aber darauf, dass ich ein Gemeinschaftsprojekt vieler Autorinnen und Autoren bin. Deswegen ist sehr viel Liebe in mich geflossen; jeder hat etwas zu mir beigetragen. Da sind zum einen natürlich die 18 Geschichten, von denen jede ganz anders ist: Es gibt lustige Geschichten und traurige, spannende Geschichten und ernste. Und dann sind da noch die wunderschönen Illustrationen, das Cover und einfach das Herzblut, das jeder der Autoren in mich gegossen hat. Ich finde, das merkt man.
In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da du ja auch viel mit den 18 Autoren zusammenarbeiten musstest, kannst du uns vielleicht beantworten, ob es ihnen leichter gefallen ist, sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Also besonders gut gefallen mir natürlich die lustigen Geschichten in mir, aber auch die Geschichten, die beim Lesen vielleicht ein bisschen schwerer zu ertragen sind, die aber nachdenklich machen. Ganz unter uns: Ich weiß, dass ein paar der Autoren mit ihren Geschichten gekämpft haben, bevor sie sie aus dem Geschichtenreich in unseres holen konnten. Ich glaube, das liegt daran, dass es um ein besonders wichtiges, aber auch schweres Thema geht. Insgesamt kann ich aber gar nicht sagen, welche der Geschichten mir am besten gefällt; jede einzelne hat ihren ganz eigenen Charme und ihre Bedeutung.
Hast du Lieblingsstellen, die du uns gerne vorstellen würdest?
Oh ja, sehr viele! Meine Autoren haben sie schon herausgesucht und dir als Schnipsel geschickt.
Weißt du wie viel von deinen Autoren tatsächlich in dir oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt?
Das weiß ich leider nicht, weil ich meine Autoren erst vor Kurzem kennengelernt habe, als sie ihre Geschichten geschrieben haben und ich dadurch entstand. Aber pst: Ich glaube, dass in der einen oder anderen Geschichte doch auch ein wenig mehr von ihnen in den Charakteren steckt.
Wie würdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autoren beschreiben?
Das Buch setzt zu sprechen an, aber eine etwas schrille Frauenstimme unterbricht: „Also, jetzt reicht’s endgültig mit dem Süßholzgeraspel! Mein Autor ist ein richtiger A…, was ich bei dem alles durchmachen musste! Und dabei hat er mir noch nicht mal ein richtiges Ende gegeben!“
„Wem sagst du das?“, ertönt eine etwas grummelige Männerstimme. „Alles, was ich wollte, war, in Ruhe in meinem Turm zu bleiben und meine Tränke zu brauen! Aber nein, natürlich werde ich gestört! Und dann noch mitten in der Nacht!“
„Also, uns hat unsere Autorin ein Happy End gegeben“, meint eine weitere Frauenstimme. „Gut, unsere Heimatstadt ist ein wenig abgebrannt, aber sooo sehr mochte ich die jetzt auch nicht.“
„Wie schön für dich!“, ruft ein Mann in deutlich hysterischem Ton. „Ich … ich werde wahrscheinlich bis ans Ende meines Lebens traumatisiert sein! Und meine schönen Bücher …“
„Sooo, das reicht!“, ruft das Buch und schaltet sich in den Energiesparmodus. „Das waren jetzt erst mal genug Spoiler.“
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?
Über den Titel haben meine Autoren gemeinsam entschieden, so wie über fast alles, was mich betrifft. Ich mochte erst einen anderen Titel lieber, aber jetzt bin ich sehr zufrieden mit dem, den ich bekommen habe!
Bist du zu 100% zufrieden mit deinem Cover / Outfit oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Nein, ich liiiiebe mein Outfit! Das Cover passt perfekt und ganz besonders großartig finde ich auch die wunderschönen Illustrationen, die es vor jeder Geschichte gibt!
Zum Abschluss würde mich noch dein Lieblingszitat aus den Geschichten interessieren.
Oh, da kann ich mich gar nicht festlegen, ich habe so viele Lieblingszitate! Aber meine Herausgeberin hat sie dir alle geschickt, also wenn du möchtest, kannst du selbst eines aussuchen, das dir gefällt! :)
Die Leute, die an mir vorbeigehen, sehen mich schon komisch an, deshalb höre ich auf zu reden und lächle den Personen einfach zu. Aber ich lasse es mir nicht nehmen, noch einmal kurz zum Buch »Danke, für deine Geduld und Antworten« zuzuflüstern.
Dann vertiefe ich mich wieder in das Buch.

Dienstag, 12. Juli 2022

[Buchvorstellung einmal anders] Der Schmerzflüsterer von Frank Esser


 
Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit dem Protagonisten Lukas Sontheim und seinem Autor, um mit ihnen über das Buch „Der Schmerzflüsterer“ zu sprechen.

Hallo, danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um für das Buch zu antworten.
Wir danken Dir ganz herzlich für die Möglichkeit, dass wir uns Deinen Lesern vorstellen dürfen.
Es wäre toll, wenn ihr euch meinen Lesern vorstellen würdet, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben?
Mein Name ist Lukas Sontheim, 47 Jahre alt und ehemaliger Leiter der Kölner Mordkommission. Mittlerweile arbeite ich aber als Privatdetektiv. Hängt mit meiner Vergangenheit zusammen. Ich habe unter tragischen Umständen meine Frau und meine Tochter verloren – anschließend hatte ich ein massives Alkoholproblem und meinen Job bei der Polizei verloren. Fast sechs Jahre war ich in der Versenkung verschwunden und mich meinem Selbstmitleid ergeben. Mittlerweile bin ich aber trocken und habe meinen Platz wieder in der Gesellschaft gefunden.
Mein Name ist Frank Esser, 48 Jahre, Hybridautor, d.h. ich veröffentlich sowohl Bücher im Selbstverlag als auch beim Empire-Verlag. Ich schreibe schon seit knapp fünfzehn Jahren, aber mein erstes Buch habe ich erst 2017 veröffentlich. Aktuell schreibe und veröffentliche ich drei Buchserien. In Aachen ermittelt Karl Hansen, in Hamburg Jana Brinkhorst, und in Köln darf sich Lukas Sontheim austoben. Ich lebe in der Nähe von Aachen, bin ein absoluter Serienjunkie und noch größerer Musikfan. Bei mir läuft eigentlich immer Musik – vorzugsweise Rock und Metal – und ich besuche Konzerte, wann immer es die Zeit zulässt.
Beschreibt uns dein Buch in möglichst wenig Sätzen.
Der Schmerzflüsterer ist ein Thriller, in dem sich Lukas mit einem besonders perfiden Serienmörder auseinandersetzen muss. Er rutsch wie immer eher zufällig in die Ermittlungen, eigentlich hat er den Auftrag, eine verschwundene Schülerin zu finden, die seit Wochen vermisst wird. Doch nach und nach stellt sich heraus, dass…das sollen die Leser selbst herausfinden 😊
Glaubst du macht es dem Autor mehr Spaß dich durch leichte, einfache oder schwierige, düstere Situationen zu führen? Hat er dich richtig eingeschätzt?
Definitiv liebt Herr Esser es, mich ich absolut schwierige Situationen zu bringen. Oder besser gesagt, er liebt es, mich durch die Hölle zu schicken. Mehr als einmal durfte ich mich bisher in Lebensgefahr begeben. Andererseits liebe ich Herausforderungen, von daher macht er das schon ganz gut.
Hast du eine Lieblingsstelle im Buch?
Es ist definitiv der Moment, in dem mit bewusst wird, wer hinter den Taten steckt und die Erkenntnis, wie alles zusammenhängt.
Was glaubst du, wie viel Frank steckt in dem Buch oder dem ein oder anderen Charakter? Hat er alles gefunden oder gibt es da noch etwas verstecktes?
Mittlerweile kennen wir uns schon ein Weilchen, von daher kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass gar nicht so viel Frank in dem Buch steckt. Sieht man mal von zwei Dingen ab. Die Vorliebe für Rock und Metal teilen wir, und wir beide mögen es, intensiv zu recherchieren.
Wie würdest du deinen Autor beschreiben?
Puh, schwierige Frage. Er ist akribisch und Detailversessen. Außerdem ist er eine Nachteule, manch Zeile seiner Bücher entsteht zur nachtschlafenden Stunde, zumindest am Wochenende. Er ist gesellig, hängt gerne mit seinen Freunden ab. Manchmal ist er ein bisschen stur und bockig wie ein kleines Kind – zum Glück kommt das aber eher selten vor 😊
Weißt du, wie es zu dem Titel kam? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Lauf des Schreibprozesses verändert? Hattest du vielleicht sogar Mitspracherecht?
Tatsächlich ist der Titel auf Franks Mist gewachsen. Und zwar lange nach Fertigstellung. Der Verlag hatte verschiedene Vorschläge gemacht und plötzlich hatte er eine Eingebung, was gut passen würde. Bedenkt man die Art, wie der Serienkiller tötet, passt der Titel wie die Faust aufs Auge, finde ich.
Gefällt euch das Cover zu 100% oder hättet ihr einen anderen Wunsch oder Vorstellungen gehabt?
Da wir den Seriencharakter beibehalten wollten, passt das Cover auf jeden Fall. Tendenziell würden wir bei weiteren Büchern der Reihe allerdings in eine andere Richtung gehen wollen.
Was ist jeweils euer Lieblingszitat aus dem Buch?
Es ist tatsächlich kein einzelnes Zitat – vielmehr ist es der ganze Prolog, in dem der Serienmörder darüber sinniert, was für eine Art Mensch er ist. Wir mögen diese Passage nach wie vor als Gesamtbild sehr gerne und wollen das deshalb nicht unbedingt auf ein einzelnes Zitat reduzieren.
Danke für das Gespräch.
Es war uns eine große Freude, Deine Fragen beantworten zu dürfen. Es hat sehr viel Spaß gemacht und wir hoffen, dass Deine Leser ebenso Spaß beim Lesen des Interviews beziehungsweise unserer Bücher haben.

Donnerstag, 7. Juli 2022

[Buchvorstellung einmal anders] Reyna - Verlorene Welt von Alina Schüttler

 



Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit der Autorin Alina Schüttler, um mit ihr über ihr Buch „Reyna – Verlorene Welt“ zu sprechen.

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um für dein Buch zu antworten.
Sehr gerne! 😊
Kannst du uns dein Buch in möglichst wenig Sätzen beschreiben?
„Reyna – verlorene Welt“ ist eine Dystopie, in der es um Freundschaft, Liebe und Rebellion geht.
Deine Charaktere erleben ja so einiges. Fällt es dir leichter sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Das kommt immer sehr auf die Situationen an. Mir fallen schöne Szenen nicht unbedingt leichter als düstere. Schwierig sind für mich eher stark emotionale Szenen.
Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen würdest?
„Wir können nicht für immer hierbleiben. Für Veränderungen muss man auch bereit sein, große Risiken einzugehen und sich ins Unbekannte vorzuwagen.“ Das ist tatsächlich mein Lieblingszitat aus dem Buch (deshalb steht es auch auf dem Buchrücken).
Wie viel echte Alina steckt in dem Buch oder auch in dem ein oder anderen Charakter?
Ich vermeide es, viel von mir selbst in das Buch zu schreiben. Dennoch geht es sicher allen Autor*innen so, dass man Charakterzüge oder Erlebnisse in Bücher einarbeitet, mal mehr und mal weniger bewusst.
Ein wichtiges Symbol in dem Buch ist ein Ammonit, den Reyna von ihrem Freund geschenkt bekommt, kurz bevor er in einen Cyborg verwandelt wird. Das ist tatsächlich dadurch entstanden, dass mein Freund mir, kurz bevor ich die Rohfassung begonnen habe, einen Ammoniten geschenkt hat. Ansonsten neige ich dazu, den Charakteren Eigenschaften zu geben, die ich selbst gerne (mehr) hätte. Mollys Optimismus ist da ein sehr gutes Beispiel für, denn den hätte ich auch gerne. :D
Wie würden dich deine Charaktere beschreiben?
Ich denke sie würden mich gemein finden, weil ich sie in so schwierige Situationen bringe und ihnen so viel Leid antue.
Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert?
Reyna war schon der Arbeitstitel (jaja, nicht sehr kreativ). Allgemein tue ich mich mit Titeln ziemlich schwer. Daher hat es auch eine ganze Weile gebraucht, bis ich den Untertitel hatte. Meine Schreibgruppe hat mich dabei sehr unterstützt! Der Untertitel stand auch erst vor ein paar Monaten endgültig fest und hat sich im Prozess dann nicht mehr verändert.
Bist du zu 100% zufrieden mit dem Cover oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Ja! Ich liebe das Cover und würde nichts daran ändern lassen. Dazu muss ich aber auch sagen, dass Anna (@thesi_design) sich unglaublich Mühe gegeben hat, meine Vorstellungen ganz genau umzusetzen. Bei der detaillierten Umsetzung habe ich ihr freie Hand gelassen, da ich ihr da vertraue, dass sie was tolles zaubert. Und sie hat mich nicht enttäuscht! Während Anna am Cover gearbeitet hat, hat sie mir immer wieder Zwischenstände geschickt, damit ich meine Meinung sagen konnte. Die Zusammenarbeit war perfekt und ich werde auch meine zukünftigen Cover ohne Zögern in Annas Hände geben.
Zum Abschluss würde mich noch dein Lieblingszitat aus dem Buch interessieren. 
„Wir können nicht für immer hierbleiben. Für Veränderungen muss man auch bereit sein, große Risiken einzugehen und sich ins Unbekannte vorzuwagen.“
Danke für das Gespräch.
Ich habe zu danken! 😊