Shannon: Ja, das ist die lustigste Stelle im Buch, ich habe Tränen gelacht. Jack hat sie ausgezeichnet erzählt.
Jack: Oh, höre ich da ein Lob, Love …
Shannon: Soll vorkommen. Aber gewöhne dich nicht dran.
Jack riss die Augen auf und starrte seinen Schwiegervater erstaunt an. Als ihm dieser zuzwinkerte, fuhr er, erleichtert, den Unwillen des Familienoberhaupts nicht geschürt zu haben, fort: „Von diesen Eigenheiten wusste ich jedenfalls nichts, als ich den Saloon betrat und, so ahnungslos wie ein Mann nur sein kann, zur Bar schlenderte. Es dauerte eine Weile, bis ich herausgefunden hatte, dass Lady Gin wahrhaftig diejenige war, die ich suchte, und ich erklärte ihr mit lauter Stimme: Ma’am ich suche einen Mann. Sein Name ist E. Kurz. Könnten Sie mir weiterhelfen? - Dann schießen sie los!, forderte sie mich auf und ich verstand, verständlicherweise, nicht, was sie meinte. Es besteht immerhin das ungeschriebene Gesetz, niemals jemanden in einem Saloon dazu aufzufordern, loszuschießen.“
„Das klingt überraschend vernünftig“, stimmte Mr Highmore zu.
„Nicht wahr?“ Jack gluckste. „Los, verraten Sie mir den Namen, junger Mann!, forderte sie mich auf. Ich erwiderte: Sein Name ist E. Kurz. – Ob kurz oder lang, das tut nichts zur Sache, erklärte sie und wollte wissen, ob ich sie für senil hielte.“
Jack hob die Hände, als wollte er sich ergeben. „Ich bemerkte, dass ich in eine prekäre Lage geraten war. Die Lady erweckte den Eindruck, der Colt an ihrer Hüfte säße sehr locker.“
„Der Colt an ihrer Hüfte“, gluckste Shannon. „Himmel, Jack!“
„Ja, jetzt lachst du, meine Liebe, aber damals bewegte ich mich auf dünnem Eis.“
„Du übertreibst!“, tadelte sie mit erhobenem Zeigefinger, woraufhin Jack mit einem Schmunzeln fortfuhr: „Nicht die Bohne! Als Nächstes versuchte ich, ihr zu erklären, dass es sehr wohl einen wichtigen Hinweis auf die Identität des Gesuchten darstellte, ob sein Name Kurz oder Lang sei. Immerhin könnte man ihn dadurch einfacher identifizieren. Da wurde sie fuchsteufelswild, zog ihre Pistole und schoss an die Decke.“
Mrs Highmore stieß einen erschrocken Laut aus, weshalb er eilig beschwichtigend hinzufügte: „Keine Sorge, Mrs Highmore, das kommt öfter vor und ist nicht weiter bedenklich.“
Fragend sah sie zu ihrem Mann, der bestätigend nickte. „Kein Grund zur Beunruhigung, Liebes.“
„Kaum hatte sie den Colt wieder eingesteckt und sich der Staub, der von der Decke rieselte, gelegt, bestellte jemand neben mir einen Husky. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich sekundenlang überlegte, ob er oder ich den Verstand verloren hatte. Wie soll ich sagen? Ich hab schon wirklich viel erlebt, aber die Erfahrungen, die ich hier machte, waren mit nichts zu vergleichen. Noch bevor ich ein Resümee bezüglich meines Geisteszustands zu ziehen vermochte, beugte sich Lady Gin zu mir, sah mich beschwörend an und raunte mir mit lässig nach unten verzogenem Mundwinkel verschwörerisch zu: Wenn sein Name eh kurz ist, verrate ihn mir ruhig. Ich werde ihn mir merken. Da begriff ich und antwortete: Ich suche Ernest Kurz. Ratlos blickte sie in die Runde. Kennt den hier wer?, blaffte sie.“
Junia: Ich weiß nicht, Leute, wir kommen hier irgendwie nicht weiter. Shannon, was ist denn deine Lieblingsstelle?
Shannon: Nun ja, als …
Junia: Sag mal, wirst du gerade rot?
Shannon: Niemals! (Räusper) Also, hier ist sie:
Während er ihr Kinn festhielt, glitt er mit den Fingern der anderen Hand ihren Schenkel entlang. Sie sog die Luft ein und keuchte Augenblicke später unter seinen berückenden Liebkosungen auf. Er umwarb sie, bis sie ergeben den Kopf in den Nacken warf. Dann umfasste er sie an den Hüften und setzte sie zurecht. Sie krallte die Finger in seine Haare und stöhnte unterdrückt.
„Schau mich an, Shannon“, bat er zärtlich und sie gehorchte zögernd.
Da teilte ein zufriedenes Lächeln seinen Mund und sie tastete mit den Zeigefingern schüchtern über die Lachfältchen, die sich in seinen Augenwinkeln bildeten.
„Ich habe nie vergessen, wie es sich angefühlt hat, als ich dir das erste Mal in die Augen gesehen habe“, gestand sie und errötete.
Sein Lächeln vertiefte sich. „Und, willst du es mir erzählen?“
Abschätzend musterte sie ihn. „Also gut ... Du hast jeden Zoll meines Leibes in Aufruhr versetzt und eine verzehrende Hitze in mir entzündet. So wie jetzt.“
Er hob die Augenbrauen, leiser Spott ließ seine Mundwinkel zucken. „Hm. Momentan erweckst du nicht den Anschein, jeder Zoll deines Leibes wäre ihn Aufruhr, kurz davor, zu verbrennen“, hänselte er sie zärtlich.
Erleichtert beobachtete er, wie die bis zu diesem Moment in ihren Zügen erkennbare Anspannung, von ihr abfiel und etwas anderem Platz machte. [… wegen Spoiler gelöscht …]
„Nun, Jack Duncon, vermutlich musst du dich ein bisschen mehr anstrengen“, zahlte sie es ihm mit gleicher Münze heim. Er konnte genau erkennen, was ihr auf der Zunge lag.
„Sag es nicht!“, befahl er streng. „Nenne mich nicht ...“
„Lady ...“, fuhr sie neckend fort. Bevor es ihr gelang, weiteres Unheil anzurichten, verschloss er ihr schnell den Mund, indem er sie stürmisch küsste, woraufhin sie ihn, als er den Druck minimal lockerte, spielerisch in die Unterlippe biss. Doch er gab sie nicht frei. Er besaß trotz allem einen letzten Rest an Selbstachtung und die würde er sich nicht einmal von seinem reizenden Weib rauben lassen. Mit dem Becken trieb er sie an, bis er sicher war, dass sie endlich die Kontrolle über sich aufgegeben hatte.
„Na, wer ist da eine Lady“, raunte er ihr zu, als sie sich hilflos an ihn klammerte und sehnsüchtig stöhnte. Ihr Blick war verschleiert – nie zuvor hatte er sie so selbstvergessen gesehen. Tiefes Glück durchströmte ihn.
„Komm, sag es! Wer ist hier die Lady?“
Um ihr zu zeigen, wer die Führung übernommen hatte, wölbte er eine Hand über ihre Brust.
„Shan, willst du mehr?“
Sie seufzte sehnsüchtig.
„Dann sag es! Wer ist hier, in meinem Bett, die Lady?“
„Ich“, keuchte sie trotzig. „Und verdammt, es ist ein großartiges Gefühl!“
Er lachte amüsiert auf. „Na na, meine Liebe, du solltest allen Ernstes an deiner Ausdrucksweise arbeiten, denn die passt überhaupt nicht zu einer vornehmen Dame.“
Sie kicherte und drückte ihm einen Kuss auf die erotische Spalte in der Mitte seines markanten Kinns. „Seit wann bist du in Belangen der Etikette derart feinfühlig, Jack Duncon?“ Ihre Augen strahlten vor Abenteuerlust, als sie ihn musterte. „War dieses flüchtige Geplänkel eigentlich schon alles, Cowboy, was du zu bieten hast? Oder wie findest du die Idee, mit mir gemeinsam in den Sonnenaufgang zu reiten?“
„Das ist mal was Neues, du freches Biest“, brummte er und knabberte genüsslich an ihrem Hals. „Angesichts deiner Verfassung frage ich mich, ob du so lange durchhältst. Du zählst immerhin zum schwächeren Geschlecht.“
„Oh, an mir soll es nicht liegen“, lachte sie und verpasst ihm einen Klaps auf die Seite. „Worauf wartest du denn? Oder suchst du verzweifelt nach Ausreden ...“
Da ließ er sich mit ihr nach hinten fallen und rollte sich auf sie. Dass es nichts mehr gab, was ihn davon abhielt, mit ihr die betörenden Gipfel der Leidenschaft zu erklimmen, bewies er ihr in den darauffolgenden Stunden ausführlich.
Junia: Jetzt verstehe ich, warum du nicht errötet bist.
Shan: Haha.
Jack verschränkt die Arme vor der Brust und grinst zufrieden.