Dienstag, 13. Oktober 2026

[Autoreninterview] Marin T. Kael



Autoreninterview
Marin T. Kael

Natürlich möchte ich als Erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Erst einmal ganz herzlichen Dank, dass ich bei Deinem Autorentag dabei sein darf, ich freue mich riesig! Ich bin Marin T. Kael, und ja, das ist ein Pseudonym. Wenn ich nicht schreibe, arbeite ich im internationalen Management eines Konzerns. Dort erlebe ich jeden Tag, welche Macht Unterschriften, Verträge und Politik haben. Irgendwann hat mich das nicht mehr losgelassen, und so ist Varin entstanden. „Das vierte Feld“ ist mein erster Roman, und es fühlt sich immer noch ein bisschen unwirklich an, dass es ihn jetzt wirklich gibt.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Über eine Frage, die mich jahrelang begleitet hat: Was wäre, wenn nur die Rechtschaffenheit zählte, also das, was wirklich gut ist für die Welt, und wenn man das sogar messen könnte? Diese Frage ist mit mir gereist, durch viele Länder. Zur Geschichte wurde sie in Prag. Ich war in der Oper, bin durch die Stadt gelaufen und habe in den Cafés gesessen, in denen schon Einstein saß. Und dort dachte ich: Schreib es doch einfach auf! Bau eine Welt, in der genau diese Fragen gelten, und schau, wohin die Reise führt. Ab da habe ich mich immer tiefer hineingedacht.
Welche Bücher sind bis jetzt von dir erschienen? Könntest du sie uns in maximal fünf Sätzen beschreiben?
Bisher eines, mein Debüt „Das vierte Feld“, erschienen am 8. Oktober 2026. Es spielt in Varin, einer Stadt, in der Edikte die Wirklichkeit verändern, sobald Krone, Zünfte und Kasse sie besiegelt haben. Diese Ordnung bekommt Risse: Treppen vergessen ihr Gewicht, Stimmen hallen ohne Mund. Der Schreiberlehrling Arin findet ein Siegel aus grauem Wachs, das es eigentlich nur im Märchen geben sollte. Von da an steht er zwischen einer Königin, die um jedes Wort ringt, und Leuten, die ihre ganz eigenen Spiele spielen.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Ja, und zwar an mehreren gleichzeitig! Ich arbeite an Band 2 und Band 3 und zugleich am ersten Band der Gegenseite, also des Gegenspielers und seiner Partei, die man in Band 1 kennenlernt. Sie bekommen eine ganz eigene Sicht auf die Geschehnisse. Darauf freue ich mich besonders, denn wer dranbleibt, wird die Perspektiven aller Seiten zu lesen bekommen.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Reisen! Ich bin viel unterwegs, durch ganze Länder und über die Jahre auch über Kontinente. Am liebsten laufe ich einfach durch eine fremde Stadt, setze mich in ein Café und schaue zu. Und wenn es eine Oper gibt, gehe ich hin.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautor, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Ich lese sehr gern anspruchsvolle, literarische Fantasy, also große Geschichten, die Sprache und Ideen ernst nehmen. Robin Hobb liebe ich für die Tiefe ihrer Figuren, Steven Erikson für die schiere Größe seiner Welt, Guy Gavriel Kay und Ursula K. Le Guin für ihre Sprache.
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Zeigen kann ich ihn leider nicht, denn einen festen Platz habe ich gar nicht. Die meisten Einfälle kommen mir unterwegs: im Zug, im Flugzeug oder im Auto, wenn ich die Gedanken durch fremde Gegenden schweifen lasse. Mein Arbeitsplatz ist also eher ein Notizzettel als ein Schreibtisch.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Schreibtage gibt es bei mir ehrlich gesagt nicht. Es sind immer Kleinigkeiten: etwas, das mir auffällt, das mich bewegt oder begeistert, oder an das ich einfach denken muss. Das sammle ich. Und wenn genug beisammen ist, setze ich alles zusammen. Der Rest des Tages gehört dem Beruf.
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Beim Lesen ganz klar anspruchsvolle, literarische Fantasy. Für das, was ich schreibe, habe ich mir einen eigenen Namen ausgedacht: Edikt-Fantasy. Das ist Fantasy, in der Bürokratie Magie und Magie Bürokratie ist. Klingt trocken, ist es aber nicht :)
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
Fürs Leben, und bitte mit einem Augenzwinkern lesen: „Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich ein Fenster.“ Das ist mein ironisches, leicht sarkastisches Lieblingszitat ;) Aus dem Buch: „So war es seit Jahrhunderten: geschriebenes Wort, das die Welt zwang.“ Darum geht es mir im Kern: was Worte anrichten können, im Guten wie im Schlechten.
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Ein Lieblingsland habe ich tatsächlich nicht. Jedes Land hat seine eigenen Stärken und Schwächen, seine Kultur und seine Eigenheiten, und genau das mag ich. Mein Lieblingsland ist deshalb immer das nächste, das ich noch nicht kenne ;)
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um? 
Ich habe es bei diesem Buch ausprobiert, und zwar gründlich. Über vierzig Beta-Leserinnen und Beta-Leser haben eine frühere Fassung gelesen, ich habe über 20 Fragebögen und viele sehr detaillierte Rückmeldungen bekommen. Von „genial, I love it“ bis zum glatten Verriss war wirklich alles dabei. Das hat zu einem sehr umfassenden Umbau geführt, deshalb ist das Buch auch erst am 8. Oktober erschienen und nicht wie geplant am 22. September. Ohne diese Rückmeldungen wäre es heute ein anderes Buch und ganz sicher kein besseres. Dafür bin ich wirklich von Herzen dankbar! Die offenen Fäden und die Dichte habe ich trotzdem gelassen, die sind gewollt.
Warum hast du dich entschieden, Selfpublisher zu werden und nicht zu einem Verlag zu gehen?
Aus drei Gründen. Mir fehlt schlicht die Zeit für viele Abstimmungsrunden. Ich möchte schreiben, was mich umtreibt, was mich ausmacht und was mich berührt. Und ich möchte die volle Kontrolle über meine Werke und Ideen behalten. Dafür ist Selfpublishing wie gemacht.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Ja, sehr gern! Jeder Mensch bringt beim Lesen seine eigenen Werte und Vorstellungen mit, und deshalb liest sich ein Buch für jeden anders. Genau das ist mir wichtig. Meine Figuren sind bewusst wenig beschrieben, ohne Größe, Haarfarbe oder Hautfarbe. Wie Arin, Lira und Tessa aussehen, bestimmt Ihr. Nehmt Euch ruhig Zeit für die Bilder im Text. Und wer nach dem Lesen mit Fragen zurückbleibt, liest es so, wie ich es gemeint habe. Schreibt mir gern, auf wessen Seite Ihr gestanden habt, das interessiert mich wirklich!

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