Mittwoch, 2. September 2026

[Buchvorstellung einmal anders] Nicky - Ein Kätzchen fasst Vertrauen von Sabine Reifenstahl

 

 

Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit dem Protagonisten Nicky, um mit ihm über das Buch „Nicky – Ein Kätzchen fasst Vertrauen“ zu sprechen.

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um für das Buch zu antworten.
»Hallo, liebe Claudia. Ich freu mich total über die Einladung.« Dankbar nehme ich die Tasse heiße Schokolade und schaue mich um, ob meine Schöpferin irgendwo in der Nähe ist. »Ähm, na ja, im Grunde hatte ich keine Wahl. Die Anweisung kam von ganz oben, also nicht von meinem Dom Greg, sondern von der Autorin. Und ehrlich gesagt bin ich total nervös. Sonst rede ich nicht so viel mit fremden Leuten. Das muss ich erst lernen. Greg hat gesagt, ich soll mir das zutrauen.«
Kannst du dich meinen Lesern vorstellen, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben?
»Ich bin Nicky, Anfang zwanzig und nicht besonders kräftig gebaut, was Männer immer wieder ausgenutzt haben.« Bei dem Gedanken schnürt sich mir die Kehle zu und ich bekomme kaum Luft. Aber ich bin ja hier, um von mir zu erzählen. »Schlimmer noch, ich kann weder richtig lesen noch schreiben. Funktionaler Analphabetismus heißt das. Die größten Probleme macht mir nicht die Tatsache an sich, damit habe ich zu leben gelernt. Leider traue mich jedoch nie nach Hilfe zu fragen, wenn ich welche brauche. Es ist mir peinlich, dann halten mich alle wieder für dumm. So wie früher in der Schule.
Ich bin so allein. Dabei wünsche ich mir jemanden, der mich einfach in den Arm nimmt und mir sagt: ›Alles ist gut.‹ Dann müsste ich aber auch diese andere Sache tun. Die, die alle toll finden, nur ich nicht. Es tut weh und ich will das nicht mehr!«
Beschreibe uns dein Buch in möglichst wenig Sätzen.
»Da zitiere ich einfach mal den Pitch:
Nickys Vertrauen wurde so oft missbraucht, dass er sich von den Menschen zurückzieht, obwohl er Nähe braucht. Ausgerechnet in einem BDSM-Club erhält er sie, ohne bedrängt zu werden. Aber kann ein Dom die Lösung sein, wenn man nur schmusen möchte?«
Glaubst du macht es der Autorin mehr Spaß dich durch leichte, einfache oder schwierige, düstere Situationen zu führen?
Ach je, so eine Frage. »Eigentlich denke ich, Sabine mag mich. Sie macht es mir schwer, damit ich wachsen muss. Manchmal hatte ich das Gefühl, sie testet extra aus, wie viel ich aushalte, bevor sie mir wieder etwas Schönes gönnt. Na ja, sie schickt mir meinen Schultyrannen hinterher oder ich finde heraus, dass Greg etwas mit mir fehlt … Doch selbst in den schlimmsten Momenten war am Ende jemand da, der mich aufgefangen hat. Das war ihr wichtiger, als mich nur leiden zu lassen.«
Hast du eine Lieblingsstelle im Buch?
»Der Augenblick, als ich zu glauben begann, dass ich Greg vertrauen kann. Das war im Tierpark, unsere erste, ähm, Session. Keine richtige, aber statt das zu tun, was man im ›Elysion‹ so tut, hat er meinen Wunsch erfüllt.
Damals hab ich Greg etwas über Giraffen erzählt, dass sie beim Trinken umfallen. Es war so lustig, wie er mit mir stritt und dabei so schön mit den Augen rollte.
Spoiler: Er konnte mich nicht überzeugen, dass sie es nicht tun. Da gab er mir dafür die Sicherheit, ihm mein größtes Geheimnis anzuvertrauen.
Wie er darauf reagierte? Müsst ihr schon selbst lesen.«
Was glaubst du, wie viel Sabine steckt in dem Buch oder dem ein oder anderen Charakter?
»Das müsst ihr sie schon selbst fragen. Ich hab keine Ahnung. Lesen und schreiben kann sie definitiv. Sie scheint zu wissen, wie es sich anfühlt, wenn man Angst hat, sich zu öffnen. Das hat sie toll getroffen. Vielleicht steckt doch mehr von unseren Doms in ihr, denn sie weiß genau, wie man mit uns Subs umgehen muss, damit wir uns wohlfühlen. Und das ist immer das Ziel – nicht Schmerz zum Selbstzweck, nicht Machtspielchen, obwohl unsere Beziehungen nicht gleichberechtigt sind. Bei ihr fühlt es sich einfach richtig an.«
Wie würdest du deine Autorin beschreiben?
»Streng, aber fair, würde ich sagen. Sie schenkt uns nichts, lässt uns stolpern, manchmal auch fallen, gibt uns aber immer die Chance, wieder aufzustehen.
Ich glaube, sie mag Charaktere, die sich ihr Glück erarbeiten müssen.
Als Mensch? Sie ist empathisch genug, um sich vorzustellen, wie ich mich im Laden gefühlt habe, vor dem Regal mit den Weinen, deren Etiketten ich nicht lesen konnte. Oder bei Manfred, als er mich aus dem Job schmiss, weil ich den Zettel an der Bürotür nicht entziffern konnte. Im Vertrauen: Sie hat keinen grünen Daumen. Was ich über Pflanzen weiß, musste sie im Internet recherchieren.«
Weißt du, wie es zu dem Titel kam? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Lauf des Schreibprozesses verändert? Hattest du vielleicht sogar Mitspracherecht?
»Mitspracherecht hatte ich keins. So läuft das bei uns nicht, ich bin ja nur die Figur.« Das zuzugeben, fällt mir gar nicht leicht, denn ich fühle mich so echt. »Der Titel stand schon früh fest, denn Kätzchen ist ein Spitzname, den ich liebe. Zu Anfang war ich wirklich wie ein kleines Kätzchen, das sich in eine Ecke verkriecht, sobald sich jemand nähert; misstrauisch, immer bereit wegzulaufen. Mit Greg hat sich alles verändert. Dieses Gefühl beschreibt der Titel.«
Gefällt dir das Cover zu 100% oder hättest du einen anderen Wunsch oder Vorstellungen gehabt?
»Ehrlich gesagt, ja, ich mag beide sehr. Auf dem E-Book-Cover schau ich Greg an, und man sieht, wie wir füreinander fühlen. Da liegt so viel Zärtlichkeit in seinem Blick. Das war früher nie so, ich hab Menschen eigentlich immer nur aus dem Augenwinkel angeschaut, aus Angst, zu viel zu verraten. Auf beiden Covern sieht man mein Collar, das wichtigste, was ich je geschenkt bekommen habe.
Das Taschenbuch-Cover ist irgendwie zurückhaltender, trotz der gefesselten Hände – für Sabine ein Symbol für unsere Beziehungen mit Machtgefälle. Mich hat Greg nie so gefesselt. Rosa Rosen, das ist meine Farbe, und das neue Collar.
Am Anfang war es mir unangenehm, so offen zu zeigen, wie wir miteinander umgehen. Auch da hat mich Greg beruhigt. BDSM ist nichts, wofür ich mich schämen muss. Es ist unser Leben, und wir sind damit glücklich.
Hätte ich mir was wünschen dürfen, wäre da noch ein Kätzchen drauf, oder mein Schiebepuzzle mit dem weißen Tiger, oder eine Giraffe, oder Lavendel oder … Sabine meinte, viel macht nicht viel.«
Was ist dein Lieblingszitat aus dem Buch?
»Zu Hause bedeutete nicht ein Ort, sondern ein Mensch, dessen Herzschlag man auswendig kannte.« Bei den Worten entkommt mir ein Lächeln, denn Greg hat mir das vorgelesen. »Das trifft es für mich einfach am besten. Ich hab so lange gedacht, zu Hause wäre etwas, das man nie wirklich hat, wenn man wie ich aufgewachsen ist. Ohne Eltern, ohne Liebe. Jetzt weiß ich, dass eine Familie nichts mit Blutsverwandtschaft zu tun hat, ich habe Menschen, die immer für mich da sind. Nicht nur Greg und … Nein, mehr verrate ich nicht.«
Danke für das Gespräch.
»Ich danke dir, du warst so nett zu mir. Hast an Schokolade für meine Nerven gedacht. Mit heißer Schokolade kannst du mich zu fast allem verführen.«

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