Donnerstag, 14. Mai 2026

[Buchvorstellung einmal anders] München 1981 von Susanna Constantin


 
Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit den Protagonistinnen Esther und Annegret aus „München 1981“ und deren Autorin Susanna Constantin.

Hallo, danke, dass ihr heute Zeit habt und für das Buch antwortet. Würdet ihr euch vielleicht gegenseitig beim Interview unterstützen?
Annegret: Na klar, machen wir gerne – mit gegenseitiger Unterstützung geht alles viel einfacher.
Esther: Eigentlich wollte ich gerade nach München fahren, aber ein bisschen Zeit habe ich noch. Leg los!
Ich hatte ein langes Gespräch mit eurer Autorin, deshalb wäre es schön, wenn ihr euch meinen Lesern vorstellen könntet.
Annegret: Ich bin etwa 30 Jahre alt, wohne in Bozen (Südtirol) und bin frisch verheiratet. Ich habe Rechtswissenschaft studiert und arbeite als Sekretärin in einer Kanzlei. Vor kurzem habe ich mich mit einer Freundin getroffen, der es zur Zeit nicht so gut geht, weil ihr Sohn im Libanon im Militäreinsatz ist. Ich würde ihr so gerne helfen, ihren Sohn zurückzuholen…
Esther: Ich bin 18 Jahre alt und komme auch aus Südtirol, aber von einem etwas entlegenen Bergdorf. Zur Zeit ist daheim alles Mist, mein Vater ist total herrisch, meine Mutter frustriert und ich will einfach nur weg. Am besten nach München, dort soll demnächst ein Bob Dylan-Konzert stattfinden.
Beschreibt uns das Buch in möglichst wenig Sätzen.
Annegret: Frauen.
Annegret: … und Frieden.
Esther: … und Freiheit!
Macht es dir Spaß, deine Protagonisten ein wenig zu quälen? Sie in Situationen hineinzuwerfen, die schwierig sind? Warum nicht einfach und schön? Müssen Gefahren und Stolpersteine immer sein?
Susanna: Na klar, macht das Spaß, aber es quält mich manchmal auch selbst! Aber hey, so ist das Leben und die beiden Damen meistern meine Stolpersteine ja auch 😊.
Habt ihr eine Lieblingsstelle im Buch, die ihr den Lesern des Blogs gerne vorstellen würdet?
Annegret: Ja, meinen Streit mit meinem Mann Peter. Ich weiß, das war für Susanna ein schwieriger Moment (so wütend habe ich sie beim Schreiben noch nie erlebt!), aber ich finde, der sollte hervorgehoben werden.
Esther: Wow, das ist schwierig… vielleicht würde ich ihnen als Anfang mal die Gitarrenszene zeigen. Mein Lehrer, Peter Stadler, gibt mir nämlich Unterricht. Was Annegret nicht erfahren sollte: Ich steh total auf ihn.
Wie viel echte Susanna steckt in dem Buch oder in dem ein oder anderen Charakter?
Susanna: In diesem Buch steckt vor allem mein Herzblut, es war mir nämlich ein großes Anliegen über das Thema Frauen, Frieden und Freiheit zu schreiben und dabei meine Lieblingssongs mit ins Buch packen zu dürfen.
Wie würdet ihr als Hauptcharaktere eure Autorin beschreiben?
Annegret: Susanna ist meiner Meinung nach eine spätberufene Feministin. Sie schreibt ja auch als „feministisches Greenhorn“ einen Blog und hat das Projekt „FlowerPower“ ins Leben gerufen (schaut einfach mal auf ihre Webseite). Sie hat bei dem Roman sehr viel geweint, weil ihr viele dieser Themen sehr nah gegangen sind und sie auch wütend gemacht haben.
Esther: Susanna ist irgendwie wie eine coole Tante für mich. Sie konnte ziemlich gut nachempfinden, als ich diese schlimme Krise wegen meinem Lehrer hatte und nur noch weg wollte von zu Hause. Was ich nicht OK fand, ist, dass sie Roxies WG in München von den Bullen hops nehmen ließ und ich in einer Zelle der bayrischen Polizei gelandet bin.
Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattet ihr zwei vielleicht sogar Mitspracherecht?
Annegret: Also, mich hat niemand gefragt… ich glaube, das hat Susanna allein mit dem Verlag ausgemacht.
Esther: Ich glaube schon, dass ich da irgendwie mitgewirkt habe: München ist und bleibt mein Sehnsuchtsort, auch wenn ein Großteil des Buches in Südtirol spielt.
Seid ihr zu 100% mit dem Cover zufrieden oder hättet ihr nachträglich noch etwas ändern wollen?
Annegret: Das Cover ist genau mein Ding, vor allem wegen der schönen weißen Friedenstaube.
Esther: Ich steh ja eher auf die Playlist, die für das Buch erstellt wurde. Da sind alle meine Lieblingssongs drauf.
Wisst ihr, was mich noch interessieren würde? Euer jeweiliges Lieblingszitat aus dem Buch.
Annegret: Darf ich Gas geben?
„Was wir wollen?“, schreit sie. „Wir wollen eine ganze Menge, mein Lieber. Wir wollen die gleichen Rechte wie ihr. Wir wollen unsere Berufe ausüben dürfen und nicht ein Jurastudium absolvieren, um dann als Sekretärin in einer Anwaltskanzlei Kaffee zu kochen und uns Briefe diktieren zu lassen. Wir wollen Vollzeit arbeiten und genauso viel verdienen wie ihr. Wir wollen, dass ihr euch auch mal um den Abwasch kümmert und kocht und putzt wie wir, und zwar nicht nur am Tag der Frau oder am Muttertag. Wir wollen, dass ihr euch auch um unsere Kinder kümmert und ihnen die Windel wechselt. Wir wollen, dass ihr eure alten Eltern genauso pflegt, wie wir es tun. Und vor allem wollen wir eines: dass all diese Dinge nicht als selbstverständlich betrachtet werden. Ihr sollt genauso müde sein wie wir, nachdem wir gearbeitet, geschrubbt und gekocht und Kinderärsche abgewischt haben.“
Esther: Ich möchte etwas zur Liebe sagen…: „Sie hat mich sogar nach Tipps in Sachen Männern gefragt, aber ich habe ihr gesagt, dass ich ihr da beim besten Willen nicht helfen kann. Allerdings, was die Liebe angeht, konnte ich ihr ein paar Weisheiten mit auf den Weg geben. Ich habe ihr gesagt, dass es Liebe ist, wenn der andere einem zuhört, wenn der andere einen gehen lässt und man gerne wieder zu ihm zurückkommt. Ich habe ihr gesagt, dass Liebe Distanzen und Grenzen überwindet. Ich habe ihr verraten, dass Liebe nicht einfach ist und dass man oft eine Menge Geduld mit ihr braucht. Außerdem, und das war mir besonders wichtig, habe ich ihr gesagt, dass es nur Liebe ist, wenn sie erwidert wird. Und dass es dann doch eigentlich wurscht ist, ob die Liebe von einem Mann oder einer Frau kommt, Hauptsache, man fühlt sich damit wohl.“
Vielen Dank für das Gespräch

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