
Buchvorstellung einmal anders
Heute treffe ich mich mit den Protagonisten Noah und Tom aus „Risse der Melodie“, um mit ihnen über das Buch und ihre Autorin zu sprechen.
Danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um für das Buch zu antworten.
Könntet ihr euch meinen Lesern vorstellen, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben?Noah: Hallo und schön, dass wir da sein dürfen.Tom: Hey allerseits.
Beschreibt uns bitte das Buch in maximal 5 Sätzen.(Noah sieht zu Tom): Willst du anfangen?Tom: Nein, mach du! Immerhin bist du das Rampenlicht und die Interviews gewohnt.Noah: Okay, also ich heiße Noah und bin heute mit Tom hier, meinem Partner. Wie schön, dass ich das endlich sagen darf. Lange waren wir nämlich nur beste Freunde.Tom: Wir waren immer schon mehr.Noah: Ja, Seelenverwandte. Aber das klingt so kitschig, da verschrecken wir gleich alle. Ich glaube, wir gehen jetzt mal weiter zur nächsten Frage.
Glaubt ihr, macht es der Autorin Spaß euch in so manche schwierige Situation zu stoßen?Noah: Im Fokus steht meine Geschichte. Mit 17 Jahren haben meine Eltern mich von Zuhause rausgeworfen, weil sie mich in flagranti mit Tom erwischt haben. Das war für sie ein Weltuntergang, weil wir Zeugen Jehovas waren. Ich bin mittlerweile nicht mehr in der Sekte.(Tom räuspert sich): Das sagt man nicht, Noah. Es ist eine anerkannte Religionsgemeinschaft und das ist ein öffentliches Interview.Noah: Natürlich, Herr Staatsanwalt. Jedenfalls musste ich mich entscheiden zwischen meiner Familie und Tom. Ich bin bei seiner Familie untergekommen. Leider hat das mit uns anfangs nicht gehalten, Tom hat eine Familie gegründet …Tom: Du willst doch nicht gleich das ganze Buch erzählen! (seufzt) Man könnte sagen, es ist ein sehr emotionaler Roman, der sich mit den wichtigsten Themen des Lebens beschäftigt: Familie, Liebe und der Frage: Wer bin ich wirklich und wer will ich sein?
Habt ihr eine Lieblingsstelle im Buch?Noah: Definitiv! Wobei ich glaube, dass sie mit uns ja noch relativ harmlos umgesprungen ist. Ich hab ein paar ihrer anderen Bücher gelesen … (schüttelt sich theatralisch) Da sind wir ja noch gut dabei ausgestiegen.Tom: Also für mich war es genug Drama und Herzschmerz. Und dann noch die Sache mit deinem Bruder und deinem Vater …Noah: Ich hab gedacht, wir sollen nicht zu viel spoilern!
Was glaubt ihr, wie viel von eurer Autorin steckt in dem Buch oder in dem ein oder anderen Charakter?Noah: Da muss ich nicht lang überlegen. Meine Lieblingsstelle ist natürlich ganz am Schluss, wo Tom endlich seinen Arsch hochkriegt und mir sagt, dass er mich will. Hat ja auch ganz schön lang gedauert! Aber dafür war es wirklich wie in einer dieser Schnulzen. Na ja, es war jetzt kein Flughafen vorhanden, aber du warst trotzdem verdammt sexy, wie du reingestürmt und endlich gesagt hast, dass du mich willst.Tom: Du hast ausgesehen, als würdest du gleich kotzen.Noah: Ja, weil’s unerwartet war. Im Nachhinein unerwartet gut.(Tom lächelt): Ja, das war ein schöner Moment. Ich mochte jedoch auch die Szene sehr, wo du endlich aufwachst und dir klar wird, wie toxisch deine Familie eigentlich ist.Noah: Entschuldige mal! Das war mir schon lange klar.Tom: Ja, aber als du dann noch mal zu deiner Mutter gegangen bist und sie konfrontiert hast …Noah sagt trocken: Ist klar, du magst natürlich die Stelle, wo ich am meisten leide.Tom: Ich mag nicht, dass du leidest, aber es hatte was Befreiendes. Hast du zumindest gesagt.Noah: Ja, stimmt. Aber es hat verdammt wehgetan. Vielleicht wechseln wir jetzt lieber das Thema.
Wie würdet ihr eure Autorin beschreiben?Noah: Puh, also singen kann sie mal sicher nicht.Tom: NOAH!Noah: Was? Stimmt doch.Tom (schüttelt den Kopf): Nachdem außer Noah und mir auch noch meine Ex-Frau Sina und Noahs Gspusis Livia und Chris zu Wort kommen sind da sicher einige Charaktereigenschaften der Autorin vorhanden. Allen voran, dass sie ebenfalls sehr schwer Entscheidungen trifft und sich zu viele Gedanken darüber macht, was die anderen über sie denken könnten. Oder auch, ob ihnen ihre Arbeit gefällt. Also seid nett bei den Bewertungen des Romans.
Wisst ihr wie es zum Titel kam? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Oder hattet ihr sogar Mitspracherecht?Noah: Empathisch ist das erste Wort, das mir einfällt. Sie schafft es, sich in nahezu jede Person hineinzudenken und mitzufühlen. Beim Schreiben meiner Geschichte hat sie an manchen Stellen mitgeweint. Wir sind doch alle fünf sehr unterschiedlich, aber sie hat mit jeder und jedem von uns mitgefiebert und unseren inneren Kampf verstanden.Tom: Außerdem ist sie ein Workaholic. Schau dir mal ihre Bücherordner an. Im Februar erschien ihr letzter Thriller „Waldgeheimnis“. Am 7. August kommt unser Buch „Risse der Melodie“ raus und am 14. Februar 2027 kommt schon die Fortsetzung von „Waldgeheimnis“. Sie hat gleichzeitig an mehreren Manuskripten gearbeitet und arbeitet schon wieder an neuen Werken.Noah: Nicht zu vergessen, dass sie 30 Stunden die Woche als Zeitungsredakteurin tätig ist. Und viele Veranstaltungen plant. Am 13. August ist übrigens die Premieren-Lesung unseres Buchs.Tom: Mhm, und wer es nicht schafft, nach Kalsdorf zu kommen, kann sich am 11. August online bei „allabendlichqueer“ einschalten.
Gefällt euch das Cover zu 100% oder hättet ihr noch einen anderen Wunsch oder Vorstellungen gehabt?Noah: Der kommt von Nicole, unserer Autorin. Er war sofort in ihrem Kopf und auch der Verlag hatte keine Einwände. Ich finde, er passt wie Faust aufs Auge. Ich bin ja Musicaldarsteller und auch in Livias Leben spielt die Musik eine große Rolle. Musik berührt die Menschen, ein Leben ohne sie wäre grauenvoll. „Melodie“ bietet eine wunderbare Metapher. Toms und mein Herz schlagen im selben Takt, in der gleichen Melodie.Tom: Jetzt wirst du wieder extrem kitschig. Vielleicht erkläre ich deswegen die Risse. Sie beziehen sich einerseits auf den Bruch zwischen Noah und seiner Ursprungsfamilie, andererseits auf meine Ehe. Sina und ich haben lange versucht, die Risse zu kleben, leider ist es uns misslungen.Noah: Was heißt das „leider“? (schnaubt) Innerlich fühlten wir fünf uns wohl alle zerrissen. Oder zumindest hin- und hergerissen zwischen dem, was wir wollten, dem, was die Gesellschaft will. Und manche wussten ja selbst nicht, was sie wollen. (wirft Tom einen vielsagenden Blick zu.)Tom: Nächste Frage.
Was ist euer jeweiliges Lieblingszitat aus dem Buch?Tom: Es sieht sehr hübsch aus. Auch sehr passend mit den Noten und dem Riss und Wien, wo die Geschichte spielt.Noah: Sehe ich genauso.
Danke für das Gespräch.Tom: Also dein „Meredith-Grey”-Moment war schon witzig.Noah: Witzig? Bist du bescheuert? Soll ich dir jetzt eine reinhauen oder später?Tom: Hey, Gewalt ist keine Lösung.Noah: Dann behaupte nicht, dass es witzig ist, wenn ich dir mein Herz offenlege und du es mit Füßen trittst.Tom: Das ist sehr theatralisch, aber ja … vielleicht suchen wir lieber ein anderes Zitat.Noah: Ich mag ja besonders gern: „Manchmal muss man die Scherben wegkehren, und Platz für etwas Neues schaffen. Je länger man versucht, sie wieder zusammenzukleben, desto mehr Schnitte und Verletzungen fügt man sich hinzu.“Tom: Natürlich magst du das. Immerhin hat es das Ende meiner Ehe bedeutet.Noah: Was ist dein Lieblingszitat?Tom: Ein etwas längeres, aus meiner Lieblingsstelle, dein letzter Besuch bei deiner Mama: „Ein letztes Mal schweift mein Blick durch das Wohnzimmer. Der umgekippte Schaukelstuhl, der kaputte Tisch, meine Mutter inmitten der Scherben. Ein seltsames Gefühl von Zufriedenheit erfüllt mich. Endlich ist das Bild der falschen Perfektion zerstört. Das Chaos zeigt sein Gesicht. Es war stets hier. Versteckt hinter einer Fassade von vermeintlichem Familienglück. Das ist die hässliche Wahrheit. Diese Familie ist zerbrochen. Schon so lange.“(Tom greift nach Noahs Hand, der drückt sie fest.)Noah: Das war wirklich ein sehr schwerer Moment für mich. Ich glaube, ich muss mich jetzt etwas sammeln.Tom: Vielleicht sollten wir an der Stelle lieber aufhören. (sieht Noah besorgt an und sagt zu ihm): Tut mir leid, dass ich das aufgebracht habe.Noah lächelt gezwungen: Schon gut. Ich bedanke mich für das Gespräch. Alles Gute euch allen! Ich hoffe, ihr lest meine Geschichten, es gibt auch schöne kitschige Momente. Versprochen. Und vielleicht hilft es der ein oder dem anderen ja auch, der gerade selbst in einer Krise steckt. Das würde mich freuen. Denkt immer dran: Ihr seid gut und genau richtig, wie ihr seid!Tom: Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Danke für das Interview.
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