Samstag, 18. Juli 2026

[Schnipseltime] Das kleine Hotel in der Toskana von Heike Hamboch


 

Matteo tritt näher. Sehr viel näher. Ich spüre die Wärme seines Arms, bevor ich sie bewusst wahrnehme.

»Zu süß. Das ist eher Märchenschloss als Toskana.«

»Die meisten Frauen lieben Märchen«, gebe ich zurück.

Er schnaubt leise. »Das ist kein Argument.«

»Deins auch nicht.«

Eine Weile funkeln wir uns nur an. Dann will ich die Apricot-Karte etwas höher schieben, Richtung Terracotta-Ton. Im selben Moment greift er danach. Unsere Finger streifen sich. Nur ganz kurz. Trotzdem spüre ich ein leichtes Kribbeln in den Fingerspitzen. Ich ziehe die Hand so schnell zurück, als hätte ich mich verbrannt.

Er springt ebenfalls weg von mir. Sein Kiefer ist verkrampft und er sieht aus, als habe ich ihn unsittlich berührt. Verdammt, es waren nur unsere Finger.

Einen Moment sagt keiner etwas. Dann räuspert er sich. »Du hältst das schief.«

»Tue ich nicht. Außerdem ist das egal. Das ist nur eine Karte – damit wir die Wirkung sehen.«

»Nein, das ist wichtig.«

Mit einem Augenrollen rücke ich die Karte demonstrativ gerade. »Besser, Mister Tausendprozent?«

Er beugt sich leicht vor, kommt mir dabei wieder viel zu nah. »Immer noch schief.«

»Du stehst schief«, murre ich.

Giorgio lacht. »Ihr zwei seid wie ein altes Ehepaar.«

»Sicher nicht«, sagen Matteo und ich gleichzeitig.

Stille. Aber die Blicke, die Mama und Giorgio sich zuwerfen, gefallen mir ganz und gar nicht.

»Vielleicht sollten wir erst einmal die Farbe für den Tresen und die Stühle aussuchen«, sagt Matteo. Spürt er auch diese seltsamen Vibes zwischen unseren Eltern? Als ob sie etwas wüssten, das wir nicht wissen?

Er tritt einen Schritt zurück, nimmt die Karte mit dem Ebenholz-Farbton und hält sie gegen den Tresen. »Wie findet ihr das?«

So gut die schwarzbraune Farbe im Foyer aussah, hier verschluckt sie alles. Ich verziehe das Gesicht. »Viel zu hart.«

»Das ist hochwertig«, entgegnet er.

»Aber es vermittelt keine Wärme. Nur Strenge.«

»Das nennt sich Eleganz.«

»Die hat ein Beerdigungsinstitut auch.«

Matteo tritt näher. Sehr viel näher. Ich spüre die Wärme seines Arms, bevor ich sie bewusst wahrnehme.

»Zu süß. Das ist eher Märchenschloss als Toskana.«

»Die meisten Frauen lieben Märchen«, gebe ich zurück.

Er schnaubt leise. »Das ist kein Argument.«

»Deins auch nicht.«

Eine Weile funkeln wir uns nur an. Dann will ich die Apricot-Karte etwas höher schieben, Richtung Terracotta-Ton. Im selben Moment greift er danach. Unsere Finger streifen sich. Nur ganz kurz. Trotzdem spüre ich ein leichtes Kribbeln in den Fingerspitzen. Ich ziehe die Hand so schnell zurück, als hätte ich mich verbrannt.

Er springt ebenfalls weg von mir. Sein Kiefer ist verkrampft und er sieht aus, als habe ich ihn unsittlich berührt. Verdammt, es waren nur unsere Finger.

Einen Moment sagt keiner etwas. Dann räuspert er sich. »Du hältst das schief.«

»Tue ich nicht. Außerdem ist das egal. Das ist nur eine Karte – damit wir die Wirkung sehen.«

»Nein, das ist wichtig.«

Mit einem Augenrollen rücke ich die Karte demonstrativ gerade. »Besser, Mister Tausendprozent?«

Er beugt sich leicht vor, kommt mir dabei wieder viel zu nah. »Immer noch schief.«

»Du stehst schief«, murre ich.

Giorgio lacht. »Ihr zwei seid wie ein altes Ehepaar.«

»Sicher nicht«, sagen Matteo und ich gleichzeitig.

Stille. Aber die Blicke, die Mama und Giorgio sich zuwerfen, gefallen mir ganz und gar nicht.

»Vielleicht sollten wir erst einmal die Farbe für den Tresen und die Stühle aussuchen«, sagt Matteo. Spürt er auch diese seltsamen Vibes zwischen unseren Eltern? Als ob sie etwas wüssten, das wir nicht wissen?

Er tritt einen Schritt zurück, nimmt die Karte mit dem Ebenholz-Farbton und hält sie gegen den Tresen. »Wie findet ihr das?«

So gut die schwarzbraune Farbe im Foyer aussah, hier verschluckt sie alles. Ich verziehe das Gesicht. »Viel zu hart.«

»Das ist hochwertig«, entgegnet er.

»Aber es vermittelt keine Wärme. Nur Strenge.«

»Das nennt sich Eleganz.«

»Die hat ein Beerdigungsinstitut auch.«

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