Dienstag, 3. März 2026

[Autoreninterview] Stephanie Kaiser


Autoreninterview
Stephanie Kaiser


Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Sehr gern. Ich bin Stephanie, 35 Jahre jung und trage schon seit meiner Jugend riesengroßes Fernweh in mir. Deswegen bin ich damals auch schon mit 16 ans andere Ende Deutschlands gezogen, habe dort meine Lehre gemacht und bin danach nie länger irgendwo geblieben. Mit 21 Jahren bin ich dann per One-Way-Ticket nach Australien geflogen - und das war der Startschuss fürs Reisen. Seit über 2 Jahren lebe ich jetzt in meinem umgebauten Van und tingel durch die Welt. Bisher war ich in 23 Ländern auf 4 Kontinenten - mal mit dem Flieger, als Backpacker, als Urlauber und seither mit dem Auto.
Ich liebe es, mich kreativ auszuleben. Ich male, häkle, schreibe und lese gern und probiere gern Neues aus. Und ich möchte immer alles über das jeweilige Land wissen, in dem ich mich befinde - deswegen unterhalte ich mich gern mit Einheimischen.
Ich glaube, ich bin einfach nur ein kleiner Hippie, der der in der Welt zu Hause ist und das Leben nicht so ernst nimmt. Auf Reisen wird man mit der Zeit irgendwie entspannt. Wahrscheinlich kann ich gerade deswegen hier draußen meine Bücher schreiben.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Meine erste Buchidee habe ich damals mit 12 Jahren auf einer alten Schreibmaschine eingetippt. Aber so richtig habe ich erst auf Reisen gemerkt, wie gerne ich Geschichten schreibe - über Abenteuer, das Fantastische, über Freundschaft und Liebe. Über all das, was mir auch in der Welt begegnet.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
Am 30.9.2025 hat „Der Halloweenzirkus - Esmeraldas Fluch“ das Licht der Bücherwelt erblickt. ( In diesem Jahr erscheinen auch Band 1 meiner Buchreihe „Der Schiffszirkus“, sowie „Der Halloweenzirkus“ ( Band 2) )
„Der Halloweenzirkus - Esmeraldas Fluch“:
Geister, Vampire, Werwölfe und Hexen – Übernatürliches gibt es für Nora und ihren besten Freund Mo nur in Büchern, ebenso wie Unglückboten. Doch die Bewohner Darkmoores sind da anderer Meinung: In Darkmoore hat der Aberglaube Einzug gehalten, dass man vom Unglück verfolgt wird, wenn man eine Krähe erspäht, Spiegel zerbricht oder unter Leitern hindurchgeht – und nachts sollte man erst recht nicht rausgehen, schon gar nicht an Halloween! Ein Grund mehr für Mo, in dieser Nacht doch endlich mal den sagenumwogenen „Halloweenzirkus“ zu besuchen, wo sich nur die ganz Mutigen hin trauen. Nora hat darauf gar keine Lust, lässt sich aber schließlich überreden und muss schon bald feststellen, dass übernatürliche Wesen und ängstliche Bewohner ihr kleinstes Problem sind. Über dem Zirkus liegt nämlich ein Fluch – und Nora ist nun ein Teil davon. 🎃✨
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Tatsächlich arbeite ich sogar an vier weiteren Werken. Drei davon sind ebenfalls im Bereich Urban Fantasy angesiedelt. Das vierte ist eine Dystopie.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Ganz klar: mit meinem Board aufs Meer rausfahren, das Wellenrauschen genießen und Vitamin D tanken.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Au ja! Nicht selten kommt es sogar vor, dass ich die Bücher meiner Lieblingsautoren immer und immer wieder lese.
Dazu gehören: J.K. Rowling - Harry Potter
Marisha Pessl - Niemalswelt
Alix E. Harrow - Starling House
Sowie auch Tina Köpke - Hunting Souls
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
So gern. 😊 Stellt euch einen ausgebauten Van vor, in dem sich eine kleine Küchenzeile, ein kleines Bad und ein gemütlicher Schlafplatz in der Größe 1.70 x 1.60 m befinden. Mit ganz viel Stauraum für Geschirr, Klamotten, Putzzeug, Lebensmittel und Werkzeug. Alles ist in einem hellen Vintage-Stil gehalten. Inklusive Tagesdecke und Klappschrank. Und Deko und Pflanzen gibt’s natürlich auch.
Und auf diesem Bett sitze ich immer, mit dem Laptop auf dem Schoß und zumeist auch wunderschöner Aussicht - aufs Meer, auf Wälder, auf Felder.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Einen normalen Tag habe ich nie. Jeder Tag ist anders. Je nachdem, wo ich stehe und welche Witterungsbedingungen vorherrschen, beginnt jeder Tag auf andere Weise. Aber meistens läuft der Tag so ab: erstmal gibt’s Frühstück und eine Serienfolge, der Serie, die ich gerade schaue. Im Anschluss daran ( je nach Stellplatz, Wetterlage oder Internetempfang) heißt es dann entweder: Abwasch erledigen, Einkaufen gehen oder Wäsche waschen. Oder einfach ins Meer hüpfen. Oder Buch schreiben. Manchmal bin ich auch längere Tage an einem Ort und kann mir die Stadt oder Landschaft ansehen.
Manchmal gibt es auch viele Regentage in folge, die ich einfach nur im Van verbringe, an anderen Tagen bin ich nur unterwegs.
Was so schön klingt, ist aber auch oft mit Sorgen, Ängsten und dem Ungewissen verknüpft. Wartet hinter der nächsten Ecke das nächste große Erlebnis oder fährt man sich fest und ist auf Hilfe angewiesen? Im Prinzip ist jeder Tag ein einziges Abenteuer. Man weiß nie, was kommt. - Und ich liebs!
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben, liebe ich Urban Fantasy. Aber beim Lesen darf sich gerne auch das eine oder andere Häppchen Romance, Psycho, Mystery oder New Adult mit einschleichen.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich ein Zitat ist : „Es ist immer besser, zu wissen, als sich zu fragen.“ - Aber danach lebe und handle ich. Einfach, weil ich glaube, dass sich hinter unseren Ängsten so viel mehr verbirgt - zum Beispiel das Leben. Deswegen springe ich auch wagemutig über Klippen oder aus 4000 m Höhe aus Flugzeugen. Oder buche One-Way-Tickets ans andere Ende der Welt. Ich möchte mich in 40 Jahren nicht fragen, was gewesen wäre, wenn ich nur den Mut gehabt hätte, irgendetwas zu wagen.
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Ich habe viele Lieblingsländer. Allen voran Australien, Irland und Spanien. Egal, in welchen Ländern ich bisher war, sind mir wundervolle Menschen begegnet oder Abenteuer passiert. Aber am meisten sind mir die Gastfreundlichkeit in Australien, die grünen Weiten in Irland und die Leichtigkeit in Spanien im Herzen geblieben.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Interessante Frage 😊 Durch meinen Lebensstil war ich schon oft Kritik ausgesetzt. Ich würde sagen: konstruktive Kritik nehme ich gern auf. Auch Kritik zu meinen Büchern stehe ich absolut offen gegenüber, damit ich lernen kann, wo noch Potenzial für Verbesserung ist.
Am Ende kommt es auch auf mein Gegenüber an - was ist das Thema? Worum geht’s? Ist die Kritik gerechtfertigt oder nur eine Meinung?
Warum hast du dich entschieden zu einem Verlag zu gehen und nicht Selfpublisher zu werden?
Ich hatte von Anfang an den Wunsch, in einem Verlag unterzukommen.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Ich hoffe sehr, dass alle Leser des Halloweenzirkus finden, was sie nicht erwartet haben, und sich im Zelt meiner Fantasie wohlfühlen werden.

[Buchvorstellung einmal anders] Unerreichbar vertraut - Roundabout Love 3 von Nadine Schwager

 



Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit den Protagonisten Hector, Abril, Henry und Blake aus „Unerreichbar vertraut“, um mit ihnen über das Buch und ihre Autorin zu sprechen.

Danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um für das Buch zu antworten.
Hector: Sehr gern. Danke, dass du uns eingeladen hast.
Abril: Auch wenn's nicht mal um uns geht.
Blake: Ich weiß sowieso nicht, was ich hier soll.
Henry: Wir wollen für Dad und Daddy auch mal was Nettes machen.
Könntet ihr euch meinen Lesern vorstellen, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben?
Henry: Wir sind die Kinder von Seth und Jesse Parker. Ihre und unsere Geschichte könnt ihr in „Unerreichbar vertraut“ lesen. Ich kenne sie am längsten, ich bin am Tag nach meiner Geburt zu ihnen gekommen als ihr erstes Adoptivkind.
Blake: *stöhnt *
Abril: *mit einem Augenrollen* Der da ist Blake. Er ist eins von den Pflegekindern, die unsere Väter aufgenommen haben. Das andere ist Carly, aber sie ist noch ein Baby, sie durften wir nicht mitbringen. Dafür ist Blake der älteste Teenie im Haus.
Hector: Abril und ich sind Zwillinge, ich bin der Ältere. Und obwohl Henry am längsten bei unseren Vätern ist, ist er der jüngste Teenie. Er ist vierzehn, Abril und ich sind fünfzehn, Blake ist sechzehn.
Blake: Ich weiß echt nicht, was ich hier soll. Ich will nicht mal bei euren Alten sein.
Abril: Krieg dich ein.
Beschreibt uns bitte das Buch in maximal 5 Sätzen.
Teenies tauschen Blicke.
Blake: Kurz zusammengefasst: Die Alten knutschen, die anderen nerven und ich will bloß weg. Das Baby ist der einzige Mensch in diesem Haus, den man ertragen kann.
Abril: Diese zwei Sätze gelten nicht, weil sie überhaupt nicht stimmen.
Henry: Aber Dad und Daddy knutschen wirklich oft.
Abril: Das war aber auch das einzig Richtige.
Hector *entnervt *: Lasst mich das machen, okay? Also, im Buch geht es um unser Zusammenleben als Familie, das Zusammenwachsen mit den Pflegekindern und …
Abril: Und um das, was passiert, wenn Dad Seth eins seiner Pflegekinder wieder abgeben muss.
Henry: Da geht’s ihm nämlich gar nicht gut.
Wie geht ihr damit um, wenn eure Väter in so manche schwierige Situation gestoßen werden?
Henry: Die Frage ist ja eher, wie sie damit umgehen.
Abril: *nickt bedeutungsschwer* Und das können unsere Väter echt gut. Dad Seth war ganz lange Sanitäter und kann mit stressigen Situationen total gelassen umgehen. Und Daddy Jesse hat immer eine Lösung. Sie arbeiten beide hart und es ist ihnen wichtig, alles richtig zu machen. Ich glaube, deshalb kommen auch so viele Pflegekinder zu uns. Weil die bei der Fürsorge wissen, dass sie bei unseren Vätern gut aufgehoben sind.
Hector: *sieht Blakes genervten Blick * Das kannst nicht mal du leugnen, Blake.
Blake: *widerwillig seufzend * Nee, kann ich nicht. Auch wenn die Alten mich ultra abnerven. Die mit ihrer Weichspül-Erziehung.
Habt ihr eine Lieblingsstelle im Buch?
Henry: Ich mag die Stelle, wo uns Onkel James und Onkel Louis besuchen kommen. Und Mark mit uns zockt.
Abril: Meine Lieblingsstelle ist die auf dem Konzert mit Dad Seth.
Hector: *überlegt lange* Und meine die, bei der Abril die Bolognesesoße über jemandes Kopf kippt. Der hatte es echt verdient.
Blake: *verbirgt ein Schmunzeln* Absolut. Ich mag gar nichts an dem Buch.
Böse Blicke der anderen.
Blake: Okay, okay. Ich fand's ganz nett, als ich Carly mal halten durfte. Und … und als Seth mir Fahren beibringt. Und … und das ganz am Ende.
Geschwister nicken zufrieden.
Henry: Es passiert echt 'ne Menge in dem Buch. Auch 'ne Menge gutes Zeug.
Was glaubt ihr, wie viel von eurer Autorin steckt in dem Buch oder in dem ein oder anderen Charakter?
Abril: Na ja, unser Zwillingsdasein haben wir sicherlich den Kindern der Autorin zu verdanken. Zwillinge sind halt einfach cool.
Hector: Und unsere Väter führen eine ganz ähnliche Ehe wie sie: Zwei Menschen, die sich immer unterstützen und bedingungslos lieben.
Blake: Das Kinder-Haushalts-Chaos kennt sie bestimmt aus ihrem eigenen Leben.
Henry: Und das Gefühl, alles für die eigenen Kinder tun zu wollen. Sie in Sicherheit wissen zu wollen. Sie beschützen zu wollen.
Dieses Buch ist der letzte Band der Unerreichbar-Reihe. Wie würdet ihr die Gefühle eurer Autorin dazu beschreiben?
Henry: Sie ist echt traurig. Seth ist ihr ans Herz gewachsen.
Blake: Er war ihr erster queerer Protagonist. Den vergisst man nicht so schnell. Mit ihm hat das alles angefangen.
Hector: Mann, du taust ja auf einmal auf. - Aber Blake hat recht. Seth und Jesse sind einfach was Besonderes für sie. Vor allem, weil das alles so nie geplant war.
Abril: *verschwörerisch* Okay, ich plaudere aus dem Nähkästchen! Eigentlich war der Plan in Band 1, dass Dad Seth mit James zusammenkommt. Aber er wollte nicht. Er hat sich geweigert, bis sie ihm das Ende mit Jesse gegeben hat. Nur deshalb gibt es uns überhaupt.
Henry: Zum Glück.
Wisst ihr wie es zum Titel kam? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Oder hattet ihr sogar Mitspracherecht?
Abril: Im Entwurf hieß der Teil noch „Vaterfreuden“.
Hector: Aber inzwischen hießen die anderen Teile dann schon Unerreichbar nah und Unerreichbar fern. Da musste irgendwas Passendes gefunden werden.
Blake: Und Unerreichbar vertraut passte einfach gut. Erst sind die Alten sich nah, dann fern und am Ende eben vertraut.
Henry: Ich mag den Titel total.
Gefällt euch das Cover zu 100% oder hättet ihr noch einen anderen Wunsch oder Vorstellungen gehabt?
Blake: *schulterzuckend* Ist okay.
Abril: *teilt einen Rippenstoß aus* Es ist toll! Wir lieben es! Wir wollten genau das.
Hector: Ja, man sieht in der ganzen Reihe eine Entwicklung auf den Covern. Auf diesem stehen unsere Väter nahe beieinander, so wie sie es auch im echten Leben immer machen.
Henry: Sie geben einander Halt, stehen einander bei. Das haben sie uns auch beigebracht.
Was ist euer jeweiliges Lieblingszitat aus dem Buch?
Henry: Auf jeden Fall dieses:
„Man kann andere erst mit Respekt behandeln, wenn man selbst mit Respekt behandelt wird, James. Und wenn man sechzehn Jahre ohne Respekt vor den eigenen Grenzen oder auch nur der eigenen Persönlichkeit und den eigenen Bedürfnissen verbringen musste, dann ist es ein langer Prozess, bis man seine Ansichten über die Welt ändern kann.“
Hector: Klar, dass du wieder mit so was Tiefgründigem kommst! Hier ich nehme das:
Damit zog er Jesse rücklings in seine Arme, um seinen Hals zu küssen. Der kicherte entzückt und vergaß seine Tätigkeit sofort, um sich an Seth zu kuscheln und mit ihm in den dunkelblauen Abendhimmel zu blicken.
„Allein dafür hat es sich schon gelohnt. Für diesen einen Moment“, stellte Jesse zufrieden fest und Seth konnte ihm nur zustimmen.
Blake: Die turteln sowieso viel zu oft. Ich fand das hier ganz gut:
„Das ist …?!“ Sprachlos brach Blake ab. „Aber ich hab dich beklaut!“
„Es ging maximal um ein paar Dollar.“ Seth machte eine wegwischende Geste. „Man sollte aus einer Mücke keinen Elefanten machen.“
„Aber … aber …“ Wenn nichts bisher Blakes Welt auf den Kopf hatte stellen können, die Tatsache, dass Seth sein Rückgeld nicht einforderte, schien das zu tun.
Abril: Tja, das ist schwer zu toppen. Aber ich entscheide mich dafür. Da spricht Dad Seth gerade mit mir:
„Das sieht man auf den ersten Blick, mein Schatz, auch ohne die schwarze Klamotte“, versicherte Seth ihr lächelnd. „Denn du bist selbstbewusst und taff und klug. Und das sieht man bei jedem deiner Schritte und in jeder Sekunde, die du im selben Raum verbringst.“
Danke für das Gespräch.
Blake: Schon okay. Hat doch irgendwie Spaß gemacht.
Teenies grinsen einander an.
Abril: Stimmt, das hat es. Danke in unser aller Namen.

Montag, 2. März 2026

[Schnipseltime] Und in mir die Nacht von Saskia Diepold


 

Kapitel 1 – Nuray

Sein elendiges Gejammere klingelte unangenehm in meinen Ohren, doch trotz meines strafenden Blickes wollte der Vorsteher von Onyr einfach nicht damit aufhören.

„… und die Ernte aus Garantur reicht schon lange nicht mehr. Wenn wir nur eigene Felder anlegen könnten, dann -“

„Habe ich mich beim letzten Mal missverständlich ausgedrückt?“, fragte ich betont leise und endlich presste er die Lippen aufeinander und verstummte. Nicht so jedoch sein nichtsnutziger Sohn, der ihn begleitet und bisher schweigend neben ihm gestanden hatte.

„Aber Fürst Nuray, Ihr könnt nicht -“

Noch während ich eine Braue nach oben zog, ob dieser Unverfrorenheit, presste der Alte seinem Sohn hektisch eine Hand auf den Mund. „Bitte verzeiht, mein Fürst, er ist noch jung, er weiß nicht -“

Doch dieser schüttelte die Hand seines Vaters ab. „Ich weiß genug, dass -“

Ich erhob nicht einmal meine Stimme, als ich mich an den Ortsvorsteher wandte. „Bring ihn zum Schweigen, bevor ich es tue.“

Der Alte nickte hastig mit aufgerissenen Augen und seine schlaffen Wangen bebten, dennoch riss der törichte Junge sich wieder los und wagte es sogar, ein paar Schritte auf mich zuzukommen.

Die Wachen reagierten umgehend, zogen fließend ihre Waffen und sprangen vor, doch nach einem Wink von mir hielten sie sich zurück, durchbohrten ihn nicht mit ihren Klingen, sondern richteten diese nur warnend auf seine Kehle.

Als ich mich erhob, war die Stille im Thronsaal zum Zerreißen gespannt. Die Schatten flossen wie von selbst zu mir, kräuselten sich um meine Hände.

Der Alte fiel wimmernd auf die Knie, presste seine Stirn auf den Steinboden, wagte aber nicht, die Stimme erneut zu erheben.

Langsam waberten die Schatten zwischen den Wachen hindurch zu dem jungen Mann, dessen Augen sich nun in Panik weiteten. Ohne eine Miene zu verziehen, sah ich dabei zu, wie sich die dunkle Schlinge um seinen Hals legte und zuzog, als ich die Faust schloss. Die Farbe wich aus seinem Gesicht und seine Hände kratzten über seine Kehle, als sie vergeblich versuchten, die Enge um seinen Hals zu lösen.

„Wenn ich sage, dass du schweigen sollst“, erklärte ich ruhig, „dann wirst du schweigen. Hast du mich verstanden?“

Das Nicken war kaum erkennbar, doch seine Augen gaben mir eine eindeutige Antwort.

Seine Angst wirkte beinahe greifbar, aber vielleicht war das hier nötig, um diese leidigen Diskussionen über Lichtfelder in Onyr endlich zu beenden und ein längst überfälliges Exempel zu statuieren.

Ich dachte, sein Vater hätte das längst begriffen, doch offenbar schien eine regelmäßige Erinnerung nötig zu sein.

Langsam drückte ich fester zu, beobachtete, wie er einem Fisch gleich nach Luft schnappte. Kleine Äderchen platzten und färbten das Weiß seiner Augäpfel rot.

Der Vorsteher rutschte nun doch mit tränennassem Gesicht näher. „Bitte, lasst Gnade walten, mein Fürst. Ich flehe Euch an!“

Ich antwortete nicht, wartete stattdessen, bis die Schatten dem jungen Mann endgültig die Luft abschnürten und seine Lippen sich blau färbten, dann erst zog ich die Schwaden zurück. Als er an Ort und Stelle zusammensackte und rasselnd um Atem rang, traten auch meine Wachen wieder an ihre angestammten Plätze und ließen den Vorsteher durch zu seinem Sohn.

„Lasst euch das eine Lehre sein. Und jetzt verschwindet.“

„Natürlich, Herr. Habt Dank, Fürst Nuray. Vielen Dank, dass ihr sein Leben verschont habt!“, stammelte der Alte, doch ich wandte mich bereits von ihm ab. In meinem Rücken hörte ich die hektischen Schritte der zwei Männer und lauschte auf das klägliche Wimmern und Husten des jüngeren, bis die Türen hinter den beiden ins Schloss fielen.

Hoffentlich hielt die Abschreckung für eine Weile an und mir weitere Bittstellende vom Hals.

 

 

 

 

[Buchvorstellung einmal anders] Und in mir die Nacht von Saskia Diepold


 
Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit den Protagonisten Enera, Evrin und Miroy aus „Und in mir die Nacht“, um mit ihnen über das Buch und ihre Autorin zu sprechen. 

Danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um für das Buch zu antworten.
Evrin: „Natürlich, sehr gerne.“
Miroy stimmt ihm nickend zu.
Enera: „Klar! Was willst du wissen?“
Könntet ihr euch meinen Lesern vorstellen, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben?
Enera: „Ich bin Enera, das ist mein Bruder Evrin. Wir stammen aus Estya, das liegt nahe der Silberberge im Osten von Uscar.“
Evrin nickt: „Ich bin Heilmagier und arbeite gemeinsam mit Miroy im Sanatorium.“
Enera seufzt. „Tja, und wenn man keinen magischen Odem hat, so wie ich, dann schlägt man andere Karrierewege ein. Ich bin ausgebildete Schwertkämpferin.“
Beschreibt uns bitte das Buch in maximal 5 Sätzen.
Enera: „Rettung meines Bruders und Sieg der Gerechtigkeit natürlich.“
Evrin seufzt: „Die Erkenntnis, dass es mehr als nur die zwei Kategorien gut und böse gibt.“
Miroy: „Mh, Freunde halten zusammen?!“
Glaubt ihr, macht es der Autorin Spaß euch in so manche schwierige Situation zu stoßen?
Miroy: „Ich fand immer, dass sie niemanden nur zum Spaß hat leiden lassen.“
Enera zähneknirschend: „Ja, meistens war der ganze Mist, der passiert ist, nur eine logische Konsequenz.“
Evrin grummelnd: „Wohl wahr, wenn du einfach von Anfang an auf mich gehört hättest, Enera, aber ach … jetzt ist es eh zu spät.“
Habt ihr eine Lieblingsstelle im Buch?
Enera stolz: „Definitiv das Ende!“
Miroy: „Ähm naja, ich weiß nicht so recht …“ (wirkt nachdenklich)
Evrin: „Mh, ich glaube, mir hat es in der Bibliothek gefallen oder die Abende in der Gesindeküche.“
Was glaubt ihr, wie viel von eurer Autorin steckt in dem Buch oder in dem ein oder anderen Charakter?
Evrin: „Vermutlich so einiges, auch wenn sie es manchmal gut versteckt. Ich finde ihre spontane Begeisterungsfähigkeit hat sie auf jeden Fall an Enera weitergegeben.“
Miroy kichert. „Und ihren Wunsch in allem und jedem auch etwas Gutes zu sehen, steckt dann wohl in dir Evrin.“
Wie würdet ihr eure Autorin beschreiben?
Evrin: „Emotional. Kreativ.“
Miroy: „Empathisch auf jeden Fall.“
Enera: „Auch zielstrebig. Manchmal geht sie Umwege, aber sie verliert ihr Ziel nicht aus den Augen und beißt sich hartnäckig fest.“
Wisst ihr wie es zum Titel kam? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Oder hattet ihr sogar Mitspracherecht?
Enera kratzt sich am Kopf. „Ich glaube der Titel stand schon relativ lange fest. Saskia hatte immer Angst, dass jemand den Titel „klaut“ bevor das Buch veröffentlicht wird. Aber schlussendlich ist alles gut gegangen.“
Evrin: „Der Titel kommt als Satz auf jeden Fall auch einmal so im Buch vor. Aber wo, das müsst ihr schon selbst lesen.“
Gefällt euch das Cover zu 100% oder hättet ihr noch einen anderen Wunsch oder Vorstellungen gehabt?
Alle nicken begeistert. „Es ist genauso, wie wir es uns gewünscht hätten. Endlich das Licht am Horizont. Darauf warten wir doch alle!“
Was ist euer Lieblingszitat aus dem Buch?
„Nicht einmal du besitzt genug Odem, um ein schwarzes Herz zu heilen.“
Danke für das Gespräch
Evrin: „Sehr gern! Vielleicht lesen wir uns ja wieder?“
Enera: „Würde uns freuen!“

Sonntag, 1. März 2026

[Schnipseltime] Nebelflucht - Zwischen den Welten von Angela Bettina Schreiber


 

Luca stand locker neben dem Billardtisch, das Gewicht auf ein Bein verlagert, eine Hand in der Hosentasche, während er sich leicht zu Basti drehte. Basti hielt bereits einen Queue in der Hand und drehte ihn zwischen den Fingern, während sie auf Nerio warteten und dabei ins Gespräch vertieft waren. Luca neigte den Kopf leicht zur Seite, um Basti besser zuhören zu können.

Das warme Licht des Clubs ließ seine markanten Gesichtszüge noch intensiver wirken. Eine einzelne dunkelbraune Strähne löste sich aus seinem akkurat gestylten Haar, fiel ihm über die dunklen Augen, als er den Kopf ein Stück weiter senkte. Das eine Ohr Basti zugewandt, die Lippen leicht geöffnet, als würde er sich das Gesagte noch einmal durch den Kopf gehen lassen.

Dann – dieses kurze, kaum merkliche Zucken seiner Mundwinkel, das sich in ein echtes, offenes Grinsen verwandelte. Und dann lachte er. Tief, warm, echt. Ein Lachen, das durch den Lärm des Clubs drang. Ohne Eile strich er sich mit einer fast beiläufigen Bewegung die Strähne aus dem Gesicht.

Seine dunklen Wimpern senkten sich für einen Moment, als würde er etwas Unergründliches in Gedanken nachspüren. Langsam, fast provozierend, hob er den Blick wieder. Erst ein kaum merkliches Zucken seiner Lider, dann ein geschmeidiger, kontrollierter Augenaufschlag, der sich wie in Zeitlupe entfaltete.

Sein Blick glitt nach oben, tief und direkt, und etwas in Nerio geriet ins Wanken. Für einen Moment vergaß er zu atmen, die Welt schien stillzustehen. Die Musik, das Stimmengewirr, selbst Basti – alles rückte in den Hintergrund. Nur dieser Blick existierte. Direkt auf Nerio gerichtet, mit einer Intensität, die ihn unvermittelt aus dem Konzept brachte. Es fühlte sich an, als wäre er gemeint, als gehöre dieser Moment nur ihm. Hitze stieg ihm ins Gesicht. Seine Finger umklammerten das Glas fester.

Hoffentlich bemerkt er es nicht! Die Stimme in seinem Kopf kam so plötzlich, dass er unwillkürlich blinzelte. Sie klang fremd, fast so, als würde sie nicht zu ihm gehören. Nerio war nicht der Typ, der bei so etwas nervös wurde. Er war locker, selbstsicher, cool. Immer! Doch jetzt? Seine Gedanken stolperten über sich selbst, sein Körper fühlte sich ungewohnt schwer an und sein Gesicht zu heiß. Er kannte das nicht. Das war nicht er. Hastig hob er das Glas, als hätte er es genau in diesem Moment geplant.

„Wir wollten doch anstoßen?“, rief er. Seine Stimme einen Hauch zu hoch, ein kaum merkliches Zittern darin. Basti drehte sich grinsend zu ihm um, schnappte sich zwei Gläser und reichte eines Luca.

„Auf unser Wiedersehen! Und darauf, dass wir uns nie wieder so lange aus den Augen verlieren!“

Die Gläser klirrten. Nerio nahm einen tiefen Schluck. Der Alkohol brannte wohltuend in seiner Kehle, zog wie eine warme Schicht über seine aufgewühlten Gedanken. Blödsinn. Es war doch nur ein Blick.

Der Raum war von der Musik und den Gesprächen der anderen erfüllt, doch Nerio war voll und ganz auf das Billardspiel konzentriert. Der Queue in seinen Händen fühlte sich vertraut an, als er sich über den Tisch beugte, um einen präzisen Stoß zu machen. Die Kugel rollte ruhig in Richtung des Lochs. Zufrieden mit sich richtete er sich wieder auf und erwischte Luca, wie er ihn genau beobachtete. Für einen Moment blieb er wie erstarrt. Luca, mit seinem schüchternen Lächeln, das Nerio heute auf unerklärliche Weise ablenkte.

[Buchvorstellung einmal anders] Nebelflucht - Zwischen den Welten von Angela Bettina Schreiber


 
Buchvorstellung einmal anders

Nach dem Autoreninterview drückt mir Angela ihren Kindle in die Hand und verlässt einfach das Zimmer. Da mir das schon öfter passiert ist in letzter Zeit, erahne ich, was da kommen wird.

Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das Buch der Autorin „Nebelflucht – Zwischen den Welten“, um schon ein bisschen hineinzulesen. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Jetzt ist sie weg, dann interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«

Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben der Autorin am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. 😊 Doch da klettern noch zwei Protagonisten aus dem Buch und setzen sich zu uns.

Wer seid ihr denn? Wollt ihr euch den Besuchern des Blogs vorstellen?
Henry: Klar, also ich bin Henry! Fahrlehrer von Nerios kleinem Bruder. Und das neben mir ist Nerio.
Nerio* schaut skeptisch zu Henry rüber: Ich kann mich selber vorstellen, danke!
Henry* rollt mit den Augen und flüstert: Wenn du nicht gerade bekifft bist.
Nerio* schubst Henry fast vom Stuhl, da beherrschen sich beide und schauen erwartungsvoll in die Runde.
Herzlich Willkommen, Nerio und Henry. Wollen wir das Interview nun zu viert machen?
Nerio: Neben Henry wird kaum einer zu Wort kommen, aber sehr gerne.
Hallo, danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um mit mir zu reden.
Nerio* setzt ein freundliches Lächeln auf und legt den Kopf leicht schief: Dafür nehmen wir uns gerne Zeit.
Henry: Oh, lässt du jetzt wieder den sexy Barkeeper raushängen? Du bist vergeben!
Nerio* schließt genervt die Augen und atmet tief durch.
Nerio und Henry haben wir schon kennengelernt. Kannst du dich als Buch meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?
In mir steckt ganz viel psychologische Tiefe (Zwinkert zu Nerio). Nerios bisheriges Leben wird komplett umgekrempelt. Ihm wird eröffnet, dass er eine ganz eigene wichtige Rolle in diesem Buch hat, denn es gibt mehr als nur unsere Welt. Jeder kennt die Welt der Träume, doch für diese beiden hier (fixiert abermals Nerio und Henry) wird der Traum mehr und mehr zur Realität. Verwirrend? Auf jeden Fall. Besonders, wenn die Welten in Verbindung stehen. Nerio wird sich seiner Vergangenheit stellen müssen, um sein Abenteuer zu bestehen. Und Dadurch eröffnen sich ihm ganz neue Möglichkeiten. Ebenso sollte er seine Liebe akzeptieren, egal an wen sie gerichtet ist.
Nerio* kann ein verliebtes Schmunzeln nicht unterdrücken.
In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da ihr ja auch viel mit der Autorin zusammenarbeiten müsst, könnt ihr uns vielleicht beantworten, ob es ihr leichter fällt sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen? Seht ihr es als Protagonisten genau so?
Henry: Da muss ich mich gleich mal einmischen. Ich sollte Protagonist sein und werde offiziell als Nebencharakter dargestellt!
Nerio* fährt sich genervt durch die Haare: Weil du ein Nebencharakter bist! Du bekommst noch dein eigenes Buch, aber dieses hier erzählt meine Geschichte!
Henry: Ohne mich wüsstest du gar nichts von den Welten und würdest immernoch fröhliche Bilder von mir als Ikarinu zeichnen. Im Dunkeln würdest du tappen und bekifft in der Ecke hocken.
Nerio: Hör auf zu spoilern! Um auf die Frage zurück zu kommen: Ich hatte viele Diskussionen mit Angela! Bereits vor dem Roman haben wir gemeinsam die Geschichte gestaltet und ihr glaubt gar nicht, wie viele Versionen es gibt. Diese hier gefällt mir am besten, obwohl sie teilweise verdammt schmerzhaft ist.
Habt ihr eine Lieblingsstelle, die ihr uns gerne vorstellen würdet?
Nerio* blickt wieder verliebt ins Leere: Ich habe mehrere!
Henry: Ich bin auch noch da! Und ich habe eine ganz unscheinbare Szene. Erinnerst du dich, Nerio? Dein Auto war schrott. Ich habe jemanden gerufen, um es abzuschleppen. Wir haben ewig bei der Werkstatt gewartet, bis du einen Kostenvoranschlag erhalten hast. Bei diesem Gespräch ist das wichtigste Zitat vom ganzen Buch entstanden und es stammt von mir: Frieden ist keine Frage von Schwarz oder Weiß, sondern der Mut, in der Grauzone zu leben.
Nerio: Ja du hast recht, das war gelungen. Ich muss gestehen, dass Henry mir tatsächlich ans Herz gewachsen ist. Aber zu den Lieblingsstellen:
1. Wie ich das erste Mal durch den Wald der Ikarinu gelaufen bin. Ich war noch immer der Meinung, es sei nur ein Traum. Es war warm, ich spürte die Lebensenergie in den dunklen Bahnen auf meiner Haut pulsieren und fühlte mich einfach frei und leicht. So habe ich mich lange nicht gefühlt.
Der zweite Moment war, als ich Luca das erste Mal im Riff-Club gesehen habe. Ich kannte ihn bereits, logisch, er ist der Cousin meines besten Freundes. Aber da habe ich ihn mit ganz anderen Augen gesehen. Vielleicht auch, weil meine Innere Stimme ihn auch sehr sexy fand, mir ständig reingeredet hat und mich gezwungen hat ihn anzusehen. Zurecht! Es gibt keinen der mein Leben so sehr zum Besseren verändert hat. Er hätte mit herkommen sollen.
Henry: Jetzt wird’s aber kitschig! Luca hat keine Ahnung von den Welten, wäre also nicht so geil, wenn er jetzt hier wäre! Er würde dich für verrückt erklären!
Wisst ihr wie viel Angela tatsächlich in dir oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt? Habt ihr dazu noch etwas hinzuzufügen oder stimmt ihr dem Buch zu?
Buch: Da sage ich mal etwas zu. In jedem Charakter steckt etwas von ihr. In dem einen mehr, in dem anderen weniger. Manchen hat sie ihre Erfahrungen gegeben, manchen ihre Ängste oder Hoffnungen.
Wie würdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autorin beschreiben?
Nerio* grinst verschmitzt: Sie hat mir etwas von sich gegeben, was mich ziemlich ankotzt – Selbstzweifel.
Buch* lacht: Ja, so oft wollte sie mich dann doch einstampfen, aber ich konnte sie überzeugen, dass ich es wert bin, in die Welt getragen zu werden.
Henry* kopfschüttelnd: Ihr seid so oberflächlich. Also: Dieses Buch beinhaltet viele Themen, auch ernste, die zum Nachdenken anregen. Angela ist emotional und fantasievoll. Mit Arkadien hat sie eine Welt erschaffen, die sie teilweise liebt und ihr dann doch wieder Angst macht. Sie ist stark und hat Durchhaltevermögen, das hat sie mehr als einmal bewiesen. Mich wundert es dennoch, dass sie so ein Buch geschrieben hat, obwohl sie so ein starkes Harmoniebedürfnis hat *nachdenklicher Blick*
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?
Buch: Ich hieß zu Beginn „Buchidee“. Ja, ich weiß, sehr kreativ. Sie hatte wohl am Anfang nie gedacht, dass ich wirklich mal veröffentlicht werden. Dann sollte ich „Weltenwanderer“ heißen. Ein sehr unspezifischer, abgenutzter Name. Wie es dann zu „Nebelflucht“ kam, weiß ich gar nicht mehr. War eine Kurzschlussidee während des Schreibprozesses :D
Nerio: Der Titel hat schon ein wenig mehr Hintergrund, liebes Buch. Der violette Nebel ist die Konstante. Ohne diesen Nebel wäre ein Wandeln zwischen den Welten gar nicht möglich. Und ich habe Arkadien, also die andere Welt, zu Beginn als meine Flucht vor der Realität gesehen. Daher der Name.
Henry: Bin ich froh, dass ich ein Mitspracherecht bei MEINEM Buch haben werde!
Seid ihr zu 100% zufrieden mit dem Cover / Outfit oder würdet ihr nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Henry will etwas sagen, doch Nerio hält ihn zurück und redet selbst: Ich wollte das Cover zuerst zeichnen. Ich hatte eine tolle Vorlage, sah super aus. Aber die Schrift passte irgendwie überhaupt nicht. Ich hatte keine Ahnung, wie ich den Titel so einfügen sollte, dass es gut aussieht :D So entstand das jetzige Cover, das die Silhouetten der beiden Welten zeigt, den violetten Nebel und die einzigartige Waffe der Ikarinu.
Zum Abschluss würde mich noch euer Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Henry: Da sind wir uns wohl alle einig, dass das MEIN Zitat ist:
„Frieden ist keine Frage von Schwarz oder Weiß, sondern der Mut, in der Grauzone zu leben.“
Das Buch und Nerio zucken mit den Schultern und nicken.
Nun betritt die Autorin wieder das Zimmer und blickt mich ungläubig an. Scheinbar ist es selbst in Autorenkreisen nicht üblich, dass das Buch und seine Hauptcharaktere antworten. Leise flüstere ich den beiden, bevor sie wieder ins Buch zurückkehren, und dem Buch noch zu: »Danke für das Gespräch, es hat mir großen Spaß gemacht.«

Dann wende ich mich der Autorin zu. »Alle meine Fragen sind beantwortet, ich danke dir für den sehr interessanten Tag bei dir.«

[Autoreninterview] Angela Bettina Schreiber


Autoreninterview
Angela Bettina Schreiber

Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Ich bin Angela und mittlerweile 42. Das Schreiben ist eine neu entdeckte Leidenschaft von mir, in der ich alles an Gefühlen, Ängsten und Fantasie stecken kann. Ansonsten sind es aber meine Meerschweinchen, die meine Freizeit füllen, ebenso das Zeichnen, wenn es die Zeit zulässt. Hauptberuflich bin ich Tierärztin in Spanien, mein Traumberuf!
Und zu guter Letzt das Beste: Eine Familie habe ich auch 😊 Einen Mann, der jede dumme Buchidee von mir unterstützt und 4 Kinder, die mein Leben bereichern und dafür sorgen, dass mir niemals langweilig wird :D
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Meine Geschichte entstand über Jahre, wenn ich abends nicht schlafen konnte. Ich baute ungefiltert jegliche Ängste und Gefühle ein. Wenn ich Artikel oder TV-Beiträge gelesen / gesehen habe, die mich beschäftigten: In die Story eingebaut. Ich war glücklich oder traurig? Wütend? Eingebaut! Daraus entwickelte sich eine ganz eigene Welt, die Anfang 2025 einfach nicht mehr in meinem Kopf bleiben wollte. Also habe ich sie spontan niedergeschrieben. Und seitdem steht mein Kopf nicht mehr still.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
Bisher ist der erste Band meiner Nebelflucht-Reihe erschienen: „Nebelflucht – Zwischen den Welten“.
Ein psychologisch tiefer Portal-Fantasy Roman in dem der Protagonist Nerio mit dem Chaos seiner Vergangenheit und den Schwierigkeiten des Alltages leben muss. Eines Tages lernt er Luca kennen und die neu entdeckte Liebe zu ihm stellt sein Leben komplett auf den Kopf. Als wäre das nicht schon genug, findet er sich des Nachts in einer fantastischen Welt mit fremden Völkern wieder, die perfekte Flucht. Doch die Grenzen zwischen Traum und Realität verschmelzen mehr und mehr und stellen Nerio vor ganz neue Herausforderungen, in denen er sich u.a. seiner Vergangenheit stellen muss.
Waren das 5? :D
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Ich habe mehrere Projekte gleichzeitig. Ich arbeite am letzten Band von Nebelflucht, was emotional schon eine Herausforderung ist. Parallel entsteht ein Spin-Off zu der Nebelflucht-Reihe. Zeitlich spielt diese Geschichte vor der Nebelflucht-Reihe und ein Nebencharakter aus Nebelflucht wird zum Protagonisten.
Ebenso arbeite ich an mehreren Kurzgeschichten, die aber in derselben Welt spielen.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Schreiben. Oder am Gehege für meine Meerschweinchen werkeln. Wenn ich motiviert bin, gehe ich auch gerne Joggen. Abends tauche ich gerne in Fantasyfilme ein. Ich lese super gerne, brauche dafür allerdings Zeit und Ruhe! Genauso wie für das Zeichnen.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Ken Follet hat mich mit „Säulen der Erde“ sehr beeindruckt und wieder sehr zum Lesen gebracht. Ich mag historische Romane sehr gerne, mein Herz schlägt aber definitiv für Fantasy. Hier habe ich keine Präferenzen, dafür gibt es zu viele tolle Autoren mit so viel Fantasie!
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Die Ideen kommen weiterhin abends :D Manchmal auch im Auto bei lauter Musik. Mein Standard-Schreibplatz ist der Tresen in der Küche. Da habe ich alles im Blick und bin Dank meiner Noise-canceling-Kopfhörer dennoch in meiner eigenen Welt.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Morgens aufstehen, Kinder für die Schule fertig machen. Anschließend fahre ich zu meinen Terminen, bis die Kinder aus der Schule kommen. Dann ist Familienzeit: Mittagessen, Hausaufgaben, Hobbys oder einfach Chaos :D Abends, wenn Ruhe einkehrt, ist meine Schreibzeit. Manchmal noch mit einem Film oder einer Serie als Abschluss 😊
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Beim Lesen: historisch und Fantasy
Beim Schreiben: Definitiv Fantasy! Ob ich mich da jemals an historisch herantraue? Mal sehen. Erstmal habe ich zu viele Ideen für Fantasy 😉
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
Motto: „Verwandle dein inneres Chaos in Kunst“
Zitat aus meinem Buch: „Frieden ist keine Frage von Schwarz oder Weiß, sondern der Mut, in der Grauzone zu leben.“
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Spanien und da lebe ich auch, wobei Deutschland immer meine Heimat bleiben wird! Die Menschen in Spanien haben eine so positive Grundeinstellung, auch Kindern gegenüber, das ist der Hauptgrund. (Und im Winter ist es hier auch hell :D )
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Wenn sie konstruktiv ist, ja! Aber einfach kritisieren, um zu kritisieren, damit kann ich schlecht umgehen. Ansonsten nehme ich jede Kritik an, um mich zu verbessern.
Warum hast du dich entschieden Selfpublisher zu werden und nicht zu einem Verlag zu gehen?
Ich möchte die komplette Kontrolle über mein Projekt behalten. Zumindest bei meiner Nebelflucht-Reihe, das ist mir sehr wichtig.
Wie es bei weiteren Projekten mal aussehen wird, weiß ich jetzt noch nicht.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Lasst euch auf jedes Buch neu ein. Jedes einzelne Buch hat so viel zu bieten! Und jeder Autor hat viel mehr Gedanken zu der Geschichte, als wirklich in das Buch fließen konnten. Daher: Seid offen, genießt die Story und würdigt die Arbeit 😊