Mittwoch, 12. August 2026

[Protagonistensteckbrief] Karl der Große aus Das Mündel des Königs von Beatrice Braun

    

 


Protagonistensteckbrief
Karl der Große

König. Eroberer. Visionär. Der mächtigste Herrscher Europas.

Name:
Karl

Herkunft:
König der Franken

Alter:
circa 35 Jahre

Herkunft:
Fränkisches Königshaus aus dem Geschlecht der Karolinger

Aufgabe:
Er will sein Herrschaftsgebiet ausweiten und das Frankenreich zur stärksten Macht Europas machen.

Ziel:
Überall das Christentum durchsetzen und sein Reich einen.

Wesenheit:
Entschlossen, strategisch, ehrgeizig und tiefgläubig. Er glaubt an seine Bestimmung und an den Auftrag Gottes.

Fähigkeiten:
Hervorragender Stratege und Anführer. Mutig, diszipliniert und unermüdlich. Er versteht es, Loyalität zu belohnen und Feinde zu besiegen.

Gegner:
Seine härtesten Gegner sind die Sachsen, die sich seinem Willen und dem Glauben widersetzen.

Besonderheit:
Er führt fast sein gesamtes Leben lang Krieg, getrieben von Macht, Glauben und dem Wunsch nach einem geeinten Reich.

[Protagonistensteckbrief] Marten aus Das Mündel des Königs von Beatrice Braun

   

 


Protagonistensteckbrief Marten

Gläubig. Mitfühlend. Unruhig. Ein Mönch zwischen Pflicht und Herz.

Name:
Marten

Herkunft:
Franken

Alter:
20 Jahre

Volk:
Franken

Aufgabe:
Wird zur Missionierung in das eroberte Sachsen entsandt.

Charakter:
Mitfühlend, besonnen, intelligent und geschickter Heiler. Er hat ein gutes Gespür für Menschen und gewinnt ihr Vertrauen.

Fähigkeiten:
Heilkunst, Kräuterkunde, Wundversorgung und praktische Medizin. Er ist geduldig, klug und diplomatisch.

Ziel:
Die Menschen für den christlichen Glauben gewinnen und ihnen Hoffnung und Heilung bringen.

Innere Zerrissenheit:
Er kann die Beschränkungen des Klosterlebens immer schwerer ertragen und sehnt sich nach Freiheit und einem eigenen Weg.

Besonderheit:
Obwohl er als Vertreter des Frankenreiches in Sachsen ist, zweifelt er zunehmend an Zwang und Gewalt.

[Protagonistensteckbrief] Eike aus Das Mündel des Königs von Beatrice Braun

  

 



Protagonistensteckbrief Eike


Krieger. Beschützer. Zerrissen zwischen zwei Welten

Name:
Eike

Herkunft:
Sächsischer Adel

Alter:
23 Jahre

Volk:
Sachsen

Aufgabe:
Kämpft für sein Volk gegen die Franken.

Fähigkeiten:
Hervorragender Krieger und Schwertkämpfer

Charakter:
Mutig, loyal, stolz und unerschütterlich. Er riskiert sein Leben um sein Volk und seine Herkunft zu verteidigen.

Vergangenheit:
Seine Familie wurde durch fränkische Soldaten getötet.

Innere Zerrissenheit:
Sein unversöhnlicher Hass auf alles Fränkische bekommt Risse, als er sich in die Fränkin Aldana verliebt.

Ziel:
Sein Volk schützen. Rache üben. Seinen eigenen Weg finden.

[Protagonistensteckbrief] Aldana aus Das Mündel des Königs von Beatrice Braun

 

 



Protagonistensteckbrief Aldana


Edle. Gebildet. Unbeugsam. Eine Frau auf der Suche nach Freiheit und Liebe

Name:
Aldana

Herkunft:
Fränkischer Adel

Alter:
19 Jahre

Volk:
Franken

Familie:
Tochter Rolands, des berühmten Ritters, dem das Rolandslied gewidmet wurde.

Status:
Das Mündel Karls des Großen

Aufgabe:
Sie wird am fränkischen Hof erzogen und ausgebildet, um die Interessen des Königs und seines Reiches zu fördern

Charakter:
Intelligent, gebildet, einfühlsam und mutig. Sie besitzt einen starken Willen und lässt sich nicht vorschreiben, wer sie sein soll.

Wünsche:
Sie wünscht sich ein selbstbestimmtes Leben, fernab von politischen Zwängen, und hofft, die große Liebe zu finden.

Besonderheiten:
Sie beherrscht mehrere Sprachen, kennt sich in Musik, Dichtung und Heilkunde aus und besitzt eine tiefe Verbundenheit zu ihrem Vater Rolands Vermächtnis.

Innere Zerrissenheit:
Sie steht zwischen Pflicht und Freiheit, zwischen ihrem Herzen und den Erwartungen Karls des Großen.

Dienstag, 11. August 2026

[Buchvorstellung einmal anders] Stirb, alter Mann von Carola Meisner-Isbach


 
Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit dem Protagonisten Martin Rebmann und seiner Autorin, um mit ihnen über das Buch „Stirb, alter Mann“ zu sprechen.

Hallo, danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um für das Buch zu antworten.
Hallo liebe Claudia, das machen wir doch gerne. Warum? Weil es immer wieder Spaß sich von dir interviewen zu lassen.
Es wäre toll, wenn du dich meinen Lesern vorstellen würdest, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben?
Ich bin Kriminalhauptkommissar Martin Rebmann und leite ein Ermittlerteam. Unsere Fälle, mit denen wir uns beschäftigen, spielen in Mannheim, dem Geburtsort von Carola - also unserer Autorin.
Mord ist mein Alltag auch wenn man sich nie wirklich daran gewöhnt.
Ich bin keiner, der viele Worte macht. Ich verlasse mich nicht nur auf Fakten, sondern auch auf mein Bauchgefühl. Wenn ich eine Spur habe, lasse ich nicht locker – selbst dann nicht, wenn es gefährlich wird.
Mein Beruf fordert seinen Preis. Die Dinge, die ich gesehen habe, verschwinden nicht einfach, wenn der Arbeitstag endet. Und auch meine eigene Vergangenheit trägt dazu bei, dass ich manche Fälle vielleicht persönlicher nehme, als ich sollte.
Trotz allem glaube ich daran, dass jedes Opfer Gerechtigkeit verdient. Solange ich meine Dienstmarke trage, werde ich alles daransetzen, denjenigen zu finden, der anderen das Leben nimmt – ganz gleich, wie hoch der Preis dafür ist.
Beschreibt uns das Buch in möglichst wenig Sätzen.
Stirb, alter Mann ist ein packender Psychokrimi über die zerstörerische Macht von Kindheitstraumata und den schmalen Grat zwischen Opfer und Täter. Als ein Serienmörder gezielt alte Männer tötet, gerate ich (Kommissar Martin Rebmann) in einen Wettlauf gegen die Zeit. Während die Zahl der Opfer steigt, werde ich von den Schatten meiner eigenen Vergangenheit eingeholt.
Glaubst du macht es der Autorin mehr Spaß dich durch leichte, einfache oder schwierige, düstere Situationen zu führen? Hat er dich richtig eingeschätzt?
Ohne Frage und eindeutig gefallen Carola die düsteren Augenblicke und die Mordszenen. Ich sehe sie wie sie mit geschlossenen Augen ganz vertieft den Mord ausführt und ihre Finger währenddessen über die Tasten fliegen. Dann ist sie ganz in ihrem Element und es wird … grausam.
Hast du eine Lieblingsstelle im Buch?
Carola meldet sich zu Wort: Oh da gibt es einige, aber die Szene in der Martin mit seinem Chef über die Notwendigkeit der Spurensicherung für die Kirche diskutiert. Und welche Szene gefällt dir Martin?
Der Schluss. Auf Martins Gesicht zeichnet sich ein verschmitztes Lächeln ab.
Was glaubst du, wie viel Carola steckt in dem Buch oder dem ein oder anderen Charakter?
Ein bisschen von Carola steckt sicherlich in jeder ihrer Geschichten. Nicht eins zu eins, aber Erfahrungen, Gedanken und Beobachtungen fließen immer mit ein. Die Figur Tinker trägt, wenn auch stark überzeichnet, Züge ihrer Tochter. Außerdem weiß ich, dass Carolas Mutter 1939 geboren wurde und in der Nachkriegszeit unter schwierigen Bedingungen aufgewachsen ist.
Hat er alles gefunden oder gibt es da noch etwas verstecktes?
Für mich ist es schwer mich in einem Krimi zu finden. Aber die Erzählungen meiner Mutter über ihre harte Kindheit, mit Schlägen in der Schule und zuhause habe ich mit einfließen lassen.
Wie würdest du deine Autorin beschreiben?
Meine Autorin? Sie hat die unangenehme Angewohnheit, mich ständig in Schwierigkeiten zu bringen. Kaum habe ich einen Fall gelöst, wartet schon der nächste auf mich – und der ist garantiert noch persönlicher und gefährlicher als der letzte.
Manchmal würde ich mir wünschen, sie wäre etwas gnädiger mit mir. Andererseits weiß ich, dass sie ihren Charakteren eine Vergangenheit, die sie prägt, und Entscheidungen, die nicht immer leicht sind. Und gerade diese schweren Momente einen Menschen ausmachen, mich mit eingeschlossen.
Weißt du, wie es zu dem Titel kam? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Lauf des Schreibprozesses verändert? Hattest du vielleicht sogar Mitspracherecht?
Der Titel stand tatsächlich schon sehr früh fest. Stirb, alter Mann war von Anfang an der Arbeitstitel und ist es bis zum fertigen Buch geblieben. Mitspracherecht? Sagen wir so: Meine Autorin hört mir nur selten zu.
Allerdings musste ich mich in Geduld üben. Das Manuskript lag fast drei Jahre in einer digitalen Schublade, weil Carola in dieser Zeit selbst eine schweren Schicksalsschlag zu bewältigen hatte. Dagegen war mein Dasein zwischen Bits und Bytes wirklich das kleinere Problem. Natürlich wäre ich lieber früher auf Verbrecherjagd gegangen, aber manche Dinge im Leben sind wichtiger als ein Buch. Umso mehr freut es mich, dass unsere Geschichte jetzt endlich erzählt und in die Welt getragen kann.
Gefällt euch das Cover zu 100% oder hättet ihr einen anderen Wunsch oder Vorstellungen gehabt?
Das Cover hat mich von Anfang an beeindruckt. Es stammt von art.and.design und war sofort das Richtige für unsere mörderische Geschichte. Es fängt die Stimmung des Buches perfekt ein und hat genau die Wirkung, die ein Krimi-Cover haben sollte: Es fällt auf und macht neugierig.
Besonders gelungen finde ich, dass sich das Design auch auf die folgenden Bände und sogar auf den Kurzkrimi Weil du schön bist, musst du sterben übertragen lässt. Das grelle Grün ist ein echter Blickfang: ungewöhnlich, kraftvoll und unverwechselbar.
Wir hoffen beide, dass das Cover genauso viele Leserinnen und Leser erreicht, wie die Geschichte verdient hat.
Was ist jeweils euer Lieblingszitat aus dem Buch?
Carola: „Du kommst zu spät!“ Die Stimme seines Vaters krächzte, als ob ihm jemand brutal die Kehle zudrücken würde.“
Martin: „Es dauerte Sekunden, bis ein greller Aufschrei das Kirchenschiff füllte.“
Danke für das Gespräch.
Danke, dass ich bei diesem Interview dabei sein durfte. Es war schön, einmal nicht nur als Kommissar und Ermittler gesehen zu werden, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und zu erfahren, wie viel Arbeit, Herzblut und Leidenschaft Carola in dieses Buch und in alles, was dazugehört, steckt. Es ist viel mehr, als man auf den ersten Blick sieht – und ich freue mich, dass ich ein Teil davon sein darf.
Danke Claudia, dass du uns zu diesem Interview eingeladen hast. Ja auch dieses ist Arbeit, aber eine sehr angenehme. 😃

Montag, 10. August 2026

[Autoreninterview] Beatrice Braun


Autoreninterview
Beatrice Braun

Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Ich bin in einem kleinen Dorf im Erzgebirge aufgewachsen. Ich studierte in Würzburg und Liverpool Rechtswissenschaften. Heute lebe ich mit meiner Familie in Dresden.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ich bin schon immer eine Träumerin und als meine Kinder klein waren, habe ich angefangen, Geschichten aufzuschreiben und sie ihnen vorzulesen.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
Mein Debütroman war eine Märchenadaption „The Falcon and the Rose“. Es ist quasi eine Mischung aus Dornröschen und Robin Hood.
Dazu habe ich noch ein Prequel geschrieben: „Der Falke“
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Ja, ein historischer Roman, der zur Zeit Napoleons in Preußen spielt. Also zur Zeit des Regency.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Mein Hobby ist Geschichte. Ich schaue mir gern Museen und mittelalterliche Städte an.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Unbedingt. Ich liebe die Bücher von Rebecca Gablé. Aber ich lese auch gern Fantasy, also Sarah J. Maas und Rebecca Yarros.
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Am liebsten schreibe ich an meinen Schreibtisch, der am Fenster steht. Da kann ich die Vögel beobachten, die im Baum davor nisten.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
An einem ganz normalen Tag widme ich mich zunächst meiner Arbeit als Juristin. Danach mache ich am Nachmittag gern einen Spaziergang, wenn es das Wetter zulässt. Und dann beginnt das Schreiben und Recherchieren.
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Bei beiden sind es historische Romane und Romantasy.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
„Es ist gut zu wissen, dass man eigentlich alles machen kann. Man muss nur damit anfangen.“ Julie Deane
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Am liebsten reise ich nach Italien. Daran liebe ich vor allem die Geschichte, die Architektur, die Freundlichkeit der Leute und das Essen.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Als Autorin muss man sich an Kritik gewöhnen. Ich bin grundsätzlich allem aufgeschlossen. Aber sachlich muss die Kritik sein.
Warum hast du dich entschieden zu einem Verlag zu gehen und nicht Selfpublisher zu werden?
Zunächst fehlte mir das Selbstvertrauen, die Technik zu meistern und mich um alles kümmern zu müssen.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Ich wünsche viel Freude beim Lesen. Und hoffe, dass meine Protagonisten die Leser genauso bewegen können, wie mich beim Schreiben.

Sonntag, 9. August 2026

[Schnipseltime] Risse der Melodie von Nicole Stranzl


 

Mein Vater lehnt auf dem Stock. Seine Krankheit hat einen Greis aus ihm gemacht. Seine Wangen sind eingefallen, da sind Bartstoppeln auf seinem sonst immer glattrasierten Gesicht. Sein Haar ist schütter und ergraut. Er ist ein Schatten seiner selbst. Wo ist der strenge Mann, der mich stets gemaßregelt hat, wenn ich mich nicht züchtig genug verhielt?

„Noah.“ Die Tonlage ist undeutbar.

„Wie … geht es dir, Papa?“ Ich fühle mich unwohl, hier zwischen Tür und Angel. Reinbitten werden meine Eltern mich aber vermutlich nicht. Viel eher jagen sie mich gleich davon.

„Ich sterbe.“ Die Gelassenheit, mit der er spricht, jagt mir eine Gänsehaut über den Rücken.

Ich öffne den Mund und schließe ihn wieder. Die passenden Worte wollen nicht kommen. Was sagt man auch darauf?

„Aber das ist in Ordnung. Ich bin bereit für das Paradies. Ich bin bereit, deinen Bruder wieder zu treffen.“

„Wenn er denn da ist.“ Die Stimme meiner Mutter ist leise, ihr Blick ist gen Boden gerichtet.

Das ist wohl DIE Gelegenheit, um sie zu fragen, doch mein Vater durchkreuzt meine Pläne.

„Komm doch rein.“

Ich denke, mich verhört zu haben. Lädt er mich ernsthaft ins Haus ein?

„Ahm …“

Er dreht sich um und wackelt mit seinem Stock den Flur lang. Auch meine Mutter ist sichtlich überrascht, sagt jedoch nichts und folgt ihrem Mann. Wie immer. Eine gute Frau widerspricht ihrem Ehemann nicht.

Eilig streife ich meine Schuhe ab und betrete das Haus, in dem ich aufgewachsen bin. Es sieht alles noch aus wie früher. An den Wänden hängen Kinderfotos, auch von mir, was mich überrascht. Ich habe angenommen, sie hätten mich aus ihrem Leben gelöscht.

Ich wende meinen Blick ab und folge meinen Eltern ins Wohnzimmer.

„Ich setze uns Tee auf“, sagt meine Mutter und verschwindet in der Küche.

Mein Vater sitzt bereits in seinem alten Schaukelstuhl. Ob das eine gute Idee ist? Kommt er da wieder raus? Ich verkneife mir jeden Kommentar und nehme ihm gegenüber auf der alten Couch Platz. Es ist dieselbe, auf der Adam und ich als Kinder herumgesprungen sind, wenn meine Eltern es nicht mitbekommen haben. Auch diesen Raum schmücken etliche Bilder. Erst jetzt fällt mir auf, ich bin auf keinem älter als zwölf Jahre. Vermutlich, weil der Teufel erst in der Pubertät von mir Besitz ergriffen hat. Da habe ich angefangen, alles zu hinterfragen, frech zu werden und mit Jungs zu schlafen. Mit zehn Jahren war ich wohl noch nicht vom Weg abgekommen, wie es meine Eltern formulieren würden.

„Früher sind wir beide in diesem Schaukelstuhl gesessen“, sagt mein Vater plötzlich. „Genau hier hab ich dich gehalten.“ Er beugt seinen Arm und schaut hinab, als könnte er tatsächlich ein Baby sehen. „Du hast mich mit deinen dunklen Augen angesehen. Du hast sie von deiner Großmutter geerbt. Sie war auch immer sehr eigensinnig.“ Ich frage mich, ob mein Vater meine Anwesenheit schon vergessen hat, so weggetreten ist er, als er plötzlich seinen Blick hebt und mich direkt ansieht. „Wenn du jetzt so vor mir sitzt, dann kann ich kaum glauben, dass du jemals hier reingepasst hast.“ Tränen glitzern in seinen Augen. „Manchmal frage ich mich, ob ich dich nicht fest genug gehalten habe. Vielleicht könntest du immer noch hierher passen, wenn ich mir mehr Mühe gegeben hätte.“

Mein Hals wird trocken und meine Augen feucht. Ich verstehe, was er mir sagen will. „Papa, du …“

„Ich konnte ihn nicht retten“, werde ich unterbrochen. „Und dich auch nicht.“

„Du musst mich nicht retten.“ Heftig blinzele ich. „Papa, ich muss nicht gerettet werden. Es geht mir gut.“

„Hast du ein Mädchen?“

„Nein.“

„Willst du für immer allein sein?“

„Ich bin doch nicht allein.“

Da ist so viel Unverständnis in seinem Blick und abermals schmerzt es tief in meiner Brust. Es ist, als würden wir zwei verschiedene Sprachen sprechen. Vermutlich tun wir das.