Sonntag, 27. September 2026

[Schnipseltime] Please Me - Nimm mich - und ich vergesse, wer ich bin. von Johanna Maria K.


 

Matteo grüßt mich nicht, als ich das Büro betrete. Er sieht nicht einmal zu mir hoch und doch weiß ich, dass er jeden meiner Schritte verfolgt. Erst als ich direkt vor ihm stehe und ihm den Briefumschlag hinhalte, kann er mich nicht mehr ignorieren.

    »Was ist das? Deine schriftliche Entschuldigung?« Er greift nach dem Brief, seine rechte Augenbraue hebt sich leicht. Er will vermutlich witzig sein, aber ich bin zu wütend, um darauf einzugehen.

     »Meine Kündigung.« Meine Stimme klingt selbst für mich erstaunlich fest. Ich bin mir sicher in meiner Entscheidung, und doch hatte ich auf dem Weg hierher gezweifelt, ob ich das – direkt in seine Augen blickend – auch umsetzen kann. Ich weiß nur zu gut, wie stark sein Einfluss auf mich ist. Aber hier stehe ich: selbstbewusst und entschlossen. Matteo sieht mich für den Bruchteil einer Sekunde an, als würde ein Geist vor ihm schweben, doch sein Gesichtsausdruck versteinert so schnell, dass ich mir diese Verwirrung seinerseits auch nur eingebildet haben könnte. Das provokante Grinsen, das seine Lippen nun umspielt, ist allerdings definitiv keine Einbildung.

    »In dem Fall kannst du das Schreiben behalten. Du wirst nicht kündigen.«  Er hält mir den ungeöffneten Umschlag wieder hin.

    »Ich habe das Recht zu kündigen. Ich werde nicht mehr für dich arbeiten. Ich werde dir nicht noch einmal helfen, einen Schuldigen zu decken.«

    »Deine Moralvorstellungen. Verstehe.« Er nickt, aber in seinen Augen blitzt es. Kein Verständnis. Nur Spott. »Glaubst du, du kommst dafür in die Hölle?« Ich sage nichts. »In der Hölle ist es wenigstens heiß… Jule.«

    »Hör auf, mich Jule zu nennen.« Ich hasse es. Ich hasse, wie er diesen Namen sagt. Wie er in mir ins Ohr haucht, wenn er eindeutige Absichten hat.  

    »Diese Jule gefällt mir aber viel besser als dieser Moralzwerg Julia.« Er lehnt sich zurück, zufrieden mit sich selbst. Als hätte er das letzte Wort gesprochen. Er könnte es mir gar nicht leichter machen, diese Tür hinter mir zuzuziehen und für immer zu verschwinden. Gerade verabscheue ich ihn zutiefst.

    »Ich werde nicht mehr für dich arbeiten.« Mit einem entschlossenen Ruck schmettere ich den Brief auf seinen Schreibtisch.

    »Dann schuldest du mir 25.000 Euro.«

    »Was?« Ich halte inne. Mitten im Schritt drehe ich mich ihm wieder zu.

    »Du bist gut, keine Frage. Aber nicht so gut, dass ich dir 25.000 Euro für vier Wochen zahle.« Sein Grinsen ist verschwunden und durch eine Maske aus Arroganz und Berechnung ersetzt.

    »Du weißt genau, dass ich das Geld in die Behandlung meiner Mutter investiert habe.«

    »Wo wir wieder am Anfang wären: Du kündigst nicht.« Matteo lehnt sich vor, stützt das Kinn auf die gefalteten Hände und mustert mich. »Ist sonst noch was?« Ich kann mich nicht bewegen. Wie versteinert stehe ich vor seinem Schreibtisch, starre ihn an und weiß nicht, ob ich vor Wut schreien oder vor Verzweiflung weinen will.

    »Du kannst mich doch nicht zwingen, für dich zu arbeiten.« Von meiner selbstsicheren Haltung ist nichts mehr übrig. Meine Stimme ist nur noch ein schwaches Flüstern.

    »Das tue ich nicht. Ich habe dir einen rechtlich sauberen Deal angeboten. Du hast deinen Vertrag doch gelesen, oder?« Ja. Ja, das hatte ich.

    »Das ist ein Deal, den ich mir nicht leisten kann.«

    »Nicht mein Problem.« Er zuckt mit den Schultern, als ginge es um die Auswahl eines Kaffees. »Es ist ganz einfach, Jule: Solange du nicht zahlen kannst, arbeitest du deine Schuld ab. Ein Jahr. Das hast du unterschrieben.« Matteo hat recht. So stand es im Vertrag. Ich habe zugestimmt. Ich habe genau das unterzeichnet. Ich hatte es verdrängt oder gehofft, dass er mich dennoch gehen lässt.

    »Das kannst du nicht tun.« Ich weiß nicht einmal mehr, ob ich zu ihm spreche oder zu mir selbst. Matteo antwortet dennoch.

    »Ich kann alles tun. Glaub mir.« Er nimmt den Brief, reißt ihn, ohne mit der Wimper zu zucken, in zwei Hälften und wirft ihn in den Papierkorb.                                              

[Protagonisteninterview] mit Julia Vellberg aus Please me - Nimm mich - und ich vergesse, wer ich bin von Johanna Maria K.


 
Protagonisteninterview – Julia Vellberg aus Please Me


Hi, schön, dass du heute Zeit findest, ein wenig mit mir über das Buch zu sprechen.
Julia: Sehr gerne. Auch wenn es sich etwas seltsam anfühlt, über all das zu sprechen. Manche Dinge sind leichter zu erleben, als sie später in Worte zu fassen. Und einige Momente sind so intim, dass es mich fast beschämt. Aber ich glaube, dass dieses Interview wichtig ist. Für mich und für andere Frauen, denen es geht, wie mir.
Wie geht es dir heute?
Julia: Heute? Besser. Ich glaube, das ist die ehrlichste Antwort, die ich geben kann. Es gab eine Zeit, in der ich auf diese Frage automatisch mit „gut“ geantwortet hätte. Ganz egal, wie es mir wirklich ging. Vielleicht, weil ich selbst nicht wahrhaben wollte, wie viel in meinem Leben gerade auseinanderbrach. Vielleicht auch, weil ich nicht wusste, wie ich über all das reden sollte, was passierte. Meine Mutter lag im Sterben und ich konnte nichts tun. Und dann war da Matteo. Ich habe Dinge getan oder zugelassen, von denen ich früher überzeugt gewesen wäre, dass ich sowas niemals tun würde. Ich habe mich einem Mann hingegeben, von dem ich wusste, dass er mir nicht guttun würde.
Irgendwann war von der Julia, die ich einmal gewesen bin, nicht mehr viel übrig. Das war schwer für mich, weil ich nicht mehr wusste, wer ich war. Ich hatte alle meine Prinzipen verloren.
Aber ich bin noch da. Also ja, heute geht es mir besser.
Würdest du dich meinen Lesern vorstellen?
Julia: Gern. Ich bin Julia Vellberg, 27 Jahre alt und arbeite in einer Anwaltskanzlei.
Wenn du mich zu Beginn meiner Geschichte gefragt hättest, hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass ich ziemlich genau weiß, wer ich bin. Ich hatte klare Vorstellungen von Recht und Unrecht, weshalb ich gerne als Staatsanwältin gearbeitet hätte. Mir reichte meine kleine Vorstadt, aus der ich kam. Ein gutes Buch und die Natur.
Aber dann wurde meine Mutter krank und ich wollte meine Eltern finanziell unterstützen. Es war das Einzige, was ich tun konnte. Deshalb kam ich nach Stuttgart, wo ich direkt in Matteos Arme lief… und in die Strafverteidigung. Sie können sich vielleicht vorstellen, wie schwer das für mich war. Plötzlich sollte ich diejenigen verteidigen, die ich selbst verurteilte.
Ich würde sagen, das letzte Jahr war ein ziemliches moralisches Dilemma für mich.
Was ist dein höchstes Lebensziel?
Julia: Früher hätte ich wahrscheinlich etwas ganz Einfaches gesagt. Glücklich sein, eine Familie gründen. Irgendwas Bodenständiges. Und ein guter Mensch sein.
Heute glaube ich, mein größtes Ziel ist ein anderes: ich möchte hinterfragen, ich möchte denen zuhören, denen keiner mehr glaubt. Ich will nicht diejenige sein, die den ersten Stein wirft.
Ich glaube, ich musste mich verlieren, um mich selbst zu finden.
Jetzt weiß ich, wer ich bin. Und ich weiß, dass ich das nie wieder verlieren will.
Wie kann man sich deinen ganz normalen Alltag vorstellen?
Julia: Vor all dem war mein Alltag tatsächlich ziemlich unspektakulär. Ich bin zur Arbeit gegangen, habe meine Familie gesehen, mich über Kleinigkeiten geärgert und mir Gedanken über Dinge gemacht, die mir heute manchmal fast beneidenswert normal vorkommen.
Aber dann wurde meine Mutter krank und ich traf Matteo. Einen Mann, der mich mit einer Seite von mir konfrontierte, die ich selbst als schockierend und beschämend empfand. Und doch faszinierte sie mich. Ich gab mich hin, viel zu sehr. Ich redete mir das alles schön, redete mir ein, dass Matteo gar nicht so schlecht sei, dass er eine gute Seite habe und dass ich diejenige sein könnte, die ihn rettet.
Das ist mein Alltag geworden: Arbeit und Sex mit Matteo.
Dass ich mich dabei selbst verloren habe, habe ich viel zu spät gemerkt. .
Welche Stolpersteine und Hoppalas würdest du gerne aus deinem Leben eliminieren?
Julia: Das ist schwierig. Ich weiß gar nicht, ob es Dinge gibt, die ich ungeschehen machen würde, wenn ich es denn könnte.
Ich glaube, dass unsere Entscheidungen uns formen und zu dem machen, was wir sind. Natürlich würde ich gerne meine Mutter retten. Aber alles andere? Ich weiß nicht, ob ich es einfach löschen würde. Würde ich die Zeit zurückdrehen, um Matteo niemals kennenzulernen, oder das rote Zimmer niemals zu betreten? Ich glaube nicht.
Ich habe viele Entscheidungen getroffen, bei denen ich gegen meine eigene Überzeugung gehandelt habe. Aber so widersprüchlich es auch klingt: auch die schlimmsten Dinge haben mich weitergebracht.
Ich habe Seiten an mir kennengelernt, von denen ich nicht wusste, dass sie existieren. Das war schrecklich beängstigend. Ich bin gefallen. Ziemlich tief sogar. Aber ich habe gelernt, dass Fallen nicht bedeutet, dass man liegenbleiben muss.
Ich bin stärker als vorher. Und das verdanke ich gerade den schwierigen Zeiten.
Abgesehen davon habe ich mit Matteo Dinge erlebt, die ihresgleichen suchen. (räuspert sich verlegen.)
Wenn du einen Wunsch frei hättest, wie würdest du ihn verwenden?
Julia: Meine erste Antwort wäre meine Mutter. Natürlich wäre sie das. Noch einmal ihre Stimme hören. Sie umarmen. Einen ganz gewöhnlichen Tag mit ihr verbringen, ohne Krankheit, ohne Angst davor, wie viel Zeit uns noch bleibt.
Aber vielleicht würde sie mir sagen, dass ich meinen Wunsch nicht für etwas verwenden soll, das ich nicht mehr ändern kann.
Dann würde ich mir wünschen, niemals wieder so weit von mir selbst entfernt zu sein, dass ich nicht mehr erkenne, wann ich meine eigenen Grenzen überschreite. Nicht weil ich nie wieder Fehler machen möchte. Sondern weil ich nie wieder das Gefühl haben möchte, mich selbst zu verlieren.
Herzlichen Dank für deine Zeit.
Julia: Danke. Ich würde gerne kurz noch etwas sagen: Meine Geschichte klingt an manchen Stellen wahrscheinlich wie die Geschichte einer Frau, die falsche Entscheidungen getroffen hat. Der Pakt mit dem Teufel (verdreht lächelnd die Augen).
Ich habe falsche Entscheidungen getroffen. Zumindest für mich. Meine beste Freundin Lenny würde sagen, ich habe mit Matteo den Jackpot geknackt.
Meine Geschichte mit Matteo ist intensiv. Sowohl moralisch als auch körperlich. Vor allem körperlich (zwinkert).
Ich habe geliebt, wo ich hätte gehen sollen. Ich habe meine moralischen Vorstellungen verraten. Ich habe mich selbst belogen. Und manches davon hat mich beinahe zerstört.
Aber ich glaube, dass alles, was dieses Buch erzählt, nicht das Leben einer Frau ist, die naiv und dumm war, denn dann würde ich nicht zulassen, dass man sie erzählt. Dann wäre ich nicht hier.
Ich bin hier, weil ich Frauen Mut machen möchte. Wir dürfen fallen. Wir dürfen Grenzen überschreiten. Wir dürfen uns dieser Seite hingeben, ohne uns zu schämen.
Wir dürfen uns nur nicht verlieren.
Wenn wir das schaffen – uns selbst zu akzeptieren, wie wir sind –, verlieren wir uns auch in einem Mann wie Matteo nicht mehr. Dann sind wir kein Objekt. Dann entscheiden wir selbst.

Samstag, 26. September 2026

[Schipseltime] Lebensraub von Johanna Koers

 

»Val?« Samuel legte die Tür hinter sich ins Schloss. Sie bemühte sich nicht, die Tränen zu verbergen. Er hatte das Gespräch der Frauen mitbekommen. Er wusste genau, wie sehr sie dieses Thema belastete.

»Ich freue mich für sie, aber…«

»Ich weiß.« Mittlerweile war er am Fenster bei ihr angekommen. Als er sie an sich heranzog, um sie in die Arme zu schließen, lehnte sie ihren Kopf an seine Brust. Seine Hand streichelte tröstend ihren Rücken. Die nackte Haut, die das Kleid nicht bedeckte, war im kaum beheizten Büro schnell kalt geworden. Valeria spürte diese Kälte nicht. Gerade tat es ihr einfach gut, seinem Herzschlag zu lauschen. Als sie vor zwei Wochen endgültig erfahren hatte, dass sie keine Kinder kriegen konnte, hatte sie sich wie vom schweren Güterzug überrollt gefühlt. Es war nicht nur ein Traum, der vor ihren Augen wie eine große, wunderschöne Seifenblase zerplatzte. Es war ein Gefühl von Leere und Trauer, das ihren ganzen Körper einnahm. Sie weinte um das Kind, das sie niemals haben würde.

Das Strahlen im Gesicht ihrer Kollegin, die ihnen eröffnet hatte, dass sie schwanger war, die Glückwünsche der anderen Frauen… Es hatte sie nur unweigerlich schmerzlich an das erinnert, was ihr für immer verwehrt blieb.

»Du weißt, dass es andere Möglichkeiten gibt.« Samuel nahm die Hand von ihrem Rücken, als Valeria sich von seiner Brust gelöst und sich an die Fensterbank angelehnt hatte.

»Adoption?«

»Zum Beispiel.« Wie Samuel eben von Natur aus war, hatte er nur einen Tag nach der bitteren Nachricht Alternativen vorgeschlagen. Valeria wusste, dass Samuel ihr die Traurigkeit nehmen wollte, dass er Lösungen suchte, damit sich ihr gemeinsamer Kinderwunsch erfüllte. Es war nicht nur sein Bedürfnis nach Harmonie, es war sein Streben danach, dass die Frau, die er liebte, glücklich war. »Du liebst deine Eltern und deine Eltern lieben dich. Es wäre unser Kind.«

»Hmm.« Valeria atmete tief ein, seufzte, bevor sie ihm ein Lächeln schenkte. Es wirkte weder bejahend noch glücklich.

»Du kannst darüber nachdenken, solange du willst. Es eilt nicht und wenn du dich dagegen entscheidest, ist das auch vollkommen in Ordnung. Ich liebe dich. Ganz egal, ob wir ein Kind haben werden oder nicht. Das ändert gar nichts daran, okay?« Samuel war sich nicht sicher, ob er ihr Nicken überzeugend fand. Nach der Hochzeit hatten sie es jahrelang versucht, doch Valeria war nie schwanger geworden. Als sie sich auf Anraten ihrer Mutter hatte untersuchen lassen, war das Ergebnis niederschmetternd gewesen – vor allem für Valeria. Die Tatsache, dass sie keine Kinder bekommen konnte, zerstörte nicht nur ihren Traum einer eigenen kleinen Familie, es ließ sie auch an ihrem Selbstwert als Frau zweifeln. Sie sprach es nicht so deutlich aus, aber Samuel konnte spüren, dass sie mit sich selbst kämpfte. Gedanken, die er ihr so gerne nehmen würde. Eine Adoption war das Erste, was ihm in den Sinn gekommen war, nachdem er die Nachricht verdaut hatte. Valeria war – obwohl sie mit neun Jahren bei ihrer eigenen Adoption schon recht alt gewesen war – das Wichtigste für ihre Eltern. Die Bindung, die sie zu ihnen hatte, war stark und innig. Zugegeben war er fast ein wenig überrascht, dass es gerade Valeria war, die einer Adoption gegenüber Skepsis zeigte. Vielleicht  brauchte sie einfach Zeit, sich mit dem Gedanken anzufreunden. Aber selbst wenn nicht - selbst wenn Valeria sich gegen diesen Weg entscheiden würde - wäre das in Ordnung für ihn. Er brauchte kein Kind, um glücklich zu sein. Er war glücklich – glücklich mit Valeria.

»Ich werde darüber nachdenken«, holte sie ihn aus seinen Gedanken. Die Tränen hatte sie getrocknet. »Ich liebe dich auch«, nickend beugte sie sich vor, gab ihm einen Kuss. Er konnte die salzigen Tränen noch auf ihren Lippen schmecken. Anschließend wartete er, bis Valeria ihr Make-up wieder nachgelegt hatte, bevor sich beide wieder unter ihre Gäste mischten. Immer wieder schaute er zu ihr rüber, vergewisserte sich, dass es ihr gut ging. Jedes Mal, wenn er sich nach ihr umsah, war sie in ein Gespräch vertieft, lächelte und war offensichtlich gut zufrieden. Dass sie über die Adoption nachdenken würde, freute ihn. Als die Uhrzeiger den Abend einläuteten, wandte er sich an die Anwesenden, sprach Dankbarkeit für ihr Erscheinen aus und übergab das Wort dann an seine Frau, die sich um die Spenden kümmerte.

»Ich danke euch - wie mein Mann - dafür, dass ihr unserer Einladung so zahlreich gefolgt seid. Ihr wisst, wieso ich hier stehe. Mein Spendenscheck ist der erste, der heute Abend in dieser Box landet…«, demonstrativ ließ Valeria das kleine Blatt Papier in den dafür vorgesehenen gesicherten Kasten verschwinden. Sie freute sich schon jetzt darauf, all die Geldspenden zu übergeben – nicht persönlich, dafür hatte sie jemanden engagiert. Valeria selbst war seit ihrer Adoption nie wieder in Rumänien gewesen. Sie wollte es nicht. Nicht, als ihre Eltern es ihr angeboten hatten. Nicht, als sie achtzehn war und selbst hätte fahren können. Auch nicht, als Samuel sie danach gefragt hatte. Sie sammelte die Spenden, sie nahm Hilfspakete entgegen, sie spendete selbst regelmäßig hohe Geldsummen, aber sie war nie nach Rumänien zurückgekehrt. »Ich bedanke mich schon jetzt für eure Unterstützung. Die Waisenkinder in Rumänien brauchen…«, sprach Valeria gerade weiter, als sie mitten im Satz abbrach. Für einen Moment stand sie irritiert und verloren dort. Als Samuel ihrem Blick folgte, sah er nichts Auffälliges.

»Alles okay?«, formten seine Lippen wortlos, als er ihren Blick eingefangen hatte. Eine Antwort bekam er nicht. Valeria wandte sich wieder ab, den Gästen zu, entschuldigte sich für die Unterbrechung und sprach dann weiter. Sie hatte ihre Ansprache deutlich abgekürzt, als sie das Rednerpult wieder ihrem Mann überließ und Richtung Büro verschwand. Als Samuel ihr endlich folgen konnte, hatte sie ihren Mantel bereits übergeworfen.

»Was ist los? Wo willst du hin?«

»Ich…«, stotterte Valeria, während sie schon die Autoschlüssel des Firmenwagens aus dem kleinen Tresor seines Schreibtisches holte. »Ich muss.« Ihr Blick ging zum Fenster, sie schaute raus, dann wandte sie sich Samuel wieder zu. »Ich brauche einfach ein paar Tage für mich.«

»Was? Wie? Valeria?« Samuel hatte keine Ahnung, was er sagen sollte. Was war passiert, dass sie nun so plötzlich von dieser Feier verschwinden wollte?

»Ich kann das hier gerade nicht.«

»Okay…«, lenkte er ein. Vielleicht war die Traurigkeit von vorhin doch noch nicht ganz verschwunden oder sie hatte sie gerade wieder eingeholt. »Fahr nach Hause. Ich komme später nach und dann reden wir ganz…«

»Ich will nicht reden, Samuel. Ich brauche ein paar Tage für mich. Allein.« Unverständlich, mit der plötzlichen Veränderung überfordert, schüttelte Samuel nur sprachlos den Kopf. »Ich werde mir ein Hotel buchen. Ein paar Tage Ruhe werden mir guttun. Bitte, lass mich einfach fahren, ja?«

»Und wo willst du hin?«

»Keine Ahnung. Ich werde schon was finden.«

»Val…«

»Gib mir einfach ein bisschen Zeit. Ich muss ein paar Dinge für mich klären und dann komme ich wieder nach Hause und alles wird gut, ja?« Einen Moment herrschte Stille zwischen ihnen. Samuels Blick ruhte auf ihr, er versuchte aus dem, was seine Frau da gerade sagte, schlau zu werden. Hinter der Tür über den Flur hinweg konnte er die Gäste reden hören. Ein Meer aus Stimmen. Gerade wollte er am liebsten alle wegschicken, Valeria ins Auto packen und mit ihr nach Hause fahren. »Ich muss jetzt los. Ich werde zuhause vorbeifahren, ein paar Sachen einpacken. Bitte… gib mir einfach ein bisschen Zeit.« Ohne auf seine Zustimmung oder Antwort zu warten, beugte sie sich vor, gab ihm einen Kuss auf die Wange und ließ ihn unverrichteter Dinge in seinem Büro zurück.


[Buchvorstellung einmal anders] Lebensraub von Johanna Koers

 



Buchvorstellung einmal anders

Ich warte seit einer Ewigkeit auf die Autorin Johanna Maria K., aber sie kommt nicht. Ich setze mich in dem Park auf eine Bank und sehe einen Kindle dort liegen. Da ich von Natur aus ein neugieriger Mensch bin, nehme ich ihn zu Hand.

Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das darauf enthaltene Buch. Es ist genau das um das es heute gehen soll. „Lebensraub“ von Johanna Maria K.. Ich beginne ein wenig darin zu schmökern. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Hast du denn überhaupt keine Fragen? Sie wird nicht kommen. Interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«

Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben der Autorin am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. 😊 Doch da klettern noch zwei Protagonisten aus dem Buch und setzt sich zu uns.

Wer seid ihr denn? Wollt ihr euch den Besuchern des Blogs vorstellen

Valeria: Ich bin Valeria Kießling. 32 Jahre alt, Innenarchitektin, verheiratet mit Samuel und eigentlich hatte ich bis vor Kurzem ein ziemlich normales Leben.
Samuel: Eigentlich.
Valeria: Du könntest mich wenigstens ausreden lassen.
Samuel: Entschuldige.
Valeria: Jedenfalls war mein Leben perfekt. Unser Leben. Es war … märchenhaft.
Samuel: Ja (seufzt). Wie auch immer: Ich bin Samuel. Ihr Mann. Immobilienunternehmer. Und offenbar der Mensch in diesem Buch, dem man sehr lange sehr wichtige Dinge verschweigt.
Valeria: Ich…
Samuel: Ich weiß. Es tut dir leid… lassen wir das einfach, dafür sind wir ja nicht hier (nickt und sieht Fragestellerin an)
Herzlich Willkommen, Valeria und Samuel. Wollen wir das Interview nun zu viert machen?
Samuel: Gern. Solange dieses Buch nicht noch mehr Geheimnisse über meine Frau kennt, von denen ich nichts ahne.
Lebensraub: Dazu möchte ich mich lieber nicht äußern.
Valeria schweigt.
Hallo, danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um mit mir zu reden.
Valeria: Sehr gerne.
Samuel: Wir hatten ohnehin noch einige Dinge aus unserer Geschichte zu klären.
Lebensraub: Ich kann nichts dafür. Ich erzähle nur Valerias Geschichte (sieht Samuel entschuldigend an).
Valeria und Samuel haben wir schon kennengelernt. Kannst du dich als Buch meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?
Lebensraub: Ich bin eine Geschichte, die Geheimnisse in sich trägt.
Samuel: Das ist erschreckend ehrlich.
Lebensraub: Es geht um Valeria, ihr Leben jetzt und das Leben vor ihrer Adoption aus Rumänien. Es geht um Familie. Herkunft. Entscheidungen, die wir als Kinder treffen und deren Folgen uns Jahre später wieder einholen. Es geht auch um Kindheitstrauma und um Vertrauen. Nicht nur um die Frage, wer Valeria einmal war, sondern auch darum, wer sie heute sein darf.
Samuel: Das wüsste ich auch gern.
Lebensraub: Ich erzähle von Liebe und Familie, aber auch von Eifersucht, Verlust und davon, was passiert, wenn du dein Leben auf Lügen aufbaust.
Samuel: Oh ja.
Lebensraub: Ich glaube, meine Kernfrage ist: Ab wann trägt ein Kind Verantwortung für das, was es tut? Und verdient es es trotzdem, geliebt zu werden?
Valeria (ganz leise): Denn nur, weil ich nicht schuldfähig war, war ich noch lange nicht unschuldig.
In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da ihr ja auch viel mit der Autorin zusammenarbeiten müsst, könnt ihr uns vielleicht beantworten, ob es ihr leichter fällt sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen? Seht ihr es als Protagonisten genau so?
Lebensraub: Schwierige Zeiten. Definitiv. Johanna hat offensichtlich seine sehr spezielle Vorstellung davon, was man Figuren zumuten kann.
Samuel: Dem kann ich mich nur anschließen.
Valeria: Ich glaube, sie schreibt besonders gern die Momente, in denen Menschen nicht einfach zwischen richtig und falsch unterscheiden können. Wenn Gefühle widersprüchlich werden. Wenn jemand etwas tut, das man verurteilen würde…
Samuel: Warum sollte man es nicht verurteilen, wenn es falsch ist?
Valeria: Weil es nicht immer nur schwarz und weiß gibt. Es gibt Grauzonen. Und die sind es, die Johanna mitreißen.
Lebensraub: Manchmal glaube ich, wir bekommen schöne Szenen nur, damit der Absturz danach mehr wehtut. Das beherrscht Johanna wirklich gut.
Valeria: Aber sie lässt uns auch wachsen. Sie lässt uns nicht einfach gebrochen zurück. Ich glaube sie fängt in all dem das wahre Leben ein. Moral ist ein großes Thema in ihren Büchern.
Habt ihr eine Lieblingsstelle, die ihr uns gerne vorstellen würdet?
Valeria: Irgendwie ist „Lieblingsstelle“ das falsche Wort. Natürlich war es gut, als ich am Ende wieder in seinen Armen sein konnte. Aber ob das meine Lieblingsstelle ist? Ich glaube, die wichtigsten Stellen sind die Rückblicke in meine Kindheit. Denn nur hier kann der Leser verstehen, wer ich bin und wieso ich tat, was ich tat.
Lebensraub: Ich würde außerdem die Stellen wählen, an denen Samuel zum ersten Mal merkt, das etwas nicht stimmt. Es sind zunächst keine großen Hinweise. Mehr dieses Gefühl. Der Mensch vor dir sieht aus wie immer und doch stimmt etwas nicht.
Samuel: Dieses Gefühl wünsche ich übrigens niemanden. Deshalb sind das definitiv nicht meine Lieblingsszenen.
Lebensraub: Das verstehe ich. Wichtig finde ich noch die Szenen, in denen Stück für Stück sichtbar wird, dass die Vergangenheit nicht abgeschlossen ist, nur weil niemand mehr darüber spricht. Die mag ich besonders, weil sich dort das Bild für den Leser langsam verändert.
Wisst ihr wie viel Johanna tatsächlich in dir oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt? Habt ihr dazu noch etwas hinzuzufügen oder stimmt ihr dem Buch zu?
Lebensraub: Weniger in den konkreten Erlebnissen und mehr in den Fragen dahinter. Johanna interessiert sich sehr dafür, warum Menschen handeln, wie sie handeln. Nicht nur dafür, ob etwas richtig oder falsch ist. Z.B.: Wie weit prägt uns das, was wir als Kinder erleben? Wie viel Schuld trägt ein Mensch für Entscheidungen, die aus Angst oder Not entstanden sind? Kann man jemanden lieben und trotzdem Dinge an ihm nicht verzeihen? Und kann aus etwas Schrecklichem irgendwann trotzdem etwas Gutes entstehen? Darin steckt vermutlich mehr von ihr als in einer einzelnen Figur.
Valeria: Sie mag außerdem komplizierte Familienverhältnisse.
Samuel: Und komplizierte Beziehungen.
Valeria: Unsere Beziehung war nie kompliziert.
Samuel: Nein. Aber sie hat auf eine Lüge aufgebaut.
Wie würdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autorin beschreiben?
Lebensraub: Ich beginne: neugierig auf menschliche Abgründe.
Valeria: Emotional.
Samuel: Rücksichtslos gegenüber ihren Figuren?
Valeria/Lebensraub: Samuel!
Samuel: Sie hat uns gefragt.
Lebensraub: Ich glaube, was Samuel eigentlich sagen will ist, dass sie ihre Charaktere sehr liebt. Nur zeigt sie ihre Zuneigung, indem sie ihnen zunächst möglichst viele Probleme gibt.
Valeria: Oder eine bescheidene Kindheit. Sie schreibt selten über Menschen, die einfach nur gut oder böse sind. Selbst bei Dingen, die eigentlich unverzeihlich wirken, sucht sie noch dem Menschen dahinter.
Samuel: Das macht es für uns nicht angenehmer.
Valeria: Nein. Aber sie lässt uns auch nicht allein mit dem Schmerz. Sie nimmt ihn an und sie trägt ihn mit. Und sie löst ihn. Vielleicht nicht ganz, aber sie versucht es. Sie versucht wirklich, uns alle zu verstehen.
Lebensraub: Ich glaube, für die Leser ist das ein Geschenk und gleichzeitig eine Herausforderung, weil es nie den einen Antagonisten gibt. Man stellt sich seinen moralischen Grenzen. Das mag ich an unserem Buch.
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?
Lebensraub: Bei mir geht es nicht einfach um gestohlene Gegenstände, Geld oder eine Identität auf einem Stück Papier. Jemand versucht, einem anderen Menschen etwas viel Größere zu nehmen: seine Beziehungen, seine Familie, seine Vergangenheit, seine Zukunft. Letztendlich seinen Platz im eigenen Leben. Deshalb passt Lebensraub ziemlich genau zu dem, was in mir passiert.
Valeria: Ja. Es passt… (verstummt)
Samuel: Du musst es ja wissen… (wendet sich der Fragestellerin zu). Immerhin kann niemand behaupten, der Titel hätte ihn nicht gewarnt.
Seid ihr zu 100% zufrieden mit dem Cover / Outfit oder würdet ihr nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Lebensraub: Ich glaube, wir sind ziemlich zufrieden damit. Ich weiß, dass Johanna sich mit dem Cover wirklich schwer getan hat. Aber am Ende waren es genau diese goldenen Wurzeln auf dem schwarzen Hintergrund, die sich richtig angefühlt haben. Für uns alle. Wurzeln passen perfekt zu dieser Geschichte. Zu Familie. Zu Herkunft. Zu allem, was einen geprägt hat und was man nicht einfach abschütteln kann. Aber Wurzeln sind nicht nur das, womit man geboren wird. Sie können auch dort entstehen, wo man geliebt wird. Bei Menschen, die einem Halt geben. In einem Zuhause, das einen aufbaut. Vielleicht ist das genau die Frage, die Lebensraub stellt: Wir können unsere Wurzeln nicht ändern, aber wir können entscheiden, was aus ihnen wird. Bestimmt unsere Herkunft, wer wir sind, oder die Menschen, bei denen wir uns wirklich zuhause fühlen?
Samuel: Und gleichzeitig kann man seine Wurzeln eben nicht einfach abgeben, austauschen oder neu schreiben, nur weil man sich ein anderes Leben wünscht.
Valeria: Das stimmt. Aber unsere Wurzeln bestimmen nicht, wer wir sind.
Zum Abschluss würde mich noch euer Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Valeria:
»Aber was ich getan habe…«
»…hättest du nicht tun dürfen. Ja. Aber es ändert nichts daran, dass ich weiß, wer du bist. Du bist das Kind, das ich aus diesem Waisenhaus abgeholt habe. Das Mädchen, in das ich mich noch am selben Abend verliebt habe. Das Kind, das ich nach Deutschland in ihr neues Zuhause gebracht habe – als meine Tochter. Und das bist du! Du bist meine Tochter.«
Lebensraub:
„Das hätte die märchenhafte Version meiner Kindheit sein können. Meinem Happy End hätte nichts im Wege gestanden. Hätte ich nicht ein kleines, aber nicht unwesentliches Detail in meiner Erzählung so lange verschwiegen, bis ich es fast selbst geglaubt hätte…“
Samuel: Ich weiß nicht, ob ich wirklich eine Lieblingsstelle habe. Vielleicht die, in der ich sie endlich wieder festhalten kann.
„Sie hatte keine Kraft mehr, stark zu sein. Samuel wiegte sie sanft hin und her wie ein Kind in seinen Armen. Immer wieder küsste er ihr Haar, sog ihren Duft ein. Diese Nähe, so tragisch sie auch gerade war, hatte er so vermisst.“
Ja. Ich glaube, die ist es.
Die Leute, die an mir vorbeigehen, sehen mich schon komisch an, deshalb höre ich auf zu reden und lächle den Personen einfach zu. Aber ich lasse es mir nicht nehmen, noch einmal kurz dem Buch und den beiden Charakteren »Danke, für eure Geduld und Antworten« zuzuflüstern.

Dann vertiefe ich mich wieder in das Buch.

Freitag, 25. September 2026

[Buchvorstellung einmal anders] Cowboy like me - Zwischen Macht & Liebe von Josefine James


 
Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit den Protagonisten Harrison und Benjamin aus „Cowboy like me – Zwischen Macht & Liebe“, um mit ihnen über das Buch und ihre Autorin zu sprechen.

Danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um für das Buch zu antworten. Könntet ihr euch meinen Lesern vorstellen, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben?
B: Ich bin Benji, bin in Portugal geboren, lebe aber seit meinem achten Lebensjahr in Red Springs, Texas. Meine Familie betreibt einen Windpark und wenn ich nicht grad in hundert Metern Höhe eine Wartung vornehme, dann lese ich gerne oder nerv Harry.
H: Hey, mein Name ist Harrison Graham, aber meine Freunde nennen mich Harry und meine Familie lebt schon seit Generationen in Red Springs. Ich schätze, das Interessanteste, das es über mich zu wissen gibt, ist die Tatsache, dass ich ein Swiftie bin.
Beschreibt uns bitte das Buch in maximal 5 Sätzen.
H: Es ist krass. Also im guten Sinne. Die Leser sehen uns beim Erwachsenwerden zu, und irgendwie fühlt es sich immer noch surreal an, was in den letzten Jahren alles passiert ist.
B: Stimmt. Nicht zu vergessen die hässlichen Streits und Missverständnisse. Und dann stirbt auch noch einer. Cowboy Like Me ist zwar Romance, aber kein typischer Liebesroman.
Glaubt ihr, macht es der Autorin Spaß euch in so manche schwierige Situation zu stoßen?
H: Oh ja. In dieser Hinsicht ist sie eine richtige Narzistin. Aber wenigstens geht keiner von uns drauf.
B: Sie steht nämlich auf kitschige Happy Ends.
Habt ihr eine Lieblingsstelle im Buch?
B: Hmm. Ich mag die Szene im Tivoli, dem Vergnügungspark in Kopenhagen, sehr. Es ist das erste Mal, dass mir Harry voll und ganz vertraut. Oder der Part, ein paar Jahre später, als ich Harry eine reinhaue. Aber er hat es verdient.
H: Meine Lieblingsszene ist, als ich aus Vermont zurückkomme, nachdem ich vom Internat geflogen bin, und mir die Haare abrasiere. Da hatte ich meinen Britney-Moment. Und Spoiler: Es passiert nicht nur einmal.
Was glaubt ihr, wie viel von eurer Autorin steckt in dem Buch oder in dem ein oder anderen Charakter?
B: Puh, gute Frage, vielleicht mein analytisches Denken?
H: Bei mir definitiv der Musikgeschmack und meine Vorliebe für Sport. Aber ansonsten denke ich, sind wir frei erfunden.
Wie würdet ihr eure Autorin beschreiben?
H: Unhinged. Sie schreibt uns ständig um, und irgendwie schafft sie es damit, noch mehr Drama in unsere Charaktere reinzubringen.
B: Ja, dem kann ich nur beipflichten. Die meisten Leute schlafen ab 01:00 Uhr. Aber da kommt sie erst richtig in Fahrt.
Wisst ihr wie es zum Titel kam? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Oder hattet ihr sogar Mitspracherecht?
H: Ha. Ich würd ja sagen, es wäre meine Idee gewesen, weil es ein Taylor-Swift-Song ist, aber ich glaub, der Titel ist ihr spontan eingefallen.
B: Sie wollte aus dir halt einen Cowboy machen, sieh es ein. Das Texas-Klischee schlechthin. Aber ich finde, er passt. Irgendwie sind wir doch beide Cowboys, die nach Unabhängigkeit und Freiheit streben.
Gefällt euch das Cover zu 100% oder hättet ihr noch einen anderen Wunsch oder Vorstellungen gehabt?
H: Das Cover ist der Hammer. Es passt zu unseren Charakterkarten, obwohl es zwei unterschiedliche Grafikerinnen waren.
B: Ich mag das Cover. Es zeigt uns an meinem Lieblingsort. Bei den Windrädern.
Was ist euer jeweiliges Lieblingszitat aus dem Buch?
B: Als Harry mich in Kopenhagen besucht hatte, wusste er nicht, wie er mich begrüßen sollte, und hat mir die Hand gereicht. Dann habe ich gefragt: „Du bist fast einen ganzen Tag geflogen, um mir die Hand zu schütteln?“
H: Haha, der war fast so gut wie der, als du mich gefragt hast, ob ich einen Schlaganfall habe, nachdem ich auf der Bühne improvisiert habe. Das ist mein persönliches Highlight.
Danke für das Gespräch
B: Danke dir, und wie du siehst, nehmen wir uns selbst nicht so ernst ;P

Donnerstag, 24. September 2026

[Buchvorstellung einmal anders] Eastwood 3 - Steve & Sam von Dagmar Walter


 Buchvorstellung einmal anders

Nach dem Autoreninterview drückt mir Dagmar ihren Kindle in die Hand und verlässt einfach das Zimmer. Da mir das schon öfter passiert ist in letzter Zeit, erahne ich, was da kommen wird.

Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das Buch der Autorin „Eastwood 3 – Steve & Sam“, um schon ein bisschen hineinzulesen. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Jetzt ist sie weg, dann interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«

Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben der Autorin am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. 😊 Doch da klettern noch sieben Protagonisten aus dem Buch und setzen sich zu uns.

Wer seid ihr denn? Wollt ihr euch den Besuchern des Blogs vorstellen?
Also ich bin Sam Taylor, eine ganz neue Protagonisten in der Eastwood-Reihe und das hier ist meine erste Geschichte. Steve (er hat hier seinen großen Auftritt) und Jack Thorp sind Zwillinge, die ältesten der fünf Brüder, die Kern aller Geschichten sind. Sie haben in jungen Jahren die Brüder Randy und Don Scott adoptiert, die den Nachnamen ihrer Eltern behielten, sowie Tony, von dem damals als Straßenkind nicht viel bekannt war. So wurden sie zur Familie, die immer zusammenhält. Jennifer Scott (geb. Stevens) ist nicht nur Randys beruflicher Partner, sie sind auch verheiratet. Sie wurde nicht nur für Randy zur wichtigsten Person in seinem Leben, sondern für die ganze Familie. Sie alle begleiten mich und versuchen, mir aus dieser schrecklichen Situation zu helfen. Ich bin Steve bereits ganz kurz im 2.Buch „Tödliche Gefahr“ begegnet und suche jetzt seine Hilfe, weil er Polizist ist.
Herzlich Willkommen, Sam, Steve, Jack, Randy, Don, Tony und Jennifer. Wollen wir das Interview nun zu neunt machen?
Danke, das können wir gerne machen.
Hallo, danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um mit mir zu reden.
Sehr gerne. Wir freuen uns, unsere Autorin vertreten zu können.
Sam, Steve, Jack, Randy, Don, Tony und Jennifer haben wir schon kennengelernt. Kannst du dich als Buch meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?
Ich erzähle die Geschichte von Sam, einer Frau, die versucht, sich aus einer toxischen Beziehung von häuslicher Gewalt und Manipulation zu befreien. Dieses ernste Thema ist gefühlvoll eingebettet in eine Liebesgeschichte, die voller Emotionen steckt und einfach unter die Haut geht. Auf diese Weise lasse ich mich als Buch auch für Betroffene besser lesen, denn ich bleibe ein Romance Suspense Buch. Ich mache Mut, unterhalte und lasse tiefe Gefühle und Emotionen zu. Man möchte mich nicht weglegen, weil die Charaktere einfach so unglaublich sind.
In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da ihr ja auch viel mit der Autorin zusammenarbeiten müsst, könnt ihr uns vielleicht beantworten, ob es ihr leichter fällt sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen? Seht ihr es als Protagonisten genau so?
Natürlich sind Situationen, in den wir fröhlich auf der Hütte sind, uns lieben oder ein Abendessen mit der Familie haben leichter für sie und uns. Sie schreibt aber gerade die schwierigen und traurigen Momente so leidenschaftlich auf, weil sie da auf eigene Emotionen zugreifen kann. Es ist nicht selten, dass dann die ein oder andere Träne fließt, während sie uns in diesem Momenten begleitet. Für uns sind Schmerzen natürlich auch schwer auszuhalten. Wir sind wie sie auch sehr romantisch und harmoniebedürftig.
Habt ihr eine Lieblingsstelle, die ihr uns gerne vorstellen würdet?
Als sie sich wiedersehen: „Es knisterte förmlich in der Luft. Sie standen dicht voreinander und man konnte die Anziehungskraft regelrecht fühlen. Sie waren wir zwei Magnete, die mit letzter Kraft versuchten, nicht aufeinander zu prallen.“
Und später, als klar ist, das Sam nicht bleiben kann: „Steve… vielleicht in einem anderen Leben.“ Sie sah ihn etwas traurig an. „Aber Sam, dieses hier ist das andere Leben! Du musst es nur wollen!“
Wisst ihr wie viel Dagmar tatsächlich in dir oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt? Habt ihr dazu noch etwas hinzuzufügen oder stimmt ihr dem Buch zu?
Sie lebt, liebt und fühlt mit ihren Charakteren. Sie ist in jedem Buch dabei, ich verrate aber nicht, wer es wirklich ist.
Wie würdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autorin beschreiben?
Sie ist leidenschaftlich, emotional, und möchte möglichst ein Happy End. Ich bin Randy und ich war von Anfang an an ihrer Seite. Ich sehe, wie stark sie geworden ist, nach allem, was sie erlebt hat. Jennifer könnte mehr dazu sagen… (Jennifer lacht) Ja, könnte ich, da wir uns sehr ähnlich sind. Aber ich verrate auch nicht alles. Wer die Bücher liest, wird viel davon besser verstehen. Ich, Steve, würde sagen, man kann mit ihr Pferde stehlen. Sie ist loyal und ein Herzensmensch. Und ich, Tony, kann ergänzen, dass sie mir sehr geholfen hat, ich selbst zu sein. Sie ist tolerant und wünscht sich, dass jeder so leben und lieben kann, wie er/sie möchte. Als neuer Charakter kann ich, Sam, nur sagen, dass sie mir Mut gemacht hat, an mich zu glauben und aus dem Schmerz Stärke zu machen.
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?
Das ist schon in der Schulzeit passiert. Der Traum von San Francisco war immer schon da. Als unsere Autorin dann tatsächlich dort war und den Sonnenuntergang der Golden Gate Bridge sah, war es klar. Sie hatte gerade mit 20 an dem Buch geschrieben und der Titel steht nicht nur für das fiktive Viertel, in dem wir alle leben und arbeiten, es hat auch die Doppelbedeutung für eine Gemeinschaft, bestehend aus guten Freunden, die sich wie Familie fühlen. Wir alle haben in unseren Anfängen einen Clubraum gesucht, um uns gegenseitig zu unterstützen und zu treffen, und brauchten zur Unterschrift einen Namen. Daher haben wir unser Viertel gewählt. Ja, Jack und Steve hatten Mitspracherecht.
Seid ihr zu 100% zufrieden mit dem Cover / Outfit oder würdet ihr nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Nein, wir lieben es und würden nichts ändern wollen. Es ist mit viel kleinen Details liebevoll nach den Wünschen unserer Autorin entstanden und wurde mit Hilfe ihrer professionellen Coverdesignerin so einzigartig. Jedes ihrer Cover zeigt vorne San Francisco, wo die Geschichten hauptsächlich spielen, und zusätzlich einen Ausschnitt oben mit einer Szene aus dem jeweiligen Buch. Auch die Rückseiten sind individuell der Geschichte angepasst.
Zum Abschluss würde mich noch euer Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
„Aber Sam, dieses hier ist das andere Leben! Du musst es nur wollen! Ich habe ein Department, Freunde und Familie hinter mir, ich habe eine ganze Armee. Du brauchst nicht auf mich aufzupassen, ganz im Gegenteil. Das reicht auch, um auf dich aufzupassen. Sam, ich liebe dich.“
Nun betritt die Autorin wieder das Zimmer und blickt mich ungläubig an. Scheinbar ist es selbst in Autorenkreisen nicht üblich, dass das Buch und seine Hauptcharaktere antworten. Leise flüstere ich den sieben, bevor sie wieder ins Buch zurückkehren, und dem Buch noch zu: »Danke für das Gespräch, es hat mir großen Spaß gemacht.«
Vielen Dank, dass wir auch zu Wort gekommen sind. Wir versprechen euch eine tolle Lesezeit.
Dann wende ich mich der Autorin zu. »Alle meine Fragen sind beantwortet, ich danke dir für den sehr interessanten Tag bei dir.«
Oh, hast du denn schon alles erfahren? Wer von meinen lieben Charakteren da wohl geplaudert hat.

[Autoreninterview] Dagmar Walter


Autoreninterview
Dagmar Walter

Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Ich bin Dagmar Walter, Autorin der Eastwood-Reihe, die eigentlich nie an die Öffentlichkeit sollte. Neben dem Schreiben reise ich gerne, fotografiere und bin gerne in der Natur. Am liebsten verbringe ich Zeit mit meiner kleinen Familie sowie meiner erweiterten Familie aus Freunden, die ich vor vielen Jahren auf Maui gefunden habe - meine Ohana. Ich meditiere täglich, da ich gelernt habe, dass selbst die schwierigen Tage dadurch leichter werden. Meine beiden Leitfäden sind „Dream - Believe - Achieve“ und „Take time to be kind“
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ganz früh als Kind habe ich erste Bücher gebastelt. Um ein Trauma zu verarbeiten, habe ich schließlich im Alter von 20 Jahren das erste Buch meiner Reihe „Unendliche Liebe“ geschrieben, dass viel von mir persönlich enthält. Es sollte daher auch nie in die Öffentlichkeit, was dann aber mehr als 30 Jahre später dann doch geschehen ist, da ich für mich selbst mutig sein wollte. Außerdem gehört es zu der Reihe, die ich dann auch fortgesetzt habe.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
Bisher sind 3 Bücher der Reihe Eastwood erschienen. „Unendliche Liebe“, in der Jennifer nach einem Trauma einen Neuanfang wagt und nicht nur die Liebe ihres Lebens findet, sondern gleich eine ganze Familie. „Tödliche Gefahr“, in der ein alter Widersacher das gerade gefundene Glück zu zerstören droht und Randy bangen muss, alles zu verlieren. Und schließlich „Steve & Sam“, in dem Sam versucht, sich aus ihrer persönlichen Hölle einer toxischen Beziehung voller Manipulation und häuslicher Gewalt zu befreien und dabei auf unerwartete Hilfe trifft, was es aber um so schwieriger macht.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Ja, genau genommen an zwei Bücher. „Eastwood - Brüder: Wie alles begann“ ist fast fertig und wird demnächst veröffentlicht. Es zeigt einen Blick zurück, wie die fünf Brüder überhaupt zur Familie geworden sind. Zusätzlich parallel an dem nächsten Titel.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Die wenige Zeit verbringe ich gerne draußen beim Laufen um den See, Treffen mit Freunden und natürlich meinen Lieben.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Ja, aber da ich sehr unterschiedlich und vielseitig lese, möchte ich hier niemanden von meinen Kolleg:innen bevorzugt nennen. Einige sind zu echten Freunden geworden.
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Wenn ich zu Hause bin, am liebsten an meinem Schreibtisch, auf dem alle meine Bücher in der Erstausgabe stehen, bunte Kacheln mit Sonnenuntergängen auf Cap Cod von einer Reise und natürlich eine Muschel aus Maui. Ich brauche es am liebsten ruhig, obwohl in meinem Kopf eine Playlist zum jeweiligen Buch läuft. Einen Espresso, meinen Mac, ein Notizbuch und Bleistift, mehr brauche ich nicht.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Den gibt es nicht. Mein Kopf arbeitet eigentlich immer und manchmal stehe ich auch nachts auf und schreibe weiter. Ich kümmere mich um Menschen um mich herum, arbeite neben dem Schreiben, gehe gerne mal ins Kino oder raus.
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Romance und Romance Suspense. Aber auch andere Genres kommen immer wieder auf meinen SUB - besonders von lieben Kolleg:innen.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
„Dream - Believe - Achieve“, „Take time to be kind“ und wenn ich mutlos bin „I’m not broken, I’m healing“
Das Zitat aus „Steve & Sam“: ‚Aber Sam, dieses hier ist das andere Leben! Du musst es nur wollen!’ … es zeigt mir immer, dass man nie aufgeben sollte und für sein Leben kämpft.
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Kanada und die USA sind landschaftlich sehr vielfältig. Hier liebe aber ganz besonderes Maui, weil mein Herz und meine Freunde es vor vielen Jahren zu meiner 2. Heimat gemacht haben.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Ja, ich arbeite ständig an mir selbst, um besser zu werden und andere besser zu verstehen. Ich wünsche mir immer eine konstruktive Kritik und den respektvollen Umgang dabei.
Warum hast du dich entschieden Selfpublisher zu werden und nicht zu einem Verlag zu gehen?
Weil ich nicht bereit bin, meine Geschichten, die ich so fühle, für die Wünsche eines Verlages zu ändern. Außerdem möchte ich nicht meine Kreativität einschränken lassen, indem ich unter Termindruck arbeite.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Zweifelt nicht so oft an euch selbst. Ihr seid wertvoll. Jeder vermeintliche Fehler, jeder Schmerz macht am Ende stärker. Man darf stolpern, man muss aber immer wieder aufstehen und stärker weitergehen.