
Buchvorstellung einmal anders
Heute treffe ich mich mit dem Protagonisten Arin und seinem Autor, um mit ihnen über das Buch „Das vierte Feld“ zu sprechen.
Hallo, danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um für das Buch zu antworten.
Da ich gerade lange mit deinem Autor gesprochen habe: Stellst du dich meinen Lesern vor, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben?Arin: Ich habe mir die Stunde bei Meister Cale erbeten. Er hat gefragt, wofür. Ich habe gesagt: für eine Abschrift.Marin: Gelogen hat er damit nicht einmal.
Beschreibt uns euer Buch in möglichst wenig Sätzen.Arin: Ich bin Arin, Schreiberlehrling im Schreiberhaus von Varin. Das Haus hat mich als Waise aufgenommen und mir das Lesen, das Schreiben und das Verstehen beigebracht. Ich kopiere Edikte. Setzen dürfen wir Schreiber sie nicht.Marin: Er sagt das so, als wäre es eine Kleinigkeit.Arin: Es ist eine Regel.Marin: Eben.
Glaubst du, es macht dem Autor mehr Spaß, dich durch leichte, einfache oder durch schwierige, düstere Situationen zu führen? Hat er dich richtig eingeschätzt?Arin: In Varin wird wahr, was mit drei Siegeln besiegelt ist: Krone, Zahnrad und Waage. Ich habe im Hof des Salzspeichers ein viertes Wachs gesehen. Grau. Darüber spricht man bei uns nur leise.Marin: Es ist die Geschichte einer Stadt, die ihrer eigenen Ordnung nicht mehr trauen kann, und eines Lehrlings, der zu genau hinsieht.Arin: Man kann nicht zu genau hinsehen.Marin (lächelt): Genau das ist dein Problem.
Hast du eine Lieblingsstelle im Buch?Arin: Leichte Wege hat er mir wenige gelassen. Am ersten Tag vergisst eine Treppe ihr Gewicht, und ich stehe davor mit einer Laterne in der Hand.Marin: Du hättest umkehren können.Arin: Das hast du selbst hingeschrieben: „Er hätte umkehren sollen.“ Und dann hast du mich weitergehen lassen.Marin: Die schwierigen Wege reizen mich mehr, das stimmt. Mich interessiert, wie jemand Widersprüche aushält. In Varin kämpfen alle irgendwie für das Gute, nur jeder für seines.
Was glaubst du, wie viel Marin steckt in dem Buch oder in dem einen oder anderen Charakter? Hat er alles gefunden, oder gibt es da noch etwas Verstecktes?Arin: Die Schreibstube am frühen Morgen. Das Kratzen der Federn, der Geruch nach Staub und Tinte. Eine Heimat aus Linien und Buchstaben. Sogar Rerig gehört dazu, von dem man sagt, er schwitze Tinte.Marin: Die eine Lieblingsstelle habe ich gar nicht. Was ich am liebsten mag, ist, dir beim Wachsen zuzusehen: wie du Verantwortung übernimmst, aktiver wirst und auch deine Fähigkeiten weiterentwickelst.Arin: (räuspert sich) Das hättest du mir ruhig früher sagen können.
Wie würdest du deinen Autor beschreiben?Arin: Er glaubt wie ich daran, dass man Dinge aufschreiben muss, damit andere wissen, was zu tun ist. Und er misstraut Unterschriften. Das hat er nicht von mir.Marin: Das habe ich aus dem Beruf. Ich erlebe jeden Tag, was eine Unterschrift bewegen kann und wie Politik tatsächlich gemacht wird.Arin: Und das Versteckte?Marin: Wer genau liest, findet im Text Spuren, die weit über dieses Buch hinausweisen.Arin: Das ist keine Antwort.Marin: Doch. Nur keine vollständige.
Weißt du, wie es zu dem Titel kam? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Lauf des Schreibprozesses verändert? Hattest du vielleicht sogar Mitspracherecht?Arin: Geduldig mit Sätzen, ungeduldig mit mir. Er sammelt Kleinigkeiten, tagelang, und sagt nichts. Und dann steht plötzlich ein ganzes Kapitel da. Sein Gesicht zeigt er nicht. In Varin würde man sagen: Er nennt keinen Namen.Marin: Das sagt man in Varin über jemand anderen.Arin (sieht kurz auf seine Hand): Ich weiß.
Gefällt euch das Cover zu 100 Prozent, oder hättet ihr einen anderen Wunsch gehabt?Arin: Mich hat niemand gefragt. Bei uns gibt es drei Felder. Mehr sage ich nicht.Marin: Vieles in unserer Welt ist als Dreiklang gebaut, denk an die drei Gewalten im Staat. Mich hat die Frage gereizt, was wäre, wenn so ein scheinbar perfektes Gefüge nur eine Hülle ist und dahinter etwas Stärkeres liegt: das, was Menschen wirklich zusammenhält und begeistert. Liebe, Leidenschaft, Angst und Träume. Daraus ist eine Welt geworden, die geordnet ist und geradlinig verläuft, in der es aber gar nicht um Geradlinigkeit und Ordnung geht.Arin: In der Schreibstube geht es sehr wohl um Ordnung.Marin: Lies weiter.
Was ist jeweils euer Lieblingszitat aus dem Buch?Marin: Ja, mir gefällt es genau so.Arin: Die Burg kenne ich. Das Siegel darunter sieht anders aus als die, die ich kopiere.Marin: Das ist dir also aufgefallen.Arin: Mir fällt so etwas immer auf.
Danke für das Gespräch.Arin: „Arin mochte keine Wörter, die man nur flüstern durfte.“ Das stimmt immer noch.Marin: „Wer glaubt, er trüge einen Hammer, merkt oft zu spät, dass der Hammer ihn trägt.“Arin: Das hat Meister Cale zu mir gesagt.Marin: Und du hast nicht zugehört.Arin (steht auf): Ich muss zurück. Die Abschrift wartet.


