
Ich stand am nächsten Morgen bereits um sechs Uhr auf und
fühlte mich wie gerädert. Trotzdem zog ich mich zügig um, begann bei Marcin die
leeren Infusionsbehälter zu wechseln und die verordneten Medikamente auf
Spritzen aufzuziehen. Mit mulmigem Gefühl machte ich eine Schüssel mit warmem
Wasser zum Waschen fertig, wer wusste nach dem Vortag, wie er dabei drauf sein
würde? Währenddessen bemerkte ich, dass Marcin mich ansah.
Mit freundlicher Stimme sprach ich ihn an: „Hallo Marcin,
habe ich dich geweckt?"
Ein Grummeln, okay, eher ein „Halt die Schnauze!“ kam als
Antwort.
„Wenn du sowieso wach bist, würde ich sagen, ich wasche dich
vor dem Frühstück, wenn dir das recht ist“, versuchte ich es noch einmal
freundlich.
„Leck mich doch ab, das macht dir sicher mehr Spaß, Püppi“,
kam es pampig von ihm zurück. „Das ist es doch, was ihr Frauen einem richtigen
Kerl machen wollt.“
Ich schluckte eine bissige Antwort hinunter, gab mich
gleichgültig. Sein Blick folgte mir bei jeder Bewegung, die ich machte. Das
pure Misstrauen stand in seinen Augen. Ich stellte die Waschschüssel und die
Handtücher ans Bett und nahm die Bettdecke von ihm herunter. Zuerst wusch ich ihm ganz vorsichtig das
geschundene Gesicht und den Hals ab und tupfte ihn trocken. Sein
schmierig-lüsternes Grinsen dabei versuchte ich zu ignorieren. Dann nahm ich
ihm das Krankenhaushemd, mit dem er bekleidet war, vorsichtig ab. Darunter war
er vollkommen nackt. Ein gut eins neunzig großes Prachtexemplar von einem Mann,
richtig gut durchtrainiert, kein einziges Gramm Fett zu viel. Wenn nur sein
mieser Charakter nicht wäre.
Marcin war fast überall am Körper mit Prellungen übersäht,
die in allen möglichen Farben schimmerten, und der etwa fünfzehn Zentimeter
langen Naht von der Operation, bei der die, zum Glück kleinen, inneren
Verletzungen versorgt worden waren. Mit langsamen, sehr vorsichtigen
Berührungen, um ihm nicht weh zu tun, wusch ich ihm zuerst Brust und Bauch und
trocknete ihn vorsichtig ab.
Nur widerwillig bat ich ihn: „Wenn ich dir helfe, kannst du
dich dann ein klein wenig aufsetzen Marcin?"
„Mach doch was du willst, Tussi", knurrte er nur.
Bei Gott, wie sehr Kotzbrocken konnte Mann eigentlich sein?




