Mittwoch, 30. September 2026

[Reiheninterview] Der Mond von Yazahaan von Johanna Brenne

 

 


Reiheninterview

Ich warte seit einer Ewigkeit auf die Autorin Johanna Brenne, aber sie kommt nicht. Ich setze mich in dem Park auf eine Bank und sehe einen Kindle dort liegen. Da ich von Natur aus ein neugieriger Mensch bin, nehme ich ihn zu Hand.

Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich die darauf enthaltenen Bücher. Es sind genau die um das es heute gehen soll. „Der Mond von Yazahaan I - Problem 73“ und „Der Mond von Yazahaan II - Casdans Traum“ von Johanna Brenne. Ich beginne ein wenig in beiden Büchern zu schmökern. Nach einigen Minuten höre ich feine Stimmchen: »Hast du denn überhaupt keine Fragen? Sie wird nicht kommen.« »Interview einfach uns, deshalb sind wir ja da!«

Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben der Autorin am meisten über die Bücher? Vermutlich die Bücher selbst. Also, dann lege ich mal los. 😊

Hallo, danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um mit mir zu reden.
Y1: Hallo! Wir reden unglaublich gerne mit Lesern. Y2: Das stimmt!
Könnt ihr euch meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?
Y1: Wir handeln von einem jungen Wissenschaftler, der seinem Traum nachjagt. Es scheint, als könnte er ihn erfüllen, aber dann erfährt er Dinge … Y2: Genau. Dinge, die ihn seine Welt kritischer betrachten lassen. Du hast vergessen zu erwähnen, dass es eine fiktive Welt ist, die aber unserer sehr ähnlich ist! Y1: Hätte ich ja noch, wenn du mich nicht unterbrochen hättest! Jedenfalls muss er sich entscheiden, was ihm wichtiger ist: sein Traum oder … Y2: … seine Ideale.
In eurem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in euch enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da ihr ja auch viel mit der Autorin zusammenarbeiten musst, könnt ihr uns vielleicht beantworten, ob es ihr leichter fällt sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Y1: Also ich finde, unsere Autorin macht es den Figuren nicht leicht. Ein paar Infos bekommt der arme Protagonist ganz schön spät. Y2: Stimmt, aber hätte er früher etwas damit anfangen können? Ich meine, hätte ihn das alles nicht zu sehr verwirrt? Y1: Ach, du musst mir immer widersprechen. Johanna lässt Casdan manchmal ziemlich zappeln. Y2: Aber er macht sich doch ganz gut in diese Situationen. Ohne Anstrengung keine Belohnung, oder? Y1: Da hast du schon recht.
Habt ihr eine Lieblingsstelle, die ihr uns gerne vorstellen würdet?
Y1: Ich mag es sehr, wie am Anfang die Beziehung zwischen Casdan und seinem Großvater dargestellt wird. Und das Geplänkel der Wissenschaftler aus … Y2: Psst! Nicht spoilern! Y1: Oh, stimmt. Y2: Ich mag die Astronautenzeremonie sehr gerne. Y1: Das ist auch ein Spoiler! Y2: Ist es nicht. Ich sage ja nicht, wer und wann und wie.
Wisst ihr wie viel Johanna tatsächlich in euch oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt?
Y1: Schwere Frage. Sie verrät nicht viel über sich. Aber ich hab beobachtet, dass sie auch nicht gerne fremde Leute anruft, genau wie Casdan. Y2: Sie liebt Bücher, wie Fossi! Und sie hat es nicht so mit Autorität, glaube ich. Wie Fossi und wie … Y1: Stopp! Nicht verraten. Y2: Ups.
Wie würdet ihr oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autorin beschreiben?
Y1: Sie liebt Geschichten. Und für sie sind die real. Y2: Deshalb kann sie auch manche Bücher nicht lesen, weil die zu schrecklich sind. Y1: Und Filme nicht anschauen, da ist es noch schlimmer. Y1: Sie ist sehr ehrlich und loyal. Vertrauensbruch geht gar nicht. Y2: Und sie macht sich dauernd Gedanken, ob sie alles richtig macht. Ob sie einen Fehler gemacht oder übersehen hat. Y1: Ja! Deshalb hat sich uns auch so oft durchgelesen. Immer wieder hat sie noch was gefunden. Y2: So einen fehlenden Punkt oder so. Y1: Sie ist ein bisschen verkopft. Deshalb ist es gut, dass sie so gerne draußen ist. Y2: Wie Casdan. Der braucht auch manchmal was Grünes. Y1: Und sie wird richtig böse, wenn jemand ungerecht behandelt wird. Da möchte man ihr nicht in die Quere kommen. Y2: Besser nicht.
Wie seid ihr eigentlich zu den Titeln gekommen? Standen die schon im Vorfeld fest oder haben sie sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattet ihr viel Mitspracherecht?
Y1: Eigentlich gab es ursprünglich nur einen „Der Mond von Yazahaan“. Wir waren ein einzelnes Buch. Y2: Aber dann hat die Verlegerin gemeint, wir wären zu lang. Also musste Johanna uns teilen. Y1: Um die Untertitel gab es dann ein hin und her zwischen uns und ihr. Meinen Untertitel „Problem 73“ hat sie zwei Mal geändert. Das war ursprünglich ein Abschnitts-Titel. Y2: Ich hätte zwischendurch fast „Die Rakete“ geheißen. Aber das war dann zu einfallslos, fand ich. „Casdans Traum“ klingt besser! Das hat sie dann auch eingesehen.
Seid ihr zu 100% zufrieden mit eurem Cover / Outfit oder würdet ihr nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Y1 & Y2 im Chor: Die Cover sind toll! Y1: Wenn man die Geschichte gelesen hat, weiß man, dass eine gezeichnete Rakete darin ein paar Mal vorkommt. Y2: Nicht als sehr wichtiges Element, aber als ein schönes Detail. Es zeigt, wie sehr Casdan die Rakete immer schon geliebt hat.
Zum Abschluss würden mich noch eure Lieblingszitate aus dem Buch interessieren.
Y1: „Sie wird fliegen.“ Y2: Das mag ich auch. Und: „Ich glaube fest daran, dass man immer eine Wahl hat.“
Die Leute, die an mir vorbeigehen, sehen mich schon komisch an, deshalb höre ich auf zu reden und lächle den Personen einfach zu. Aber ich lasse es mir nicht nehmen, noch einmal kurz den Büchern »Danke, für eure Geduld und Antworten« zuzuflüstern.

Dann vertiefe ich mich wieder in die Bücher.

[Autoreninterview] Johanna Brenne


Autoreninterview
Johanna Brenne

Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Hallo, ich bin Johanna und schreibe in den phantastischen Genres: Science-Fiction, Fantasy, Dystopie und den ganzen Mix dazwischen. Dabei liebe ich es, eigene Welten zu bauen. Meine Charaktere sind keine klassischen Helden, sondern ein bisschen anders. Verletzlich, unkonventionell. Aber wenn es sein muss, setzen sie sich für das ein, das ihnen wichtig ist.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ich hatte schon immer Geschichten im Kopf. Sobald ich scheiben konnte, habe ich versucht, sie auf Papier zu bringen. Am Anfang in meiner schrecklichen Handschrift, irgendwann dann mit einer Schreibmaschine, später am Computer.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
Von mir gibt es erstens Kurzgeschichten aus allen Bereichen der Phantastik (in Antholgoien erschienen), zweitens meine Roman-Dilogie „Der Mond von Yazahaan“. Teil 1, „Problem 73“ ist im April 2026 erschienen, Teil 2 „Casdans Traum“, im September 2026. „Der Mond von Yazahaan“ ist dystopische Science-Fiction mit Schwerpunkt auf den Figuren und den Geheimnissen, nicht auf Technik.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Ich überarbeite gerade einen Jugendroman mit Zielgruppe „Mädchen ab 12“. Der Roman spielt auch auf einer fiktiven Welt. Auch hier wird es eine Menge Geheimnisse geben.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Lesen, in der Natur sein (Gartenarbeit oder Spazieren/Wandern), mit meiner Familie oder Freunden zusammen sein.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Ich liebe alles von Terry Pratchett, habe aber via Instagram auch viele tolle Bücher von Self-Publishern und kleinen Verlagen gefunden.
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Ich tippe am liebsten ganz klassisch am Schreibtisch am Computer. Wenn ich brainstorme oder über meine Figuren nachdenke, gerne auf dem Boden mit riesigen Flipchart-Bögen. Oder im Garten mit einem kleinen Notizbuch.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Ich hab keine ganz feste Struktur, aber schreiben kann ich am besten am Vormittag oder frühen Nachmittag. Später ist sind dann eher Notizen dran, Recherche oder Schreibbücher-Lesen. Aber momentan ändert sich gerade im familiären Bereich einiges, vielleicht ändert sich dann auch mein Schreib-Rhythmus?
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Ich liebe Phantastik, sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen. Zur Zeit lese ich viel Urban Fantasy. Beim Schreiben ist es eher eine Art Science-Fiction ohne viel Technik oder Fantasy ohne Magie … Allerdings habe ich auch schon Kurzgeschichten mit Magie drin geschrieben.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst?
Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt? Ich liebe einen Satz aus Terry Pratchetts „Wintersmith“: „This I choose to do.“ Und in „Der Mond von Yazahaan“ sagt jemand: „Zeit, etwas Neues zu träumen.“
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Das ist schwer. Ich wohne seit längerer Zeit in den Niederlanden, und das auch gerne, aber es zieht mich in mein Heimatland Österreich zurück. Ich liebe die Natur dort sehr.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um? 
Ich hoffe, dass ich mit Kritik umgehen kann. Aber leicht ist das natürlich nie. Ich glaube, es hängt davon ab, wie sie formuliert wird. Konstruktive, respektvolle Kritik versuche ich als Chance zu sehen. – Und wenn es mein Schreiben betrifft: Da gibt es natürlich immer noch viel zu verbessern, insofern sehe ich Kritik als Hilfe auf meinem Weg.
Warum hast du dich entschieden zu einem Verlag zu gehen und nicht Selfpublisher zu werden?
Gerade als Anfänger im Veröffentlichungsprozess bin ich unglaublich dankbar für die professionelle Hilfe an meiner Seite. Falls es sich später auf meinem Weg anbietet, eine Geschichte im Selfpublishing zu veröffentlichen, könnte ich mir das inzwischen aber auch vorstellen. Wenn ich bis dahin genug gelernt habe. ;-)
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Seid anders. Seid ihr selbst. Und steht zu euren Träumen.

Dienstag, 29. September 2026

[Buchvorstellung einmal anders]Bellena - Tobys Geschichte - Wenn Licht die Dunkelheit berührt von Nicole Kwiatkowski


Buchvorstellung einmal anders

Ich warte seit einer Ewigkeit auf die Autorin Nicole Kwiatkowski, aber sie kommt nicht. Ich setze mich in dem Park auf eine Bank und sehe einen Kindle dort liegen. Da ich von Natur aus ein neugieriger Mensch bin, nehme ich ihn zu Hand.


Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das darauf enthaltene Buch. Es ist genau das um das es heute gehen soll. „Bellena – Tobys Geschichte – Wenn Licht die Dunkelheit berührt“ von Nicole Kwiatkowski. Ich beginne ein wenig darin zu schmökern. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Hast du denn überhaupt keine Fragen? Sie wird nicht kommen. Interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«


Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben der Autorin am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. 😊


Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um mit mir zu reden.

„Sehr gern. Du sollst schließlich nicht umsonst hier herum sitzen.“
Kannst du dich meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?
„Meine Geschichte handelt von Toby, einem verwaisten Engel, der durch einen Zufall auf seinen totgeglaubten Vater trifft. Doch er ist nicht irgendwer und ich Beziehung zueinander, darf weiterhin nur im stillen stattfinden. Toby erträgt dies nicht länger und begeht eine folgenschwere Entscheidung, die einen Stein ins Rollen bringt, der nicht nur sein Leben auf den Kopf stellt, sondern einen uralten Kampf, zwischen Himmel und Hölle erneut entfacht.
In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da du ja auch viel mit der Autorin zusammenarbeiten musst, kannst du uns vielleicht beantworten, ob es ihr leichter fällt sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
„Ich würde sagen, dass es bei Nicole stark von ihrer Stimmung abhängig ist. Aber die leichten, humorvollen Stellen liegen ihr am meisten."
Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen würdest?
"Meine Lieblingsstelle ist der Spaziergang von Toby mit Bellena. Sein Vater hat da etwas Langeweile und naja ... Er versteht sich, auf besonders humorvolle Weise, sich in Gespräche einzumischen."
Weißt du wie viel Nicole tatsächlich in dir oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt?
„In jedem Charakter ein wenig. "Zum einen ist es der Humor, beim nächsten ihr Sinn für Gerechtigkeit, beim anderen wieder ihr Ehrgeiz.“
Wie würdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autorin beschreiben?
„Sie kann manchmal echt witzig sein, aber auch schnell genervt, wenn die Charaktere mal wieder aus der Reihe tanzen wollen. Außerdem ist sie sehr ehrgeizig. Wenn sie sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, zieht sie es auch durch.“
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?
"Es standen mehrere Titel zur Auswahl. Über Instagram gab es dann eine Abstimmung."
Bist du zu 100% zufrieden mit deinem Cover / Outfit oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
"Ich liebe das Cover und würde nichts daran ändern. Ich bin schon auf den 2. Teil gespannt. Ich habe bereits eine Vorstellung, wie es aussehen könnte."
Zum Abschluss würde mich noch dein Lieblingszitat aus dem Buch interessieren. 
"Ich bin gefallen, weil ich liebte. Ich bin gefallen, weil ich geliebt werden wollte. Ich bin gefallen, weil ich frei sein wollte."
Die Leute, die an mir vorbeigehen, sehen mich schon komisch an, deshalb höre ich auf zu reden und lächle den Personen einfach zu. Aber ich lasse es mir nicht nehmen, noch einmal kurz zum Buch »Danke, für deine Geduld und Antworten« zuzuflüstern.

Dann vertiefe ich mich wieder in das Buch.

Montag, 28. September 2026

[Coverinterview] Schattenrabe von Luzi Morgenstern

 

 
Coverinterview „Schattenrabe“

Heute habe ich Luzi Morgenstern zu Gast auf meinem Blog. Sie wird mir ein paar Fragen zu ihren neuen Covern beantworten.

Wann kamen die Cover? Vor oder nach dem Titel?
Tatsächlich kam der Titel quasi gleichzeitig mit dem Cover. Ich habe stundenlang Premade-Cover durchforstet und mir dabei vorgestellt, wie ein Titel aussehen könnte. Mich hat allerdings nichts 100% überzeugt, daher habe ich dann selbst gebastelt und mit den ersten Versuchen ploppte plötzlich der Titel in meinem Kopf auf.
Warum haben das Print und das E-Books unterschiedliche Cover bekommen?
Das ist jetzt vielleicht mein persönlicher Spleen, aber ich mag schlichte ebook-Cover (mit hübschen Männern hust), aber lieber neutralere Prints. Daher habe ich mich bei Schattenrabe dafür entschieden, dass aufs ebook ein hübscher Mann soll und das Print neutraler aussehen soll, aber auch hübsch im Regal. Ich hoffe, dass mir das gelungen ist (und dass nicht nur ich das so sehe, haha)
Hattest du schon eine genaue Vorstellung von den Covern, was sich darauf befinden sollte?
Dass ein Rabe auf dem Print oben sein muss, stand für mich von Anfang an fest. Dahingehend habe ich auch die Premades durchforstet. Als ich beschlossen habe, es selbst zu gestalten, war für mich auch der Vollmond schnell klar. Der Rest hat sich in gefühlt eintausend Überarbeitungen ergeben.
Beim ebook wusste ich auch schnell, was ich wollte – als ich das entsprechende Foto gefunden hatte, wusste ich auf den ersten Blick, dass es das wird. Ein Nackedei hätte nicht zur Story gepasst :D Es wird zwar durchaus spicy, aber die Story ist so viel mehr aus das.
Welche Bedeutung haben für dich der Mond, der Rabe bzw. auf dem anderen Cover der Mann, dessen Augen wir nicht sehen?
Der Rabe ist ein wiederkehrendes Thema im Buch. Daher war es mir wichtig, ihn am Cover abzubilden. Der Mond steht einerseits für die Nacht, aber auch für das Mysteriöse, Mystische, Geheimnisvolle. Das fängt in meinen Augen die Stimmung des Buches perfekt ein.
Der Mann am ebook-Cover: Für mich repräsentiert er einerseits die Adeligen, um die sich das Buch drehen (I mean, habt ihr sein Halstuch gesehen?!), aber andererseits fängt es meiner Meinung nach die Stimmung des Buches ein: ein wenig mysteriös und gefährlich, aber es knistert auch. Sein halbes Gesicht fehlt, weil ich möchte auch der Fantasie der Lesery etwas überlassen. Stellt euch die Charaktere so vor, wie ihr sie fühlt. Lasst eurem Kopfkino seinen Lauf.
Wolltest du etwas Bestimmtes mit deinen Covern ausdrücken?
Ich wollte mit den Covern einerseits eine Stimmung transportieren: das Mysteriöse, Mystische; und andererseits sollte man gleich erkennen, dass es sich um ein Fantasy-Buch handelt, ohne klischeehaft die „typischen“ Cover zu reproduzieren (schaut mal, wie oft auf Romantasy-Covern z.B. Schwerter und Rosen sind... :D )
Hast du ein Lieblingszitat oder eine Lieblingsszene, das das Buch am besten beschreibt?
»Monster lauern nicht nur in den Schatten.«
Bist du nun zu 100% zufrieden mit deinen Covern oder würdest du aus heutiger Sicht etwas daran ändern wollen?
Ich bin absolut zufrieden und überrascht, wie gut sie mir gelungen sind. Ich bin ja alles andere als ein Profi, was das betrifft… 😊 ich hoffe, meine Leserschaft empfindet das auch so.
Danke, dass du bei dem Coverinterview mitgemacht hast 😊
Sehr gerne, vielen Dank für deine Zeit 💜

Sonntag, 27. September 2026

[Schnipseltime] Please Me - Nimm mich - und ich vergesse, wer ich bin. von Johanna Maria K.


 

Matteo grüßt mich nicht, als ich das Büro betrete. Er sieht nicht einmal zu mir hoch und doch weiß ich, dass er jeden meiner Schritte verfolgt. Erst als ich direkt vor ihm stehe und ihm den Briefumschlag hinhalte, kann er mich nicht mehr ignorieren.

    »Was ist das? Deine schriftliche Entschuldigung?« Er greift nach dem Brief, seine rechte Augenbraue hebt sich leicht. Er will vermutlich witzig sein, aber ich bin zu wütend, um darauf einzugehen.

     »Meine Kündigung.« Meine Stimme klingt selbst für mich erstaunlich fest. Ich bin mir sicher in meiner Entscheidung, und doch hatte ich auf dem Weg hierher gezweifelt, ob ich das – direkt in seine Augen blickend – auch umsetzen kann. Ich weiß nur zu gut, wie stark sein Einfluss auf mich ist. Aber hier stehe ich: selbstbewusst und entschlossen. Matteo sieht mich für den Bruchteil einer Sekunde an, als würde ein Geist vor ihm schweben, doch sein Gesichtsausdruck versteinert so schnell, dass ich mir diese Verwirrung seinerseits auch nur eingebildet haben könnte. Das provokante Grinsen, das seine Lippen nun umspielt, ist allerdings definitiv keine Einbildung.

    »In dem Fall kannst du das Schreiben behalten. Du wirst nicht kündigen.«  Er hält mir den ungeöffneten Umschlag wieder hin.

    »Ich habe das Recht zu kündigen. Ich werde nicht mehr für dich arbeiten. Ich werde dir nicht noch einmal helfen, einen Schuldigen zu decken.«

    »Deine Moralvorstellungen. Verstehe.« Er nickt, aber in seinen Augen blitzt es. Kein Verständnis. Nur Spott. »Glaubst du, du kommst dafür in die Hölle?« Ich sage nichts. »In der Hölle ist es wenigstens heiß… Jule.«

    »Hör auf, mich Jule zu nennen.« Ich hasse es. Ich hasse, wie er diesen Namen sagt. Wie er in mir ins Ohr haucht, wenn er eindeutige Absichten hat.  

    »Diese Jule gefällt mir aber viel besser als dieser Moralzwerg Julia.« Er lehnt sich zurück, zufrieden mit sich selbst. Als hätte er das letzte Wort gesprochen. Er könnte es mir gar nicht leichter machen, diese Tür hinter mir zuzuziehen und für immer zu verschwinden. Gerade verabscheue ich ihn zutiefst.

    »Ich werde nicht mehr für dich arbeiten.« Mit einem entschlossenen Ruck schmettere ich den Brief auf seinen Schreibtisch.

    »Dann schuldest du mir 25.000 Euro.«

    »Was?« Ich halte inne. Mitten im Schritt drehe ich mich ihm wieder zu.

    »Du bist gut, keine Frage. Aber nicht so gut, dass ich dir 25.000 Euro für vier Wochen zahle.« Sein Grinsen ist verschwunden und durch eine Maske aus Arroganz und Berechnung ersetzt.

    »Du weißt genau, dass ich das Geld in die Behandlung meiner Mutter investiert habe.«

    »Wo wir wieder am Anfang wären: Du kündigst nicht.« Matteo lehnt sich vor, stützt das Kinn auf die gefalteten Hände und mustert mich. »Ist sonst noch was?« Ich kann mich nicht bewegen. Wie versteinert stehe ich vor seinem Schreibtisch, starre ihn an und weiß nicht, ob ich vor Wut schreien oder vor Verzweiflung weinen will.

    »Du kannst mich doch nicht zwingen, für dich zu arbeiten.« Von meiner selbstsicheren Haltung ist nichts mehr übrig. Meine Stimme ist nur noch ein schwaches Flüstern.

    »Das tue ich nicht. Ich habe dir einen rechtlich sauberen Deal angeboten. Du hast deinen Vertrag doch gelesen, oder?« Ja. Ja, das hatte ich.

    »Das ist ein Deal, den ich mir nicht leisten kann.«

    »Nicht mein Problem.« Er zuckt mit den Schultern, als ginge es um die Auswahl eines Kaffees. »Es ist ganz einfach, Jule: Solange du nicht zahlen kannst, arbeitest du deine Schuld ab. Ein Jahr. Das hast du unterschrieben.« Matteo hat recht. So stand es im Vertrag. Ich habe zugestimmt. Ich habe genau das unterzeichnet. Ich hatte es verdrängt oder gehofft, dass er mich dennoch gehen lässt.

    »Das kannst du nicht tun.« Ich weiß nicht einmal mehr, ob ich zu ihm spreche oder zu mir selbst. Matteo antwortet dennoch.

    »Ich kann alles tun. Glaub mir.« Er nimmt den Brief, reißt ihn, ohne mit der Wimper zu zucken, in zwei Hälften und wirft ihn in den Papierkorb.                                              

[Protagonisteninterview] mit Julia Vellberg aus Please me - Nimm mich - und ich vergesse, wer ich bin von Johanna Maria K.


 
Protagonisteninterview – Julia Vellberg aus Please Me


Hi, schön, dass du heute Zeit findest, ein wenig mit mir über das Buch zu sprechen.
Julia: Sehr gerne. Auch wenn es sich etwas seltsam anfühlt, über all das zu sprechen. Manche Dinge sind leichter zu erleben, als sie später in Worte zu fassen. Und einige Momente sind so intim, dass es mich fast beschämt. Aber ich glaube, dass dieses Interview wichtig ist. Für mich und für andere Frauen, denen es geht, wie mir.
Wie geht es dir heute?
Julia: Heute? Besser. Ich glaube, das ist die ehrlichste Antwort, die ich geben kann. Es gab eine Zeit, in der ich auf diese Frage automatisch mit „gut“ geantwortet hätte. Ganz egal, wie es mir wirklich ging. Vielleicht, weil ich selbst nicht wahrhaben wollte, wie viel in meinem Leben gerade auseinanderbrach. Vielleicht auch, weil ich nicht wusste, wie ich über all das reden sollte, was passierte. Meine Mutter lag im Sterben und ich konnte nichts tun. Und dann war da Matteo. Ich habe Dinge getan oder zugelassen, von denen ich früher überzeugt gewesen wäre, dass ich sowas niemals tun würde. Ich habe mich einem Mann hingegeben, von dem ich wusste, dass er mir nicht guttun würde.
Irgendwann war von der Julia, die ich einmal gewesen bin, nicht mehr viel übrig. Das war schwer für mich, weil ich nicht mehr wusste, wer ich war. Ich hatte alle meine Prinzipen verloren.
Aber ich bin noch da. Also ja, heute geht es mir besser.
Würdest du dich meinen Lesern vorstellen?
Julia: Gern. Ich bin Julia Vellberg, 27 Jahre alt und arbeite in einer Anwaltskanzlei.
Wenn du mich zu Beginn meiner Geschichte gefragt hättest, hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass ich ziemlich genau weiß, wer ich bin. Ich hatte klare Vorstellungen von Recht und Unrecht, weshalb ich gerne als Staatsanwältin gearbeitet hätte. Mir reichte meine kleine Vorstadt, aus der ich kam. Ein gutes Buch und die Natur.
Aber dann wurde meine Mutter krank und ich wollte meine Eltern finanziell unterstützen. Es war das Einzige, was ich tun konnte. Deshalb kam ich nach Stuttgart, wo ich direkt in Matteos Arme lief… und in die Strafverteidigung. Sie können sich vielleicht vorstellen, wie schwer das für mich war. Plötzlich sollte ich diejenigen verteidigen, die ich selbst verurteilte.
Ich würde sagen, das letzte Jahr war ein ziemliches moralisches Dilemma für mich.
Was ist dein höchstes Lebensziel?
Julia: Früher hätte ich wahrscheinlich etwas ganz Einfaches gesagt. Glücklich sein, eine Familie gründen. Irgendwas Bodenständiges. Und ein guter Mensch sein.
Heute glaube ich, mein größtes Ziel ist ein anderes: ich möchte hinterfragen, ich möchte denen zuhören, denen keiner mehr glaubt. Ich will nicht diejenige sein, die den ersten Stein wirft.
Ich glaube, ich musste mich verlieren, um mich selbst zu finden.
Jetzt weiß ich, wer ich bin. Und ich weiß, dass ich das nie wieder verlieren will.
Wie kann man sich deinen ganz normalen Alltag vorstellen?
Julia: Vor all dem war mein Alltag tatsächlich ziemlich unspektakulär. Ich bin zur Arbeit gegangen, habe meine Familie gesehen, mich über Kleinigkeiten geärgert und mir Gedanken über Dinge gemacht, die mir heute manchmal fast beneidenswert normal vorkommen.
Aber dann wurde meine Mutter krank und ich traf Matteo. Einen Mann, der mich mit einer Seite von mir konfrontierte, die ich selbst als schockierend und beschämend empfand. Und doch faszinierte sie mich. Ich gab mich hin, viel zu sehr. Ich redete mir das alles schön, redete mir ein, dass Matteo gar nicht so schlecht sei, dass er eine gute Seite habe und dass ich diejenige sein könnte, die ihn rettet.
Das ist mein Alltag geworden: Arbeit und Sex mit Matteo.
Dass ich mich dabei selbst verloren habe, habe ich viel zu spät gemerkt. .
Welche Stolpersteine und Hoppalas würdest du gerne aus deinem Leben eliminieren?
Julia: Das ist schwierig. Ich weiß gar nicht, ob es Dinge gibt, die ich ungeschehen machen würde, wenn ich es denn könnte.
Ich glaube, dass unsere Entscheidungen uns formen und zu dem machen, was wir sind. Natürlich würde ich gerne meine Mutter retten. Aber alles andere? Ich weiß nicht, ob ich es einfach löschen würde. Würde ich die Zeit zurückdrehen, um Matteo niemals kennenzulernen, oder das rote Zimmer niemals zu betreten? Ich glaube nicht.
Ich habe viele Entscheidungen getroffen, bei denen ich gegen meine eigene Überzeugung gehandelt habe. Aber so widersprüchlich es auch klingt: auch die schlimmsten Dinge haben mich weitergebracht.
Ich habe Seiten an mir kennengelernt, von denen ich nicht wusste, dass sie existieren. Das war schrecklich beängstigend. Ich bin gefallen. Ziemlich tief sogar. Aber ich habe gelernt, dass Fallen nicht bedeutet, dass man liegenbleiben muss.
Ich bin stärker als vorher. Und das verdanke ich gerade den schwierigen Zeiten.
Abgesehen davon habe ich mit Matteo Dinge erlebt, die ihresgleichen suchen. (räuspert sich verlegen.)
Wenn du einen Wunsch frei hättest, wie würdest du ihn verwenden?
Julia: Meine erste Antwort wäre meine Mutter. Natürlich wäre sie das. Noch einmal ihre Stimme hören. Sie umarmen. Einen ganz gewöhnlichen Tag mit ihr verbringen, ohne Krankheit, ohne Angst davor, wie viel Zeit uns noch bleibt.
Aber vielleicht würde sie mir sagen, dass ich meinen Wunsch nicht für etwas verwenden soll, das ich nicht mehr ändern kann.
Dann würde ich mir wünschen, niemals wieder so weit von mir selbst entfernt zu sein, dass ich nicht mehr erkenne, wann ich meine eigenen Grenzen überschreite. Nicht weil ich nie wieder Fehler machen möchte. Sondern weil ich nie wieder das Gefühl haben möchte, mich selbst zu verlieren.
Herzlichen Dank für deine Zeit.
Julia: Danke. Ich würde gerne kurz noch etwas sagen: Meine Geschichte klingt an manchen Stellen wahrscheinlich wie die Geschichte einer Frau, die falsche Entscheidungen getroffen hat. Der Pakt mit dem Teufel (verdreht lächelnd die Augen).
Ich habe falsche Entscheidungen getroffen. Zumindest für mich. Meine beste Freundin Lenny würde sagen, ich habe mit Matteo den Jackpot geknackt.
Meine Geschichte mit Matteo ist intensiv. Sowohl moralisch als auch körperlich. Vor allem körperlich (zwinkert).
Ich habe geliebt, wo ich hätte gehen sollen. Ich habe meine moralischen Vorstellungen verraten. Ich habe mich selbst belogen. Und manches davon hat mich beinahe zerstört.
Aber ich glaube, dass alles, was dieses Buch erzählt, nicht das Leben einer Frau ist, die naiv und dumm war, denn dann würde ich nicht zulassen, dass man sie erzählt. Dann wäre ich nicht hier.
Ich bin hier, weil ich Frauen Mut machen möchte. Wir dürfen fallen. Wir dürfen Grenzen überschreiten. Wir dürfen uns dieser Seite hingeben, ohne uns zu schämen.
Wir dürfen uns nur nicht verlieren.
Wenn wir das schaffen – uns selbst zu akzeptieren, wie wir sind –, verlieren wir uns auch in einem Mann wie Matteo nicht mehr. Dann sind wir kein Objekt. Dann entscheiden wir selbst.

Samstag, 26. September 2026

[Schipseltime] Lebensraub von Johanna Koers

 

»Val?« Samuel legte die Tür hinter sich ins Schloss. Sie bemühte sich nicht, die Tränen zu verbergen. Er hatte das Gespräch der Frauen mitbekommen. Er wusste genau, wie sehr sie dieses Thema belastete.

»Ich freue mich für sie, aber…«

»Ich weiß.« Mittlerweile war er am Fenster bei ihr angekommen. Als er sie an sich heranzog, um sie in die Arme zu schließen, lehnte sie ihren Kopf an seine Brust. Seine Hand streichelte tröstend ihren Rücken. Die nackte Haut, die das Kleid nicht bedeckte, war im kaum beheizten Büro schnell kalt geworden. Valeria spürte diese Kälte nicht. Gerade tat es ihr einfach gut, seinem Herzschlag zu lauschen. Als sie vor zwei Wochen endgültig erfahren hatte, dass sie keine Kinder kriegen konnte, hatte sie sich wie vom schweren Güterzug überrollt gefühlt. Es war nicht nur ein Traum, der vor ihren Augen wie eine große, wunderschöne Seifenblase zerplatzte. Es war ein Gefühl von Leere und Trauer, das ihren ganzen Körper einnahm. Sie weinte um das Kind, das sie niemals haben würde.

Das Strahlen im Gesicht ihrer Kollegin, die ihnen eröffnet hatte, dass sie schwanger war, die Glückwünsche der anderen Frauen… Es hatte sie nur unweigerlich schmerzlich an das erinnert, was ihr für immer verwehrt blieb.

»Du weißt, dass es andere Möglichkeiten gibt.« Samuel nahm die Hand von ihrem Rücken, als Valeria sich von seiner Brust gelöst und sich an die Fensterbank angelehnt hatte.

»Adoption?«

»Zum Beispiel.« Wie Samuel eben von Natur aus war, hatte er nur einen Tag nach der bitteren Nachricht Alternativen vorgeschlagen. Valeria wusste, dass Samuel ihr die Traurigkeit nehmen wollte, dass er Lösungen suchte, damit sich ihr gemeinsamer Kinderwunsch erfüllte. Es war nicht nur sein Bedürfnis nach Harmonie, es war sein Streben danach, dass die Frau, die er liebte, glücklich war. »Du liebst deine Eltern und deine Eltern lieben dich. Es wäre unser Kind.«

»Hmm.« Valeria atmete tief ein, seufzte, bevor sie ihm ein Lächeln schenkte. Es wirkte weder bejahend noch glücklich.

»Du kannst darüber nachdenken, solange du willst. Es eilt nicht und wenn du dich dagegen entscheidest, ist das auch vollkommen in Ordnung. Ich liebe dich. Ganz egal, ob wir ein Kind haben werden oder nicht. Das ändert gar nichts daran, okay?« Samuel war sich nicht sicher, ob er ihr Nicken überzeugend fand. Nach der Hochzeit hatten sie es jahrelang versucht, doch Valeria war nie schwanger geworden. Als sie sich auf Anraten ihrer Mutter hatte untersuchen lassen, war das Ergebnis niederschmetternd gewesen – vor allem für Valeria. Die Tatsache, dass sie keine Kinder bekommen konnte, zerstörte nicht nur ihren Traum einer eigenen kleinen Familie, es ließ sie auch an ihrem Selbstwert als Frau zweifeln. Sie sprach es nicht so deutlich aus, aber Samuel konnte spüren, dass sie mit sich selbst kämpfte. Gedanken, die er ihr so gerne nehmen würde. Eine Adoption war das Erste, was ihm in den Sinn gekommen war, nachdem er die Nachricht verdaut hatte. Valeria war – obwohl sie mit neun Jahren bei ihrer eigenen Adoption schon recht alt gewesen war – das Wichtigste für ihre Eltern. Die Bindung, die sie zu ihnen hatte, war stark und innig. Zugegeben war er fast ein wenig überrascht, dass es gerade Valeria war, die einer Adoption gegenüber Skepsis zeigte. Vielleicht  brauchte sie einfach Zeit, sich mit dem Gedanken anzufreunden. Aber selbst wenn nicht - selbst wenn Valeria sich gegen diesen Weg entscheiden würde - wäre das in Ordnung für ihn. Er brauchte kein Kind, um glücklich zu sein. Er war glücklich – glücklich mit Valeria.

»Ich werde darüber nachdenken«, holte sie ihn aus seinen Gedanken. Die Tränen hatte sie getrocknet. »Ich liebe dich auch«, nickend beugte sie sich vor, gab ihm einen Kuss. Er konnte die salzigen Tränen noch auf ihren Lippen schmecken. Anschließend wartete er, bis Valeria ihr Make-up wieder nachgelegt hatte, bevor sich beide wieder unter ihre Gäste mischten. Immer wieder schaute er zu ihr rüber, vergewisserte sich, dass es ihr gut ging. Jedes Mal, wenn er sich nach ihr umsah, war sie in ein Gespräch vertieft, lächelte und war offensichtlich gut zufrieden. Dass sie über die Adoption nachdenken würde, freute ihn. Als die Uhrzeiger den Abend einläuteten, wandte er sich an die Anwesenden, sprach Dankbarkeit für ihr Erscheinen aus und übergab das Wort dann an seine Frau, die sich um die Spenden kümmerte.

»Ich danke euch - wie mein Mann - dafür, dass ihr unserer Einladung so zahlreich gefolgt seid. Ihr wisst, wieso ich hier stehe. Mein Spendenscheck ist der erste, der heute Abend in dieser Box landet…«, demonstrativ ließ Valeria das kleine Blatt Papier in den dafür vorgesehenen gesicherten Kasten verschwinden. Sie freute sich schon jetzt darauf, all die Geldspenden zu übergeben – nicht persönlich, dafür hatte sie jemanden engagiert. Valeria selbst war seit ihrer Adoption nie wieder in Rumänien gewesen. Sie wollte es nicht. Nicht, als ihre Eltern es ihr angeboten hatten. Nicht, als sie achtzehn war und selbst hätte fahren können. Auch nicht, als Samuel sie danach gefragt hatte. Sie sammelte die Spenden, sie nahm Hilfspakete entgegen, sie spendete selbst regelmäßig hohe Geldsummen, aber sie war nie nach Rumänien zurückgekehrt. »Ich bedanke mich schon jetzt für eure Unterstützung. Die Waisenkinder in Rumänien brauchen…«, sprach Valeria gerade weiter, als sie mitten im Satz abbrach. Für einen Moment stand sie irritiert und verloren dort. Als Samuel ihrem Blick folgte, sah er nichts Auffälliges.

»Alles okay?«, formten seine Lippen wortlos, als er ihren Blick eingefangen hatte. Eine Antwort bekam er nicht. Valeria wandte sich wieder ab, den Gästen zu, entschuldigte sich für die Unterbrechung und sprach dann weiter. Sie hatte ihre Ansprache deutlich abgekürzt, als sie das Rednerpult wieder ihrem Mann überließ und Richtung Büro verschwand. Als Samuel ihr endlich folgen konnte, hatte sie ihren Mantel bereits übergeworfen.

»Was ist los? Wo willst du hin?«

»Ich…«, stotterte Valeria, während sie schon die Autoschlüssel des Firmenwagens aus dem kleinen Tresor seines Schreibtisches holte. »Ich muss.« Ihr Blick ging zum Fenster, sie schaute raus, dann wandte sie sich Samuel wieder zu. »Ich brauche einfach ein paar Tage für mich.«

»Was? Wie? Valeria?« Samuel hatte keine Ahnung, was er sagen sollte. Was war passiert, dass sie nun so plötzlich von dieser Feier verschwinden wollte?

»Ich kann das hier gerade nicht.«

»Okay…«, lenkte er ein. Vielleicht war die Traurigkeit von vorhin doch noch nicht ganz verschwunden oder sie hatte sie gerade wieder eingeholt. »Fahr nach Hause. Ich komme später nach und dann reden wir ganz…«

»Ich will nicht reden, Samuel. Ich brauche ein paar Tage für mich. Allein.« Unverständlich, mit der plötzlichen Veränderung überfordert, schüttelte Samuel nur sprachlos den Kopf. »Ich werde mir ein Hotel buchen. Ein paar Tage Ruhe werden mir guttun. Bitte, lass mich einfach fahren, ja?«

»Und wo willst du hin?«

»Keine Ahnung. Ich werde schon was finden.«

»Val…«

»Gib mir einfach ein bisschen Zeit. Ich muss ein paar Dinge für mich klären und dann komme ich wieder nach Hause und alles wird gut, ja?« Einen Moment herrschte Stille zwischen ihnen. Samuels Blick ruhte auf ihr, er versuchte aus dem, was seine Frau da gerade sagte, schlau zu werden. Hinter der Tür über den Flur hinweg konnte er die Gäste reden hören. Ein Meer aus Stimmen. Gerade wollte er am liebsten alle wegschicken, Valeria ins Auto packen und mit ihr nach Hause fahren. »Ich muss jetzt los. Ich werde zuhause vorbeifahren, ein paar Sachen einpacken. Bitte… gib mir einfach ein bisschen Zeit.« Ohne auf seine Zustimmung oder Antwort zu warten, beugte sie sich vor, gab ihm einen Kuss auf die Wange und ließ ihn unverrichteter Dinge in seinem Büro zurück.