Samstag, 6. Juni 2026

[Schnipseltime] Crash & Crush - Anka & Marcin von Holly O'Rilley

 

Ich stand am nächsten Morgen bereits um sechs Uhr auf und fühlte mich wie gerädert. Trotzdem zog ich mich zügig um, begann bei Marcin die leeren Infusionsbehälter zu wechseln und die verordneten Medikamente auf Spritzen aufzuziehen. Mit mulmigem Gefühl machte ich eine Schüssel mit warmem Wasser zum Waschen fertig, wer wusste nach dem Vortag, wie er dabei drauf sein würde? Währenddessen bemerkte ich, dass Marcin mich ansah.

Mit freundlicher Stimme sprach ich ihn an: „Hallo Marcin, habe ich dich geweckt?"

Ein Grummeln, okay, eher ein „Halt die Schnauze!“ kam als Antwort.

„Wenn du sowieso wach bist, würde ich sagen, ich wasche dich vor dem Frühstück, wenn dir das recht ist“, versuchte ich es noch einmal freundlich.

„Leck mich doch ab, das macht dir sicher mehr Spaß, Püppi“, kam es pampig von ihm zurück. „Das ist es doch, was ihr Frauen einem richtigen Kerl machen wollt.“

Ich schluckte eine bissige Antwort hinunter, gab mich gleichgültig. Sein Blick folgte mir bei jeder Bewegung, die ich machte. Das pure Misstrauen stand in seinen Augen. Ich stellte die Waschschüssel und die Handtücher ans Bett und nahm die Bettdecke von ihm herunter.  Zuerst wusch ich ihm ganz vorsichtig das geschundene Gesicht und den Hals ab und tupfte ihn trocken. Sein schmierig-lüsternes Grinsen dabei versuchte ich zu ignorieren. Dann nahm ich ihm das Krankenhaushemd, mit dem er bekleidet war, vorsichtig ab. Darunter war er vollkommen nackt. Ein gut eins neunzig großes Prachtexemplar von einem Mann, richtig gut durchtrainiert, kein einziges Gramm Fett zu viel. Wenn nur sein mieser Charakter nicht wäre.

Marcin war fast überall am Körper mit Prellungen übersäht, die in allen möglichen Farben schimmerten, und der etwa fünfzehn Zentimeter langen Naht von der Operation, bei der die, zum Glück kleinen, inneren Verletzungen versorgt worden waren. Mit langsamen, sehr vorsichtigen Berührungen, um ihm nicht weh zu tun, wusch ich ihm zuerst Brust und Bauch und trocknete ihn vorsichtig ab.

Nur widerwillig bat ich ihn: „Wenn ich dir helfe, kannst du dich dann ein klein wenig aufsetzen Marcin?"

„Mach doch was du willst, Tussi", knurrte er nur.

Bei Gott, wie sehr Kotzbrocken konnte Mann eigentlich sein?


[Buchvorstellung einmal anders] Crash and Crush - Anka & Marcin von Holly O'Rilley


Buchvorstellung einmal anders

Ich warte seit einer Ewigkeit auf die Autorin Holly O‘Rilley, aber sie kommt nicht. Ich setze mich im Park auf eine Bank und sehe einen Kindle dort liegen. Da ich von Natur aus ein neugieriger Mensch bin, nehme ich ihn zu Hand.

Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das darauf enthaltene Buch. Es ist genau das um das es heute gehen soll. „Crash & Crush – Anka & Marcin“ von Holly O‘Rilley. Ich beginne ein wenig darin zu schmökern. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Hast du denn überhaupt keine Fragen? Sie wird nicht kommen. Interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«

Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben der Autorin am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. 😊 Doch da klettern noch zwei Protagonisten aus dem Buch und setzen sich zu uns.

Wer seid ihr denn? Wollt ihr euch den Besuchern des Blogs vorstellen?
Anka: Hallo Claudia! Ich bin Anka Wirtz und arbeite als private Pflegerin für Marcin. Zumindest zu Beginn.
Marcin: Auch von mir ein Hallo an dich! Den Ralleyfahrer Marcin Kosak braucht man ja kaum vorzustellen? Wer sich auch nur einen Funken für Sport interessiert, kennt mich.
Herzlich Willkommen, Anka und Marcin. Wollen wir das Interview nun zu viert machen?
Anka: Sehr gerne, ich habe noch nie erlebt, dass ein Buch ein Interview gibt.
Marcin: Also ich sehe das etwas skeptisch. Ich meine, hallo? Ein Buch, das ein Interview gibt? Wo gibt’s denn sowas?
Hallo, danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um mit mir zu reden.
Buch: Hallohallo wünsche auch ich dir, liebe Claudia! Und du Marcin, schau mich ruhig mal an. Schadet dir gar nicht, mal deinen Horizont zu erweitern … Pfft, wie engstirnig kann Mann denn sein? Kein Wunder, dass Anka die Sympathieträgerin von euch beiden ist!
Anka und Marcin haben wir schon kennengelernt. Kannst du dich als Buch meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?
Buch: Tja, wie ihr bereits bemerkt habt, kann Marcin ein ziemlicher Idiot sein. So ist er zu Beginn auch Anka gegenüber, aber huiii, die kann ganz schön Zähne zeigen, wenn es sein muss. Ich mag sie! Bei Marcin diesem Crashpiloten ist das jedoch wirklich nötig. Ein Wunder, dass der Sturkopf irgendwann Einsicht zeigt – und später sogar Anka eine völlig andere Seite von sich zeigt. Vor allem, als Anka wegen eines Notfalls zurück nach Hause muss und ihn buchstäblich sitzen lässt! Aber Holly wäre nicht Holly, wenn sie ihnen nicht doch ein Happy End verpassen würde.
In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da ihr ja auch viel mit der Autorin zusammenarbeiten müsst, könnt ihr uns vielleicht beantworten, ob es ihr leichter fällt sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen? Seht ihr es als Protagonisten genau so?
Anka: Puh, es geht durch ein ziemlich heftiges Wechselbad der Gefühle, aber Holly hat mir mal verraten, dass sie es ihren Charakteren am liebsten immer leicht machen würde.
Marcin: Klar, voll glaubwürdig! *augenroll Dafür zerlegt sie mich zunächst geradezu, flickt mich zusammen, um dann dich durch die Hölle zu schicken. Also von mir ein klares Nein, ich finde sie hat ne sadistische Ader.
Buch: Hör auf so viel Unsinn zu sabbeln, Marcin! Du mutierst nicht nur in der Story zum Jammerlappen. Ich sag nur: Spritzen! *gnihihi
Habt ihr eine Lieblingsstelle, die ihr uns gerne vorstellen würdet?
Buch: Ich zuerst, ich zuerst! Also, als Anka zu Marin sagt: „Doch, vorgestern habe ich sowas gesehen. In der Zoohandlung. Dort nennt man das … Würmchen!“ Damit meinte sie seine Nudel!
Marcin: Boah, echt jetzt? *Buch böse anguckt Na vielen Dank, da sollte man glatt nochmal über Buchverbrennungen nachdenken. Ich fand eigentlich schöner, als sie zu mir sagte … *grübelt lange Ähm … alles?
Anka: *lacht Oh, wie kreativ du wieder bist, mein Hasi. Bei mir war es, als Marcin einsichtig wurde: „Entschuldige bitte, Anka, ich war ein riesengroßes Arschloch.“
Marcin: Wieso war mir das klar? *facepalm
Wisst ihr wie viel Holly tatsächlich in dir oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt? Habt ihr dazu noch etwas hinzuzufügen oder stimmt ihr dem Buch zu?
Marcin: Sie hat fast so einen heißen Fahrstil an sich wie ich. *grinst Das ist auch echt genug, da ist das Buch überstimmt!
Wie würdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autorin beschreiben?
Buch: Von wegen, das Buch ist überstimmt, du … du … abgehalfterter Superstar! Mein Part! Aaaalso: Holly ist eine treue Seele, aber auch ebenso schnell lässt sie Menschen, die ihr böse wehtun, fallen. Mit Schokolade ist sie leicht bestechlich, ebenso wie Köse. Ich vermute ja eine Käsesucht bei ihr. Manchmal braucht sie ewig, um an zwei, drei Sätzen herumzufeilen, dann schreibt sie Absätze ohne auch nur einmal ins Stocken zu geraten. Ach ja, und wenn etwas gegen sie oder ihre Lieben geht, kann sie echt bissig werden! Dann heißt es: In Deckung gehen.
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?
Buch: Also ich bin ja in der derzeitigen Fassung eine vollkommen überarbeitete Neuauflage. Und klar, da habe ich natürlich auf einen flotten Titel bestanden. Crash für den Crash-Piloten Marcin, Crush für Anka, weil die einen solchen auf Marcin bekommt. Zum Glück hat Holly auf mich gehört!
Seid ihr zu 100% zufrieden mit dem Cover / Outfit oder würdet ihr nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Anka: Auf jeden Fall zufrieden. Es wirkt frisch, farbenfroh ohne zu bunt zu sein, und ist vor allen nicht das, was aktuell überall so zu sehen ist. Vor allem auch keine genKI! Daher will ich sicher nichts ändern.
Buch: Dem schließe ich mich an, auch wenn ich denke, Marcin kommt auf dem Cover viiiel zu gut weg!
Zum Abschluss würde mich noch euer Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Marcin: Jetzt darf ich aber mal, ihr beiden Plaudertaschen, nä! Also für mich kann es da nur eins geben: „Ich will nur dich. Jetzt! Und für immer. Willst du mich auch, Anka?“
Buch: Pffft, Kiiitsch-Alaaarm!
Anka: Aber schön! *verträumt guck
Die Leute, die an mir vorbeigehen, sehen mich schon komisch an, deshalb höre ich auf zu reden und lächle den Personen einfach zu. Aber ich lasse es mir nicht nehmen, noch einmal kurz dem Buch, Anka und Marcin »Danke, für eure Geduld und Antworten« zuzuflüstern.
Buch: Vielen Dank, liebe Claudia, dass ich mit den beiden Turteltauben, die schon wieder mal nur ans Küsen denken, bei dir sein durfte. Schlimm ist das mit den beiden, wirklich schlimm. Wenn ich nicht aufpassen würde, würden die glatt die Veröffentlichung verknutschen!
Dann vertiefe ich mich wieder in das Buch.

Freitag, 5. Juni 2026

[Buchvorstellung einmal anders] Mord in Rochefort - Helena Mureau ermittelt 1 von Sarah Weidmann

 


Buchvorstellung einmal anders

Nach dem Autoreninterview drückt mir Sarah ihren Kindle in die Hand und verlässt einfach das Zimmer. Da mir das schon öfter passiert ist in letzter Zeit, erahne ich, was da kommen wird.

Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das Buch der Autorin „Mord in Rochefort – Helena Mureau ermittelt 1“, um schon ein bisschen hineinzulesen. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Jetzt ist sie weg, dann interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«

Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben der Autorin am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. Doch da kommt die Autorin wieder in den Raum und setzt sich zu uns.

Wollen wir das Interview nun zu dritt machen?
Sarah: Solange sich das Buch benimmt …
Buch: Keine Versprechen.
Hallo, danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um mit mir zu reden.
Buch: Ich hab immer Zeit. Ich liege ja meistens nur rum und warte, dass mich jemand aufschlägt.
Sarah: Das stimmt so nicht. Du bist gerade erst erschienen, du liegst noch gar nicht lang genug rum, um dich zu beschweren.
Kannst du dich als Buch meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?
Buch: Ich bin Mord in Rochefort, Helenas erster Fall. In mir stecken Weinberge, Familiengeheimnisse, ein zehn Jahre alter Todesfall und eine Frau, die nicht aufhört, Fragen zu stellen. Selbst wenn es alle anderen lieber hätten, sie würde es lassen. Ach, und Wein kommt auch vor. Nicht zu knapp.
In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da du ja auch viel mit der Autorin zusammenarbeiten musst, kannst du uns vielleicht beantworten, ob es ihr leichter fällt sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen? Siehst du es als Autorin genau so?
Buch: Sarah hat am meisten gelitten, als sie die stillen Szenen geschrieben hat. Die, in denen nichts explodiert, aber alles auf dem Spiel steht. Wenn Helena mit jemandem redet und beide wissen, dass einer von ihnen lügt.
Sarah: Stimmt. Die lauten Szenen schreiben sich fast von allein. Aber die leisen … die kosten alles.
Habt ihr eine Lieblingsstelle, die ihr uns gerne vorstellen würdet? 
Buch: Es gibt eine Szene im Weinkeller, in der Helena ihren Vater fragt, ob er sich an den Großvater erinnert. Er erzählt, wie der ihm beigebracht hat, einem Fass zuzuhören. Man klopft mit dem Knöchel und horcht. Wenn es hohl klingt, ist noch Platz. Wenn es voll klingt, muss man warten. Und Helena fragt: „Hörst du noch zu, Papa?“ Er sieht zurück zu den Fässern und sagt: „Ich versuche es.“ Das ist meine Lieblingsstelle. Weil da alles drinsteckt.
Sarah: Für mich auch. Diese Szene war eine der ersten, die wirklich stand. Sie zeigt, worum es im Kern geht: zwei Menschen, die nicht wissen, wie sie miteinander reden sollen, und ein Weinkeller, der mehr sagt als beide zusammen.
Weißt du wie viel Sarah tatsächlich in dir oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt? Hast du dazu noch etwas hinzuzufügen oder stimmst du deinem Buch zu?
Buch: Mehr, als sie zugeben würde. Helena hat Sarahs Sturheit und ihre Liebe zu Frankreich. Und Cameron hat ihren Humor. Aber den Rest hat sie gut versteckt.
Sarah: Sagen wir: Ich habe allen etwas mitgegeben. Aber keine Figur ist ich – sie sind alle ihre eigenen Persönlichkeiten geworden.
Wie würdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autorin beschreiben?
Helena: Sie trinkt zu viel Kaffee, arbeitet zu spät und hat die Angewohnheit, mitten in der Nacht noch eine Szene umzuschreiben, die eigentlich fertig war. Aber sie hört uns zu. Das ist das Wichtigste.
Cameron: streichelt Katze Bourbon. Sie hat mir eine Katze gegeben. Ich beschwere mich nicht.
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?
Sarah: Der Titel hat sich tatsächlich verändert. Der Arbeitstitel war ein ganz anderer. Mord in Rochefort kam über den Verlag, und er war sofort richtig. Manchmal braucht ein Buch eine Weile, bis es seinen Namen findet.
Buch: Ich fand mich vorher auch schon gut. Aber der neue Name steht mir besser.
Seid ihr zu 100% zufrieden mit dem Cover / Outfit oder würdet ihr nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Sarah: Ja! Das Cover trifft genau die Stimmung, die ich wollte – Frankreich, Atmosphäre, ein Hauch von Gefahr.
Buch: Ich sehe umwerfend aus. Nächste Frage.
Zum Abschluss würde mich noch euer Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Sarah: „Die besten Weine schlafen wie verzauberte Prinzen, ma petite. Man muss warten, bis die Magie wach wird“
Buch: Besser hätte ich es nicht sagen können. Und ich bin ein ganzes Buch.
Obwohl es selbst in Autorenkreisen nicht üblich ist, dass das Buch antwortet, bedanke ich mich bei dem Buch: »Danke für das Gespräch, es hat mir großen Spaß gemacht.«
Buch: Jederzeit. Ich bin ja nicht aus der Welt. Nur aus dem Regal.
Dann wende ich mich der Autorin zu. »Danke dir für den sehr interessanten Tag bei dir und das tolle Interview.«
Sarah: Danke dir! Es hat großen Spaß gemacht und das Buch hat sich erstaunlich gut benommen. Wer jetzt neugierig geworden ist: Helena freut sich über Besuch in Rochefort.

[Autoreninterview] Sarah Weidmann

 
Autoreninterview
Sarah Weidmann


Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?

Ich bin Sarah, lebe in der Schweiz und arbeite in der Kommunikation in der Weinbranche. Frankreich begleitet mich seit meiner Kindheit. Als Kind habe ich die Sommer dort verbracht, und seitdem hat mich die Liebe zur Sprache, zur Kultur und zum Wein nie mehr losgelassen. Irgendwann habe ich angefangen, Geschichten in diese Welt hineinzuschreiben – und gemerkt, dass sich Weinberge und Familiengeheimnisse erstaunlich gut vertragen. Mord in Rochefort ist mein Debüt, und ich könnte nicht stolzer sein, dass es jetzt in der Welt ist.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Geschrieben habe ich eigentlich immer – beruflich in der Kommunikation und im Marketing, privat in Notizbüchern, die sich irgendwann gefüllt haben. Die Idee zu einem Roman kam, als mir klar wurde, dass die Geschichten, die mich am meisten faszinieren, alle mit Frankreich zu tun haben: mit schönen Fassaden und dem, was dahinter liegt. Der Schritt vom Schreiben-als-Hobby zum Schreiben-als-Berufung war dann eigentlich gar kein großer Sprung.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
Mord in Rochefort ist mein Debütroman und der Auftakt der Helena-Mureau-Reihe. Helena kehrt nach Jahren auf das Weingut ihrer Familie in der Charente zurück und stößt auf ein Netz aus Betrug, alten Loyalitäten und Familiengeheimnissen – alles eingebettet in die Welt der Cognac-Region, zwischen Weinbergen, stillen Provinzstädtchen und einer Vergangenheit, die nicht ruhen will.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Ja! Der zweite Band der Helena-Mureau-Reihe ist in Arbeit. Helena bekommt es diesmal mit einem neuen Fall zu tun. Mehr verrate ich noch nicht, aber wer den ersten Band gelesen hat, wird ein paar vertraute Gesichter wiedersehen.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Wein genießen (natürlich!), gut essen, ich gehe gerne ins Kino und mache Sport, und mich mit Interior Design und schönen Dingen fürs Zuhause beschäftigen. Und wenn es die Zeit erlaubt: Frankreich bereisen und die Orte entdecken, die vielleicht irgendwann in einem meiner Bücher auftauchen.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Ich lese quer durch die Genres. Bei Krimis liebe ich Autoren, die Atmosphäre schaffen. Melinda Mullet mit ihrer Whisky-Reihe aus Schottland gehört da ganz oben dazu, und Keri Lake lese ich ebenfalls sehr gerne. Bei Unterhaltungsliteratur greife ich zu Emily Rudolff, die mich zuverlässig für ein paar Stunden in eine andere Welt entführt. Am Ende sind es immer Bücher, in denen Orte lebendig werden und man beim Lesen das Gefühl hat, selbst dort zu sein. Das inspiriert mich auch beim Schreiben.
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Mein Schreibplatz ist direkt am Fenster mit Blick ins Grüne, das brauche ich. Vor mir steht ein großer Bildschirm, daneben meistens eine Tasse Kaffee und viel zu viele offene Notizen.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Morgens starte ich mit meiner Arbeit in der Kommunikation, abends gehört die Zeit meinen Geschichten. Es gibt Phasen, in denen ich bis spät in die Nacht schreibe, weil eine Szene mich nicht loslässt – und andere, in denen ich tagelang nur recherchiere oder nachdenke. Das Schreiben ist kein Nine-to-Five-Job, eher eine Parallelwelt, die immer mitläuft.
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Beim Lesen: Krimis mit Atmosphäre und starken Figuren, dazu gerne Unterhaltungsromane mit Tiefgang. Beim Schreiben: genau dasselbe, nur dass ich noch die Landschaft Frankreichs dazupacke. Ich liebe es, schöne Kulissen mit dunklen Geheimnissen zu kombinieren.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
Mein Motto ist tatsächlich der Slogan: Schöne Fassaden. Dunkle Geheimnisse. Das beschreibt nicht nur Helenas Welt, sondern auch meine Faszination als Autorin. Es gibt immer mehr unter der Oberfläche zu entdecken.
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Frankreich. Ohne Zögern. Die Verbindung reicht bis in meine Kindheit zurück. Über die Familie, über Reisen, über diese ganz bestimmte Mischung aus Schönheit und Melancholie, die französische Orte haben können. Es gibt keinen Ort, an dem ich mich so sehr als Autorin fühle wie dort.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Absolut. Ich habe einen beruflichen Hintergrund in der Kommunikation, da lernt man früh, dass Feedback kein Angriff ist, sondern ein Werkzeug. Mein Roman hat ein intensives Lektorat durchlaufen, und jede Runde hat das Buch besser gemacht. Kritik, die mir hilft, mein Schreiben weiterzuentwickeln, nehme ich dankbar an.
Warum hast du dich entschieden zu einem Verlag zu gehen und nicht Selfpublisher zu werden?
Ich wollte von Anfang an den klassischen Weg gehen, also mit Agentur, Lektorat und einem Verlag, der hinter dem Buch steht. Als Debütautorin muss man sonst wirklich sehr viel alleine stemmen: Lektorat, Covergestaltung, Vertrieb, Marketing und das neben dem eigentlichen Schreiben. Ich schätze die Expertise meiner Agentin und meines Verlags in diesen Bereichen enorm. dp Verlag war von Anfang an die richtige Wahl: professionell, herzlich und auf Augenhöhe. Man merkt, dass dort Menschen arbeiten, die Bücher lieben.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Traut euch, das eine Buch aufzuschlagen, das nicht in eurem üblichen Genre liegt. Manchmal warten die besten Geschichten dort, wo man sie nicht erwartet. Und wenn ihr Lust auf einen Krimi habt, der nach Wein, Sonne und alten Geheimnissen duftet: Helena freut sich auf euch.

Donnerstag, 4. Juni 2026

[Charakterkarteninterview] Mânil & Suketo aus Mânil von Desiderius M. Rainbow

 




Suketo: "Sag mal Claudia, hast du neulich bei deinem Post zu Mânils und meiner gänzlich unschuldigen Charakterkarte, welche frei von jedem Subtext ist, absichtlich die Rückseite weggelassen? Nur um es hier nun besonders zu betonen? Hab ich das gestattet?!"

Mânil: "Ich glaube schon, dass sie das hat. Wobei ich aus Prinzip lieber mal keine Ahnung habe, worum es eigentlich geht." 

Suketo : "Das ist nichts Neues." 

Mânil: "An jener Szene und auf diesem Bild lässt sich aber nun auch wirklich nichts doppelseitig lesen." 

Suketo: "Oder 'spicy', wie einige sogar behauptet haben." 

Mânil: "Echt?! Dabei würde Desiderius doch nie mit Zweideutigkeiten um sich werfen. Soweit ich weiß." 

Suketo: "Nie." 

Mânil: "Sind wir überzeugend?" 

Suketo: "Überhaupt nicht. Und ich will nicht darüber reden." 

Mânil: "Ich auch nicht."


BDSM-Aspekte in der Mânil-Reihe??
Was ihr in diesen Büchern bekommt und was nicht:
- (BDSM)-Romantik und "klassische Sessions"? Nein
- Romantik zwischen Lehrer und Schüler? Nein! Das hier ist keine wie auch immer geartete Romance!
- Platonische BDSM-Aspekte als Lebenseinstellung und Orientierung, die die Thematik NICHT nur aufs Sexuelle reduzieren? Ja!
- Harmlose, gar nicht zweideutige Szenen, in die man überhaupt gar nichts hineininterpretieren kann? ich verstehe die Frage nicht...
- Vorhersehbare Pairings? Nö.
- Ein sich entwickelndes, komplexes, tiefgehendes Machtgefälle? Ja.
- Leute werden aus unterschiedlichen Gründen gefesselt oder sonst wie ihrer Freiheit beraubt? Ja Mann! Ich kann nicht anders und bin da sehr kreativ UND es sind Magier - die sehr kreativ sind.
- Das langsame Bemerken, dass man so gänzlich anders tickt...? Ja.
- Verwirrung darüber? Natürlich.
- Erotik zwischen Lehrer und Schüler? Nein, verdammt!!
- Zwangsmagie, magische Peitschen, Fesselmagie und sowas? Ja...
- Sadistische, moralisch bisweilen sehr fragwürdige Charaktere, fies-kreative Ideen und böser Humor? Ja.
- Moralische Graubereiche und Gradwanderung? JA!
- Komplexer Subtext?! Ähm ... hüstel ... JA.
- Respekt, Vertrauen und Aftercare? Selbstverständlich.
- Themen wie Demütigung und Vorführung. Definitiv
- Schräge und unmögliche, gar nicht zweideutige Situationen? Was ist das für eine dämliche Frage?? ICH bin der Autor! Also JA!
- Konsens? Ja. Manchmal aber im weitesten Sinne.
- Daraus folgt: Vernünftige Einordnung all dessen? Logisch!!!
- BDSM-Label und -Fachbegriffe? Nein.
- "Traumpaare"? Laaaaangweilig. Nein.
- Selbstfindung und Identität? Ja.
- Own Voice? Ist ja wohl nicht zu übersehen, oder?!

Mittwoch, 3. Juni 2026

[Schnipseltime] Übersinnliche Gefährten - Anderswelt von Sabine Reifenstahl


 

Stolpernd hetzte ich durch den Wald, ohne nach links und rechts zu sehen. Mir war egal, dass ich die falsche Richtung einschlug und mich von der Höhle entfernte. Alle Hoffnung, die in den vergangenen Monaten gewachsen war, löste sich auf wie Nebel im Wind.

Man darf Göttinnen nicht glauben!

Der Schnee wurde höher, und ich kam kaum noch voran. Irgendwann ließ ich mich einfach fallen.

Reif legte sich auf meine Wangen. Tränen, die ich nicht gespürt hatte, erstarrten zu Kristallen und sanken lautlos in den Schnee. Kälte fraß sich tiefer, bis in mein Innerstes.

Ich blieb liegen.

Selbst wenn ich nicht sterben konnte – eingefroren müsste ich nichts mehr fühlen, nicht denken. Würde nie mehr verraten werden.

Und nie wieder hoffen.

Müdigkeit umfing mich mit gnädigen Armen und ich ergab mich erleichtert. Schlaf kam dem Tode nahe, ich wünschte mir, nie mehr aufzuwachen.

Mein ganzes Leben lang ertrug ich jeden Schmerz, ich litt, fiel und stand auf. Doch dieser letzte Bruch, die Wärme, die Máire in mein Herz gepflanzt hatte, damit die Morrigan sie mir wieder entriss, überschritt das Maß des Erträglichen und raubte mir den Willen, weiterzumachen.

Etwas Kaltes strich über meine Schläfe.

Mühsam öffnete ich die Augen.

Das Erste, was ich hinter einem Vorhang aus Eiskristallen wahrnahm, war ein riesiger Schatten, der sich gegen die Dunkelheit abhob. Ein breiter Schädel, Schlappohren, eine warme Zunge, die über meine Wange glitt.

Die Luft flirrte.

Im nächsten Moment kniete ein Mann neben mir im Schnee. »Du musst aufstehen.« Seine Stimme war dunkel, ruhig. Er hielt mir die Hand hin.

Ich schüttelte kaum merklich den Kopf.

»Du erfrierst, wenn du liegen bleibst.« Sacht strich er mein Haar zurück. »Zumindest wird dir erbärmlich kalt. Umbringen wird es dich wohl nicht, du bist ein Sidhe.«

Blinzelnd schaute ich ihn an und erkannte den Mann, der neben meinem Bruder gesessen hatte. Panisch versuchte ich, von ihm wegzukriechen.

»Nicht, ich tue dir nichts.« Er sprach sanft, fast lockend. »Komm mit, ich bringe dich ans Feuer.«

Als ich mich nicht rührte, setzte er sich nahe bei mir hin. »Dann frieren wir eben beide.« Eine Wolke aus Dampf bildete Eiskristalle in seinem dunklen Bart. Leiser fügte er hinzu: »Ich vermutlich mehr als du.«

Er trug dünne Kleidung wie alle in Morrigans sommerlichen Gefilden. Ich dagegen hatte Wintersachen an, weil ich außerhalb des geschützten Bereiches wohnte. Der Gedanke, dass er meinetwegen fror, gefiel mir nicht. Außerdem war er keiner ihrer Wölfe, sondern etwas anderes. Seine runden Ohrmuscheln wiesen ihn als Menschen aus. »Geh weg!« Meine Stimme klang rau.

»Früher war ich wie du. Es gab niemanden, dem ich traute. Ich war einsam und beobachtete die Leute – getrieben von der Sehnsucht, dazuzugehören – und mit der Gewissheit, dass ich nie einer von ihnen würde.« Erneut bot er mir die Hand an. »Komm, das Feuer der Morrigan ist warm und sicher.«

»Sie ist eine Göttin«, stieß ich hervor. »Man kann ihr nicht trauen.«

»Da widerspreche ich nicht. Aber vertrau mir.«

Wie konnte ein so großer Mann so weich mit einem anderen reden? Als fühle er wirklich, wie es mir ging.

[Buchvorstellung einmal anders] Übersinnliche Gefährten - Anderswelt von Sabine Reifenstahl


 
Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit dem Protagonisten Nick, um mit ihm über das Buch „Übersinnliche Gefährten – Anderswelt“ zu sprechen.

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um für das Buch zu antworten.
»Sehr gern, wobei ich heute Morgen kurz überlegt habe, ob ich einfach absagen und mich drücken soll. Weil vielleicht Themen angesprochen werden, über die ich nicht reden möchte. Nicht auf alles, was ich getan habe, bin ich stolz.
Aber dann habe ich gedacht, wenn das Buch ohnehin schon da ist und unsere Geschichte für alle offen liegt, kann ich auch dazu stehen. So bin ich nun einmal, ich stehe zu den Dingen, die ich verzapft habe.«
Kannst du dich meinen Lesern vorstellen, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben?
»Mein Name ist Nick Behrendt. Von Beruf bin ich Polizist und war ein ganz normaler Mensch, bis mir der Sidhe Ulik über den Weg lief. Keine schöne Geschichte, die ich nur überlebt habe, weil Sasha mich gebissen hat. Jetzt bin ich ein Wandelwolf. Klingt seltsam, fragt mich mal, oder lest Plötzlich Wolf.
Jedenfalls kann ich mich in einen Wolf verwandeln, leider muss ich mich vorher ausziehen, sonst gehen die Klamotten flöten. Mein Mann Botho ist ein echtes Zauberwesen, er kann seine Kleidung mitnehmen. Praktisch. Mit ihm, unserer Tochter Enid und ihren zauberhaften Onkeln wohne ich am Rand der Ruhner Berge. Die beiden sind das Beste, was mir je passiert ist.«
Beschreibe uns dein Buch in möglichst wenig Sätzen.
»Mein Mann muss seine Tochter in die Anderswelt begleiten, weil er der Krieger von uns beiden ist. Als Hundewandler unter Wolfswandlern hat er einen schweren Stand, der sich durch den Sidhe, den er im Schnee findet, noch verkompliziert. Dass die beiden Gefühle füreinander entwickeln und ich semibegeistert darauf reagiere, lässt sich denken. Plötzlich gibt es auch noch göttlichen Familienzuwachs.
Aber am Ende wird alles gut.«
Glaubst du macht es der Autorin mehr Spaß dich durch leichte, einfache oder schwierige, düstere Situationen zu führen?
Ein kurzes, bitteres Lachen erklingt.
»Ich war monatelang allein. Botho war weg, Enid war weg, und ich habe nachts versucht, nicht an den Schmerz zu denken, den die Trennung verursacht. Ohne Maeron und Sasha hätte ich das nie überstanden.
Die Autorin ließ mich brennen ( das ist keine Metapher), wollte mich eigentlich in einer anderen Geschichte über die Klinge springen lassen, und hat es mir auch jetzt nicht leicht gemacht. Zumindest für mich bevorzugt sie eher die düsteren Situationen. Sie scheint wohl zu denken, ich kann das vertragen. Oder ich habe es verdient. Aber dafür schenkt sie mir auch schöne Szenen, das söhnt mich damit aus.«
Hast du eine Lieblingsstelle im Buch?
Sogar mehrere, die Nacht im Wald, als Lorcan zum ersten Mal den Wolf losließ. Oder unser Ausflug nach Waren, als Lorcan der Dame ein Kompliment machen wollte und ihr sagte, ihr Hund sei wohlgenährt. Ja, inzwischen weiß ich, dass fettes Vieh in der Anderswelt ein Zeichen von Wohlstand ist, aber in dem Augenblick wäre ich am liebsten im Boden versunken.
Aber meine liebste Szene ist die, in der Botho und Enid nach Hause kommen. Acht Monate musste ich ohne sie auskommen – und dann waren sie plötzlich wieder da. Verändert zwar, mit Anhang, aber sie waren wieder da.
Was glaubst du, wie viel Sabine steckt in dem Buch oder dem ein oder anderen Charakter?
Das ist eine interessante Frage für jemanden wie mich. Ich bin beruflich darin geschult, Menschen zu lesen, Muster zu erkennen und Lücken zu bemerken zwischen dem, was jemand sagt, und dem, was jemand meint.
Botho hat ihre Sturheit, glaube ich, diese Art, Probleme anzugehen und hinterher nachzudenken.
Lorcans tiefe Überzeugung, nicht dazugehören zu dürfen, nicht genug zu sein, schreibt man nicht aus dem Nichts. Das kennt man von irgendwo.
Und Enid. Sie ist vielleicht der ehrlichste Teil von ihr. Dieses Kind – diese Göttin, die Wunder wirken und heilen kann. Ich glaube, das ist ein tiefer Wunsch, den Sabine da schreibt.
Und ich? Vielleicht der Teil von Sabine, der will, dass alle sicher nach Hause kommen. Und der lernen muss, dass sicher manchmal anders aussieht, als man es geplant hat.
Wie würdest du deine Autorin beschreiben?
Direkt und ehrlich bis zur Grenze des Unbequemen. Sie schreibt nicht drumherum, sie trifft die Stellen, die wehtun.
Ich mag keine halben Wahrheiten und keine Geschichten, die aufhören, bevor sie schwierig werden. Sabine hört nicht auf, sie schreibt durch die schwierigen Szenen hindurch und schaut, was auf der anderen Seite wartet.
Manchmal hätte ich ihr gerne gesagt: Jetzt reicht es aber.
Als Figur in einem Buch habe ich keine Stimme, sondern muss mich fügen.
Weißt du, wie es zu dem Titel kam? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Lauf des Schreibprozesses verändert? Hattest du vielleicht sogar Mitspracherecht?
Ein kurzes, trockenes Lachen erklingt.
Mitspracherecht? Nein, Figuren haben kein Mitspracherecht. Das habe ich früh gelernt.
Aber »Anderswelt« trifft es, nicht nur als Ortsbezeichnung. Für mich persönlich war das gesamte Jahr eine Anderswelt. Ich war noch derselbe Mensch, aber die Welt um mich herum hatte sich verschoben. Botho und Enid waren fort und ich musste herausfinden, wer ich bin, wenn die fehlen, die mich definieren.
Das ist eine Anderswelt. Nicht unbedingt ein anderer Ort, manchmal nur ein anderer Zustand.
Der Titel trifft es also, und er stand bereits ganz am Anfang fest. Vielleicht hatte ich doch Mitspracherecht, ohne es zu wissen.
Gefällt dir das Cover zu 100% oder hättest du einen anderen Wunsch oder Vorstellungen gehabt?
Ich bin ein praktischer Mensch und beurteile Bücher nicht nach dem Cover.
Aber wenn ich ehrlich bin, hätte ich mir gewünscht, darauf zu sein. Nicht als Hauptfigur, das ist Bothos Geschichte genauso wie Lorcans. Aber irgendwo. Ein Schatten im Hintergrund, jemand, der wartet.
Das wäre ich gewesen.
Was ist dein Lieblingszitat aus dem Buch?
Botho hat einmal zu Enid gesagt: »Du bleibst meine Tochter, unsere Tochter, Göttin hin oder her. Und ich erwarte, dass du mir dennoch gehorchst und dich nicht wie eine verzogene Gottheit benimmst!« Ja, das hat Botho wirklich gesagt.
Und wenn es ein Zitat von mir sein soll: »Du bist nicht mehr allein.«
Fünf Worte, die ich an Lorcan gerichtet habe, in einem Moment, der mich mehr gekostet hat, als es nach außen aussah. Damals entschied ich, dass meine Liebe zu Botho groß genug ist, um einen zweiten Mann zu akzeptieren.
Danke für das Gespräch.
Gern. Und danke, dass du gefragt hast, liebe Claudia. Die meisten fragen Botho, weil er der ist, der in zwei Welten lebt und mit einer Göttin als Tochter aufgewacht ist. Oder Lorcan, weil er das Geheimnis ist, das gelüftet werden will.
Ich bin der, der zu Hause geblieben ist und der gesagt hat: Du bist willkommen. Das klingt unspektakulär. Aber ich glaube, manchmal ist das Mutigste, was man tun kann, einfach die Tür aufzumachen und nicht wegzulaufen, wenn jemand hindurchkommt, mit dem man nicht gerechnet hat.