
Anthologievorstellung einmal anders
Heute treffe ich mich mit dem Autor und dem Herausgeber der Anthologie „RHoN“, um mit ihnen über das Buch und auch die ein oder andere Geschichte zu sprechen.
Hallo, danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um für die Anthologie zu antworten.
Könnt ihr uns die Anthologie in möglichst wenig Sätzen beschreiben?Matthias: Hallo. Sehr gerne.Philipp: Grüß Gott, wie man hier sagt! Und ich denke, ich spreche für uns beide, ein dickes Dankeschön für die Gelegenheit, unser Projekt hier vorzustellen.
Jede Geschichte und jeder Autor ist anders. Jeder Charakter oder auch Wesen erlebt in seiner Geschichte so einiges. Wie wurde entschieden, welche Geschichte am besten in die Anthologie passt. Ob man eher ganz düstere oder leichtere Geschichten aufnimmt.Matthias: Die „RHoN“-Anthologie ist eine Sammlung von Folkhorrorgeschichten, die alle in einer fiktiven Dark-Fantasy-Variante meines Heimatlandkreises spielen, welchen ich als Hintergrund für das gleichnamige Pen & Paper-Rollenspiel „Rhon“ entworfen habe. Der Fokus liegt dabei auf sehr düsteren, (Stichwort: Grimdark) pseudo-mittelalterlichen Horrorgeschichten, wie man sie auch im Rollenspiel erleben kann.Philipp: Wobei man hier etwas Entwarnung geben muss: Rhön-Fachwissen ist für „RHoN“ nicht nötig. Das Setting ist zwar regional inspiriert, aber offen genug gestaltet, damit es auch für die durchschnittlichen Dark-Fantasy-Mittelalter-Fans aus Norddeutschland oder Österreich völlig verständlich und unterhaltsam ist.
Habt ihr Lieblingsstellen aus der Anthologie, die ihr uns gerne vorstellen würdest?Matthias: Meine Richtung war ganz klar: Je düsterer, seltsamer und makaberer, desto besser. Das war meine eigene Vorgabe und auch meine Richtlinie bei allen Entscheidungen.Philipp: Ich kann mich da nur anschließen, als Herausgeber musste ich aber auch ein wenig auf das Gesamtbild achten. Wenn es immer extremer wird, dann kann schnell ein Gewöhnungs- oder gar Abstumpfungseffekt eintreten. Natürlich war die schreiberische Qualität entscheidend, aber wichtig war mir auch eine gesunde Mischung aus verschiedenen Dark Fantasy- & Horror-Subgenres zu finden, damit man zwischendurch mal Luft holen kann, bevor der nächste große Schocker kommt. Zudem, und da waren Matthias und ich direkt von Anfang an auf einer Linie, haben wir offensichtlich KI-generierte Geschichten direkt ausgesiebt.
Wie viel Zeit steckt in der Anthologie, bis sie tatsächlich fertig war?Philipp: Da muss ich direkt „Der Bergsee“ von Jan Ritterfeld nennen, generell eine DER Nachwuchstalent-Entdeckungen dieser Anthologie. Das mag jetzt ein sehr persönlicher Grund sein, aber die Geschichte rund um einen magischen Kindstausch hat mich als Jungvater ordentlich getroffen, obwohl sie im Verhältnis sehr harmlos ist.Matthias: Es fällt mir ungemein schwer, Lieblingsstellen zu nennen, weil dies eine so subjektive Entscheidung ist und ich auch niemanden wirklich bevorzugen will. Daher will ich jetzt eher ein paar Stellen nennen, die mir spontan einfallen: Ich mag zum Beispiel in „Die Fliehburg“ den Einsatz der Trommel. Wie sie das erste Mal erklingt. Das geht schon gut durch Mark und Bein. Oder auch die Berichtsform in „Heulende Nacht“. Ist zwar jetzt weniger eine Stelle, sondern eher ein Stil, aber ich mag diese Art und Weise, weil sie mich sehr an die Geschichten von H.P.Lovecraft erinnern, der für mich bei der Entwicklung von Rhon als Setting eine große Rolle gespielt hat. Und ich will noch den Storytwist in „Die Räuber“ nennen, ohne jetzt spoilern zu wollen. Das fand ich schon ziemlich gut und schön „gory“. Ein Moment, der mich gut gecatcht hat.
Wie würden dich die Geschichten als Herausgeber beschreiben?Matthias: Die Frage überlasse ich mal voll und ganz Philipp in seiner Funktion als Herausgeber.Philipp: Sehr viel mehr, als ich jemals erwartet habe ;-) Zu Beginn war es tatsächlich gar nicht viel Arbeit für mich, egal ob Ausschreibung, Geschichtenauswahl oder Verträge, das konnte man jeweils alles mal an einem freien Nachmittag machen. Und Lektorat & Layout waren auch an einen Profi ausgelagert, also bis hierhin wirklich relative Ruhe. Aber nun, sagen wir mal so einen Monat vor Release, stieg das Arbeitspensum dann doch stark an. Alles nochmal kontrollieren, Anfangen mit Social Media, Presseanfragen, die Vorbereitung der Buchpremiere auf dem Marburg-Con und mein persönlicher Endgegner, das Setzen des eBooks – Ich will nicht übertreiben, aber die letzten zwei, drei Wochen habe ich nahezu jede Nacht bis 2 oder 3 Uhr morgens dran gesessen. Hier ein dickes Dankeschön an meine Freundin, dass sie mir da tapfer den Rücken freigehalten hat <3
Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Zusammenstellens ergeben?Matthias: Dass ich wahrscheinlich ein ziemlich kranker Bastard bin (lacht). Nein. Aber mal im Ernst. So schlimm es doch gar nicht. Die Geschichten haben ein gutes Spektrum; von Dark Fantasy über Grusel bis hin zu Gore. Das finde ich schon recht gut und deckt einen Teil von mir – jenen, der Rhon entworfen hat – schon sehr gut ab.Philipp: Du bist aber auch der netteste kranke Bastard, den man sich vorstellen kann (lacht ebenfalls). Aber Spaß beiseite, ich denke, die Geschichten würden mich als neugierig beschreiben. Ich bin eigentlich gar kein Horror-Fan, aber für die Anthologie bin ich mit staunenden Augen und offenem Herzen einmal quer durch alle möglichen Horror-Subgenres gewandert, völlig unvoreingenommen. Und da habe ich dann die ein oder andere Perle entdeckt, die mir sonst vielleicht verschlossen geblieben wäre.
Bist du zu 100% zufrieden mit dem Cover oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?Matthias: Der Titel stand von Anfang an fest. Die Anthologie ist der Vorbote für das Pen & Paper-Rollenspiel Rhon. Natürlich hätten wir da noch irgendwelche ausschweifenden Titel hinzufügen können. Am besten noch einen Untertitel, wie man es von deutschen Filmtiteln kennt, weil das so gar nicht cringe ist... Aber persönlich stehe ich eher auf kurze, prägnante Titel, die neugierig und Lust auf mehr machen. Und „Rhon“ klingt recht nett. Ein wenig wie der Name eine Black-Metal-Band: Kratzig, kalt und sperrig. Und sowas finde ich durchaus spannend.Philipp: Der Titel stand von Anfang an fest, lediglich die Schreibweise hat sich etwas geändert. Durch ein Missverständnis mit dem Layouter wurde aus „Rhon“ dann „RHoN“ - Was in unserer Hashtag-geprägten Zeit gar nicht mal so verkehrt ist, denn so kann man die Produktlinien als Fan später mal gut auf Social-Media an der Schreibweise unterscheiden: #RhonRPG für das Rollenspiel und alles drumherum, #RHoN für die Anthologie und später die Literatur-Schiene.
Zum Abschluss würde mich noch deine Lieblingszitate aus dem Buch interessieren.Matthias: Das Cover ist im Grunde das gleiche wie beim Rollenspiel. Auch hier mag ich es eher schlicht und einfach, was ich auch oft edler finde als irgendwelche Farb- und Detailexplosionen, die vom Wesentlichen ablenken. Zumal ein schlichtes und einfaches Cover das Problem der Bildersuche, des Arrangements und möglicher Lizenzgebühren sehr gut löst. Auch hier bleibt mehr Zeit für das Wesentliche: Den Inhalt.Aber ich bin auch nie 100%ig mit irgendwas zufrieden. Perfektion gibt es im Leben nicht und kann auch nicht erreicht werden. Daher versuche ich lieber mit weniger zufrieden zu sein und dafür etwas zu machen, als bei dem Versuch perfekt zu sein und Fehler zu vermeiden auf der Stelle zu verharren.
Danke für das Gespräch.Matthias: „Der Westwind hat noch nie Gutes gebracht.“ Das ist so ein markanter Satz und steht wie ein schwarzes Monument für „Rhon“ und die Anthologie. Und – natürlich auch – „ZCCCHHHH KSSSHHH!“ (lacht)Philipp: Tatsächlich ist es die Kurz-Vita von Julian Grede, die ich so herzerfrischend ehrlich finde: „Schreibt Kurzgeschichten. Veröffentlichungen: keine. Motivation: hoch. Zweifel: ebenfalls. Beides treibt den Text zuverlässig voran.“





