
Heute treffe ich mich mit der Autorin Claire Stern, um mit ihr über ihr Buch „Sinnlichkeit in Salò“ zu sprechen.
Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um für dein Buch zu antworten.
Sehr gern. Gespräche über Bücher sind für mich fast so inspirierend wie das Schreiben selbst – danke für die Einladung.Kannst du uns dein Buch in möglichst wenig Sätzen beschreiben?
Die engagierte Politikwissenschaftlerin Lisa reist ins malerische Salò am Gardasee, um für ihre Doktorarbeit über den italienischen Faschismus zu forschen. Kaum angekommen, trifft sie auf Maurizio Lario, einen charmanten Geigenbauer aus einer angesehenen Familie, und zwischen ihnen entsteht sofort eine besondere Verbindung. Während sie gemeinsam die Geschichte der Stadt erkunden, entfaltet sich eine zarte Romanze – doch Maurizio ist bereits der reichen und stolzen Mafalda versprochen. Als Lisas Recherchen die dunklen Geheimnisse seiner Familie ans Licht bringen, geraten die beiden in ein Netz aus Intrigen, Vorurteilen und familiärem Stolz, das ihre Beziehung auf eine harte Probe stellt.Deine Charaktere erleben ja so einiges. Fällt es dir leichter sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Ganz klar durch die schwierigen. In den Brüchen, im Zögern, im Scheitern zeigen sie ihr wahres Gesicht. Schöne Momente sind wichtig – aber sie bekommen erst Tiefe, wenn sie hart erkämpft oder beinahe verloren sind.Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen würdest?
Ja, meine Lieblingsstelle ist Kapitel 20, „Schattenvilla“. In dieser Szene betreten Lisa und Maurizio die Villa Feltrinelli, ein beeindruckender, zugleich unheimlicher Bau, der eine kalte, fast beklemmende Atmosphäre ausstrahlt – nicht zuletzt, weil Mussolini hier einst residierte. Die luxuriöse Ausstattung und die historische Bedeutung stehen in starkem Kontrast zu den Spannungen, die sich zwischen den Figuren entfalten: Maurizio stellt sich dem moralischen Erbe seiner Familie, diskutiert über Verantwortung und Privilegien, während Lisa mit Wut, Empathie und scharfer Kritik die Dynamik hinterfragt. Die Szene ist ein emotionales Zentrum des Buches, weil hier Vergangenheit, Macht und gesellschaftliche Erwartungen aufeinandertreffen – und gleichzeitig die Beziehung zwischen Lisa und Maurizio gefestigt wird. Für mich ist es besonders, weil sie zeigt, wie Liebe und Integrität selbst inmitten von Konflikt und familiärem Druck bestehen können.Wie viel echte Claire steckt in dem Buch oder auch in dem ein oder anderen Charakter?
Mehr, als mir manchmal lieb ist – und weniger, als man vermuten würde. Es sind nicht die biografischen Fakten, sondern meine Fragen, Zweifel und Sehnsüchte, die sich auf verschiedene Figuren verteilen.Wie würden dich deine Charaktere beschreiben?
Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert?Lisa: „Sie bringt uns in Schwierigkeiten – literarisch gesehen. Aber sie lässt uns wachsen, auch wenn es weh tut.“Maurizio: „Sie ist streng. Sie lässt keine Ausreden gelten.“Ariana: „Aber sie ist fair. Jeder bekommt seine Stimme.“Chiara: „Und sie weiß genau, wann Schweigen lauter ist als jedes Wort.“
Ich liebe Alliterationen – und genau diese Vorliebe hat den Weg für Band 1, Sehnsucht in Sirmione, geebnet. Der Titel wirkt für mich wie ein kreativer Kompass für die weiteren Geschichten: Band 2 Liebe in Lazise, Band 3 Begierde in Bardolino, Band 3 Leidenschaft in Limone. Beim neuen Buch stand der Ort früh fest, die Sinnlichkeit kam erst im Laufe des Schreibprozesses hinzu. Mit den weiteren Stationen rund um den Gardasee – von Torbole über Riva bis Garda und Peschiera – wird die Buchfamilie zu einer alliterarischen Reise durch Bella Italia.Bist du zu 100% zufrieden mit dem Cover oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Meine Cover erinnern bewusst an die Ästhetik der 60er-Jahre. Sie fangen die Leichtigkeit und das mediterrane Lebensgefühl der Liebesgeschichten am Gardasee sehr schön ein. Wenn ich mir für das aktuelle Cover etwas wünschen dürfte, dann vielleicht einen Hauch mehr Geheimnis – etwas, das andeutet, dass hinter der sonnigen Oberfläche noch weitere Ebenen verborgen liegen.Zum Abschluss würde mich noch dein Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Doch Maurizio lächelte versöhnlich. »Gestern ist Geschichte. Morgen ein Geheimnis. Aber heute – heute ist das Leben.«Danke für das Gespräch.
Danke dir. Es war mir eine Freude.





