
Die Dunkelheit war nicht schwarz. Sie war ein
flimmerndes, graues Nichts, das schwer auf Lindas Augäpfeln lastete. Unter den
dicken Schichten aus Mull und Klebeband pochte die frische Narbe an ihrer
rechten Netzhaut bei jedem Herzschlag.
»Ganz ruhig, Linda. Atme flach. Du weißt, was der
Chirurg gesagt hat. Jede Erschütterung, jeder Druck könnte die Heilung
ruinieren«, flüsterte eine Stimme.
Die Stimme klang wie die von Mark. Es war sein Klang,
seine sanfte Art, die Silben am Ende eines Satzes ein wenig in die Länge zu
ziehen. Und doch... da war ein Echo, das nicht stimmte.
Linda wollte instinktiv protestieren und nach der
juckenden Binde greifen, doch die nackte Angst vor der ewigen Dunkelheit lähmte
sie. Der Chirurg hatte ihr eingeschärft, dass die mikroskopischen Nähte an
ihrer Netzhaut wie morsches Garn reißen würden, wenn sie den Verband auch nur
einen Millimeter verschob.
Linda lag starr auf dem Rücken. Sie spürte, wie sich
die Matratze absenkte, als er sich neben sie auf die Bettkante setzte. Die
Federn quietschten - ein vertrautes Geräusch, das sie seit zehn Jahren hörte.
Aber der Geruch war falsch.
Mark benutzte ein Aftershave, das nach Zitrus und altem
Leder roch. Dieser Mann hier roch nach Chlor und billigen Pfefferminzpastillen.
~ Akte 2: Blindes Vertrauen
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