Freitag, 14. August 2026

[Buchvorstellung einmal anders] Wenn wir Frauen uns einig wären von Jule Marek


 
Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit den Protagonisten Sena und Frederica aus „Wenn wir Frauen uns einig wären“, um mit ihnen über das Buch und ihre Autorin zu sprechen.

Danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um für das Buch zu antworten.
"Zeit? Habe ich eigentlich nicht. Können wir das bitte kurz halten?", Sena flippt ihre Haare über die Schulter.
Rics lacht. "Mann, Sena, dein Diner läuft dir schon nicht weg." Sie wendet sich mir zu. "Freut mich, dich kennenzulernen." Leise murmelt sie: "Und da gelte ich als die Unhöfliche von uns beiden."
Könntet ihr euch meinen Lesern vorstellen, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben?
"Sicher, gerne. Ich bin Frederica, werde aber nur Rics genannt. Ich habe ghanaisch-deutsch-irische Wurzeln und besitze seit kurzem eine Tauchstation in Richport, Florida, direkt am Strand, wo ich Tauchkurse gebe. Falls du Lust hast, komm gerne mal vorbei."
"Ja, ja, genug geworben, Rics. Richport ist ein fiktiver Ort. Und ich dachte, du hast das nicht nötig." Sena schlägt die Beine übereinander, die sich im kurzen Minirock in ihrer beeindruckenden Länge präsentieren. "Ich bin Sena und Koreanerin. Wie Rics schon erwähnt hat, führe ich in Richport ein Diner, quasi der Hotspot des Ortes. Meine amerikanischen Speisen sind durch Einflüsse der koreanischen Küche etwas ganz besonderes. Schade, dass du nicht wirklich vorbeikommen kannst."
Beschreibt uns bitte das Buch in maximal 5 Sätzen.
"Ich würde sagen, das Buch handelt von Lenie und Madlin", sagt Rics. "Lenie war ewig mit Kenneth verlobt, so ein geschniegelter Anwaltstyp der reichsten Familie am Ort. Sie wollte endlich einen Termin für die Hochzeit festlegen. Damit hat alles angefangen."
"Ja", Sena lächelt spöttisch. "Weil du dich eingemischt hast, in deiner typisch diplomatischen Art."
"Das wäre nicht so schlimm gewesen, wenn Kenneth mich nicht unter Druck gesetzt hätte, um sich ein Denkmal zu bauen. Blöder Arsch", murrt Rics.
"Nicht zu vergessen Madlin. Das Mädchen hatte es echt nicht einfach. Ohne Lenie und unsere Hilfe wär sie früher oder später vor die Hunde gegangen."
Glaubt ihr, macht es der Autorin Spaß euch in so manche schwierige Situation zu stoßen?
Sena grinst. "Nee, das ist auch so eine, die auf hart macht und innerlich das totale Weichei ist. Die muss sich immer ganz schön am Riemen reißen, keinen weichgespülten, Langweiliger-Plot zu kreieren. Aber wenn man sie unter Druck setzt, läuft es ganz gut."
Habt ihr eine Lieblingsstelle im Buch?
"Meine Lieblingsstelle fasst das Buch ideal zusammen. Ich habe sie Sena bei einer unserer Streitereien an den Kopf geworfen", sagt Rics. "Deshalb hat Jule sie auch auf das Lesezeichen gedruckt: »Männer geben den Ton an und wir lassen es zu. Würden wir Frauen zusammenhalten, wäre Emanzipation schon lange kein Thema mehr. Stattdessen orientieren wir uns an ihrem Wohlwollen und ihren Spielregeln und bekämpfen uns gegenseitig.«
Sena nickt. "Ja, nicht schlecht. Mir gefällt die folgende Stelle besser, in der ich Lenie und Aida auf den Topf setze:
»In welcher Welt lebt ihr zwei? Das ist eine Männerwelt, schon mal gehört?«
Lenie legte den Kopf schief. »Was meinst du damit?«
»Auf Dauer kümmern Männer sich vor allem um sich selbst.« Sena blies sich Strähnen aus der Stirn. »Seit hundert Jahren verkauft man es Frauen als ›romantisch‹, dass ›er‹ aus Liebe die richtigen Entscheidungen für sie trifft oder von allein erkennt, was sie braucht. Das ist ein bescheuerter Irrglaube. Hör auf, darauf zu vertrauen. Sag Kenneth, was Sache ist, Lenie. Kämpfe darum. Nur du legst fest, was verhandelbar ist und was nicht.«
Was glaubt ihr, wie viel von eurer Autorin steckt in dem Buch oder in dem ein oder anderen Charakter?
"Sie hat schon viel von dir, Rics", sagt Sena.
"Ach, halt die Klappe. Du bist genauso viel Jule wie ich. Nur deinen sexy Auftritt hat sie nicht. Braucht aber auch kein Mensch", entgegnet Rics.
"Einverstanden. Aber tatsächlich sind auch Lenie, Madlin und Aida zum Teil wie sie, wenn auch in geringerem Maße als wir zwei. Selbst in Nelly steckt was von ihr."
"Stimmt, sonst könnte sie ihnen auch nicht ständig Worte in den Mund legen."
Wie würdet ihr eure Autorin beschreiben?
"Uh, sie ist wirklich sehr analytisch und strukturiert. Überhaupt nicht so, wie man sich einen kreativen Menschen vorstellt. Organisiert perfektionistisch, was auch immer sie anfasst."
"Stimmt, Sena. Das teilt sie mit mir. Und ihr Auftritt wirkt immer so selbstbewusst, dass es für andere einschüchternd ist. Vermutlich sieht deshalb niemand dahinter. Da ist auch sehr viel Gefühl, Kreativität und Verletzlichkeit. Sie ist so ein Typ, bei dem man das Gefühl hat, man muss mit dem Hammer draufhauen, um zu ihr durchzudringen, bis sie unkontrolliert explodiert. Hinterher setzt sie dir analytisch auseinander, was für einen Schaden sie erlitten hat und macht sachlich Vorschläge, wie man sich wieder zusammenraufen kann. Weird."
Wisst ihr wie es zum Titel kam? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Oder hattet ihr sogar Mitspracherecht?
Wir hatten kein Mitspracherecht, aber das passt schon. Wir hatten unsere eigenen Probleme. Sie wollte erst einen englischen Titel haben, der sowas wie Schulterschluss bedeutet. Aber sie hat keine leicht zu verstehende Bezeichnung gefunden. Ihr war wichtig, dass der Titel wiedergibt, wovon das Buch handelt, damit man keine falschen Erwartungen an das Buch hat. Für Selfpublisher ist das superwichtig. Ich finde, mit dem Titel ist ihr das gelungen."
Gefällt euch das Cover zu 100% oder hättet ihr noch einen anderen Wunsch oder Vorstellungen gehabt?
Ursprünglich wollte Jule fünf Frauen unterschiedlichster Herkunft haben, die man von hinten sieht und die sich gegenseitig die Hand auf die Schulter legen. Ein entsprechendes Bild hat sie sogar gekauft. Aber dann kam Renee von Cover&Art mit diesem Vorschlag um die Ecke. Das hat ihr auch sehr gut gefallen. Vor allem, dass man zwei- oder dreimal hinschauen muss, um alle Details zu entdecken. Wir vier Frauen, aus deren Perspektive das Buch erzählt wird, sind nämlich alle mit drauf. Schon entdeckt?
Was ist euer jeweiliges Lieblingszitat aus dem Buch?
"Meins habe ich ja schon gesagt", meint Rics. "Aber das hier habe ich zu Lenie gesagt und gefällt mir auch ganz gut:
»Sie sind eine hübsche Frau mit warmherziger Ausstrahlung. Stehen Sie für sich ein, sprechen Sie unbequeme Wahrheiten aus. Dann werden Sie nicht nur gemocht, sondern auch respektiert.«
Aber mir gefällt auch:
»Ihr Schweigen war erfüllt von Meeresrauschen und dem Zirpen in Büschen und Bäumen.«
Weil es bei uns einfach so herrlich ist."
Sena lacht. "Du bist doch eine verkappte Romantikerin, Rics. Mir hat gefallen, als Lenie mit ihrer besten Freundin Aida gesprochen hat. Aida hat mit ihr über ihre Beziehung zu Kenneth gesprochen:
» (…) Wir schweigen um zu gefallen. Die Männer schweigen, um Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen. Das hilft keinem. (…) Deine Zweifel an euch als Paar sollten für ihn von Bedeutung sein. Gib ihm die Gelegenheit, einen Beitrag zu leisten, dass sich das ändert, dann steht einer langfristigen Bindung nichts im Weg.«
»Und wenn nicht? Wenn seine Liebe dem nicht standhält?«
Aida nahm Lenies Hände in ihre. »Dann hält sie einer Ehe auch nicht stand.«
Eine Formulierung ist ja leider Jules Streichwut zum Opfer gefallen, obwohl ich das auch sehr schön fand: »Sein Frust war seit Wochen ihr ständiger Begleiter. Er lauerte hinter jedem zweiten Satz und durchzog ihre Gespräche wie Spinnweben einen alten Schuppen.«
Danke für das Gespräch
"Wir danken dir. War schön hier. Aber in Florida ist es noch tausendmal schöner 😉", sagt Sena.
"Das kann ich bestätigen. Vor allem beim Tauchen!", sagt Rics und winkt zum Abschied, der ihr nicht schnell genug gehen kann.

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