
Buchvorstellung einmal anders
Nach dem Autoreninterview drückt mir Anja ihren Kindle in die Hand und verlässt einfach das Zimmer. Da mir das in letzter Zeit schon öfter passiert ist, erahne ich, was da kommen wird.
Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das Buch der Autorin „Der rote Apfel“, um schon ein bisschen hineinzulesen. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Jetzt ist sie weg, dann interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«
Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben der Autorin am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. 😊
Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um mit mir zu reden.
Kannst du dich meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?Anke lächelt. »Sehr gerne. Wobei ich zugeben muss, dass ich etwas nervös bin. Normalerweise werde ich nicht interviewt.« Axel fällt ihr ins Wort. »Klar, Engel .... normalerweise interviewst du andere Menschen ungefragt.«»Axel! Wir sind seit fünf Sekunden im Gespräch. Lass das!«Eriks Stimme dringt zu uns durch. »Mama … sorry … er hat aber recht.«Anke pustete. »Du auch noch?«Herr Weidemann taucht wie aus dem Nichts auf. »Ich finde Ehrlichkeit grundsätzlich ein guter Einstieg.«»Sie sollen hier gar nichts finden.«»Zu spät.«
In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da du ja auch viel mit der Autorin zusammenarbeiten musst, kannst du uns vielleicht beantworten, ob es ihr leichter fällt sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?Anke rümpft die Nase. »Das ist gar nicht so einfach. Schließlich besteht mein Leben aus einer Familie, die mich regelmäßig an den Rand des Wahnsinns treibt.«»Und du sie.« Der Apfel zwinkert.»Das ist nicht bewiesen.«»Ich bin eine Geschichte über Familie, Schuld, Liebe, Erkenntnisse und die kleinen Katastrophen des Lebens.« Der Apfel bleibt sachlich.Anke ergänzt. »Und über Menschen, die lernen müssen, dass sie nicht für alles und jeden verantwortlich sind.«»Genau. Wobei manche etwas länger dafür brauchen als andere.«Anke hebt den Zeigefinger. »Jetzt werde nicht frech.«
Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen würdest?Der rote Apfel blickt mich von unten heraus an. »Das ist eine interessante Frage. Ehrlich gesagt glaube ich, dass Anja sich in beiden Welten wohlfühlt. Sie lässt ihre Figuren lachen, lieben, und manchmal sich gegenseitig an die Gurgel gehen. Wobei … wenn ich wählen müsste, würde ich sagen, dass sie schwierige Situationen sogar bevorzugt.«»Na toll. Das erklärt einiges«, fällt Pia ihm ins Wort.»Sie ist neugierig auf das, was hinter den Fassaden steckt. Wenn Menschen ins Wanken geraten, wenn sie Fehler machen oder sich ihren Schattenseiten stellen müssen, dann kommt sie erst so richtig in Fahrt.«Aus dem Hintergrund schleicht Erik näher zum Mikro. »Kann ich bestätigen. Das war teilweise anstrengend.«»Teilweise?« Axel fühlt sich berufen sich einzumischen.Der junge Mann zuckt mit der Augenbraue. »Gut. Oft.«»Aber sie quält ihre Figuren nicht aus Bosheit. Sie glaubt nur, dass Menschen sich meist dann verändern, wenn das Leben unbequem wird.« Der rote Apfel verteidigt die Autorin mit Bravour.Herr Weidemann kann sich nicht zurückhalten. »Eine Erkenntnis kommt selten auf einem Silbertablett daher.«»Sie hätten das jetzt auch einfach beantworten können, ohne geheimnisvoll zu klingen«, knirscht Anke.»Wo bliebe denn da der Spaß?«Der Apfel wackelte mit dem Stiel. »Und genau deshalb hat die Autorin ihn erschaffen.«
Anke antwortet fix. »Ja. Die Stelle, an der ich begreife, dass Schuld und Liebe nicht dasselbe sind. Mehr verrate ich aber nicht. Schließlich soll das Buch noch gelesen werden.«Weißt du wie viel Anja tatsächlich in dir oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt?
Wie würdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autorin beschreiben?»Oh, das weiß ich ganz genau. Sie behauptet zwar gerne, dass wir alle frei erfunden sind, aber das ist höchstens die halbe Wahrheit. Ein bisschen von ihr steckt in fast jedem von uns.« Der Apfel beschwert sich. »Was ist mit den anderen?«»Die haben ebenfalls etwas von ihr abbekommen. Manche ihre Stärken. Manche ihre Schwächen. Aber wer genau was bekommen hat, das dürfen die Leser gerne selbst herausfinden.«
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?Anke antwortet als erstes spontan. »Neugierig.«»Stur«, ertönt es.Die Protagonistin verrollt die Augen. »Mensch Axel Schatz!«»Hartnäckig«, stellt Erik fest.Jetzt beginnt Anke laut zu lachen. »Und … sie ist fest davon überzeugt, dass Menschen mehr sind als ihre Fehler.«
Der Apfel streichelt seinen Bauch. »Tatsächlich stand der Titel nicht von Anfang an fest. Aber je länger die Geschichte wuchs, desto deutlicher wurde, dass kein anderer Titel besser zu ihr passen würde. Ein Apfel ist schon sehr symbolträchtig. Du verstehst?«Bist du zu 100% zufrieden mit deinem Cover / Outfit oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
»Never kill a running System.«Zum Abschluss würde mich noch dein Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Ich schloss die Haustür hinter mir und statt Putenbraten schlug mir der Geruch von Männerfaulheit entgegen.Nun betritt die Autorin wieder das Zimmer und blickt mich ungläubig an. Scheinbar ist es selbst in Autorenkreisen nicht üblich, dass das Buch antwortet. Leise flüstere ich dem Buch noch zu: »Danke für das Gespräch, es hat mir großen Spaß gemacht.«
Dann wende ich mich der Autorin zu. »Alle meine Fragen sind beantwortet, ich danke dir für den sehr interessanten Tag bei dir.«
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