Mittwoch, 3. Juni 2026

[Buchvorstellung einmal anders] Übersinnliche Gefährten - Anderswelt von Sabine Reifenstahl


 
Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit dem Protagonisten Nick, um mit ihm über das Buch „Übersinnliche Gefährten – Anderswelt“ zu sprechen.

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um für das Buch zu antworten.
»Sehr gern, wobei ich heute Morgen kurz überlegt habe, ob ich einfach absagen und mich drücken soll. Weil vielleicht Themen angesprochen werden, über die ich nicht reden möchte. Nicht auf alles, was ich getan habe, bin ich stolz.
Aber dann habe ich gedacht, wenn das Buch ohnehin schon da ist und unsere Geschichte für alle offen liegt, kann ich auch dazu stehen. So bin ich nun einmal, ich stehe zu den Dingen, die ich verzapft habe.«
Kannst du dich meinen Lesern vorstellen, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben?
»Mein Name ist Nick Behrendt. Von Beruf bin ich Polizist und war ein ganz normaler Mensch, bis mir der Sidhe Ulik über den Weg lief. Keine schöne Geschichte, die ich nur überlebt habe, weil Sasha mich gebissen hat. Jetzt bin ich ein Wandelwolf. Klingt seltsam, fragt mich mal, oder lest Plötzlich Wolf.
Jedenfalls kann ich mich in einen Wolf verwandeln, leider muss ich mich vorher ausziehen, sonst gehen die Klamotten flöten. Mein Mann Botho ist ein echtes Zauberwesen, er kann seine Kleidung mitnehmen. Praktisch. Mit ihm, unserer Tochter Enid und ihren zauberhaften Onkeln wohne ich am Rand der Ruhner Berge. Die beiden sind das Beste, was mir je passiert ist.«
Beschreibe uns dein Buch in möglichst wenig Sätzen.
»Mein Mann muss seine Tochter in die Anderswelt begleiten, weil er der Krieger von uns beiden ist. Als Hundewandler unter Wolfswandlern hat er einen schweren Stand, der sich durch den Sidhe, den er im Schnee findet, noch verkompliziert. Dass die beiden Gefühle füreinander entwickeln und ich semibegeistert darauf reagiere, lässt sich denken. Plötzlich gibt es auch noch göttlichen Familienzuwachs.
Aber am Ende wird alles gut.«
Glaubst du macht es der Autorin mehr Spaß dich durch leichte, einfache oder schwierige, düstere Situationen zu führen?
Ein kurzes, bitteres Lachen erklingt.
»Ich war monatelang allein. Botho war weg, Enid war weg, und ich habe nachts versucht, nicht an den Schmerz zu denken, den die Trennung verursacht. Ohne Maeron und Sasha hätte ich das nie überstanden.
Die Autorin ließ mich brennen ( das ist keine Metapher), wollte mich eigentlich in einer anderen Geschichte über die Klinge springen lassen, und hat es mir auch jetzt nicht leicht gemacht. Zumindest für mich bevorzugt sie eher die düsteren Situationen. Sie scheint wohl zu denken, ich kann das vertragen. Oder ich habe es verdient. Aber dafür schenkt sie mir auch schöne Szenen, das söhnt mich damit aus.«
Hast du eine Lieblingsstelle im Buch?
Sogar mehrere, die Nacht im Wald, als Lorcan zum ersten Mal den Wolf losließ. Oder unser Ausflug nach Waren, als Lorcan der Dame ein Kompliment machen wollte und ihr sagte, ihr Hund sei wohlgenährt. Ja, inzwischen weiß ich, dass fettes Vieh in der Anderswelt ein Zeichen von Wohlstand ist, aber in dem Augenblick wäre ich am liebsten im Boden versunken.
Aber meine liebste Szene ist die, in der Botho und Enid nach Hause kommen. Acht Monate musste ich ohne sie auskommen – und dann waren sie plötzlich wieder da. Verändert zwar, mit Anhang, aber sie waren wieder da.
Was glaubst du, wie viel Sabine steckt in dem Buch oder dem ein oder anderen Charakter?
Das ist eine interessante Frage für jemanden wie mich. Ich bin beruflich darin geschult, Menschen zu lesen, Muster zu erkennen und Lücken zu bemerken zwischen dem, was jemand sagt, und dem, was jemand meint.
Botho hat ihre Sturheit, glaube ich, diese Art, Probleme anzugehen und hinterher nachzudenken.
Lorcans tiefe Überzeugung, nicht dazugehören zu dürfen, nicht genug zu sein, schreibt man nicht aus dem Nichts. Das kennt man von irgendwo.
Und Enid. Sie ist vielleicht der ehrlichste Teil von ihr. Dieses Kind – diese Göttin, die Wunder wirken und heilen kann. Ich glaube, das ist ein tiefer Wunsch, den Sabine da schreibt.
Und ich? Vielleicht der Teil von Sabine, der will, dass alle sicher nach Hause kommen. Und der lernen muss, dass sicher manchmal anders aussieht, als man es geplant hat.
Wie würdest du deine Autorin beschreiben?
Direkt und ehrlich bis zur Grenze des Unbequemen. Sie schreibt nicht drumherum, sie trifft die Stellen, die wehtun.
Ich mag keine halben Wahrheiten und keine Geschichten, die aufhören, bevor sie schwierig werden. Sabine hört nicht auf, sie schreibt durch die schwierigen Szenen hindurch und schaut, was auf der anderen Seite wartet.
Manchmal hätte ich ihr gerne gesagt: Jetzt reicht es aber.
Als Figur in einem Buch habe ich keine Stimme, sondern muss mich fügen.
Weißt du, wie es zu dem Titel kam? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Lauf des Schreibprozesses verändert? Hattest du vielleicht sogar Mitspracherecht?
Ein kurzes, trockenes Lachen erklingt.
Mitspracherecht? Nein, Figuren haben kein Mitspracherecht. Das habe ich früh gelernt.
Aber »Anderswelt« trifft es, nicht nur als Ortsbezeichnung. Für mich persönlich war das gesamte Jahr eine Anderswelt. Ich war noch derselbe Mensch, aber die Welt um mich herum hatte sich verschoben. Botho und Enid waren fort und ich musste herausfinden, wer ich bin, wenn die fehlen, die mich definieren.
Das ist eine Anderswelt. Nicht unbedingt ein anderer Ort, manchmal nur ein anderer Zustand.
Der Titel trifft es also, und er stand bereits ganz am Anfang fest. Vielleicht hatte ich doch Mitspracherecht, ohne es zu wissen.
Gefällt dir das Cover zu 100% oder hättest du einen anderen Wunsch oder Vorstellungen gehabt?
Ich bin ein praktischer Mensch und beurteile Bücher nicht nach dem Cover.
Aber wenn ich ehrlich bin, hätte ich mir gewünscht, darauf zu sein. Nicht als Hauptfigur, das ist Bothos Geschichte genauso wie Lorcans. Aber irgendwo. Ein Schatten im Hintergrund, jemand, der wartet.
Das wäre ich gewesen.
Was ist dein Lieblingszitat aus dem Buch?
Botho hat einmal zu Enid gesagt: »Du bleibst meine Tochter, unsere Tochter, Göttin hin oder her. Und ich erwarte, dass du mir dennoch gehorchst und dich nicht wie eine verzogene Gottheit benimmst!« Ja, das hat Botho wirklich gesagt.
Und wenn es ein Zitat von mir sein soll: »Du bist nicht mehr allein.«
Fünf Worte, die ich an Lorcan gerichtet habe, in einem Moment, der mich mehr gekostet hat, als es nach außen aussah. Damals entschied ich, dass meine Liebe zu Botho groß genug ist, um einen zweiten Mann zu akzeptieren.
Danke für das Gespräch.
Gern. Und danke, dass du gefragt hast, liebe Claudia. Die meisten fragen Botho, weil er der ist, der in zwei Welten lebt und mit einer Göttin als Tochter aufgewacht ist. Oder Lorcan, weil er das Geheimnis ist, das gelüftet werden will.
Ich bin der, der zu Hause geblieben ist und der gesagt hat: Du bist willkommen. Das klingt unspektakulär. Aber ich glaube, manchmal ist das Mutigste, was man tun kann, einfach die Tür aufzumachen und nicht wegzulaufen, wenn jemand hindurchkommt, mit dem man nicht gerechnet hat.

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