
Buchvorstellung einmal anders
Nach dem Autoreninterview drückt mir Sarah ihren Kindle in die Hand und verlässt einfach das Zimmer. Da mir das schon öfter passiert ist in letzter Zeit, erahne ich, was da kommen wird.
Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das Buch der Autorin „Mord in Rochefort – Helena Mureau ermittelt 1“, um schon ein bisschen hineinzulesen. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Jetzt ist sie weg, dann interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«
Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben der Autorin am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. Doch da kommt die Autorin wieder in den Raum und setzt sich zu uns.
Wollen wir das Interview nun zu dritt machen?
Hallo, danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um mit mir zu reden.Sarah: Solange sich das Buch benimmt …Buch: Keine Versprechen.
Kannst du dich als Buch meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?Buch: Ich hab immer Zeit. Ich liege ja meistens nur rum und warte, dass mich jemand aufschlägt.Sarah: Das stimmt so nicht. Du bist gerade erst erschienen, du liegst noch gar nicht lang genug rum, um dich zu beschweren.
Buch: Ich bin Mord in Rochefort, Helenas erster Fall. In mir stecken Weinberge, Familiengeheimnisse, ein zehn Jahre alter Todesfall und eine Frau, die nicht aufhört, Fragen zu stellen. Selbst wenn es alle anderen lieber hätten, sie würde es lassen. Ach, und Wein kommt auch vor. Nicht zu knapp.In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da du ja auch viel mit der Autorin zusammenarbeiten musst, kannst du uns vielleicht beantworten, ob es ihr leichter fällt sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen? Siehst du es als Autorin genau so?
Habt ihr eine Lieblingsstelle, die ihr uns gerne vorstellen würdet?Buch: Sarah hat am meisten gelitten, als sie die stillen Szenen geschrieben hat. Die, in denen nichts explodiert, aber alles auf dem Spiel steht. Wenn Helena mit jemandem redet und beide wissen, dass einer von ihnen lügt.Sarah: Stimmt. Die lauten Szenen schreiben sich fast von allein. Aber die leisen … die kosten alles.
Weißt du wie viel Sarah tatsächlich in dir oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt? Hast du dazu noch etwas hinzuzufügen oder stimmst du deinem Buch zu?Buch: Es gibt eine Szene im Weinkeller, in der Helena ihren Vater fragt, ob er sich an den Großvater erinnert. Er erzählt, wie der ihm beigebracht hat, einem Fass zuzuhören. Man klopft mit dem Knöchel und horcht. Wenn es hohl klingt, ist noch Platz. Wenn es voll klingt, muss man warten. Und Helena fragt: „Hörst du noch zu, Papa?“ Er sieht zurück zu den Fässern und sagt: „Ich versuche es.“ Das ist meine Lieblingsstelle. Weil da alles drinsteckt.Sarah: Für mich auch. Diese Szene war eine der ersten, die wirklich stand. Sie zeigt, worum es im Kern geht: zwei Menschen, die nicht wissen, wie sie miteinander reden sollen, und ein Weinkeller, der mehr sagt als beide zusammen.
Wie würdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autorin beschreiben?Buch: Mehr, als sie zugeben würde. Helena hat Sarahs Sturheit und ihre Liebe zu Frankreich. Und Cameron hat ihren Humor. Aber den Rest hat sie gut versteckt.Sarah: Sagen wir: Ich habe allen etwas mitgegeben. Aber keine Figur ist ich – sie sind alle ihre eigenen Persönlichkeiten geworden.
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?Helena: Sie trinkt zu viel Kaffee, arbeitet zu spät und hat die Angewohnheit, mitten in der Nacht noch eine Szene umzuschreiben, die eigentlich fertig war. Aber sie hört uns zu. Das ist das Wichtigste.Cameron: streichelt Katze Bourbon. Sie hat mir eine Katze gegeben. Ich beschwere mich nicht.
Seid ihr zu 100% zufrieden mit dem Cover / Outfit oder würdet ihr nachträglich gerne etwas ändern wollen?Sarah: Der Titel hat sich tatsächlich verändert. Der Arbeitstitel war ein ganz anderer. Mord in Rochefort kam über den Verlag, und er war sofort richtig. Manchmal braucht ein Buch eine Weile, bis es seinen Namen findet.Buch: Ich fand mich vorher auch schon gut. Aber der neue Name steht mir besser.
Zum Abschluss würde mich noch euer Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.Sarah: Ja! Das Cover trifft genau die Stimmung, die ich wollte – Frankreich, Atmosphäre, ein Hauch von Gefahr.Buch: Ich sehe umwerfend aus. Nächste Frage.
Obwohl es selbst in Autorenkreisen nicht üblich ist, dass das Buch antwortet, bedanke ich mich bei dem Buch: »Danke für das Gespräch, es hat mir großen Spaß gemacht.«Sarah: „Die besten Weine schlafen wie verzauberte Prinzen, ma petite. Man muss warten, bis die Magie wach wird“Buch: Besser hätte ich es nicht sagen können. Und ich bin ein ganzes Buch.
Buch: Jederzeit. Ich bin ja nicht aus der Welt. Nur aus dem Regal.Dann wende ich mich der Autorin zu. »Danke dir für den sehr interessanten Tag bei dir und das tolle Interview.«
Sarah: Danke dir! Es hat großen Spaß gemacht und das Buch hat sich erstaunlich gut benommen. Wer jetzt neugierig geworden ist: Helena freut sich über Besuch in Rochefort.
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