Mittwoch, 15. April 2026

[Autoreninterview] Malte Schiefer


Autoreninterview
Malte Schiefer

Natürlich möchte ich als Erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Hallo! Ich bin Malte, bin 46 Jahre alt und lebe in Leipzig. Ich bin Selfpublisher und schreibe epische Fantasy mit tiefgehenden Charakteren, düsterer Atmosphäre und ausgefeiltem Worldbuilding. Neben dem Schreiben fotografiere und lese ich gerne.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Puh, eine gute Frage. Ich hatte das Glück, dass, als ich noch ganz klein war, meine ältere Schwester mit mir Schule spielte und mir so das Lesen beibrachte, als ich noch im Kindergarten war. Und als ich dann das Schreiben gelernt hatte, habe ich angefangen, Geschichten zu schreiben. Dann kamen aber erstmal Schule, Studium und Arbeit dazwischen, weswegen ich das literarische Schreiben gegen das wissenschaftliche Schreiben ausgetauscht und dann vor 15 Jahren wieder damit angefangen habe.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
Mein ganzes Schreiben konzentriert sich derzeit auf die Buchreihe „Der Untergang Ijarias“. Hierfür habe ich eine lange Zeit mit dem Worldbuilding und Plotten verbracht. Veröffentlicht habe ich bisher „Der Untergang Ijarias I – Die Schatten erheben sich“ und am 15.04.2026 kommt dann „Der Untergang Ijarias II – Stahl und Asche“.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Ja, so ist es. Gerade geht zwar fast alle Zeit für die Veröffentlichung von Band II drauf, aber ich habe im Hintergrund schon mit Band III angefangen. Tatsächlich ist es so, dass ich von Band III schon circa 250 Seiten geschrieben hatte; er war eigentlich als Band II geplant. Dann aber hat sich gegen meinen Willen ein weiterer Aspekt von Ijarias Untergang aufgedrängt und das so penetrant, dass ich mich erst einmal diesem Aspekt widmen musste. So wurde aus dem ursprünglichen Band II nun Band III und wenngleich ich einiges nochmal neu machen muss, fange ich nicht ganz bei 0 an. Ich denke, er ist dann alles in allem nächstes Jahr um diese Zeit fertig.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Dann fotografiere ich. Ich habe die Schwarzweiß-Fotografie für mich entdeckt und während ich mich beim Schreiben mit fantastischen Welten beschäftige, geht es mir beim Fotografieren wesentlich um abstrakte und minimalistische Architekturfotografie.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Ja, und da fällt die Auswahl einigermaßen schwierig. Wenn es um Fantasy geht, dann ist mein Lieblingsautor seit meiner Kindheit J. R. R. Tolkien. Ich weiß gar nicht, wie oft ich seine zentralen Werke schon gelesen habe. Wenn es nicht um Fantasy geht, dann lese ich sehr gerne Thomas Bernhard; mein Lieblingsautor allerdings wäre Franz Kafka.
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Mein Schreib- und Arbeitsplatz ist einfach ein Schreibtisch, einer, der praktischerweise höhenverstellbar ist, sodass ich auch im Stehen arbeiten kann. Eine spezielle Umgebung brauche ich zum Ideenfinden eigentlich nicht. Manchmal nehme ich auch einen Laptop zur Hand, wenn ich verreise, aber ich nutze sonst auch Notizbücher, Notizblöcke, irgendwelche Zettel, wenn mir etwas einfällt, was sich später eventuell verwerten lässt.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Ein ganz normaler Schreibtag beginnt bei mir morgens mit einer Tasse Kaffee und er kann sich auch bis in die späte Nacht hineinziehen. Wie er genau aussieht, richtet sich dann aber danach, in welcher Phase ich mich befinde; ob ich gerade plotte oder schreibe, überarbeite oder mich mit Marketing und Design beschäftige.
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Fantasy definitiv beim Schreiben und früher auch beim Lesen. Zum Lesen komme ich aber mittlerweile eher selten, weswegen ich da kein festes Genre angeben kann.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
Oh, ich glaube nicht, dass ich da einen zentralen Leitsatz angeben kann. Ich kann sagen, dass ich mich oft frage, warum eine Sache so oder so ist, warum ein Mensch so handelt oder eben anders, und es nicht nur bei einer Bewertung, ob etwas gut oder schlecht ist, stehenlassen will. Und das spiegelt sich auch in meiner Art zu schreiben wider, auch wenn mir dazu kein passendes Zitat einfällt.
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Ich glaube nicht, dazu müsste ich sie alle erstmal richtig kennen.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Ach, das müssen andere beurteilen. Aber wenn ich selbst etwas dazu sage, will ich ehrlich sein: Ich würde natürlich am liebsten sagen, dass ich gut mit Kritik umgehen kann, aber ich glaube, das hängt sehr davon ab, von wem, auf welche Weise und wofür ich kritisiert werde. Es stellt sich ja immer die Frage: Möchte die Person, die mich kritisiert, mir, sich selbst oder uns beiden gerecht werden? Und davon hängt dann sehr ab, wie ich damit umgehen kann.
Warum hast du dich entschieden, Selfpublisher zu werden und nicht zu einem Verlag zu gehen?
Die Entscheidung habe ich anfangs gar nicht selbst getroffen, sondern sie wurde getroffen, und zwar von den Verlagen, die mein Buch nicht haben wollten. Als ich meinen ersten Band fertig hatte, war der Fantasymarkt gerade gesättigt, um nicht zu sagen: übersättigt. Zudem schreibe ich auch nicht so, wie es gerade in die Verlagsinteressen hineinpasst.
Mittlerweile bin ich recht froh, dass ich keinen Verlag habe. Ich höre immer wieder, wie sehr dort in Werke eingegriffen wird, damit sie sich besser verkaufen lassen. Aus Verlagsperspektive kann ich das gut nachvollziehen, aber auch wenn mir klar ist, dass sich an meinen Büchern noch etwas verbessern ließe: Eingriffe in die Handlung oder die Charakterentwicklung will ich nicht. Ob das, was ich mache, aktuell marktkompatibel ist oder den Geschmack von vielen trifft, ist für mich nicht so sehr ein Kriterium.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Da ich ja Fantasy schreibe, bleibe ich mal im Genre Fantasy: Nicht selten wird Fantasy gelesen, um dem Alltag zu entfliehen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber Fantasy kann auch noch etwas anderes, nämlich: bestimmte Aspekte der Welt, der wir entfliehen möchten, in einem anderen Setting neu erfahrbar machen und so helfen, die Welt, der wir da entfliehen wollen, besser zu begreifen. Und mit Dingen, die einen ängstigen, sodass man vor ihnen fliehen will, lässt sich leichter umgehen, wenn man sie besser verstehen lernt.

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