
Buchvorstellung einmal anders
Ich warte seit einer Ewigkeit auf die Autorin Rita Maffini, aber sie kommt nicht. Ich setze mich im Park auf eine Bank und sehe einen Kindle dort liegen. Da ich von Natur aus ein neugieriger Mensch bin, nehme ich ihn zu Hand.
Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das darauf enthaltene Buch. Es ist genau das um das es heute gehen soll. „Emil und der Alkoholiker“ von Rita Maffini. Ich beginne ein wenig darin zu schmökern. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Hast du denn überhaupt keine Fragen? Sie wird nicht kommen. Interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«
Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben der Autorin am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. 😊 Doch da klettert noch jemand aus dem Buch und setzt sich zu uns.
Wer bist du denn? Willst du dich den Besuchern des Blogs vorstellen?
Ich bin Tim, der Hauptprotagonist dieser Geschichte. Ich war ein trauriger, alkoholabhängiger Mann, der seit seinem neunten Lebensjahr nach und nach zu trinken begann. Seit meiner Kindheit trage ich eine Schuld in mir, die ich nie überwinden konnte: den Tod meines Vaters, den ich als Zehnjähriger nicht verhindert habe. Dieses Trauma stürzte mich in den Alkoholismus, der mein Leben über Jahrzehnte geprägt hat. Nun blicke ich zurück auf ein Leben voller Schmerz, verlorener Chancen und falscher Freunde – und frage mich, ob es noch eine Möglichkeit gibt, mich von Schuld und Sucht zu befreien.Herzlich Willkommen, Emil. Wollen wir das Interview nun zu dritt machen?
Oh, hallo! Ich bin Emil, ein Hund, der dem Tod sehr nahe war. Mein früherer Besitzer war ein böser Mensch. Er holte mich aus dem Tierheim, und ich hatte mich so gefreut, wieder eine Familie zu haben. Dieser Mensch hatte einen Sohn, etwa fünf Jahre alt. Der Junge schlug mich und zog ständig an meinem Schwanz. Es tat sehr weh – und er hörte einfach nicht auf. Ich knurrte, doch das beeindruckte ihn nicht. Schließlich schlug er mir auf die Nase. Der Schmerz war unerträglich. Irgendwann biss ich zu. Das Kind schrie. Der Mann kam und trat mich … Ich bekam kein Futter mehr. Später zerrte er mich ins Auto und brachte mich weit weg. Neben einer Mülltonne trat er mich erneut. Er wollte mich töten. Doch dann kam Tim und rettete mich. Jetzt freue ich mich darauf, gemeinsam mit meinem Herrchen ein Interview mit dir zu führen.Hallo, danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, mit mir zu reden.
Wir freuen uns auch.Emil haben wir schon kennengelernt. Kannst du dich als Buch meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?Ich bin ein Roman, der die psychologischen Abgründe eines Mannes eindringlich beleuchtet – eines Mannes, der fast alles verloren hat und dennoch nach einem Funken Hoffnung sucht. Schonungslos, bewegend und nah am echten Leben erzähle ich von Schuld, Verdrängung und dem langsamen Zerfall einer Seele.Meine zentralen Themen sind:• Schuld und Verdrängung• Alkoholismus als zerstörerischer Kreislauf• Einsamkeit und der tiefe Wunsch nach Zugehörigkeit•Liebe für ein Tier• Die leise Hoffnung auf einen Neubeginn
Rita hat den Titel ausgesucht. Wir finden, dass er perfekt zur Geschichte passt.Seid ihr zu 100% zufrieden mit dem Cover / Outfit oder würdet ihr nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Mit dem Cover sind wir sehr zufrieden.Zum Abschluss würde mich noch euer Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Die anderen zwei Patienten, ein älteres Ehepaar, erregen Tims Aufmerksamkeit. Die Frau sitzt im Rollstuhl und knetet mit den Fingern eine schwarze Handtasche auf ihrem Schoß. Sie weint still. Der Mann streichelt ihre Wangen und spricht leise mit ihr. Tim kann die Worte nicht verstehen, der zärtliche Ton entgeht ihm jedoch nicht. Eine Weile betrachtet er die beiden und schätzt ihr Alter auf über achtzig. Wie gebannt verfolgt Tim, wie liebevoll der Mann das faltige Gesicht der Frau liebkost. Er schließt die Augen und sieht sich wieder als Kind. Auf einmal spürt er die Hand seiner Mutter, die sich zärtlich auf seine Stirn legt, und hört, wie sie ihm mit einfühlsamer Stimme Nettigkeiten zuflüstert. Es ist schon so lange her! Vergeblich versucht er, diese Erinnerung festzuhalten.Die Leute, die an mir vorbeigehen, sehen mich schon komisch an, deshalb höre ich auf zu reden und lächle den Personen einfach zu. Aber ich lasse es mir nicht nehmen, noch einmal kurz dem Buch und Emil »Danke, für eure Geduld und Antworten« zuzuflüstern.
Dann vertiefe ich mich wieder in das Buch.
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