Freitag, 13. März 2026

[Autoreninterview] Barbara Drucker


Autoreninterview
Barbara Drucker

Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Ich bin Barbara Drucker, in Wien geboren, aufgewachsen und hängengeblieben. Ich liebe meine Stadt und lasse auch die eine oder andere Geschichte hier spielen. Die findet ihr unter meinem Pseudonym B.D. Winter, unter dem ich Gay Romantic Suspense und Romane im White-Collar-Milieu veröffentliche. „Der Zorn der Schlange“ publiziere ich aber wie alle meine historischen Romane unter meinem Klarnamen. Ich bin promovierte Literaturwissenschaftlerin und schon von daher sehr tief in die Epoche eingearbeitet, doch mittlerweile ist mir das wissenschaftliche Korsett viel zu eng und ich arbeite neben dem fiktionalen Schreiben als Schreibcoach und Storytelling-Trainerin.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ursprünglich habe ich begonnen, weil mir der Lesestoff ausgegangen ist. Es gab da diesen besonderen Moment, wo ich kein Buch nach meinem Geschmack finden konnte, also habe ich mir selbst eines geschrieben. Diese Geschichte liegt unveröffentlicht in meiner Schublade – ich müsste sie radikal überarbeiten, um sie veröffentlichungsreif zu machen.
Als ich bereits populärwissenschaftlich publizierte, hat mich ein Fanfiction-Verlag um eine Geschichte für eine Anthologie gebeten. Ich kann mich noch sehr genau an meine fieberhaften Überlegungen erinnern. Ich brauchte nämlich eine Viertelstunde, um zuzusagen. In der erste Minute wusste ich, dass ich es machen will, in den restlichen vierzehn überzeugte ich mich selbst, dass ich meinen wissenschaftlichen Ruf damit nicht ruiniere. Diese Frage stellt sich zum Glück heute nicht mehr.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
Da sind einmal die ersten beiden Bände der historischen Reihe: „Das Gift der Schlange“ und „Der Schwur der Schlange“. In diesen Mantel-und-Degen-Abenteuern bewegt sich ein Meisterspion im späten 18. Jahrhundert zwischen dem Hof und einem mächtigen Geheimbund, die Bücher sind entsprechend mit jeder Menge Action, Intrigen und historischem Flair gespickt. Unter meinem Pseudonym B.D. Winter habe ich „Tanz der Ikonen“ und „Poker mit Hai“ veröffentlicht. Beide sind Gay Romantic Suspense und spielen in Wien, wo ein gewiefter Unterhändler die russische Mafia austrickst.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Ich bin bei den Vorarbeiten zu einem sehr bekannten Opern-Stoff, den ich aus einer anderen Perspektive erzähle. Mehr möchte ich dazu noch nicht verraten, weil ich fast täglich neue Aspekte und Facetten entdecke. Diesmal wird eine Frau im Mittelpunkt stehen und sie soll genauso charismatisch werden wie der Marchese.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Meine Hobbys sind ziemlich unspektakulär. Ich lese Romane, schaue Netflix oder gehe ins Kino, in Konzerte und Musicals. Ich liebe Kunst und besuche sehr gerne Museen, verbringe viel Zeit mit Persönlichkeitsentwicklung und bin ein richtiger Ausbildungsjunkie.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Ich schätze Elizabeth George für ihre ausgefeilten Charaktere und Dan Brown für die großen Themen, die er in spannende Romane verpackt. Die „Eddie-Flynn“-Reihe von Steve Cavanagh, die „Achtsam Morden“-Reihe von Karsten Dusse und Thorsten Schleifs Bücher um den Richter Siggi Buckmann bestelle ich regelmäßig vor, um gleich beim Erscheinen zu lesen. Und letztes Jahr habe ich Gaeta Schoeters für mich entdeckt. Dann ist da natürlich noch Schiller, ihn liebe und bewundere ich, ihn könnte ich auch wieder einmal lesen.
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Am liebsten schreibe ich zu Hause an meinem Schreibtisch. Ohne Tisch geht für mich gar nichts, auch wenn ich unterwegs bin, richte ich mir immer einen Schreibtisch ein. Das ist ein Grund, warum ich am liebsten in Apartments mit Blick aufs Meer Urlaub mache. Ich brauche Ruhe beim Schreiben, im Zug oder im Kaffeehaus bin ich schrecklich unproduktiv. Ich bin auch kein Co-Working-Space-Typ.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Idealerweise beginne ich den Tag mit Morgenseiten, dann checke ich die E-Mails und kümmere mich um mein Business. Ich verbringe viel Zeit am Schreibtisch, mit meinen eigenen Romanen, mit Strategiearbeit, Contenterstellung, Weiterbildung oder Coachen via Zoom. Und obwohl ich mir immer wieder vornehme, zu vernünftigen Zeiten ins Bett zu gehen, arbeite ich gerne bis spät in die Nacht hinein, vor allem bei kreativen Tätigkeiten.
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Wenn Geheimbund oder Anwalt draufsteht, bin ich sofort dabei. Obwohl ich Anwaltsromane liebe, traue ich mich aber nicht selbst drüber. Über das amerikanische Rechtssystem weiß ich nämlich zu wenig und das österreichische erscheint mir ziemlich trocken. Anders ist es mit historischen Romanen, da fuchse ich mich gerne hinein. Sie müssen aber unbedingt spannend geschrieben sein, mit Histo-Romance oder verkappten Lexikonartikeln fange ich wenig an. Und immer wieder gerne lese ich große Mythen aus anderen Perspektiven erzählt.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ (Friedrich Schiller) Ohne Kunst und Kreativität wären wir doch nur geistlose Wesen, erst sie machen uns zu Menschen. Bei eigenen Zitaten muss ich passen. Sie spiegeln mehr meine Werte und Figuren wider, aber weniger meine Arbeit.
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Eindeutig Italien. Ich liebe die Kunst, die Kultur, die Farben, die Sonne und das Meer, das Essen und die Mode. Die Sprache, den Lebensstil, ich könnte noch stundenlang weiterschwärmen. Italien ist ein Land mit Stil. Der Sinn für Schönheit und Eleganz ist Teil der italienischen DNA, und Italiener verstehen es, das Leben zu genießen. Einerseits sind sie quirlig und andererseits ist alles langsamer als bei uns. Der italienische Lebensstil täte uns allen gut.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Negative Kritik ist wohl für jeden schwierig, und der erste Impuls ist auch bei mir Abschmettern oder Rechtfertigung. Mein Testleser kann da ein Lied davon singen. Doch nach dem ersten Mauern denke ich die Kritik nochmals durch. Eine Schauspielerin gab mir einmal folgenden Tipp: Die meisten Menschen meinen mit ihrer Kritik gar nicht dich, sondern sind unzufrieden mit sich selbst. Frage dich bei Kritik also immer: Wer kritisiert? Warum kritisiert er? Nützt dir die Kritik? Dieser Rat half mir enorm. Wenn Kritik mir nützt, nehme ich sie mir zu Herzen, denn nur so kann ich mich weiterentwickeln.
Warum hast du dich entschieden Selfpublisher zu werden und nicht zu einem Verlag zu gehen?
Für „Das Gift der Schlange“ hatte ich ganze 14 Verlage angeschrieben. Heute weiß ich, dass das so gut wie nichts ist. Man sagte mir, es müsste im Mittelalter spielen und eine weibliche Heldin haben, ich wollte aber nun mal den Marchese und das 18. Jahrhundert. Diese Entscheidung war rückblickend gesehen absolut richtig, sonst wäre ich beim Histokitsch gelandet.
Das Selfpublishing bietet mir viele Vorteile, so die freie Stoffwahl und die Mitsprache bei Cover und Buchsatz. Für renommierte Verlage bin ich aber dennoch offen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Denn sie haben vor allem die Pressekontakte und die Verbindung zum stationären Buchhandel.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Wenn du es liebst, tu es, egal, wie lange du dafür brauchst oder wie oft dir das Leben dabei in die Quere kommt. „Der Zorn der Schlange“ wäre nie erschienen, wenn ich mich von durchaus schweren Krisen aus der Bahn hätte werfen lassen. Bleib dir selbst treu und nimm dir genügend Zeit, um Qualität abzuliefern. Wachstum ist kein Schneller-Höher-Weiter, sondern geht in die Tiefe.

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