
Erstaunt stellte ich fest, dass aus dem
Mädchen, das mein Vater damals durch den frühen Besuch der Menschenwelt
verunsichert hatte, eine selbstbewusste, junge Frau geworden war.
»Du weißt, warum ich hier bin«,
fuhr ich fort, als sie sich zurücklehnte und mich erwartungsvoll ansah.
Sie nickte und hielt meinem Blick
stand, während sie mit einem gedehnten »Ja ... schon« antwortete.
»Wie stehst du zu dem Wunsch des
Rates?«
»Ich stelle ihn nicht infrage. Im
Gegenteil – es wäre mir eine Ehre, den Platz an deiner Seite einzunehmen.« Ein
Lächeln huschte über ihre Züge und auf ihren Wangen zeigte sich eine leichte
Röte.
Mit diesen Worten brachte sie mich
aus der Fassung. Sie nahm die Bitte des Rates einfach hin? Ich hatte mit einer
überforderten, verunsicherten Reaktion des Jungengels gerechnet. Nicht mit
einer solchen aufopferungsvollen Bereitschaft zur Hingabe.
Sie
musterte mich neugierig. »Ich weiß, dass es etwas gibt, dass dich belastet. Und
von hier fernhält. Sonst wärst du sicher längst mit Lamina vermählt. Sie ist
ein reifer, wunderschöner Engel und offenbar habt ihr euch auch nahegestanden.
Aber dieses Thema ist vorbei und nun sollen wir beide ein neues, starkes Paar
bilden.« Sie sah mich eindringlich an, bevor sie weitersprach. »Es wäre schön,
wenn du das – was auch immer zwischen dir und unserer Heimat steht – klären
könntest und mit mir diesen Bund eingehen würdest. In neun Monaten werde ich
die nötige Reife erreicht haben, um diesen Schritt zu gehen.« Sie senkte den
Blick, bevor sie weitersprach, während ich wie vom Donner gerührt dasaß und sie
anstarrte. »Wir sollten uns in der Zwischenzeit besser kennenlernen. Dann fällt
dir dieser Schritt womöglich etwas leichter.«
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