
Luca stand locker neben dem Billardtisch, das Gewicht auf ein
Bein verlagert, eine Hand in der Hosentasche, während er sich leicht zu Basti
drehte. Basti hielt bereits einen Queue in der Hand und drehte ihn zwischen den
Fingern, während sie auf Nerio warteten und dabei ins Gespräch vertieft waren.
Luca neigte den Kopf leicht zur Seite, um Basti besser zuhören zu können.
Das warme Licht des Clubs ließ seine markanten Gesichtszüge
noch intensiver wirken. Eine einzelne dunkelbraune Strähne löste sich aus
seinem akkurat gestylten Haar, fiel ihm über die dunklen Augen, als er den Kopf
ein Stück weiter senkte. Das eine Ohr Basti zugewandt, die Lippen leicht
geöffnet, als würde er sich das Gesagte noch einmal durch den Kopf gehen
lassen.
Dann – dieses kurze, kaum merkliche Zucken seiner Mundwinkel,
das sich in ein echtes, offenes Grinsen verwandelte. Und dann lachte er. Tief,
warm, echt. Ein Lachen, das durch den Lärm des Clubs drang. Ohne Eile strich er
sich mit einer fast beiläufigen Bewegung die Strähne aus dem Gesicht.
Seine dunklen Wimpern senkten sich für einen Moment, als
würde er etwas Unergründliches in Gedanken nachspüren. Langsam, fast
provozierend, hob er den Blick wieder. Erst ein kaum merkliches Zucken seiner
Lider, dann ein geschmeidiger, kontrollierter Augenaufschlag, der sich wie in
Zeitlupe entfaltete.
Sein Blick glitt nach oben, tief und direkt, und etwas in
Nerio geriet ins Wanken. Für einen Moment vergaß er zu atmen, die Welt schien
stillzustehen. Die Musik, das Stimmengewirr, selbst Basti – alles rückte in den
Hintergrund. Nur dieser Blick existierte. Direkt auf Nerio gerichtet, mit einer
Intensität, die ihn unvermittelt aus dem Konzept brachte. Es fühlte sich an,
als wäre er gemeint, als gehöre dieser Moment nur ihm. Hitze stieg ihm ins
Gesicht. Seine Finger umklammerten das Glas fester.
Hoffentlich bemerkt er es nicht! Die Stimme in seinem Kopf kam so
plötzlich, dass er unwillkürlich blinzelte. Sie klang fremd, fast so, als würde
sie nicht zu ihm gehören. Nerio war nicht der Typ, der bei so etwas nervös
wurde. Er war locker, selbstsicher, cool. Immer! Doch jetzt? Seine Gedanken
stolperten über sich selbst, sein Körper fühlte sich ungewohnt schwer an und
sein Gesicht zu heiß. Er kannte das nicht. Das war nicht er. Hastig hob er das
Glas, als hätte er es genau in diesem Moment geplant.
„Wir wollten doch anstoßen?“, rief er. Seine Stimme einen
Hauch zu hoch, ein kaum merkliches Zittern darin. Basti drehte sich grinsend zu
ihm um, schnappte sich zwei Gläser und reichte eines Luca.
„Auf unser Wiedersehen! Und darauf, dass wir uns nie wieder
so lange aus den Augen verlieren!“
Die Gläser klirrten. Nerio nahm einen tiefen Schluck. Der
Alkohol brannte wohltuend in seiner Kehle, zog wie eine warme Schicht über
seine aufgewühlten Gedanken. Blödsinn. Es war doch nur ein Blick.
Der Raum war von der Musik und den Gesprächen der anderen
erfüllt, doch Nerio war voll und ganz auf das Billardspiel konzentriert. Der
Queue in seinen Händen fühlte sich vertraut an, als er sich über den Tisch
beugte, um einen präzisen Stoß zu machen. Die Kugel rollte ruhig in Richtung
des Lochs. Zufrieden mit sich richtete er sich wieder auf und erwischte Luca,
wie er ihn genau beobachtete. Für einen Moment blieb er wie erstarrt. Luca, mit
seinem schüchternen Lächeln, das Nerio heute auf unerklärliche Weise ablenkte.
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