Sonntag, 1. März 2026

[Schnipseltime] Nebelflucht - Zwischen den Welten von Angela Bettina Schreiber


 

Luca stand locker neben dem Billardtisch, das Gewicht auf ein Bein verlagert, eine Hand in der Hosentasche, während er sich leicht zu Basti drehte. Basti hielt bereits einen Queue in der Hand und drehte ihn zwischen den Fingern, während sie auf Nerio warteten und dabei ins Gespräch vertieft waren. Luca neigte den Kopf leicht zur Seite, um Basti besser zuhören zu können.

Das warme Licht des Clubs ließ seine markanten Gesichtszüge noch intensiver wirken. Eine einzelne dunkelbraune Strähne löste sich aus seinem akkurat gestylten Haar, fiel ihm über die dunklen Augen, als er den Kopf ein Stück weiter senkte. Das eine Ohr Basti zugewandt, die Lippen leicht geöffnet, als würde er sich das Gesagte noch einmal durch den Kopf gehen lassen.

Dann – dieses kurze, kaum merkliche Zucken seiner Mundwinkel, das sich in ein echtes, offenes Grinsen verwandelte. Und dann lachte er. Tief, warm, echt. Ein Lachen, das durch den Lärm des Clubs drang. Ohne Eile strich er sich mit einer fast beiläufigen Bewegung die Strähne aus dem Gesicht.

Seine dunklen Wimpern senkten sich für einen Moment, als würde er etwas Unergründliches in Gedanken nachspüren. Langsam, fast provozierend, hob er den Blick wieder. Erst ein kaum merkliches Zucken seiner Lider, dann ein geschmeidiger, kontrollierter Augenaufschlag, der sich wie in Zeitlupe entfaltete.

Sein Blick glitt nach oben, tief und direkt, und etwas in Nerio geriet ins Wanken. Für einen Moment vergaß er zu atmen, die Welt schien stillzustehen. Die Musik, das Stimmengewirr, selbst Basti – alles rückte in den Hintergrund. Nur dieser Blick existierte. Direkt auf Nerio gerichtet, mit einer Intensität, die ihn unvermittelt aus dem Konzept brachte. Es fühlte sich an, als wäre er gemeint, als gehöre dieser Moment nur ihm. Hitze stieg ihm ins Gesicht. Seine Finger umklammerten das Glas fester.

Hoffentlich bemerkt er es nicht! Die Stimme in seinem Kopf kam so plötzlich, dass er unwillkürlich blinzelte. Sie klang fremd, fast so, als würde sie nicht zu ihm gehören. Nerio war nicht der Typ, der bei so etwas nervös wurde. Er war locker, selbstsicher, cool. Immer! Doch jetzt? Seine Gedanken stolperten über sich selbst, sein Körper fühlte sich ungewohnt schwer an und sein Gesicht zu heiß. Er kannte das nicht. Das war nicht er. Hastig hob er das Glas, als hätte er es genau in diesem Moment geplant.

„Wir wollten doch anstoßen?“, rief er. Seine Stimme einen Hauch zu hoch, ein kaum merkliches Zittern darin. Basti drehte sich grinsend zu ihm um, schnappte sich zwei Gläser und reichte eines Luca.

„Auf unser Wiedersehen! Und darauf, dass wir uns nie wieder so lange aus den Augen verlieren!“

Die Gläser klirrten. Nerio nahm einen tiefen Schluck. Der Alkohol brannte wohltuend in seiner Kehle, zog wie eine warme Schicht über seine aufgewühlten Gedanken. Blödsinn. Es war doch nur ein Blick.

Der Raum war von der Musik und den Gesprächen der anderen erfüllt, doch Nerio war voll und ganz auf das Billardspiel konzentriert. Der Queue in seinen Händen fühlte sich vertraut an, als er sich über den Tisch beugte, um einen präzisen Stoß zu machen. Die Kugel rollte ruhig in Richtung des Lochs. Zufrieden mit sich richtete er sich wieder auf und erwischte Luca, wie er ihn genau beobachtete. Für einen Moment blieb er wie erstarrt. Luca, mit seinem schüchternen Lächeln, das Nerio heute auf unerklärliche Weise ablenkte.

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