Freitag, 16. Januar 2026

[Schnipseltime] Nur ein Blick von Kerstin Imrek


 

Endlich war Lagerfeld zufrieden, beendete seine Visite und wandte sich zum Gehen. Sam atmete erleichtert auf und wollte sich ihm mit gesenktem Kopf anschließen, doch er konnte nicht. Nicht, ohne den Mann zumindest noch einmal kurz anzusehen. Um sich zu vergewissern, dass seine seltsame Reaktion nur ein blöder Zufall gewesen war.
Der Mann schien nur auf den Moment gewartet zu haben. Seine sanften Augen tauchten in die von Sam – drangen bis tief hinab in seine Seele. Schutzlos lag sie vor ihm und versuchte nicht einmal, etwas vor ihm zu verbergen. Wollte sogar, dass er ein Teil von ihr wurde ...
Sam keuchte, stolperte einen Schritt zurück und nutzte den Schwung, um herumzuwirbeln und hinter Lagerfeld aus dem Konferenzraum zu hasten. Seine Beine zitterten und sein Herz trommelte noch immer gegen seine Brust. Ein Schweißfilm lag ihm auf der Stirn.

»Alles in Ordnung?«, fragte Lagerfeld, den Sam auf seiner panischen Flucht beinahe mit sich riss. Er hatte weniger Angst um seinen Untergebenen, sondern um seinen weißen, akkurat gebügelten Anzug, in den Sam im Reflex seine Finger gegraben hatte. Lagerfeld schüttelte sie wie ein lästiges Insekt ab. »Ich muss gleich weiter«, informierte er und entfernte sich mit weit ausgreifenden Schritten. Damit Sam nicht auf die Idee kam, ihn begleiten zu wollen.
Dabei hatte der ganz andere Dinge im Kopf. Dinge, von denen Lagerfeld besser nie erfuhr. Und auch sonst niemand. Vor allem nicht dieser Mann mit seinen hypnotischen Augen.

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