
Endlich war Lagerfeld zufrieden, beendete seine Visite und
wandte sich zum Gehen. Sam atmete erleichtert auf und wollte sich ihm mit
gesenktem Kopf anschließen, doch er konnte nicht. Nicht, ohne den Mann
zumindest noch einmal kurz anzusehen. Um sich zu vergewissern, dass seine
seltsame Reaktion nur ein blöder Zufall gewesen war.
Der Mann schien nur auf den Moment gewartet zu haben. Seine sanften Augen
tauchten in die von Sam – drangen bis tief hinab in seine Seele. Schutzlos lag
sie vor ihm und versuchte nicht einmal, etwas vor ihm zu verbergen. Wollte
sogar, dass er ein Teil von ihr wurde ...
Sam keuchte, stolperte einen Schritt zurück und nutzte den Schwung, um
herumzuwirbeln und hinter Lagerfeld aus dem Konferenzraum zu hasten. Seine
Beine zitterten und sein Herz trommelte noch immer gegen seine Brust. Ein
Schweißfilm lag ihm auf der Stirn.
»Alles in Ordnung?«, fragte Lagerfeld, den Sam auf seiner
panischen Flucht beinahe mit sich riss. Er hatte weniger Angst um seinen
Untergebenen, sondern um seinen weißen, akkurat gebügelten Anzug, in den Sam im
Reflex seine Finger gegraben hatte. Lagerfeld schüttelte sie wie ein lästiges
Insekt ab. »Ich muss gleich weiter«, informierte er und entfernte sich mit weit
ausgreifenden Schritten. Damit Sam nicht auf die Idee kam, ihn begleiten zu
wollen.
Dabei hatte der ganz andere Dinge im Kopf. Dinge, von denen Lagerfeld besser
nie erfuhr. Und auch sonst niemand. Vor allem nicht dieser Mann mit seinen
hypnotischen Augen.
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