
Immer schön den Fokus auf dem Job haltend, kratzte ich
meinen blanken Oberkörper unter dem Harness. Die Lederhose begann inzwischen
unangenehm zu kleben, die Hitze in dem Laden wurde fast unerträglich, ließ mir
den Schweiß in Strömen vom Körper laufen. So schnell ich die Brühe verlor
konnte ich kaum Flüssigkeit in mich schütten.
Doch die Typen, auf die der Captain mich angesetzt hatte,
tauchten nicht auf. Eine kleine kurzfristige Planänderung aus uns unbekannten
Gründen? Oder hatten sie Wind davon bekommen, dass wir sie beobachteten? Wie
auch immer, nach mehr als zwei Stunden über dem geplanten Übergabetermin wandte
ich mich ab, suchte mir eine halbwegs ruhige Ecke, und betätigte den winzigen
Sprechfunk, der als Niete meines Harness getarnt war. „Hernandez hier, ich
breche ab. Keine Spur von den Typen. Schönen Feierabend, Leute.“
„Taylor hier“, meldete sich die junge Policewoman laut und
deutlich über den Knopf, den ich dafür kurz ans Ohr steckte. „Bestätige:
Abbruch.“ Die nächsten Worte waren fast nur ein lüsternes Hauchen, damit die
übrigen Kollegen bei ihr nicht mithören konnten. „Lass es ordentlich krachen,
Thiago.“
Nicht immer von Vorteil, wenn Kollegen um die eigenen
Vorlieben wussten, doch bei Gianna wusste ich, dass sie meine Neigung und die
daraus resultierende längere Anwesenheit im Club für sich behielt. Und
verdammt, ich war durch die aufgeheizte Stimmung rattig ohne Ende. Es war
schwer die Typen, die mich über den gesamten Abend anbaggern wollten, auf
Abstand zu halten. Den ‚Verpiss dich!‘-Blick hatte ich, nicht zuletzt dank
meiner eisgrauen Augen und massiven Statur, zur Perfektion entwickelt. Der
genügte, um ungebetene Vögel zum Umdrehen zu bewegen. Bevor sie mich
anquatschten!
Nachdem ich das kleine Gerät aus dem Harness gefummelt
hatte, deaktivierte und mit dem anderen in der Hosentasche verschwinden ließ,
suchte ich die Waschräume auf. Am Pissoir hielt ich mir die Kerle mühelos mit
der antrainierten Unnahbarkeit vom Hals. Nach dem Händewaschen ließ ich mir
Wasser über die Arme laufen, klatschte mir mehrere Handvoll davon ins Gesicht
und über den Oberkörper, um mir den gröbsten Schweiß abzuwaschen. So erfrischt
machte ich mich auf den Weg zur Tanzfläche, klopfte auf dem Weg dorthin meine
Hosentaschen ab, ob ich noch alles an mir trug. Handy, Gummis, Gleitgel –
perfekt.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Mit dem Abschicken des Kommentars bin ich mit den Datenschutzrichtlinien des Blogs einverstanden.