
Buchvorstellung einmal anders
Nach dem Autoreninterview drückt mir Felix seinen Kindle in die Hand und verlässt einfach das Zimmer. Da mir das schon öfter passiert ist in letzter Zeit, erahne ich, was da kommen wird.
Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das Buch des Autors „Zweipfennings geisterhafte Detektei – Erster Fall“, um schon ein bisschen hineinzulesen. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Jetzt ist er weg, dann interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«
Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben dem Autor am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. Doch da klettert jemand aus dem Buch und setzt sich zu uns.
Wer bist du denn? Willst du dich den Besuchern des Blogs vorstellen?
Rufus: Blog? Was für ein Blog? Ich war eigentlich auf der Suche nach einem Geist, der hier irgendwo sein müsste. Lange Tentakel, gefräßiges Maul, leerer Blick. Ich bin dem schon seit ein paar Tagen auf den Fersen. Hast du ihn zufällig gesehen? Nicht? Das ist dann wohl ein Problem. Aber gut, wenn ich sowieso schon hier bin, kann ich auch kurz durchschnaufen. Ich heiße Rufus Zweipfennig.Herzlich Willkommen, Rufus. Wollen wir das Interview nun zu dritt machen?
Rufus: Zu dritt? Ist der Geist etwa doch hier? Ach so, es geht um das Buch. Wie langweilig.Hallo, danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um mit mir zu reden.
Rufus haben wir schon kennengelernt. Kannst du dich als Buch meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?Rufus: Hatte ich denn eine Wahl? Ich bin hier ja nur zufällig reingestolpert.Buch: Sei still, Rufus. Jetzt reden die Erwachsenen.
In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da ihr ja auch viel mit dem Autor zusammenarbeiten müsst, könnt ihr uns vielleicht beantworten, ob es ihm leichter fällt sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen? Siehst du es als Protagonist genau so?Buch: Ich bin voll mit verschrobenen Charakteren, viel Humor, seltsamen Geistern und offenbar einer recht packenden Kriminalgeschichte. Da gibt es ein paar Wendungen, aber ich möchte nicht zu viel verraten: Nur so viel: Rufus wird im Verlauf der Geschichte ordentlich in die Mangel genommen. Aber er sitzt ja noch hier, also kann es gar nicht so schlimm gewesen sein.Rufus: Das sagst du. Du musstest dich ja nicht in einen Kofferraum sperren lassen.Buch: Jetzt fängt er wieder damit an …
Habt ihr eine Lieblingsstelle, die ihr uns gerne vorstellen würdet?Buch: Dieser Felix Bartsch macht seine Sache schon gut. Ich bin zufrieden mit ihm als meinem Schöpfer.Rufus: Bleib mir bitte weg mit dem. Dem habe ich den ganzen Irrsinn doch zu verdanken.
Rufus: Ich mag die Stelle, an der es endlich vorbei ist und ich wieder meine wohlverdiente Ruhe habe. Eine Tüte Gummibärchen, eine leckere Limo und einfach mal die Füße hochlegen. Dann muss ich mich auch nicht mit diesem Hexenzirkel herumschlagen.Wisst ihr wie viel Felix tatsächlich in dir oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt? Hast du dazu noch etwas hinzuzufügen oder stimmst du deinem Buch zu?
Wie würdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller den Autor beschreiben?Rufus: In mir steckt niemand, denn noch bin ich nicht völlig geisteskrank geworden. Das kann wirklich passieren, wenn man zu viel Zeit mit Geistern verbringt. Berufsrisiko, quasi. Dann setzen sie sich im Körper fest und brechen immer mal wieder hervor, um die Kontrolle zu übernehmen. Aber noch ist das nicht passiert, hier ist kein Felix drin.Buch: So meinte sie das doch nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass viel von ihm in mir steckt. Immerhin spiele ich in Koblenz und damit in seiner direkten Lebenswelt. Und auch der Humor kommt ja nicht von ungefähr.
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du als Buch oder du als Hauptcharakter viel Mitspracherecht?Rufus: Dem ist nicht zu trauen. Der lässt sich immer jede Menge Quatsch einfallen, die mir das Leben schwer macht.Buch: Aber ohne ihn, würde es uns alle nicht geben.Rufus: Das ist … faszinierend. Wenn man bedenkt … mit dem richtigen Blickwinkel … mal R zum Quadrat … Also ist er eine Art Gott? Mit Göttern kenne ich mich aus, die regieren die zwölf Sektionen der Nebenwelt. Und wenn er wirklich ein Gott ist, sollte er sich bitte auch da aufhalten und uns nicht das Leben schwer machen.Buch: Am Ende geht es doch gut aus. Was hast du denn?Rufus: Du hast ja leicht reden. Du läufst ja nicht mitten in der Nacht nur in Unterwäsche durch die Koblenzer Innenstadt, weil dich ein verrückter Frosthexer angegriffen hat.Buch: Also ich finde, du übertreibst. Dieser Felix scheint ein echt netter und unterhaltsamer Kerl zu sein.Rufus: Pfff …
Seid ihr zu 100% zufrieden mit dem Cover / Outfit oder würdet ihr nachträglich gerne etwas ändern wollen?Buch: Der Titel sucht das Buch aus, nicht umgekehrt. Und ich bin sehr zufrieden.Rufus: Das Buch heißt nach meiner Detektei. Die Werbung kann ich echt gebrauchen. Im Moment werde ich noch wahnsinnig davon, dass mich das Telefon andauernd anschweigt.
Buch: Ich sehe fantastisch aus. Was sollte man daran ändern?Zum Abschluss würde mich noch jeweils euer Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Rufus: An einer Stelle darf ich „Heureka“ sagen. Damit ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen.Nun betritt der Autor wieder das Zimmer und blickt mich ungläubig an. Scheinbar ist es selbst in Autorenkreisen nicht üblich, dass das Buch und sein Protagonist antworten. Leise flüstere ich den beiden noch zu: »Danke für das Gespräch, es hat mir großen Spaß gemacht.«
Dann wende ich mich dem Autor zu. »Alle meine Fragen sind beantwortet, ich danke dir für den sehr interessanten Tag bei dir.«
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Mit dem Abschicken des Kommentars bin ich mit den Datenschutzrichtlinien des Blogs einverstanden.