
„Was
hast du da eigentlich in dieser Tüte mitgebracht?“
Er
lacht, da ist es wieder, sein Emre-Lachen. Warm, ein bisschen spöttisch, ein
wenig verlegen. „Ich habe mich gefragt, wie lange es dauert, bis du dich danach
erkundigst.“
„Haha“,
gebe ich zurück. „Also?“
„Baklava.
Selbst gemacht für den Laden.“
Ich
blinzle ihn irritiert an. „Du hast … Baklava gemacht?“
„Tu
nicht so überrascht. Natürlich. Ich bin Türke, wir haben Honig, Pistaziencreme
und Zuckersirup im Blut.“
Mein
Lachen erfüllt den Raum. „Na dann los, bring diese Zuckerbomben mal her, du
Profi-Bäcker.“
Er
steht auf, richtet sich kurz, dann geht er zum Tisch und holt die kleine
Papiertüte. Mit einem Seufzen lässt er sich neben mir in die Kissen fallen, als
hätte dieser Tag mehr Gewicht gehabt, als er zugeben will.
Langsam
öffnet er die Tüte und fördert ein Teigteilchen zutage, das so glänzend ist,
dass es eigentlich ein eigenes Warnschild bräuchte. Der Sirup schimmert im
Licht, und während er es vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger hält,
tropft beinahe eine Spur goldener Feuchtigkeit auf seinen nackten Oberkörper.
Meine
Gedanken beginnen zu rasen und ich hoffe inständig, dass ein wenig Zuckersirup
auf seinen Pecs landet, nur damit ich einen vollkommen legitimen Grund hätte,
ihn mit der Zunge sauber zu machen.
Rein
kulinarisch betrachtet. Hygiene und so.
Ich
reiße meinen Blick los, bevor meine Fantasie noch eine zweite Staffel
produziert, und räuspere mich übertrieben laut. Er merkt es. Natürlich merkt er
es. Sein Mundwinkel hebt sich langsam, ein winziges Lächeln, das verrät, dass
er sehr genau weiß, wohin meine Gedanken gerade galoppiert sind.
„Willst
du probieren?“, fragt er mit einer Stimme, die pure Erotik ausstrahlt und meine
Knie zittern lässt.
Ich
lehne mich näher, schon halb eingelullt von diesem Duft aus Honig, Butter und
etwas, das eindeutig verboten gut ist. Dann hauche ich in meiner
verführerischsten Stimme: „Wenn ich morgen im Zuckerkoma liege, ist das deine
Schuld.“
Er
grinst. „Damit kann ich leben.“
Ich
öffne den Mund, strecke die Zunge leicht heraus, langsam, sinnlich, und sein
Blick bleibt genau dort hängen. Für einen Moment bewegt er sich nicht. Als
hätte ich ihn mit einer einzigen Geste aus dem Konzept gebracht.
Dann
kommt er mit dem Baklava-Teilchen näher, bringt es aber nicht sofort an meine
Lippen. Er lässt es knapp davor schweben, als wolle er testen, wie weit ich
bereit bin zu gehen. Meine Atmung wird tiefer. Seine auch. Das süße Aroma des
Honigs verbindet sich mit dem Duft seiner warmen Haut.
„So?“,
flüstere ich, meine Stimme kaum mehr als ein Hauch, während meine Zunge ganz
leicht die Unterseite des Teigstücks berührt.
Er
schluckt sichtbar – und dieser sexy Adamsapfel hüpft auf und ab. Dann führt er
das Baklava an meine Lippen, doch statt es mir einfach in den Mund zu geben,
zieht er es einen Hauch zurück, gerade genug, um mich noch ein Stück
näherkommen zu lassen. Ich folge ihm. Unsere Gesichter sind nur noch Zentimeter
voneinander entfernt.
Meine
Lippen schließen sich um das Gebäck, und während der Sirup meine Zunge trifft,
sehe ich, wie seine Pupillen dunkler werden. Sein Atem streift meine Wange. Wie
ein Versprechen. Wie ein Risiko. Wie ein Anfang. Ich kaue langsam, hingerissen
vom Geschmack, aber noch mehr von ihm. Er beobachtet jeden Millimeter meines
Mundes, als wäre ich das eigentliche Dessert.
„Gut?“,
fragt er heiser.
Ich
lehne mich näher, so nah, dass ich seine Wärme spüre.
„Frag
noch mal …“, flüstere ich, und dieses Mal bin ich es, der ihn herausfordert.
Seine
Hand findet meinen Nacken, warm, sicher, gewollt. Sein Gesicht senkt sich. Der
Kuss, der folgt, ist kein vorsichtiges Tasten mehr. Er ist tief, langsam,
hungrig, süß vom Sirup und zugleich gefährlich nah am Verlieren der Kontrolle.
Seine Lippen fangen meine, seine Zunge streift meine, ein kaum hörbares Keuchen
entweicht uns beiden, als würde die Welt kurz die Luft anhalten.
„Heilige
…“, murmle ich, nachdem sich unsere Lippen trennen. „Das ist illegal gut.“
Er
lacht leise. „Das Baklava oder ich?“
„Was
ist dieses Baklava-Dings, von dem du immerzu sprichst?“, necke ich ihn und
beiße mir sinnlich auf die Unterlippe.
Sein
Blick bleibt an meiner Lippe hängen, gleitet dann über mein Gesicht, meinen
Hals, als würde er jeden Zentimeter einprägen wollen. Die Luft zwischen uns
wird wärmer, dichter, vibrierend vor dem, was möglich wäre, wenn wir beide
nicht genau wüssten, dass es heute noch zu früh ist.
Er
öffnet die Tüte erneut, und ich sehe ihm zu, wie er das glänzende Teigteilchen
hebt, vorsichtiger als eben, fast zärtlich. Wir essen weiter, teilen uns die
letzten Baklavas, als würden wir etwas Verbotenes kosten, etwas, das nur uns
gehört. Der süße Sirup klebt an meinen Fingern, seine Wärme noch immer an
meinen Lippen.
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