Donnerstag, 29. Januar 2026

[Schnipseltime] Dreh mich, Baby von Marc Weiherhof


 

„Was hast du da eigentlich in dieser Tüte mitgebracht?“

Er lacht, da ist es wieder, sein Emre-Lachen. Warm, ein bisschen spöttisch, ein wenig verlegen. „Ich habe mich gefragt, wie lange es dauert, bis du dich danach erkundigst.“

„Haha“, gebe ich zurück. „Also?“

„Baklava. Selbst gemacht für den Laden.“

Ich blinzle ihn irritiert an. „Du hast … Baklava gemacht?“

„Tu nicht so überrascht. Natürlich. Ich bin Türke, wir haben Honig, Pistaziencreme und Zuckersirup im Blut.“

Mein Lachen erfüllt den Raum. „Na dann los, bring diese Zuckerbomben mal her, du Profi-Bäcker.“

Er steht auf, richtet sich kurz, dann geht er zum Tisch und holt die kleine Papiertüte. Mit einem Seufzen lässt er sich neben mir in die Kissen fallen, als hätte dieser Tag mehr Gewicht gehabt, als er zugeben will.

Langsam öffnet er die Tüte und fördert ein Teigteilchen zutage, das so glänzend ist, dass es eigentlich ein eigenes Warnschild bräuchte. Der Sirup schimmert im Licht, und während er es vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger hält, tropft beinahe eine Spur goldener Feuchtigkeit auf seinen nackten Oberkörper.

Meine Gedanken beginnen zu rasen und ich hoffe inständig, dass ein wenig Zuckersirup auf seinen Pecs landet, nur damit ich einen vollkommen legitimen Grund hätte, ihn mit der Zunge sauber zu machen.

Rein kulinarisch betrachtet. Hygiene und so.

Ich reiße meinen Blick los, bevor meine Fantasie noch eine zweite Staffel produziert, und räuspere mich übertrieben laut. Er merkt es. Natürlich merkt er es. Sein Mundwinkel hebt sich langsam, ein winziges Lächeln, das verrät, dass er sehr genau weiß, wohin meine Gedanken gerade galoppiert sind.

„Willst du probieren?“, fragt er mit einer Stimme, die pure Erotik ausstrahlt und meine Knie zittern lässt.

Ich lehne mich näher, schon halb eingelullt von diesem Duft aus Honig, Butter und etwas, das eindeutig verboten gut ist. Dann hauche ich in meiner verführerischsten Stimme: „Wenn ich morgen im Zuckerkoma liege, ist das deine Schuld.“

Er grinst. „Damit kann ich leben.“

Ich öffne den Mund, strecke die Zunge leicht heraus, langsam, sinnlich, und sein Blick bleibt genau dort hängen. Für einen Moment bewegt er sich nicht. Als hätte ich ihn mit einer einzigen Geste aus dem Konzept gebracht.

Dann kommt er mit dem Baklava-Teilchen näher, bringt es aber nicht sofort an meine Lippen. Er lässt es knapp davor schweben, als wolle er testen, wie weit ich bereit bin zu gehen. Meine Atmung wird tiefer. Seine auch. Das süße Aroma des Honigs verbindet sich mit dem Duft seiner warmen Haut.

„So?“, flüstere ich, meine Stimme kaum mehr als ein Hauch, während meine Zunge ganz leicht die Unterseite des Teigstücks berührt.

Er schluckt sichtbar – und dieser sexy Adamsapfel hüpft auf und ab. Dann führt er das Baklava an meine Lippen, doch statt es mir einfach in den Mund zu geben, zieht er es einen Hauch zurück, gerade genug, um mich noch ein Stück näherkommen zu lassen. Ich folge ihm. Unsere Gesichter sind nur noch Zentimeter voneinander entfernt.

Meine Lippen schließen sich um das Gebäck, und während der Sirup meine Zunge trifft, sehe ich, wie seine Pupillen dunkler werden. Sein Atem streift meine Wange. Wie ein Versprechen. Wie ein Risiko. Wie ein Anfang. Ich kaue langsam, hingerissen vom Geschmack, aber noch mehr von ihm. Er beobachtet jeden Millimeter meines Mundes, als wäre ich das eigentliche Dessert.

„Gut?“, fragt er heiser.

Ich lehne mich näher, so nah, dass ich seine Wärme spüre.

„Frag noch mal …“, flüstere ich, und dieses Mal bin ich es, der ihn herausfordert.

Seine Hand findet meinen Nacken, warm, sicher, gewollt. Sein Gesicht senkt sich. Der Kuss, der folgt, ist kein vorsichtiges Tasten mehr. Er ist tief, langsam, hungrig, süß vom Sirup und zugleich gefährlich nah am Verlieren der Kontrolle. Seine Lippen fangen meine, seine Zunge streift meine, ein kaum hörbares Keuchen entweicht uns beiden, als würde die Welt kurz die Luft anhalten.

„Heilige …“, murmle ich, nachdem sich unsere Lippen trennen. „Das ist illegal gut.“

Er lacht leise. „Das Baklava oder ich?“

„Was ist dieses Baklava-Dings, von dem du immerzu sprichst?“, necke ich ihn und beiße mir sinnlich auf die Unterlippe.

Sein Blick bleibt an meiner Lippe hängen, gleitet dann über mein Gesicht, meinen Hals, als würde er jeden Zentimeter einprägen wollen. Die Luft zwischen uns wird wärmer, dichter, vibrierend vor dem, was möglich wäre, wenn wir beide nicht genau wüssten, dass es heute noch zu früh ist.

Er öffnet die Tüte erneut, und ich sehe ihm zu, wie er das glänzende Teigteilchen hebt, vorsichtiger als eben, fast zärtlich. Wir essen weiter, teilen uns die letzten Baklavas, als würden wir etwas Verbotenes kosten, etwas, das nur uns gehört. Der süße Sirup klebt an meinen Fingern, seine Wärme noch immer an meinen Lippen.

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