Sonntag, 25. Januar 2026

[Buchvorstellung einmal anders] Bansi II - Durchgebrannt von Michael Karl


 
Buchvorstellung einmal anders

Ich warte seit einer Ewigkeit auf den Autor Michael Karl, aber er kommt nicht. Ich setze mich in dem Park auf eine Bank und sehe einen Kindle dort liegen. Da ich von Natur aus ein neugieriger Mensch bin, nehme ich ihn zu Hand.

Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das darauf enthaltene Buch. Es ist genau das um das es heute gehen soll. „Bansi II - Durchgebrannt“ von Michael Karl. Ich beginne ein wenig darin zu schmökern. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Hast du denn überhaupt keine Fragen? Er wird nicht kommen. Interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«

Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben dem Autor am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. 😊 Doch da klettert noch jemand aus dem Buch und setzt sich zu uns.

Wer bist du denn? Willst du dich den Besuchern des Blogs vorstellen?
Gerne, ich heiße Bansi, bin 26 Jahre alt und werde in meinem späteren Leben – ein kurzer Blick in die Glaskugel – unter anderem Autor sein.
Noch immer ringe ich mit meiner Drogensucht, Orientierungslosigkeit und mir selbst, irgendwo zwischen Selbstverleugnung und Selbstzerstörung.
Herzlich Willkommen, Bansi. Wollen wir das Interview nun zu dritt machen?
Unbedingt. Ich spreche gern mit Menschen, welche bereit sind, über das Oberflächliche hinauszugehen.
Hallo, danke, dass ihr heute Zeit gefunden habt, um mit mir zu reden.
Wir freuen uns, dass du dir erneut Zeit für uns nimmst. Es ist jedes Mal schön, sich mit dir auszutauschen.
Bansi haben wir schon kennengelernt. Kannst du dich als Buch meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?
Ich bin ein Buch für Leser, die nicht nur in einer Geschichte schmökern, sondern einen Menschen auf einer echten, schmerzhaften und zugleich hoffnungsvollen Reise begleiten wollen.
Ich erzähle von Freundschaft und ihren Grenzen, von Sucht, Schuld und innerer Zerrissenheit – und von der Suche nach Glück und einem Leben in Zufriedenheit.
Was im Ravensburger Drogenmilieu beginnt, wird zur Flucht über den Atlantik: vom Schussental nach Mexiko, über Miami bis nach Jamaika und wieder zurück.
Getrieben von einer drohenden Strafe, begleitet von einem alten Freund und den eigenen Dämonen, vollzieht sich im Inneren des Protagonisten eine tiefgreifende Verwandlung.
Man kann sagen, in mir existiert ein ganzes Universum an Gefühlen, Situationen und prägenden Ereignissen, die sich zu einer intensiven Reise verdichten.
In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da ihr ja auch viel mit dem Autor zusammenarbeiten müsst, könnt ihr uns vielleicht beantworten, ob es ihm leichter fällt sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen? Siehst du es als Protagonist genau so?
Für alle Beteiligten war es ein teils tränenreicher Weg, der zugleich amüsant, fröhlich und – trotz allem – lehrreich war.
Die Wahrheit ist ein harter, unbequemer Stuhl, auf dem nicht jeder sitzen kann. Auch wenn uns dabei hin und wieder der Hintern schmerzt: Wir sitzen alle drei noch.
Habt ihr eine Lieblingsstelle, die ihr uns gerne vorstellen würdet?
Der kalte Entzug in den ersten Tagen unserer Reise war hart gewesen, aber rückblickend der erste Schritt zu etwas Größerem. Ein Prozess, den ich kaum bemerkt hatte, weil er langsam in mir gewachsen war. Und jetzt, in diesem Moment, wurde mir bewusst, wie sehr sich meine Wahrnehmung verändert hatte. Die Deutlichkeit, mit der ich die Welt um mich herum wahrnahm, die Gefühle, welche ich ungetrübt durchlebte, und dieses klar erfassbare zusammenleben mit Dieter hatten meine Wahrnehmung und Empfindungen mehr verändert, als es mir bewusst war. Aus dem nebligen dahintreiben meiner Gedanken der letzten Monate wie auch aus den letzten Jahren entsprang ein zartes Pflänzchen: Erkenntnis. Ich brauchte keine Rauschmittel, um mein Leben zu bewältigen. Sein Dasein nüchtern zu erleben gibt einem so viel mehr. Ganze Tage ohne Filmriss nachvollziehen zu können, mit all seinen Emotionen und Handlungen, ist um so vieles größer.
Wenn ich die letzten Jahre zusammenzählte, seit jenem verhängnisvollen Mittag, an dem Roland starb und meine erste große Liebe schwer verletzt wurde, ergab sich ein glasklares Bild, welches ich bis heute immer verleugnete. Ich suhlte mich in Verzweiflung und Schmerz, anstatt mein wahres Leben weiterzuführen. Ich lebte das Leid, statt es zu akzeptieren und zu verarbeiten. Es geht nicht darum, nur auf die Schuld zu starren, welche in der Vergangenheit verweilt. Es geht darum, im Licht des Hier und Jetzt zu gehen, so wie in den letzten Wochen mit Dieter, was so viel Energie, Freude und auch Reifung in mir hervorbrachte.
Ich saß auf diesem Barhocker, neben mir Dieter, der mit glänzenden Augen das umtriebige, pralle Leben in dieser Bar genauso genoss wie ich, und das Verlangen nach Drogen, wie es viele hunderte Tage zuvor immer im Hintergrund meines Kopfes nach mir gerufen hatte, war verstummt. Wenn wir bis jetzt auch nicht viel erreicht hatten und der weitere Weg von Dieter und mir auf die Hauptinsel des Hasch führen würde, so war ich mir recht sicher, einen für mich gangbaren Weg aus den Drogen gefunden zu haben. Ich wollte mein Leben mit Freude auf der Suche nach Glück und Zufriedenheit erleben und nicht im Nebel der Traurigkeit und dem Elend herumstolpern.
Wisst ihr wie viel Michael tatsächlich in dir oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt? Hast du dazu noch etwas hinzuzufügen oder stimmst du deinem Buch zu?
Alles, was auf deinen Seiten steht, ist authentisch. Ich bin Michael, und er ist Bansi. Über vier Jahre hinweg saß ich beim Schreiben der beiden Bücher meist an seiner Seite. Wir haben Erinnerungen hervorgeholt, alte Situationen erneut betreten, gelacht, geweint und vieles hinterfragt.
Wie würdest du oder seine Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller den Autor beschreiben? 
Buch: „Dazu möchte ich einen Absatz aus meinen Seiten zitieren, der – so denke ich – die Quintessenz aus den tausenden von Wörtern ist, welche in mir geschrieben wurden.“
Zitat:
Ich habe es vielleicht nicht „weit“ gebracht, aber ich bin dennoch weiter gekommen, als ich mir je hätte träumen lassen. Diese zwei Jahre der jugendlichen Selbstfindung, des Suchens und Verlierens, der Irrwege und Sackgassen, sie haben mich geprägt, und sie haben mich auch weitergeführt. Über zwei Jahre lang waren Tod, Leid, Schmerz, Selbstzweifel und Selbstzerstörung meine ständigen Begleiter gewesen. Aber es gab auch Licht. Liebe. Vertrauen. Zugehörigkeit. Lebensfreude. Und diesen kleinen Funken Lebensmut, der immer in mir glimmte. Er hat oft geflackert, gezögert, manchmal fast erloschen, aber nie ganz. Und bis heute trägt er mich weiter. Ich habe meine Schwächen und meine Stärken erlebt und kennen gelernt, erfahren, was mir wichtig ist und was mich hemmt in meinem Fortkommen, was ich benötige, um ein gewisses Quäntchen an Zufriedenheit und Glücklichsein zu haben. Die Neugierde, Kreativität und mein Humor, welches alles in hohem Maße in mir steckt, macht dieses wenige Selbstvertrauen, das Urmisstrauen und die gewollte Zurückgezogenheit erträglicher.
Bansi: „So ist es.“
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?
Der Titel ist schon beim Schreiben des ersten Buches entstanden und hat sich seitdem nicht mehr verändert. Wir waren uns alle „drei“ einig, dass dieses eine Wort von Anfang an den Kern der Geschichte trifft und den Inhalt kurz und treffend beschreibt – deshalb gab es keinen Grund, es zu ändern.
Seid ihr zu 100% zufrieden mit dem Cover / Outfit oder würdet ihr nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Es gab zwar die Überlegung, statt des Originals eine Bleistiftzeichnung für das Cover zu verwenden, aber mit der finalen Version sind „wir“ sehr glücklich. So, wie es jetzt ist, fühlt es sich stimmig an.
Zum Abschluss würde mich noch euer Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
„Gewohnheit, Geborgenheit, Zufriedenheit und Glück“, dachte ich, „das ist unser heiliger Gral“ — etwas, das wir suchten und insgeheim zu finden hofften, selbst wenn wir es vielleicht nicht erkannten, stünde es direkt vor uns.
Die Leute, die an mir vorbeigehen, sehen mich schon komisch an, deshalb höre ich auf zu reden und lächle den Personen einfach zu. Aber ich lasse es mir nicht nehmen, noch einmal kurz dem Buch und Bansi »Danke, für eure Geduld und Antworten« zuzuflüstern.

Dann vertiefe ich mich wieder in das Buch.

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