Donnerstag, 29. Januar 2026

[Autoreninterview] Marc Weiherhof


Autoreninterview
Marc Weiherhof

Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Ich bin Marc Weiherhof, Schweizer Autor, Baujahr 1985, seit sehr vielen Jahren mit dem gleichen Mann zusammen und offiziell im Besitz einer Katze, die der festen Überzeugung ist, dass ich ihr Butler bin. Ich schreibe queere Geschichten über Männer mit Herz, Macken und gelegentlichem Chaos. Perfekte Figuren interessieren mich nicht. Echtheit schon.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Weil mein Kopf nie ruhig war und Schreiben die einzige Möglichkeit ist, Ordnung ins Gedankendurcheinander zu bringen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass aus inneren Monologen oder Erfahrungen Geschichten werden können. Und dass queere Geschichten viel zu oft fehlen oder falsch erzählt werden.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
Ich habe queere Romance, Kurzgeschichten, erotische Romane und Thriller veröffentlicht. In meinen Romance Geschichten geht es um Nähe, Humor, Emotionen und Männer, die oft mehr fühlen, als sie zugeben wollen. In den Thrillern dürfen schwule Figuren auch mal Helden, Strippenzieher oder Edelgauner sein. Gemeinsam haben alle Bücher Herz, Tempo und Figuren mit Ecken.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Auf jeden Fall. Momentan überarbeite ich einen meiner ersten Thriller komplett. Damit die Geschichte endlich die Aufmerksamkeit erhält, die sie meines Erachtens auch verdient. Dann habe ich eine neue Romanze angefangen und mein Kopf ist wie immer in hundert Plots gleichzeitig.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Ich töpfere sehr gern. Keine Alltagsgegenstände, sondern Figuren und Skulpturen. Mal abstrakt, mal witzig. Aber langsam weiß ich nicht mehr, wo ich meine „Kunst“ noch hinstellen soll. Reisen in ferne Länder ist meine größte Passion. Kulturen und Orte entdecken, die sich dann in meinen Büchern wiederfinden.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Achtung, jetzt wird es strange: Ich lese praktisch nie. Aber ich höre mir meine Bücher gerne an, beim Autofahren, Putzen, oder in den Ferien. Ich liebe queere Bücher aller Genres mit sinnlichen Momenten. Dazu Ermittlungsthriller, Mord und Totschlag – was man halt so liest.
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Am liebsten schreibe ich dort, wo ich kurz aus dem Alltag entfliehen kann und dennoch ein gutes Setup habe. Der Bildschirm muss groß sein, damit ich mehrere Fenster gleichzeitig offen haben kann. Recherche, Schreibprogramm, Musik, E-Mail. Alles gleichzeitig. Aber die Ideen entstehen meistens im Alltag oder nachts im Bett, wenn ich eigentlich schlafen sollte.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Arbeiten, schreiben, verwerfen, neu schreiben. Dazwischen beruflicher Alltag, E-Mails und Leben. Katze streicheln, füttern, als König behandeln. Und irgendwann dieser eine Satz, bei dem ich weiß: Jetzt passt es. Auf den sozialen Medien scrollen und staunen über die Kreativität meiner Kolleg*innen.
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Für mich ein Muss ist MM, also Geschichten mit zwei Männern als Protagonisten. Dort kann es von Gay Romance über Thriller alles geben. Beim Lesen/Hören liebe ich Serien mit mehreren Bänden. Ermittlung und Thriller. Action und Spannung.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
Ich habe kein festes Motto. Aber ich glaube fest daran, dass Ehrlichkeit mehr bringt als Anpassung. Und dass Liebe selten nach Plan läuft, aber fast immer Mut braucht. Und dass das Leben einen vor diverse Prüfungen stellt, die man hoffentlich erkennt und meistert.
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Ich liebe Afrika, die Landschaft, die Tiere, die Menschen, einfach magisch. Aber auch Asien ist wunderbar oder Amerika? Eigentlich kann ich mich nicht entscheiden. Darum reisen wir auch fast nie ans gleiche Ort. Sondern entdecken immer neue Länder und Orte. Aktuell liegt der Ticker bei 54 bereisten Ländern.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Ich höre wahrscheinlich viel zu sehr zu, nehme alles viel zu persönlich und mache mir unendlich viele Gedanken. Fluch und Segen zugleich. Ich wünschte, dass ich lockerer sein kann, um mal zu sagen: Who cares?
Warum hast du dich entschieden Selfpublisher zu werden und nicht zu einem Verlag zu gehen?
Nach zwei eher ernüchternden Verlagserfahrungen wollte ich Freiheit. Selbst entscheiden, wie meine Bücher aussehen, wie sie enden und wie ich sie präsentiere. Selfpublishing ist viel Arbeit, aber es passt zu mir. Mir gefällt es, Covers zu designen, mich in den sozialen Medien zu tummeln, Videos aufzunehmen, neue Sachen zu probieren. Das macht es spannend, aber auch manchmal frustrierend.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Lest das, was euch berührt. Unterstützt auch kleine, unabhängige Stimmen. Queere Geschichten sind laut, leise, lustig, schmerzhaft und wunderschön. Und sie gehören mitten ins Regal, nicht an den Rand.

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