
Buchvorstellung einmal anders
Ich warte seit einer Ewigkeit auf die Autorin Ava Cooper, aber sie kommt nicht. Ich setze mich in dem Park auf eine Bank und sehe einen Kindle dort liegen. Da ich von Natur aus ein neugieriger Mensch bin, nehme ich ihn zu Hand.
Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das darauf enthaltene Buch. Es ist genau das um das es heute gehen soll. „Todesbäume – Renn wenn du kannst“ von Ava Cooper. Ich beginne ein wenig darin zu schmökern. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Hast du denn überhaupt keine Fragen? Sie wird nicht kommen. Interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«
Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben der Autorin am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. 😊
Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um mit mir zu reden.
Das mache ich sehr gerne – das ist echt eine tolle Abwechslung. Außerdem siehst du ganz nett aus. (Das Buch lächelt vorsichtig).Kannst du dich meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?
Oh ja, natürlich, ich versuche es mal. Also die Handlung spielt in einer Welt, die von beweglichen Killerbäumen – den Arboranos – beherrscht wird. Diese brauchen menschliches Blut für ihre Existenz und unterdrücken die Menschen gnadenlos auf ihrer Seite der Welt. Die andere Hälfte der Welt ist frei von Bäumen. Doch die Arboranos haben vor, das zu ändern und greifen das Dorf der Protagonistin Sanija an. Sie löschen es beinahe aus, töten fast alle Menschen – aber Sanija wehrt sich und kann einige Dorfbewohner retten. Gemeinsam mit ihrem langjährigen Freund Matinion beschließt sie, den Arboranos Paroli zu bieten und begibt sich mit ihm auf eine gefährliche Mission ins Baumreich. Dort findet sie einen Hinweis, wie sie die Arboranos vernichten kann. Aber ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn der Anführer der Bäume will die letzten Überlebenden des Dorfs töten.In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da du ja auch viel mit der Autorin zusammenarbeiten musst, kannst du uns vielleicht beantworten, ob es ihr leichter fällt sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Ich würde mal sagen, ihr liegt beides ganz gut. Wenn Ava loslegt mit Blut und Tod, muss ich manchmal ganz schön schlucken. Ava kann echt erbarmungslos sein. Da kennt die nix. Charaktere, die man mag? Tschak, weg. Weil es die Story nun einmal verlangt … Aber sie baut auch immer wieder etwas Gefühlvolles ein. Eine zarte Liebesgeschichte. Oder auch nur schöne Momente, in denen mir die virtuellen Buchseiten aufspringen. (Der Kindle leuchtet ein wenig heller)Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen würdest?
Weißt du wie viel Ava tatsächlich in dir oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt?Ich mag es ja ein bisschen romantisch, hihi. Auch wenn das Buch ja eher düster ist. Also würde ich sagen, ich nehme von beidem etwas.Das ist der Angriff der Todesbäume aus Matinions Sicht:Erneut suchte Matinion den Wald mit seinem Blick ab, doch er konnte keine weiteren Bewegungen mehr ausmachen. Auch die Geräusche waren verstummt. Falls es sie gegeben hatte. Rajos warf ihm einen verwirrten Blick zu. Kurz überlegte er, ihm von seiner Befürchtung zu erzählen. Aber der Dorfälteste würde ihn sicher nur für überspannt halten. Was er vermutlich war. Tief atmete er einmal ein und aus.Doch sein Körper blieb so angespannt, als zöge er in den Krieg. Gerade als der Älteste wieder mit dem Schlegel ausholte, ertönte das Geräusch erneut. Lauter. Diesmal schienen es auch die anderen Dorfbewohner zu hören. Einige von ihnen schauten sich mit Furcht in den Augen um. Sogar der Dorfälteste verharrte mitten in der Bewegung.Der Ton wurde lauter, er klang nun wie ein Donnern, das ihm Gefahr! zubrüllte. Matinion keuchte. Nein, das war keine Einbildung gewesen. Nur ein Lebewesen auf der Welt verursachte solche Laute. Wieder erahnte er eine Bewegung in den Baumwipfeln, die nicht vom Wind kam.»Die Arboranos kommen! Rette sich, wer kann!« Schrill erklang die Stimme des Wachpostens auf dem Turm. Der Mann hatte es kaum zu Ende gerufen, als ihn eine Salve giftiger Blüten erwischte. Röchelnd sackte er zusammen. Sofort brach blankes Chaos auf dem Platz aus. Die Menschen kreischten, sprangen von ihren Sitzen und liefen panisch davon. Weg, bloß weg von den Bäumen.Hier wehrt Sanija sich gegen die Arboranos:»Du dummes Menschenweib, was willst du denn mit dem kleinen Flämmlein?«, lachte Aroa sie aus. »Nicht einmal einem Jungbaum kannst du damit Angst machen!« Die Sträucher, die wie Schakale neben ihnen kauerten, stimmten mit ihren dünnen Stimmen in das Gelächter ein.Sanija ging entschlossen weiter, obwohl ihr Mut beim Anblick der Todesbäume sank. Mit pochendem Herzen – würden sie auf ihren Trick hereinfallen? – machte sie noch einen Schritt auf sie zu, bevor sie ihre Richtung änderte. Blitzschnell rannte Sanija auf die kichernden Sträucher zu und warf den brennenden Ast in ihre Mitte. Die überrumpelten Grünlinge bemerkten viel zu spät, dass nicht die Bäume das Ziel waren, sondern sie selbst. Kreischend liefen sie durcheinander, als die knisternden Flammen hungrig an ihren Zweigen und Blättern fraßen. Verzweifelt versuchten sie zu fliehen, doch das Feuer breitete sich mit rasender Schnelligkeit aus. Sanija lächelte triumphierend. Die Hitze war also gar nicht ihr Feind, sondern ihr Freund.Und hier etwas Romantik:» Wir konnten doch nicht zulassen, dass aus unserer Heimat ein Acker für junge Todesbäume wird. Die mit dem Blut unserer Toten ernährt werden.« Bei der Vorstellung kochte erneut die Wut in Sanija hoch.»Genau das hast du verhindert.« Matinion drehte sich ein wenig, sodass er sie direkt ansah. Die Anerkennung in seinen braunen Augen wärmte ihr Herz. »Du bist wirklich eine außergewöhnliche junge Frau, Sanija. Lass dich niemals verbiegen, sondern bleib, wie du bist.«Verwirrt starte sie ihn an. So etwas Wunderbares hatte noch nie jemand zu ihr gesagt. Dass gerade er so von ihr dachte, freute sie mehr, als es sollte. Ihr Magen kribbelte, als ob Schmetterlinge darin tanzten. Sie spürte, wie ihr die Röte in die Wangen stieg, und sie sah hastig zur Seite. Matinion sollte nicht merken, wie sehr seine Worte sie berührten.
Oh, sie gibt immer viel von sich in ihre Protagonisten. Das gilt auch und gerade für die Todesbäume. Sanija ist ja ein Freigeist, jemand, der sich nicht einsperren lassen will. Und sie hat vor allem keine Lust, sich irgendeinem Mann zu unterwerfen, wie es die Traditionen verlangen. In Matinion findet sie jemanden, der genau das an ihr liebt.Wie würdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autorin beschreiben?
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?Sanija (zieht die Augen nachdenklich zusammen): „Wie ich sie beschreiben würde? Ava? Also entweder ist sie sehr mutig. Oder verrückt. Eins von beidem.“Matinion schnaubt leise. „Sie hat keine Probleme damit, uns leiden zu lassen. Zwischendurch hätte ich nicht übel Lust gehabt, die Axt zu nehmen und damit …“Sanija (legt ihm eine Hand auf den Arm): „Nicht, Matinion. Ich bin mir sicher, sie meinte es nicht persönlich.“ (Lacht bitter.) „Wobei es schon sehr persönlich war. Vermutlich wollte sie demonstrieren, wie viel wir ertragen, bevor wir zerbrechen. Aber irgendwann zeigt sie ja Gnade.«Matinion (Seufzt schwer und drückt ihre Hand).“Das stimmt. Außerdem haben wir ja uns. Das macht für mich alles andere wett. Denn du bist das Licht meines Lebens. Die Sonne meines Herzens.“Das Buch lacht leise vor sich hin. „Junge Liebe – ist es nicht schön?“ (Färbt sich leicht rötlich, als Matinion und Sanija den Kindle ansehen.) „Upps. Ich wollte doch ruhig sein. Aber ich finde, die beiden passen einfach so gut zusammen. Ich freue mich so, dass …“ (Verstummt und leuchtet hell.) „Hah, das müsst ihr schon selbst lesen! Ich spoiler doch nicht das Ende.“
Als Ava vor zehn Jahren die Idee zu der Story hatte, sollte sie „Kampf um Arboranien“ heißen. Ja, gut, war halt eine andere Zeit. Mittlerweile heißt die Welt gar nicht mehr Arboranien, sondern Zanira. Das wäre sonst zu viel Arbo-irgendetwas. Und aus dem Titel wurde „Todesbäume“, weil man dadurch gleich weiß, worum es geht. Der Untertitel „renn, wenn du kannst“ bringt noch mehr Dringlichkeit hinein. Wieviel ich dazu beigetragen habe? Naja, ich habe Ava schon klargemacht, dass „Kampf um Arboranien“ gar nicht mehr geht 🤣Bist du zu 100% zufrieden mit deinem Cover / Outfit oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Ich finde es super! So schön düster – mit Totenköpfen, muhahah – und doch auch romantisch. Denn es gibt in dem Buch nicht nur das Grauen des Todes, sondern eben auch eine wunderschöne, zarte Lovestory. Das drückt das Cover super aus.Kannst du uns vielleicht auch schon verraten, ob die Autorin viele echte Plätze eingebaut hat oder ob die Orte im Buch der Fantasie entspringen?
Der Ausflug mit der Baumfamilie zu der Steinformation ist angelehnt an die Externsteine in der Region Lippe im Teutoburger Wald. Ava war zwar selbst noch nicht da, aber sie hat etwas Besonderes gesucht und war ganz geflashed, als sie bei ihren Recherchen darüber gestolpert ist. Nächstes Jahr will sie mal dorthin, um es sich anzusehen. Die anderen Orte sind eigentlich alle ausgedacht. Aber Ava war mit Kamera bewaffnet im Park gegenüber unterwegs, um Bäume zu fotografieren und sich Gedanken über Größenverhältnisse zu machen.Zum Abschluss würde mich noch dein Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Die Leute, die an mir vorbeigehen, sehen mich schon komisch an, deshalb höre ich auf zu reden und lächle den Personen einfach zu. Aber ich lasse es mir nicht nehmen, noch einmal kurz zum Buch »Danke, für deine Geduld und Antworten« zuzuflüstern.Dann lassen wir zum Ende mal einen Arborano zu Wort kommen, die haben nämlich auch eine Botschaft:„Was nun, Menschenfrau? Willst du dich an mir rächen, weil wir das Blut eurer Angehörigen für unsere Setzlinge brauchen? Als ob ihr weniger töten würdet.“„Das stimmt nicht. Wir nehmen nur so viel, wie wir brauchen.“ Sanijas Blick fiel auf den Blutsee, und der Ekel drehte ihr fast den Magen um.„Menschenkind, der Schwächere ernährt den Stärkeren.“ Grausam verzog Aroa seinen Mund zu einem Lächeln. „Und deine Familie wird meine ernähren.“
Dann vertiefe ich mich wieder in das Buch.
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