
„Guten Morgen.
Kann ich irgendwie behilflich sein?“, hakte ich nach, als die stupsnasige Frau
in Arbeitskleidung im Raum stand. Die hatte zunächst Raphael und seinen Marc
verblüfft angestarrt, bevor ihr Blick auf mir hängen blieb.
„Äääähm.“ Ihr Mund
mit den vollen, sinnlichen Lippen stand offen, das offenbar lange schwarze Haar
hatte sie zu einem dieser Knoten gebunden, die ich so schrecklich fand, und die
dunklen Augen wirkten fast schwarz. Wow! Was für ein krasser Gegensatz zu der
Nachtschwester, die den Inbegriff eines Hausdrachen erfüllte.
Endlich löste sie
sich aus ihrer Starre und blickte kurz auf die Unterlagen in ihrer Hand. „Guten
Morgen. Ich bin Ana, Ihre Physiotherapeutin. Wer von Ihnen ist Mr. Turner und
wer Mr. Lloyd?“
„Ich bin Mr.
Lloyd, oder gerne auch Caleb. Ich vermute mal, wir werden uns jetzt häufiger
sehen.“
„Ich vermute mal, nicht ganz so häufig wie Mr. Turner mich sehen wird. Er muss
wohl ein bisschen länger bleiben.“ Sie blickte kurz zu meinem Bettnachbarn, der
inzwischen den endlos scheinenden Begrüßungskuss mit seinem Liebsten beendet
hatte.
„Raphael bitte.
Ich wünsche ebenfalls einen guten Morgen.“
„Vielleicht
könntest du mit Caleb beginnen?“, bat Marc mit einem Lächeln, das sogar ich als
Hetero nur mit umwerfend bezeichnen konnte. „Ich habe die Erlaubnis von
Raphaels Ärztin, dass ich gewisse Dinge in der Pflege meines Partners
übernehmen darf. Da ich nachher gleich zum Job muss …“
„Ah, verstehe“,
kam es von der hübschen Ana. Sie schaute mich an. „Dann sollten wir beide in
der Zeit mal einen kleinen Spaziergang über den Flur machen.“
Ich spürte, wie
mir die Röte ins Gesicht schoss. „Ähm, wenn du mir dafür wenigstens zunächst
eine Hose aus dem Schrank geben könntest?“ Nach dem ersten Schreck, mich schwer
verletzt und bewusstlos auf der Rinderweide zu finden, hatten sich Granny, Mom
und Dad zum Glück schnell gefasst. Besonders die Frauen hatten mich gestern mit
allem versorgt, was ich die nächsten Tage hier benötigen würde.
„Da ich bisher
außer um die Toilette zu benutzen nur liegen sollte und das Pflegepersonal das
luftige Kittelchen dafür viel praktischer fand, habe ich auf sonstige Kleidung
verzichtet. Dass ich bereits Physiotherapie bekommen sollte, hat man wohl
vergessen, mir mitzuteilen“, gab ich auf ihren verdutzten Blick zurück und
zuckte mit der Schulter. „Der linke Schrank, mittleres Fach glaube ich.“
Die süße intensive
Röte, die sich nun auf ihren Wangen zeigte, machte sie umso reizvoller für
mich. Viel zu reizvoll dafür, dass ich eigentlich gerade die Schnauze voll
hatte von Frauen. Verschämt reichte sie mir die Shorts, bevor sie sich taktvoll
abwandte. Mit einer Hand wurschtelte ich die Decke von mir herunter und setzte
mich mithilfe des Galgens am Bett so hin, dass ich die Beine über die Kante
baumeln lassen konnte. Als ich versuchte, mit beiden Füßen in die Hose zu
schlüpfen, kam ich jedoch an meine Grenzen und stieß ein unwilliges Grummeln
aus.
„Kannst du eine
helfende Hand gebrauchen?“ Marc erhob sich schmunzelnd von der Bettkante seines
Partners und kam lässig zu mir geschlendert. Ich schwöre, hätte er keine Shorts
getragen, hätte ich niemals bemerkt, dass er an einem Unterschenkel eine Prothese
trug, so selbstverständlich bewegte er sich damit. Hut ab, dass er damit sogar
als stellvertretender Fire Captain ganz normal seinen Dienst schob.
„Gerne, danke
dir.“
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