Freitag, 7. Februar 2025

[Schnipseltime] Endgame Enemies - Punkt für die Liebe


 

Prolog

 

New York City, New York

 

Grayson

 

Der Club ist dunkel, fast schon zu dunkel für meinen Geschmack. Künstlicher Nebel wabert durch die Luft und ich frage mich, wie ich so etwas sehen soll. Wie ich schnell genug reagieren soll, falls jemand austickt. Hören kann ich auch nicht genug. Die Musik dröhnt in meinen Ohren und die tanzenden Lichter der Scheinwerfer lassen mich Fratzen statt Gesichtern sehen. Am besten sollte ich sie alle rausschmeißen, einfach schon mal vorsorglich, denn der Club wimmelt nur so von düsteren Gestalten. Es wird nicht lange dauern, bis jemand aggressiv wird.

Mit jeder Stunde, mit jedem Glas Alkohol, wird die Stimmung unentspannter. Die Bewegungen der Gäste werden ungelenker, die Blicke leerer, manche bedrohlich.

Ich stehe in der Nähe der Tanzfläche, die Augen aufmerksam auf die Menge gerichtet, und warte nur darauf, dass es knallt. Ich hasse meinen Job und gleichzeitig möchte ich nichts anderes machen – oder vielmehr kann ich es nicht. Niemals würde ich mir selbst etwas anderes zugestehen. Also bin ich hier, Abend für Abend, bereit, den Abschaum New Yorks unter Kontrolle zu halten.

Es dauert nicht lange, da geht es auch schon los.

Ein Typ, breit gebaut, stößt gegen einen anderen, einen Stammgast, der glaubt, den Laden gepachtet zu haben. Ich mache mich bereit, wie ein Panther auf der Lauer, fertig zum Sprung.

Die Spannung in der Luft ist spürbar. Ein paar Worte werden gebrüllt, ich kann sie nicht verstehen. Ein bisschen Geschubse, entsetzte Blicke einiger Neulinge, die den rauen Ton hier nicht gewohnt sind. Dann fliegt die erste Faust. Der breite Typ hat unserem Stammgast eins aufs Kinn gegeben.

Mein Einsatz.

Sofort bildet die Menge um die beiden Streithähne herum einen Kreis, Anfeuerungsrufe übertönen die laute Musik, doch niemand denkt daran, dazwischenzugehen – außer mir. Ich bahne mir einen Weg durch die Meute, packe den Typen, der zugeschlagen hat, von hinten und ziehe ihn von unserem Stammgast weg, bevor er noch einen Treffer landen kann.

Er ist ein Baum von einem Kerl und wehrt sich, als würde ich ihm nach dem Leben trachten, doch ich bin stärker. Mit einem kräftigen Ruck, der die Gaffer beiseite springen lässt, drehe ich ihn herum und stoße ihn vor mir her in Richtung Ausgang. Er schimpft und versucht, sich loszureißen, aber ich halte ihn fest, seinen rechten Arm auf den Rücken gedreht, eine Hand in seinem Nacken.

»Du elender Bastard, was bildest du dir ein?«, geifert er.

Ich sage nichts, lasse seine Beschimpfungen einfach an mir abprallen. Nur meinen Griff verstärke ich noch.

Als wir an der Kasse vorbeikommen, grinst mich Jolanda amüsiert an. Um diese Uhrzeit kommt keiner mehr rein, von dem sie Eintritt kassieren müsste. Zu später Stunde bin ich das einzige Highlight ihrer Schicht.

»Dein Bodycount ist heute wieder beachtlich!«, ruft sie mir nach.

Ich zwinkere ihr zu, dann verlasse ich den Club. Als wir draußen sind, stoße ich den Typen unsanft auf den Gehweg.

»Verzieh dich. Du hast Hausverbot. Für immer.«

»Du wirst noch sehen!«, droht er mir und reckt dabei eine Faust in meine Richtung.

»Ja ja ja«, sage ich müde. Leere Drohungen, mehr nicht. Die kenne ich zur Genüge. »Hau ab jetzt, oder ich rufe die Bullen.«

Würde ich nie, aber das weiß er ja Gott sei Dank nicht.

Meine Drohung wirkt deutlich besser als seine.

Der Typ grummelt noch ein paar Worte in meine Richtung, dann verzieht er sich.

»Schwachkopf«, murmle ich und sehe ihm kopfschüttelnd nach, wie er zwischen zwei Häusern verschwindet.

Ich drehe mich um, um wieder in den Club zu gehen, als plötzlich zwei Kerle vor mir stehen. Sie sehen nicht aus wie die üblichen Gäste des Gutter Alley. Ihre Anzüge wirken teuer, ihre Frisuren sind ordentlich und sie riechen auch nicht nach Alkohol. Vielmehr erinnern sie mich an Steuerberater oder Anwälte oder so. Sie passen nicht in den Club und ich weiß, wenn ich sie reinlasse, wird es nur Ärger geben.

»Haben geschlossen«, sage ich und will an ihnen vorbei, doch einer der beiden stellt sich mir in den Weg.

Er ist kleiner als ich, blond, hat aber eine selbstsichere Haltung, die mich irritiert. Er ist hager, mit scharf geschnittenen Gesichtszügen, und mustert mich unverhohlen. »Grayson Hunter, richtig?«

Ich nicke, fühle mich angespannt.

Wer sind die zwei? Warum kennen sie meinen Namen? Was zur Hölle wollen diese Anzugträger von mir?

»Ich werde gleich mit der Tür ins Haus fallen«, fährt der Blonde fort.

Ich sehe kurz zu seinem Kumpel rüber, der zwar genau so elegant gekleidet ist, aber ansonsten eher zu meinem Schlag Mann gehört.

Er hat breite Schultern und in seinen Augen liegt ein finsterer Ausdruck. Kein Zweifel. Dieser Kerl ist hier, um mich einzuschüchtern.

»Wir brauchen jemanden, der gut im Football ist.«

»Aha«, mache ich, äußerlich cool, auch wenn mein Herz bei seinen Worten zu rasen beginnt.

American Football ist so ziemlich das Letzte, worüber ich sprechen möchte.

»Jemanden wie dich.«

»Tut mir leid, aber ich bin Türsteher, kein Quarterback. Wenn ihr also nicht jemanden für den Einlass braucht, dann seid ihr bei mir an der falschen Adresse.«

Ich will an Blondi vorbei, aber es ist paradox. Meine Beine versagen mir einfach den Dienst, weshalb ich lieber stehenbleibe, bevor ich mich noch vor den beiden Anzugträgern auf die Nase lege.

»Du kannst dir die Nummer sparen. Wir wissen, wer du bist.« Blondi grinst, was hyänenartig auf mich wirkt.

Kein Zweifel, das tun sie wirklich. Nicht nur, dass sie mich gefunden haben und meinen Namen kennen, nein, sie wissen auch noch über früher Bescheid. Über meine Zeit als Footballspieler.

Ich verschränke die Arme vor der Brust. Eine hilflose Geste, von der ich mir aber erhoffe, dass sie einschüchternd wirkt. Mehr habe ich den Typen gerade nicht entgegenzusetzen, denn in meinen Ohren dröhnt es und vor meinem inneren Auge flimmern Bilder, die ich eigentlich nicht sehen möchte.

 »Wir wollen, dass du bei den Empire City Guardians mitmachst«, höre ich Blondi wie durch Watte sagen. »Kein großes Ding.«

Kein großes Ding? Auch wenn ich seit Jahren versuche, einen Bogen um Football zu machen, weiß ich eins ganz sicher: Die Guardians sind ein verdammt großes Ding!

Ich runzle die Stirn, weil die Situation total absurd ist. Vielleicht habe ich gerade mächtig eins aufs Dach bekommen? Anders kann ich es mir nicht erklären, dass mitten in der Nacht zwei Anzugträger in einem der schlimmsten Viertel New Yorks auftauchen und mir einen Job als Football-Star anbieten.

Jeder, wirklich jeder, würde jetzt Freudensprünge machen, aber ich sage nur: »Kein Interesse.«

Ich schiebe mich an ihnen vorbei, doch weit komme ich auch diesmal nicht, denn Blondi sagt den Satz aller Sätze und lässt mich damit erstarren.

»Wir wissen über Caleb Bescheid.«

Verflucht, was?

Meine Hände werden feucht und anstatt weiter zu rasen, setzt mein Herz jetzt kurz aus. Caleb. Sie wissen es. Was hat das zu bedeuten?

Langsam drehe ich mich um, starre die beiden Männer an. Ich weiß, dass ich jetzt keine andere Wahl mehr habe, als mir anzuhören, was sie zu sagen haben.

»Was wollt ihr?«, frage ich heiser.

Der hagere Blonde lächelt kalt. »Wir wollen einen kleinen Skandal aufdecken, mehr nicht. Wenn du tust, was wir dir sagen, wird es gar keine Probleme geben.«

 

***

 

 

 

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