Donnerstag, 6. Juni 2019

[Protagonisteninterview] mit Alexander Merahwi und Julian Melnik aus Tanz der Ikonen und Poker mit Hai von B.D.Winter

 Krimitag B.D. Winter – 

Shark Temptations 1 + 2

Wie schon so oft, darf ich heute im Zuge meiner Krimitage ein Interview mit Alexander Merahwi und Julian Melnik führen. Wieder treffe ich mich in den Räumen der Firma „Merahwi & Martin“ mit den beiden. Im Empfangsbereich werde ich von Julian begrüßt.
Wenig später holt mich Dana ab, um mich in das Büro von Merahwi zu bringen. Kurz darauf folgt auch Julian mit einem Tablet.

Schön Sie wiederzusehen, Herr Merahwi. Es freut mich, dass Sie die Möglichkeit ergreifen, um die Fälle „Tanz der Ikonen“ und „Poker mit Hai“ noch einmal vorzustellen.
Merahwi: Es ist schon ein paar Monate her, dass wir uns zuletzt getroffen haben. Doch einer Einladung von Ihnen und zu Ihrem Blog folge ich immer wieder gerne.
Herr Merahwi, um auch denen, die die Bücher noch nicht kennen, einen kleinen Einblick zu gewähren, würden Sie anhand der bisherigen Fälle ihren Tätigkeitsbereich der Firma erklären?
Merahwi: Auf dem Firmenschild und im Branchenbuch lesen Sie "Verhandlungsstrategen". Ich bin Unterhändler und unterstütze Leute, die sich emotional oder rhetorisch nicht in der Lage sehen, schwierige Verhandlungen selbst gewinnbringend zu führen.
Julian: Und die sich deine Honorare leisten können. Den besten Unterhändler Wiens zu engagieren, ist nämlich nicht billig. Aber dass sich jeder Cent lohnt, ist auch klar. Sandro, äh, Herr Merahwi, lässt nämlich nicht locker, bis er gewinnt. Und dafür setzt er auch Methoden ein, bei denen ein normaler Anwalt Herzflattern bekäme.
Merahwi: In "Tanz der Ikonen" hätte ein Anwalt so lange herumlaviert, bis die Karriere unseres Auftraggebers unwiderruflich zerstört gewesen wäre.
Julian: Der hat nämlich für die Russenmafia eine Ikone geschmuggelt, und die ist bei der Übergabe in die falschen Hände geraten. Es hieß also her mit der Ikone oder ade mit den Knochen eines begnadeten Ballettstars. Und in "Poker mit Hai" hast du ein Herz für Kinder bewiesen.
Merahwi: Vor allem wollte ich nicht hinnehmen, dass ihr Vater, ein Mafiaboss, den Kontakt mit ihrer Mutter unterbindet.
Julian, würdest du die Teammitglieder und deren Aufgaben meinen Lesern erklären?
Julian: Dass dir unser Team gefällt, hab ich schon mitbekommen. Wir sind aber auch eine coole Truppe! Dana haben sie ja schon kurz kennengelernt, als sie dich hereingeführt hat. Sie ist Sandros Sekretärin. Die Einzige, die ihn so einigermaßen im Griff hat und nicht nur ihn. Sie ist ein liebenswürdiger Feldwebel, und mit ihr solltest du dich gar nicht erst anlegen. Stella ist die Frau fürs Grobe, sprich für den Außendienst. Was Alarmanlagen ebenso einschließt wie Beschattungen, Einbrüche und noch so manche andere nicht koschere Sachen. Wenn du ihr blöd kommst, liegst du schneller auf dem Kreuz, als du dir vorstellen kannst, und das meine ich nicht bildlich gesprochen. Eine richtig coole Socke ist Jan. Vergiss alles, was du über Computermenschen gehört hast. Jan ist überhaupt nicht nerdig und hackt sich trotzdem in die gefinkeltsten EDV-Systeme ein. Dragan ist offiziell unser Grafiker und Mediendesigner, inoffiziell organisiert er Bild- und Videomaterial, das unseren Gegnern den Schweiß ins Gesicht treibt. Bernd jongliert mit Zahlen. Und mit Offshorekonten und Briefkastenfirmen, Sandros eigenen und denen der Gauner, die sich einbilden, unsere Klienten übers Ohr hauen zu können. Phil fehlt noch. Er ist für alles Künstlerische zuständig. Und darin ist er ein wahres Genie.
Mittlerweile kenne ich ja das Team ziemlich gut und immer wieder drängt sich mir der Vergleich mit James Bond auf. Wie weit würden Sie, Herr Merahwi oder auch du Julian, in einem Fall gehen, um etwas oder jemanden zu retten?
Merahwi: Das hängt von den Umständen ab, vom Auftrag und den Beteiligten. Von Gewalt halte ich nichts. Jemandem, der taktisch denken und kaltblütig verhandeln kann, stehen andere Möglichkeiten offen.
Julian: Kannst du das bitte auch unseren Gegnern sagen? Mir gefällt gar nicht, dass du zu manchen Besprechungen eine Pistole mitnehmen musst. Und was du in "Tanz der Ikonen" abgezogen hast, während ich mich schon die Donau hinabschwimmen sah, werde ich dir nie vergessen. Aber mit James Bond liegst du absolut richtig, Claudia. Sandro ist Bond und ich bin Miss Moneypenny.
Wie geht das Team damit um, wenn der Auftraggeber oder auch ein Teammitglied aus der ihm zugedachten Rolle ausbricht?
Merahwi: Natürlich erschwert das einen Auftrag, ist aber emotional oft verständlich. Die Stärke unseres Teams ist neben seiner hohen Spezialisierung seine Flexibilität. Wir springen für einander ein, richten uns in jeder Situation neu aus und jeder erhält genau die Aufgabe, für die er bestens geeignet ist.
Julian: Bis auf mich in "Poker mit Hai". Ich war hoffnungslos überfordert.
Merahwi: Und hast deine Sache trotzdem sehr gut gemacht. Obwohl ich dich höchst ungern in diese Teile unseres Geschäfts hineinziehe. Ich möchte, dass Julian eine weiße Weste behält.
Mit welchen Zitaten würden Sie die Bücher am treffendsten vorstellen, Herr Merahwi? Oder Julian, gibt es ein Lieblingszitat, das du uns gerne vorstellen würdest?
Merahwi: "Beim Poker gewinnt nicht der mit dem besseren Blatt, sondern der mit den besseren Nerven."
Julian: Oh Mann, wie soll ich mich denn da entscheiden? Das hier ist eines meiner Lieblingszitate: "Ab ins Haifischbecken. Wie hoch war die Überlebenschance einer kleinen Sardine?" Die Sardine bin übrigens ich, der Hai ist Sandro. Gut ist auch das von Dana: "Und genau so läuft es, Julian, es ist tabu. Können Sie sich das merken, oder muss ich Ihnen ein Memo schreiben?"
Wie wichtig erscheint die sexuelle Orientierung oder auch die Kunst in den Fällen zu sein. Ist es für Sie persönlich wichtig, diese Themen aufzunehmen und wenn ja, warum?
Julian: Also das mit der Homosexualität ist mir schon wichtig. Wir leben in Wien, im 21. Jahrhundert. Da muss man das wirklich nicht mehr verstecken.
Merahwi: Ich sehe das anders. Die sexuelle Orientierung ist Privatsache und geht niemanden etwas an. Kunst ist ebenso eine persönliche Angelegenheit, nur dass man mit ihr selten andere vor den Kopf stößt. Ich kann mir ein Leben ohne Kunst nicht vorstellen.
Julian: Und ich mir kein Leben ohne Männer.
Gibt es noch Szenen, die das Wesen der Bücher perfekt umschreiben?
Julian: Wie viel Zeit hast du?
Merahwi: Es wird nicht nur um die Zeit gehen, sondern auch um den Platz auf Claudias Seite. Ich finde die Verhandlungen unter Druck sehr aussagekräftig. Wenn die Gangster alle Trümpfe in der Hand haben.
Julian: Klar, weil du in denen deinen Mythos aufbauen und gleichzeitig deine Fassade aufrecht halten kannst. Du bist beim Verhandeln cool und brillant, aber noch besser gefallen mir die Coups, die du durchziehst. Wenn du es mit der Legalität nicht so genau nimmst und die Mistkerle austrickst. Und die Teammeetings, die liebe ich.
Merahwi: Gar nicht die Liebesszenen? Jetzt verblüffst du mich.
Julian: Hey, du hast gerade gesagt, dass die Liebesszenen Privatsache sind. Ich bin ja schon froh, dass die Leser bei den schönsten Momenten dabei sein dürfen. Und damit meine ich jetzt nicht nur Sex, obwohl ich in dieser Beziehung durchaus auf meine Kosten …
Merahwi: Ich denke, Claudia hat genug Material für ihr Interview ;-)
Danke für das sehr interessante Gespräch und ich hoffe, dass man sich sehr bald wiedersieht.

[Autoreninterview] B.D.Winter

 Autoreninterview

B.D.Winter


Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
B.D. Winter ist mein Pseudonym für Geschichten mit schwulen Protagonisten. Ich veröffentliche auch unter meinem Klarnamen Barbara Drucker und mit beiden Autorenmarken habe ich mich auf Spannungsliteratur spezialisiert. Ich schreibe Geschichten mit charismatischen Helden, Liebe zwischen starken Charakteren, Geheimnisse und Gefahr. Als Wienerin bringe ich in einige Romane die Atmosphäre und den Charme meiner Stadt ein, so auch in die "Shark Temptations"-Reihe.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Das war in meinem Fall ein sehr langer Weg, obwohl sich die Kreativität früh und immer wieder meldete. In meiner Kindheit, als ich Bücher weiterspann oder auf Jungscharlagern Theaterstücke entwarf. Meine Versuche als Jugendliche zähle ich nicht mit, richtig gepackt hat es mich erst mit knapp 30. Ich schrieb einen Wirtschaftsthriller, der allerdings unveröffentlicht in meiner Schublade liegt und auf eine sorgfältige Überarbeitung wartet. Dann schob ich ein Literaturwissenschaftsstudium nach und publizierte wissenschaftlich. Über eine dieser Publikationen wurde ein Fanfiction-Verlag auf mich aufmerksam und lud mich ein, eine Geschichte für eine Karl-May-Anthologie zu schreiben. Innerhalb einer Viertelstunde sagte ich zu und ab da war ich angefixt. Ich machte noch die Ausbildung zur Schreibpädagogin und lernte so das Handwerk des belletristischen Schreibens von der Pike auf.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
Als Barbara Drucker schreibe ich historische Geheimbundromane im Mantel-und-Degenstil. Bereits erschienen sind "Das Gift der Schlange" und "Der Schwur der Schlange", in denen sich ein aristokratischer Spion zwischen Hofintrigen und einem mächtigen Geheimbund behaupten muss. Als B.D. Winter veröffentlichte ich bislang "Tanz der Ikonen" und "Poker mit Hai" aus der Reihe "Shark Temptations". Die Reihe ist Romantic Suspense und verbindet eine Liebesbeziehung mit raffinierten Coups. Außerdem bin ich in fünf Anthologien mit Kurzerzählungen vertreten.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Ja, ich schreibe an einer Urban Fantasy über einen unkonventionellen Schutzengel. Er hat mit seinem von Arbeitsüberlastung und Burnout bedrohten Schützling ebenso Probleme wie mit traditionellen Kollegen und muss sich extrem anstrengen, um seinen Schützling zu retten. Dabei greift er zu mehr als fragwürdigen Methoden.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Ich gehe sehr gerne ins Kino oder schaue mir Qualitätsserien an. "Suits", "Lucifer", "White Collar", "Die Borgias", um nur einige zu nennen, die mich auch beim Schreiben inspirieren. Außerdem lese ich sehr gerne und ich mache Ikebana, das ist die japanische Kunst des Blumenarrangierens. Früher tanzte ich auch Turnier und ich focht historisch, doch beides schaffe ich körperlich nicht mehr.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Mein absoluter Lieblingsdichter und mein Vorbild ist Friedrich Schiller, aber ich lese nicht nur Klassik ;-) Ich mag Wirtschafts- und Anwaltsthriller und Romane mit raffinierten Coups. Ich greife sehr gerne zu John Grisham und Dan Brown, Elizabeth George mag ich wegen der großartigen Milieustudien und Figuren.
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Im Grunde genommen kann ich überall schreiben, wo ich einen Tisch zur Verfügung habe, am liebsten schreibe ich aber bei mir zu Hause. Mein Schreibtisch steht im Wohnzimmer und ich blicke dabei in den Raum hinein, auf eine Reproduktion eines Selbstportraits von Andy Warhol, meinem Lieblingsmaler. Ich halte sehr viel von Ordnung, weil da der Geist am besten fließen kann. Mein Schreibtisch ist immer aufgeräumt, Chaos macht mich wahnsinnig. Auf ihm stehen eine Schillerbüste, Blumen, eine Kerze, eine Duftlampe, etwas zum Trinken, der Stiftköcher und das Telefon. Und ein Bild meiner Tochter.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Ich schreibe die Morgenseiten, mache ein paar Kreativitätsübungen oder Aufgaben zur Persönlichkeitsentwicklung und eine Office-Stunde mit Facebook und Bürokram. Dann schreibe ich in zwei bis drei längeren Blöcken. Dazwischen lese ich ein wenig oder sehe mir eine Folge einer Serie an und gegebenenfalls coache oder lektoriere ich. Und einmal pro Woche mindestens unternehme ich etwas, um mir Inspirationen von außen zu holen. Dabei ist mir der Erlebnischarakter wichtig. Ich erforsche Wien wie ein Tourist oder gehe ins Kino, manchmal auch in Museen. Je mehr Abenteuer desto schöner sind diese Touren J
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Oh, da hatte ich vorgegriffen. Ich liebe Anwalts- und Wirtschaftsthriller, Geheimbundromane und Politthriller. Verschwörungen, Spione, raffinierte Coups. Durchaus auch historische Romane und Liebesromane, die müssen aber wirklich gut geschrieben sein und ein interessantes Thema haben, keine Kitschromane und Romanzen. Ich will von einem Buch gefesselt werden und atemlos lesen. Fürs Schreiben gilt das Gleiche, wobei ich mich noch nicht über einen Anwalts- oder Hochfinanzthriller traute.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
Mein Lebensmotto ist "I do it my way", mein Lieblingszitat stammt von Schiller und lautet "Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt." Bei meinen Büchern ist es schon schwieriger, weil die Zitate jeweils auf die Geschichte und die Figuren zugeschnitten sind. Allgemein könnte vielleicht dieses aus "Der Schwur der Schlange" zutreffen: "Selbstvorwürfe sind keine Stärke. Stärke ist, mit den Konsequenzen seiner Taten zu leben und seine Pläne neu auszurichten."
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Italien. Es verbindet den Süden, das Meer, Kunst und Kultur und sehr gutes Essen. Ich finde den italienischen Lifestyle schön, die hohe Bedeutung der Bella figura und der Ästhetik. Die Italiener sind Designweltmeister, ihre Mode ist unübertroffen und die Menschen haben einen ganz eigenen Chic. In Italien liegt auch mein Kraftort.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Wenn ich sagte, ich liebe sie, würde ich lügen. Ich habe gelernt, mit ihr umzugehen. Konstruktive Kritik nehme ich mir zu Herzen, oft bringt sie mich ja auch weiter. Reine Geschmacksurteile oder wenn jemand meine Geschichten komplett falsch versteht tun natürlich weh, aber so etwas muss man abhaken, wenn man sich nicht verrückt machen will. Manche Leser erwarten sich, dass ihre eigenen Moralvorstellungen und Lebensentwürfe unreflektiert bestätigt werden, dagegen kannst du als Schriftstellerin nichts ausrichten. Schon gar nicht, wenn du wie ich nicht affirmativ schreibst, sondern Dinge hinterfragst. Eine Sängerin brachte mir etwas ganz Wichtiges bei, nämlich zu unterscheiden, von wem und aus welchen Motiven heraus Kritik kommt. Was ich jedoch nie tue, ist, den Kritiker anzugreifen oder schlechtzureden. Wenn meine Bücher eine bestimmte Reaktion auslösen, dann ist das so, und jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung.
Warum hast du dich entschieden Selfpublisher zu werden und nicht zu einem Verlag zu gehen?
Bei den "Marchese"-Büchern hatte ich schlicht und einfach zu kurzen Atem. Nach 14 Absagen warf ich das Handtuch und erfuhr erst sehr viel später, dass das zu jeder Autorenkarriere dazugehört und eine lächerlich kleine Zahl ist. Wobei ich da von richtigen Verlagen spreche, also von großen Publikumsverlagen. Bevor ich zu einem Miniverlag gehe, der selbst on demand drucken lässt und ausschließlich bei Amazon veröffentlicht, kann ich die Dinge gleich selbst in die Hand nehmen. Für einen Verlag sprechen ein professionelles (!) Lektorat und Korrektorat, ein professionelles (!) Cover und die Verbindungen zu Journalisten und zum stationären Buchhandel. Deshalb interessieren mich auch die Imprints der Verlage nicht. Wenn ich einen beträchtlichen Teil meiner Tantiemen abtrete, will ich auch eine entsprechende Gegenleistung dafür. Mein Ego braucht das Etikett Verlagsautor nicht, ich schließe jedoch nicht aus, bei einem Publikumsverlag zu publizieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Der Vorteil am Selfpublishing ist, dass ich auch kontroversielle Stoffe behandeln kann und selbst entscheide, ob ich den Massengeschmack bediene oder eben nicht. Im Selfpublishing verzichte ich dabei auf Umsatz, bei Verlagen würde es bei manchen Geschichten gar nicht erst zu einer Veröffentlichung kommen, weil der Verlag ein Wirtschaftsunternehmen ist, das verdienen muss. Und ein ganz besonderes, wenngleich kostspieliges Highlight ist im Selfpublishing die Arbeit am Cover und den Werbemitteln, wobei ich hier immer mit Profis zusammenarbeiten werde. Man sieht einfach den Unterschied zwischen einem begabten Laien und einem ausgebildeten Grafiker.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Taucht ein in die Bücher und genießt sie, schlüpft in die Perspektiven der verschiedenen Figuren und seht euch auch einmal andere, überraschende Meinungen an. Lest auch mal zwischen den Zeilen. In erster Linie aber unterhaltet euch, denn dafür habe ich die Bücher geschrieben.

Sonntag, 18. November 2018

[Teammeeting] Poker mit Hai von B.D. Winter

 


Teammeeting

Wie auch letztes Jahr, darf ich bei einem Teammeeting dabei sein. Da ich bereits alle Personen kenne, bin ich nicht mehr so aufgeregt wie das letzte Mal. Julian und Sylvie empfangen mich freundlich. Während Sylvie wieder hinter ihrem Schreibtisch verschwindet, gehe ich mit Julian den Gang zurück zum Konferenzraum. Alexander Merahwi, Jan Kaminski, Dragan Radic, Bernd Novak, Phil Miller und Stella Fuchs sitzen bereits an ihren Plätzen.
Kaum haben sich Julian und ich uns auch in die Reihe eingefügt, beginnt Alexander Merahwi schon den neuen Fall „Poker mit Hai“ zu analysieren und die Aufgaben zu verteilen.
Als jeder seine Aufgabe erhalten hat, bekomme ich die Erlaubnis, meine Fragen zu stellen.

Wie ich mich nun selbst wieder überzeugen konnte, sind sie immer noch ein äußerst gut eingespieltes Team, das einem James Bond Feeling sehr nahe kommt. Was wäre für euch das schlimmste anzunehmende Szenario in das sich dieser Fall entwickeln könnte?
Julian: Noch eine Entführung.

Merahwi: Das ist richtig. Seit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben, sind alle Mitarbeiter angewiesen, ihre Sicherheitsvorkehrungen auf Vordermann zu bringen. Der Schutz der Teammitglieder hat oberste Priorität.

Stella: Obwohl ich mit diesem Scheißkerl zu gerne mal alleine in einem Raum wäre. Dem täte ich so einiges ins Fell gerben.

Jan: Hältst du das für so besonders schlau?

Stella: Hältst du es für schlau, dich in seine Systeme zu hacken? Manche Dinge muss man einfach machen.

Dragan: Bei solchen Aktionen darf man sich nicht erwischen lassen.

Phil: Das sagst ausgerechnet du. Wie hält es denn dein Ego aus, keine große Show daraus zu machen?

Dragan: Du kannst mich mal!

Merahwi: Wir schweifen ab, das war nicht die Frage.


Wie weit würden sie alle bei einem derart taktisch verzwickten Fall gehen?

Stella: Wie ich schon gesagt hab, gebt mir einen geschlossenen Raum, setzt diese Arschgeige hinein und sperrt nach einer Viertelstunde wieder auf.

Julian: Bei dem kann man wirklich vom Pazifisten zum Mörder werden.

Stella: Als ob du jemanden umbringen könntest, Doc.

Jan: Kannst du es denn?

Stella: Ich bin doch nicht blöd und schmeiß für so einen Wichser mein Leben weg! Nein, bei Mord ist Schluss.

Merahwi: Auch bei Körperverletzung, wenn sie nicht in Notwehr geschieht. Wir sind keine Schlägertruppe.

Jan: Stimmt, wir haben das nicht nötig, denn wir haben Köpfchen.

Stella: Aber ausreizen würdest du es trotz deines IQs von 1000, oder, Einstein?

Jan: Selbstverständlich. Wo er unsere Nasen nicht drinhaben will, wird es für uns erst interessant.

Bernd: Exakt. Und Strohfirmen und Unternehmensverschachtelungen aufdröseln ist genau mein Ding.

Stella: Es gibt Orte, wo ich meine Nase wirklich nicht drinhaben will. Im Schlafzimmer dieses …

Merahwi macht eine mäßigende Handbewegung und erspart uns damit den nächsten Kraftausdruck.

Was machen Sie, wenn jemand während des Einsatzes aus seiner zugeteilten Rolle fällt? Sei es aus dem eigenen Team oder auch der Klient?
Stella: Über die Scherben steigen und selbst in die Bresche springen, was sonst?

Jan: Bei uns fällt keiner aus der Rolle. Jeder hat die Aufgaben, die er bewältigen kann.

Phil: Ganz genau. (Er bedenkt Julian mit einem sarkastischen Blick und fängt sich dafür einen harten von Merahwi ein.)

Julian: Ja, stimmt, ich schmeiße eben leicht die Nerven. Deswegen mache ich auch nur die Recherche.

Merahwi: "Nur" wird der Sache nicht gerecht. Ihre Recherche ist ebenso wichtig wie Bernds Hintergrundarbeit zu den Finanzen oder Dragans Fähigkeiten, an Bilder und Videos zu kommen und sie auszuwerten. Jedes Mitglied dieses Teams trägt zum Gelingen bei. Wir sind eben keine Verbrecherorganisation, in der man sich durch die Bereitschaft zu kriminellen Machenschaften Lorbeeren verdient.


Welche Möglichkeiten haben sie, um an Informationen zu kommen und wie weit würden sie gehen?
Jan: Hacken.

Dragan: Kameras anzapfen und Bilder suchen in zig Datenbanken.

Bernd: Firmenbücher und Grundbuchauszüge, Finanztransaktionen, Börsenberichte. Und wenn ich zu den Daten keinen legalen Zugang habe, mache ich es wie Dragan: Wir bitten Jan, sich in die Systeme zu hacken und uns Zugriff zu verschaffen.

Stella: Beobachten, beschatten und belauschen. Mit oder ohne technische Hilfsmittel. Wenn nötig auch einbrechen oder etwas mitgehen lassen.

Julian: Recherchieren. Über Fachliteratur, Zeitungsberichte, Internet. Und dann vergleichen, kombinieren und Schlüsse ziehen.

Phil hebt abwehrend die Hände, als ich ihn ansehe: Ich bin hier nicht gefragt. Ich bin nicht für die Informationsbeschaffung zuständig.

Jan kichert: Eher für die Informationsverbiegung.

Ich will Sie jetzt nicht mehr länger von ihrer Arbeit abhalten und vielleicht sieht man sich ja bald wieder.
Merahwi: Es wäre uns eine Freude. Spätestens bei Ihren Interviews zum dritten Band.

Samstag, 17. November 2018

[Protagonisteninterview Jan] Poker mit Hai von B.D. Winter

 



Protagonisteninterview Jan

Heute ist es soweit, schon oft habe ich von den heiligen Hallen gehört und gelesen, heute darf ich Jan Kaminski in seinem Büro besuchen. Wofür ich aber erst einmal ungefähr fünfzig Göttern opfern und Merahwi beknien musste.

Hallo, es freut mich, dass ich heute meine Fragen dir persönlich stellen darf.
Mich freut das auch. Es wäre ja schon schneller gegangen, wenn du nicht auch das Büro hättest sehen wollen. In das dürfen nämlich Außenstehende nicht.

Es war auch die eine der schwierigsten Aufgaben, die ich zu meistern hatte. :D Was ist deine Hauptaufgabe bei „Merahwi & Martin“?
Ich bin der IT-Administrator, das heißt, ich achte darauf, dass die ganze EDV läuft, die Daten stets gesichert sind und unsere Server nicht ausfallen. Die DSVGO haben sie mir auch umgehängt, was sowieso ein Witz ist. Oder auch wieder nicht, denn wer Hacken kann, weiß auch, wie er ein System schützen muss.

Wer, wenn nicht du, das ist wahr. :) Was ist das Gefährlichste oder Wagemutigste, das du jemals machen musstest?
Gefährlich wird es ab dem Moment, wo es heißt, das ist ein Fall fürs Team. Aber mal ehrlich, gerade diese Fälle machen auch am meisten Spaß. Je besser ein fremdes System abgesichert ist, desto lustiger ist es, es zu knacken. Gefährlich oder wagemutig? Hm. Mich bei den Russen einzuhacken kann mir eine Kugel in den Kopf bescheren, und wenn die Polizei mitbekommt, was ich bei ihr alles lese, sitze ich im Häfen. Wienerisch für Knast, falls du deutsche Leser hast. Einmal hab ich mich zu Übungszwecken bei der NSA eingehackt, da war Feuer am Dach. Aber das haben wir dir eh schon letztes Jahr im Teammeeting erzählt.

Stimmt, da war ich letztes Jahr schon erstaunt, wie weit deine Kenntnisse oder besser gesagt Wagemut gehen. Was mich allerdings noch interessieren würde ist: Hast du Informatik studiert oder ist es einfach auch viel „learning by doing“?
Das Informatikstudium ist die Basis, ich habe an der TU studiert [Anm. BD: Technische Universität] und bin Diplomingenieur. Aber Hacken lernst du, indem du dich selbst damit beschäftigst. Außerdem sind die technischen Entwicklungen so rasant, dass du dich ständig weiterbilden musst.

Also eine Mischung aus beiden Teilen. Doch wie weit reichen deine Kontakte, wenn es eng wird?
Frag lieber, wie weit die Kontakte des Hais reichen.

Bis wohin würdest du für dein Team gehen?
Ich stehe sowieso schon mit einem Fuß im Häfen. Mord oder Körperverletzung würde ich nicht begehen und meine Familie halte ich auch raus. Aber an sich herrscht bei uns die Devise "Einer für alle, alle für einen". Der Spruch würde Julian gefallen, für ihn sind wir die Musketiere des 21. Jahrhunderts. ;-)

Ja, da hast du vermutlich recht. ;) Danke für das Gespräch.
Gerne doch. Und kein Wort über diesen Raum hier, zu niemandem. By the way, ändere bald mal dein Passwort. Schwach, ganz schwach!

Freitag, 16. November 2018

[Miniszene Dana + Phil] Poker mit Hai von B.D. Winter

 



Miniszene Dana & Phil

Wie bereits schon öfter in dieser Woche bin ich zu Gast bei Merahwi & Martin. Dieses Mal darf ich zu Dana, bei der auch Phil auf mich wartet.

Guten Morgen, Dana. Es freut mich, dass Sie sich heute Zeit nehmen, mich zu empfangen. Oh, Sie haben schon einen Gast? Soll ich später wiederkommen?
Das ist Herr Miller. Als er hörte, dass Sie gleich zu mir kommen, wollte er auch mit Ihnen reden. Er ist unser Experte für alles Künstlerische.

Sehr interessant. Wie kommt es, dass Sie, Phil heute im Büro anzutreffen sind?
Phil: Eine Besprechung mit Alexander. (Er sieht Dana an und runzelt die Stirn.) Sie weiß doch, dass er und ich per Du sind?
Dana: Ja, sie hat ja das Buch gelesen.
Phil: Ich kann mich immer noch nicht an diese steifen Anreden in Europa gewöhnen. Obwohl ich schon so lange hier bin.
(Das liegt sicher auch an seinem Naturell. Ihm sieht man den Künstler an. Im Gegensatz zu Merahwis gestylter Sekretärin wirkt Phil vor allem hip. Halblange Haare, Freundschaftsbänder am rechten Handgelenk und eine weiße Fossiluhr am linken, an seinen Fingern stecken mehrere Ringe im Navajo-Stil mit großen Türkisen. Mit seinem Dackelblick versprüht er den Charme eines Welpen, obwohl er dem Buch nach so um die vierzig sein müsste.)
Phil: Ich arbeite in meinem Atelier und komme nur zu Besprechungen und Teammeetings herein. Und wenn der Doc einen Mucks macht, springt Alexander sofort und das ganze Team muss hab Acht stehen.
Dana: Phil! Das geht niemanden etwas an!

Immer ruhig. Ich werde schon keine geheimen Sachen nach draußen tragen. Warum habe ich im Moment das Gefühl, als könnte dieses Büro jeden Augenblick vor Spannung explodieren?
Dana: Gelogen ist es außerdem.
Phil: Hat Julian Sie auch schon eingekocht? Spinnen jetzt alle?
Dana: Er hat mich nicht eingekocht, sondern er ist ein patenter Kerl. Und das wissen Sie auch.
Phil: Er macht sich an Alexander ran. Bin ich der Einzige, der sieht, dass er nur auf sein Geld aus ist?
Dana: Der Einzige, der sich so einen Schwachsinn einbildet. Wenn Sie genau hinsehen würden, würden Sie merken, dass es ihm ernst ist und er sich alle Mühe gibt.
Phil: Natürlich gibt er sich alle Mühe, der Preis ist ja auch verlockend genug. (Er wendet sich zu mir:) Mit seinem Charme wickelt er jeden hier um den Finger, sogar Stella frisst ihm schon aus der Hand, und das will etwas heißen. Aber ich durchschaue ihn.
(Ich ziehe skeptisch meine Stirn in Falten, Julian kommt mir alles andere als berechnend vor.)
Phil: Was, Sie auch? Ihr werdet alle noch ordentlich auf die Nase fallen, aber sagt dann nicht, dass ich euch nicht gewarnt habe! Dana, sagen Sie Alexander, dass ich zur Teambesprechung wieder hier bin, ich muss raus aus diesem Irrenhaus.

(Er reißt die Tür auf und stürmt aus Danas Büro.)

Was für ein filmreifer Abgang. Können oder möchten Sie darüber noch ein Wort verlieren?
Dana (steht auf und macht nachdrücklich die Tür zu): Er ist eine Diva, wie alle im Team. Aus irgendeinem Grund hat er sich auf Julian eingeschossen, er ist gegen die Beziehung zwischen ihm und Herrn Merahwi. Als ob Julian ihre Beziehung jemals ausnützen würde oder Herr Merahwi das zuließe. Vergessen Sie, was Phil über Julian gesagt hat. Er und Herr Merahwi sind seit zwanzig Jahren befreundet, und deshalb glaubt er, sich in Sachen einmischen zu dürfen, die ihn absolut nichts angehen.

Schauen Sie mich nicht so an, ich habe schon Ihrer Kollegin gesagt, dass ich Herrn Merahwis Geheimnisse nicht ausplaudern werde. Wenn Sie es unbedingt wissen wollen, fragen Sie ihn selbst. Rufen Sie mich an, und wenn er einverstanden ist, gebe ich Ihnen einen Termin.


Danke für das Gespräch. Wir werden uns sicher nochmal wiedersehen.
Das hoffe ich, denn zum Reden sind wir ja nicht wirklich gekommen. Vielleicht beim nächsten Buch.

Mittwoch, 14. November 2018

[Miniszene Julian und Sven] Poker mit Hai von B.D.Winter

 

Miniszene Julian + Sven 

Heute bin ich Beachvolleyball schauen im Gänsehäufel. Sofort fallen mir Julian und sein Freund auf. Als Julian mit seinem Spiel zu Ende ist, kommen beide auf mich zu.
Hi. Du bist doch Julian Melnik, oder?
Julian: In voller Lebensgröße. Woran hast du mich erkannt? Warte, sag's nicht! Vom Buchcover, oder? Sven kennst du? Er kommt auch vor. Während des ersten Bandes war er ja in Stockholm, aber jetzt ist er wieder zurück.

Darf ich dir oder euch vielleicht ein paar Fragen stellen?
Julian: Klar doch, immer. Schieß los, aber lass mich erst etwas trinken. (Er fischt eine Wasserflasche aus seiner Sporttasche. Sven trinkt Cola, aber der ist auch nicht so schlank und gut gebaut wie Julian, was im Freibad natürlich auffällt.) Gehen wir in den Schatten. Oder willst du hinüber zum Wellenbad? Dort ist es zwar ziemlich laut, aber ich überlasse es dir.
Sven: Ist das so gescheit, wenn ich dabei bin?
Julian: Warum soll es denn nicht gescheit sein?
Sven: Dein Lover wird nicht gerade begeistert sein. Julian: Sandro lässt sich das Interview sowieso vorlegen, bevor es gedruckt werden darf. Darauf kannst du Gift nehmen. Sven: So etwas nennt man Zensur.
Julian (verdreht die Augen): So etwas nennt man Geschäftspolitik.

Woher kennt ihr euch?
Sven: Von der Uni. Das ist doch hoffentlich unverfänglich genug?
Julian: Ja, ist es.
Sven: Wir haben beide Germanistik studiert, Julian hat schon an der Diss gearbeitet, ich war nicht so schnell und hing im letzten Semester.
Julian: Du hattest immerhin das Fremdsprachenproblem.
Sven: Nicht nur. Du bist einfach der bessere Student. Warum du nicht an der Uni geblieben bist, ist mir bis heute schleierhaft.
Julian: Weil mich die Methoden, die heute modern sind, nicht die Bohne interessieren. Das hab ich dir schon hundertmal gesagt.
Sven: Jedenfalls stand ich am Kopierer, musste noch fünf Kopien machen und da ist die dämliche Kopierkarte auf einmal leer. Ich wollte vor, sie aufladen, aber Julian hat mir seine gegeben.
Julian: So hat es begonnen. Und dann haben wir uns immer in der Bibliothek getroffen und sind nachher noch ins Kaffeehaus gegangen.

Wart ihr schon mal ein Paar?
Sven seufzt
Julian: Das ist sein wunder Punkt, aber ehrlich, Sven ist ein super Kumpel, aber als Paar würden wir nie funktionieren.
Sven: Das sagst du.
Julian: Du findest bestimmt auch einen großartigen Lover. Einen, der zu dir passt.
Sven: Erst hatte Julian Walter und jetzt ist er wieder vergeben. Aber tolle Kerle bleiben eben nie lange allein.
Julian: Hast du eine Ahnung. Sandro blieb siebzehn Jahre allein.
Sven: Können wir ihn vielleicht mal für ein paar Stunden ausklammern?
Habt ihr spezielle Wünsche oder Träume?
Sven: Dass Julian aufwacht und seinen reichen Chef in die Wüste schickt.
Julian: Vergiss es. Ich bin doch nicht bescheuert.
Sven: Ich will das Studium abschließen und dann unterrichten. Ich studiere auf Lehramt, mit Geografie als Zweitfach.
Julian: Und ich will Verhandeln lernen. Recherchieren ist toll, aber wenn ich schon an der Quelle sitze, will ich beim Meister in die Lehre gehen. Ich hab mir ja auch schon überlegt, in die Politik zu gehen, aber seit sich die Grünen bei den letzten Wahlen selbst zerlegt haben, bin ich etwas orientierungslos. Aber pst, streich das raus, bevor du es Sandro zeigst. Der kriegt sonst nämlich die Krise.

Was würdet ihr gerne aus eurer Timeline streichen?
Julian: Aus der auf Facebook? Bei mir gibt es da nicht mehr viel zu streichen, das hat Jan schon besorgt. Auf Sandros Anweisung. Laut Facebook bin ich ein unschuldiger Spießer.
Sven: Wieder so ein Übergriff. Ich würde gerne den Tag streichen, an dem Julian sich bei Merahwi & Martin beworben hat.

Gibt es etwas, was euch am anderen stört?
Sven: Sein Männergeschmack. Julian: Vielen Dank aber auch. Seine Ressentiments Sandro gegenüber.

Danke für das Gespräch ihr zwei, vielleicht sieht man sich bald wieder
Julian: Ciao, Süße! War mir ein Volksfest :-)

[Protagonisteninterview Stella] Poker mit Hai von B.D.Winter

 

Protagonisteninterview Stella

Im Büro wurde mir mitgeteilt, dass Stella gerade im Außeneinsatz ist, ich aber mit ihr sprechen könnte, wenn ich sie finde und nicht im Einsatz störe.

Hallo, darf ich mich zu Ihnen setzen, während Sie sich stretchen?


Der Zeitpunkt ist ja typisch, wie die Jungs. Nur ja nicht selbst zu viel bewegen. Du hättest vorher mit mir laufen können. Und übrigens, sagen wir du, dieses Gesieze ist etwas für die Bürotruppe.

Schöner Tag heute und ein wundervoller Tag um sich sportlich zu betätigen.

Du bist beim Smalltalk genauso geschickt wie ich. Wenn uns nichts Gescheiteres einfällt, quatschen wir halt übers Wetter. Aber was hat das Wetter mit Sport zu tun? Man kann sich doch nicht nur bei Sonnenschein fit halten.

Wie kamst du denn zu deinem Job bei „Merahwi & Martin“?

Ja, das wüsstest du gerne, was? Ich hab erst bei einer Firma für Alarmanlagen und später bei einer für Geldtransporte gearbeitet, bei der trug ich eine Waffe. Und wenn du einen Waffenschein hast, musst du auch regelmäßig schießen gehen, und so hab ich den Chef kennengelernt. Er war der Einzige, der mich auf dem Schießstand nicht blöd angemacht hat. Einer der Idioten dort hat mich angegrapscht, und der Chef wollte mir helfen. Als ob ich einen Mann dafür bräuchte. Bis er die fünf Schritte bei mir war, lag das Arschloch schon mit ausgekugeltem Schultergelenk auf dem Boden. Und dann kamen wir ins Gespräch.

Gibt es jemanden, den du im Team gar nicht magst oder Situationen, wo du dir wünschst, dass gerade derjenige nichts mit dem Fall zu tun hätte?

Bei den Jungs muss man sich behaupten, Kerle glauben doch immer, dass sie die Weisheit mit dem Löffel gefressen haben und Frauen nichts auf die Reihe kriegen. Aber im Grunde genommen sind sie alle in Ordnung. Dragan und Bernd ziehen sowieso ihr eigenes Ding durch, Phil mit seiner Kleckserei hat mit mir kaum was zu tun, und Einstein, also Jan, ist ganz witzig. Der hat auch Mumm in den Knochen, im Gegensatz zum Doc. Scheiße, ist der ein Weichei! Der fürchtet sich vor seinem eigenen Schatten! Und einfach zu gut für diese Welt, wie ein Baby. Zu jedem freundlich, ich hab erst mal echt geglaubt, dass er mich anbaggert. Dabei ist er schwul bis über beide Ohren. Und in den Chef verschossen, richtig süß. Bei dem entwickle sogar ich noch Mutterinstinkte.

Gibt es Fälle oder Arbeiten, die du ablehnen würdest?

In ein Kleid kriegt mich der Hai nie, und Highheels kann er auch vergessen.


Ich will dich auch gar nicht länger aufhalten. Danke für das Gespräch.

Hast du Angst, dass du doch noch laufen musst? Man sieht sich!