Donnerstag, 1. Oktober 2026

[Schnipseltime] Elemental Souls - Fire von Ava Cooper


 

»Also …«, beginnt sie gedehnt, »… wer schläft wo?«

Fragend schaut sie mich an und ich reiße den Blick von ihrem Ausschnitt los. Hoffentlich hat sie mein Gaffen nicht bemerkt. »Das Bett ist groß genug für zwei.«

Ihre Augen weiten sich. »Du meinst, wir sollen beide darin schlafen? Nebeneinander?«

»Das wäre am einfachsten. Es sei denn, du willst unter mir liegen. Oder auf mir.« Spöttisch lächle ich sie an.

»Haha, sehr lustig.« Sie verdreht die Augen. Noch einmal schaut sie sich im Zimmer um. »Gibt es kein Sofa, auf das ich mich vielleicht legen könnte?«

»Nein. Nur den harten Boden. Und auf dem habe ich nicht vor, die Nacht zu verbringen. Die Reise wird anstrengend genug, daher brauche ich echte Erholung.«

Sie beißt sich auf die Unterlippe. »Ich weiß nicht …«

Ich mache einen Schritt auf sie zu, lege meine Hände auf ihre Schultern und sehe sie an. »Wovor hast du Angst? Dass ich mich an dir vergehe? Glaube mir, nichts liegt mir ferner. Ich bin dein Wächter, dein Beschützer und dein Lehrer. Du bist vor mir also völlig sicher.«

Ein seltsamer Ausdruck huscht über ihr Gesicht, als fühle sie sich gekränkt. Weswegen? Weil ich ihr verspreche, mich zusammenzureißen? Doch dann nickt sie. »Okay. Der Boden sieht nicht gerade besonders einladend aus.«

»Gut, also wäre das ja geklärt.« Ich gehe in das Bad, ziehe mein zerknittertes Hemd aus und lasse Flüssigfeuer in eine Schüssel laufen. Wenn es nicht so spät wäre, würde ich am liebsten auch noch ein Bad nehmen. Es wird die letzte Möglichkeit für eine Weile sein. Aber diesen Luxus habe ich Tilaya gegönnt. Nun ist es zu spät dafür, die nächsten Tage werden all unsere Kräfte erfordern. Es wird schon so gehen. Ich stelle die Schüssel in die dafür vorgesehene Halterung vor einem Spiegel und tauche einen Waschlappen hinein. Mit einem leisen Seufzer der Erleichterung drücke ich ihn gegen mein Gesicht. Die Flüssigkeit wischt Dreck und Schweiß weg und entspannt gleichzeitig durch seine angenehme Wärme.

Für einen Moment schließe ich die Augen, presse den weichen Stoff noch enger gegen meine Haut. Dann nehme ich den Lappen weg, lasse ihn sich wieder mit dem reinigenden Nass vollsaugen, um mit dem Oberkörper und den Armen weiterzumachen. Das Glutwasser färbt sich allmählich dunkler. Kein Wunder, das ist der Staub der Reise.

Ich schütte die alte Flüssigkeit aus und fülle neue hinein, lasse erneut den warmen Lappen über meinen Körper gleiten. Nun fehlt bloß der Rücken. An den ich allerdings schlecht herankomme. Ich versuche es trotzdem. Doch egal, wie ich mich verrenke, es klappt nicht. Und einen Diener habe ich hier natürlich nicht. Bleibt nur eine Möglichkeit, wenn ich nicht stinken will wie ein Otter.

»Tilaya, könntest du mir bitte helfen?«

»Beim … Baden?« Ich höre ihr Entsetzen.

»Nein, beim Waschen. Ich komme nicht an meinen Rücken. Es wäre nett, wenn du das übernehmen könntest. Und keine Sorge, ich bin nicht nackt.«

Ein kurzes Zögern. Dann höre ich leise Schritte. Im Spiegel sehe ich, wie sie ins Bad kommt. Ihr Blick fällt auf meinen Rücken, der ebenso von Brandnarben gezeichnet ist wie der Rest des Körpers. Kein schöner Anblick, das weiß ich selbst nur zu gut. Zu viele Frauen sind schon zusammengezuckt, nachdem ich mich ausgezogen habe. Doch ihr Gesichtsausdruck verändert sich kaum. Sie wirkt nachdenklich. Aber weder angeekelt noch abgestoßen.

Schweigend reiche ich ihr den Waschlappen, der mit dem Flüssigfeuer vollgesogen ist. Unsere Finger berühren sich und es durchläuft mich wie ein Schock. Mein Herzschlag setzt einen Moment aus, rast danach wie ein Funkenläufer im Endspurt. Warum reagiere ich bloß so auf sie?

Es darf nicht sein. Ich muss ihr beibringen, sich zu fokussieren. Ihre Kraft und sich selbst zu kontrollieren. Gefühle sind dabei alles andere als förderlich, das weiß ich aus Erfahrung. Aber obwohl ich all das weiß, ändert es nichts daran, dass ich in Flammen stehe, wenn sie mich so berührt. Ihre Haut auf meiner fühlt sich an wie etwas Vertrautes. Als hätte mein innerer Funke auf sie gewartet. Als wäre ihre Berührung keine Schwäche, sondern der Teil von mir, den ich zu lange verdrängt habe.

Sie drückt den Lappen gegen meinen Rücken und es kommt mir fast so vor, als spüre ich ihre schlanken Finger auf meiner Haut. Die Wärme sickert tiefer, als sie sollte. Tilaya fährt sacht mit dem feuchten Stoff über meine verspannten Schultern. Mein ganzer Körper gerät in Vibrationen. Ich kralle meine Finger um das eiserne Gestell, in dem die Schale steckt. Aber die Kälte des Metalls reicht nicht, um das Feuer in mir zu löschen.

Plötzlich fühle ich ihre andere Hand auf meiner Haut. Sie streicht mit der Kuppe des Daumens sanft über das vernarbte Schulterblatt. »Woher hast du diese Wunden? Hattest du einen Unfall?«

Ich sauge scharf die Luft ein. Diese Berührung. Diese warme Anteilnahme. Das ist zu viel für mich. Ich umklammere das Gestell so fest, bis das Weiß meiner Fingerknöchel hervortritt. Ich senke den Kopf, konzentriere mich auf mich selbst. Beiße die Zähne zusammen. »Nein«, stoße ich gepresst hervor. »Es ist eine Art … Krankheit. Es liegt an dem Feuer, das durch meinen Körper fließt.« Das kommt meiner Bürde nahe genug. Mehr darf sie nicht wissen.

»Tut es weh?«

Erstaunt hebe ich den Kopf und unsere Blicke treffen sich im Spiegel. Das ist also die Anteilnahme? Nicht wegen der Absonderlichkeit, sondern weil sie denkt, ich habe Schmerzen? Gegen meinen Willen lächle ich sie an. »Nein, das tut es nicht. Zumindest meistens nicht. Es ist nur da.«

Sie nimmt den Lappen weg und streicht mit der flachen Hand meinen Rücken entlang. Ihre Fingerspitzen gleiten über narbige ebenso wie über unversehrte Haut, sie unterscheiden nicht dazwischen. Tilayas Hand löst sich von meinem Rücken und ich hätte fast geseufzt. Erneut taucht sie den Waschlappen in die Flüssigkeit, geht damit ebenso sanft über meinen Körper wie zuvor mit ihren Fingern.

»Irgendwie passt diese Eigenheit zu dir. Sie macht dich zu etwas Besonderem. Einem kleinen Kunstwerk. Geschaffen von dem Element dieser Welt.« Ihre Stimme klingt weich, während sie mit dem feuchten Tuch über meine Haut streicht.

Ich erstarre beinahe bei diesen Worten. Dieses tiefe Verständnis für das Wesen des Feuers haut mich genauso um wie die Bedeutung, die sie meinen Narben fast beiläufig verleiht. Ein Kunstwerk bin ich für sie. Nicht entstellt. Nicht beschädigt. Sondern erschaffen. Gezeichnet von der Glut, die ich manchmal verflucht habe.

Wie wenig ich mich selbst so sehe. Wenn sie nur wüsste, welche Wahrheit ich verberge!

 

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