Dienstag, 24. März 2026

[Schnipseltime] Sweet Demons - Das Flüstern der Magie von Michael Hamannt


 

Wir hatten Juni und über zwanzig Grad, doch auf dem Wasser fühlte es sich kälter an. Der Wind zerrte an meinem Haar, biss in meine Wangen. Der alte Fischerkahn hüpfte über die Wellen, und meine Finger klammerten sich an die Reling. Mir war übel. Der Gedanke an das Treffen mit dem Leiter der Forschungsstation machte es nicht besser.

Es hätte schlimmer sein können, und vor Kurzem war es das auch noch. Doch das Leben ging weiter. Die Welt drehte sich weiter. So war es, so würde es bleiben. Bis es eines Tages nicht mehr so wäre. Aber bis dahin, sagten die Wissenschaftler, vergingen noch ein paar Milliarden Jahre.

Ich seufzte.

Schritte näherten sich, und ein Mann stellte sich neben mich. Sein Blick hing an der Nebelbank vor uns. Er war alt. Graues Haar flatterte um sein Gesicht, und die Falten um seine Augen wirkten tiefer als der Marianengraben. Salzkristalle funkelten darin. Vielleicht bildete ich mir das auch nur ein. Aber an einem Ort wie diesem wusste man das nie so genau. Hier, tief im Süden Englands, war die Magie der Fae noch immer stark.

»Sollten Sie nicht am Steuer sein, Kapitän?«

»Autopilot«, erwiderte er knapp.

Schon als ich ihn anheuerte, war er mir nicht wie der gesellige Typ vorgekommen. Egal. Ich blickte wieder zum Nebel.

»Sind Sie sicher, dass Sie zur Isle of Veil wollen?«, fragte er.

Ja, war ich.

»Die Leute dort sind ein eigener Schlag«, sagte er leise. »Und dann die Dämonen. Kein guter Ort für eine junge Frau wie Sie, Ms ...«

»Nennen Sie mich Ivy.«

Sein Nicken wirkte zögerlich, beinahe widerwillig.

»Sie mögen keine Dämonen?«, fragte ich.

»Ich traue ihnen nicht, wenn sie ungebunden sind.«

Das sollte man nie. »Es ist eine Aufzuchtstation, Kapitän. Die Exemplare dort sind alle noch sehr jung. Harmlos.« Zumindest redete ich mir das ein.

»Wenn Sie es sagen, Ms …«

»Ivy.«

Stille senkte sich zwischen uns. Unter uns glitt ein Schwarm leuchtender Wesen vorüber. Für einen Moment wirkte ihr Anblick beinahe tröstlich. Ich beugte mich vor, um besser sehen zu können. Da löste sich ein gewaltiger Schatten aus der Tiefe, verschluckte das Licht und schoss unter dem Boot hervor. Das Wasser wirkte plötzlich dunkler, schwerer. Mein Herz setzte einen Schlag aus.

»Alles gut.« Der Kapitän legte eine Hand auf meinen Unterarm. Die Berührung seiner rauen, schwieligen Finger fühlte sich seltsam beruhigend an. »Das ist nur sie

Ein weißer Buckel durchbrach die Wasseroberfläche. Größer als ein Wal, viel größer. Fasziniert starrte ich auf die Schuppen, die im Sonnenlicht wie Perlmutt funkelten. Dann glitt das Wesen wieder in die Tiefe. Kurz bevor es verschwand, peitschte sein Schwanz das Meer auf. Gischt spritzte, das Boot geriet ins Schlingern. Doch der Anblick war zu schön, um ihn mir von meinem rebellischen Magen verderben zu lassen.

»Sie mag Sie.« Der Kapitän lächelte zum ersten Mal, seit wir uns begegnet waren. »Die Herrin der Isle of Veil hat Sie persönlich willkommen geheißen. Ich denke, Sie werden sich auf der Insel zurechtfinden, Ivy.« Er wandte sich ab und ging mit dem schwankenden Schritt eines Mannes davon, der mehr Zeit auf dem Wasser verbracht hatte als an Land.

Wir tauchten in den Nebel ein, und seine feuchte Kühle legte sich auf mein Gesicht. Um mich herum nichts als stilles, friedliches Weiß. Kein Wind. Keine Wellen. Selbst der salzige Atem der See wirkte gedämpft. Der Nebel hatte immer wie ein schützender Ring um die Insel gelegen. Man erzählte sich, sie habe ihn erschaffen: Die Herrin der Insel, eine der letzten Fae, die nicht mit ihrem Volk weitergezogen war.

Dann, von einem Augenblick auf den anderen, lichtete sich der Dunst. Sonnenlicht blendete mich. Vor mir lag ein grünes Eiland. Auf den ersten Blick wirkte es wie ein unberührtes Paradies. Doch eine Straße durchschnitt das Grün, und über den Bäumen im Osten stieg Rauch auf.

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