▼

Dienstag, 4. August 2026

[Schnipseltime] Besuch von Felinea Prime von Luzi Morgenstern


 

Schnipsel aus „Besuch von Felinea Prime“

»Die höchstentwickelte, dominante Art nennt sich Mensch. Sie vernichtet aber viele der anderen Lebewesen und ihrer Lebensräume. Wenn sie mit der Zerstörung in diesem Tempo weitermacht, wird Terra in wenigen Jahren bis Jahrzehnten der ansässigen Zeitrechnung unbewohnbar werden …« 

Das Lächeln fiel aus Clawdens Gesicht wie ein nasser Lappen. 

Mensch. 

Wie das in seinen Ohren schon klang. 

~*~*~*~

Clawden konnte ein abfälliges Grinsen kaum unterdrücken. So ein lächerlicher, unwürdiger Name. Minka. Pff.

»Komm mit, ich zeige dir alles.«

Er führte Minka zuerst zum Ausstatter, der ihr im Handumdrehen mithilfe des Quantenfabrikators passende Kleidung fertigte. Immerhin konnte er seinen Gast doch nicht nackt herumlaufen lassen. Da sie Schwierigkeiten damit hatte, auf ihren Hinterbeinen zu gehen, bekam sie außerdem einen Rollator. Weiter ging es kreuz und quer durch das

Raumschiff, zu den Quartieren der Besatzungsmitglieder, in den Trainingsraum, zum

Speisesaal – er demonstrierte dort sogleich, dass man das Wunschessen einfach per Knopfdruck bestellen konnte, ohne dass ein anderes Lebewesen dafür sterben musste. Wie das zivilisierte Gesellschaften eben so machten. Rein mittels ihrer ausgefeilten Quantentechnologie wurde das gewünschte Produkt erschaffen. Minka kam aus

dem Staunen gar nicht mehr heraus, das konnte er ihr deutlich ansehen. Von welch alltäglichen, belanglosen Dingen sie fasziniert war, war beinahe schon … niedlich.

Clawden schüttelte sich.

Quatsch. Natürlich nicht niedlich, sondern bedauernswert!

~*~*~*~

Auf der Brücke – dies schien etwas ähnliches zu sein wie ein Wohnzimmer, es gab einen riesigen Fernseher – erzählte der Kapitän von seinem Heimatplaneten.

»Unsere Planeten sind einander gar nicht so unähnlich.« Clawden machte mit seiner Pfote eine wischende Bewegung zu einer roten Katze, die daraufhin auf ihrem Tisch herumtapste.

 ~*~*~*~

 »Und wenn ihr wollt, nehmen wir euch Katzen dorthin mit.«

»Was passiert dann mit meinen Menschen? Die beiden können ohne meine Schwester und mich unmöglich auf sich aufpassen.«

»Mach dir keine Sorgen, die Menschen werden wir alle vernichten.«

 ~*~*~*~

 »Wenn du sie kennenlernen würdest, würdest du es verstehen!«, fauchte Minka. 

Da hielt der Kapitän inne und murmelte: »… die Menschen kennenlernen …«

»Weißt du was, ich nehme dich mit! Lerne meine beiden Menschen kennen und du wirst schon sehen!«

 ~*~*~*~

 Clawden schnaubte. Natürlich dachte dieses naive Ding so.

»Außerdem sollte doch jeder das machen können, was einen glücklich macht«, fügte sie hinzu.

Glücklich? Clawden musste sich beherrschen, nicht noch einmal zu schnauben oder seine Augen zu verdrehen. Glück, klar. In einer Gesellschaft, die von Macht und Ansehen getrieben war, hatte glücklich sein keinen Platz.

 ~*~*~*~

 War es Ben oder Noah? Clawden war sich immer noch nicht sicher. Einer hatte etwas längere, wuschelige Haare, der andere einen Kurzhaarschnitt. Aber welcher war wer? Es interessierte Clawden allerdings auch nicht sonderlich, daher gab er sich keine Mühe, sie genauer zu studieren. Er war nur daran interessiert, wie sie Minka und Coco behandelten und da war es einerlei, ob es sich um den einen oder den anderen handelte. Menschen waren doch alle gleich.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Mit dem Abschicken des Kommentars bin ich mit den Datenschutzrichtlinien des Blogs einverstanden.